Kolumne

Short Hair don’t care. Oder wie eine neue Frisur einen neuen Abschnitt einleitet

Veränderungen gibt es immer wieder. Gern werden wir von ihnen überrascht, überrollt oder finden mit viel Glück einen eigenen Zugang, wenn es Zeit wird etwas anzugehen, abzuschließen einfach aufzuhören. Einen Schlussstrich ziehen. Und irgendwie muss man das ja auch zeigen.

Short Hair don’t care. Oder: Wie eine Frisur einen neuen Abschnitt einleitet.

27 Grad, Sommer, ich spüre ihn auf meiner Haut. Es ist warm, aber es geht ein leichter Wind. Ich kann wieder Kleider tragen, erinnere ich mich selbst, als meine Kaffeeklatsch Verabredung eintrifft. Sie sieht anders aus. Ich muss kurz grübeln. Outfit? Neue Tasche, das Lächeln?

Ich bleibe mit meinem Blick an ihrer Frisur hängen. Sie hat die Haare anders, kürzer. Das schreit nach Veränderung!
Noch nie in meinem Leben habe ich mich nach einer Entscheidung dazu entschlossen, etwas an mir zu ändern. An einer Situation ja, aber noch nie an meinem Äußeren. Warum auch, würde sich deswegen etwas an der Situation ändern? Für Außenstehende würde ich ein Zeichen setzen und sie würden anfangen Fragen zu stellen. Tatsächlich ist es wohl doch eher so, dass wir nach einem Schlussstriche oder einem Neubeginn zu äußerlichen Veränderungen neigen. Das ist mir selbst ehrlicherweise noch nie in den Sinn gekommen.

Ich muss sie nach ihrem Grund fragen.

Sie muss lachen. „Ist doch klar. Es musste sich nicht nur meine Einstellung verändern, sondern auch mein Aussehen. Von der Person vor gut einem Jahr möchte ich mich distanzieren. Ich will selbst sehen, dass ich heute weiter, besser und glücklicher bin. Daher musste ich mich trennen, von alten Gedanken und den Haaren. Ist ja nicht so als würden sie nicht wieder nachwachsen.“

Das kann ich nur nickend unterschreiben und wir wechseln das Thema. Stunden später betrachte ich mich im Spiegel und spule unser Gespräch von vorn ab. Rekord & Replay. Dabei fällt mir auf, dass auch ich mich verändert habe, aber nicht nach außen und vor allem nicht für mich selbst. Habe ich ein Problem damit? Ja, denn ich sehe jeden Tag im Spiegel das gleiche Bild, obwohl ich das nicht mehr bin. Ich möchte, dass man mir mein neues Gefühl und den Neuanfang auch ansieht. Ich tippe in die Tasten, mache spontan einen Termin aus.

Das erste Mal in meinem Leben trage ich mein neues Gefühl ganz bewusst nach außen. Waschen, schneiden, fönen. Ich fühle mich jetzt schon anders. Das Spiegelbild: Ungewohnt. Kurz will ich zurück, kurz will ich wieder das alte Bild von mir im Spiegel sehen.

Gewohnheit hat so eine große Macht über uns Menschen. Wir vergessen oft, dass nicht alles, was früher gut war, heute noch als gut für uns durchgehen kann.

So will ich kurz die Vergangenheit wieder aufnehmen und dem alten Ich noch eine Chance geben. Es bekommt für einen kurzen Moment ein Bühne, obwohl ich mich davon mit einem so guten Gefühl getrennt habe. War das alles doch nicht so schlimm, langweilig und eintönig? Doch. Eine Nacht voller Grübelei lässt mich morgens im Spiegel erkennen, wie wichtig eine Entscheidung war.

Top via Asos

Kaffeeklatsch die Zweite! Dieses Mal mustert sie mich und sie weiß was ich getan habe. Wir beide entschieden uns einfach zu dem, was uns gut tut. Für mich ist es der Haarschnitt der mir wie auch Außenstehenden zeigen soll, das bin jetzt ich. Gestern ist unwichtig.

Veränderungen sind wichtig. Sie fühlen sich zu Beginn immer unangenehm an. Sie sind uns fremd und wir wissen nicht, wie wir uns richtig verhalten sollen. Manchmal schleicht sich die Angst ein, dass wir es nicht hätten tun sollen. Vielleicht ein innerer Schutz vor zu viel Wagnis? Wer wachsen will, muss Sprünge wagen. Vielleicht läuten kleine Veränderungen auch die richtig großen und wichtigen im Leben ein.

Wir werden es sehen und wenn nicht ist es ja nicht so, als würden sie nie wieder nachwachsen… 😉

Liebe Grüße

Psst, hier verrate ich euch, wieso ich immer dachte, dass lange Haare sein müssen!

Kommentare

Bisher 10 Kommentare zu “Short Hair don’t care. Oder wie eine neue Frisur einen neuen Abschnitt einleitet”

  1. Sarah sagt:

    Mega sieht du aus und wie immer: Der Text ist Bombe.

  2. Iris sagt:

    Ich habe bereits öfters, aufgrund von neuen Abschnitten im Leben, die Haare verändert, nicht nur die Länge, sondern auch die Farbe, von blond auf braun, von braun auf blond. Manches war jetzt im Nachhinein nicht besonders gut gewesen, aber in dem Moment war so ein neuer Haarschnitt einfach das richtige, um auch äußerlich zu zeigen, dass man mit der Sache abgeschlossen hat. Daher bereue ich keine einzige Frisur. Und wie du schon sagst: Haare wachsen ja auch wieder.

    Deine Frisur schaut übrigens richtig hübsch aus!

    • Franzi sagt:

      Ich habe auch schon oft gewechselt, aber nie auf Grund von Veränderungen in meinem Leben. Es ist das erste Mal. Fühlt sich aber gut an. Hätte ich vielleicht schon viel eher tun sollen.

      Liebe Grüße

  3. Katharina sagt:

    Wieder ein wirklich toller Text von dir! Da verschlingt man jede Zeile in sekundenschnelle und du triffst den Nagel auf den Kopf! „Wer wachsen will, muss Sprünge wagen“ Das muss ich mir unbedingt in den Kalender schreiben und mich ab und an selbst dran erinnern.
    Ich glaube fest daran, dass wir Entscheidungen, die wir in unserem Kopf eigentlich schon viel früher getroffen haben, so richtig erst wahrhaben, wenn der erste Schritt gewagt ist. Und eine neue Frisur ist da auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung und kann den Stein ins Rollen bringen.
    Liebste Grüße
    Katharina
    ____________________
    http://somekindoffashion.de

    • Franzi sagt:

      Hallo liebe Katharina! Danke für deinen Kommentar! Ich gebe dir Recht, innerlich ist man oft schon ein Stück weiter. Daher musste ich auch irgendwann einmal meinen Haarschnitt anpassen 😉

      Liebe Grüße

  4. Dany sagt:

    Ja, das kenne ich nur zu gut. In dem Moment der Entscheidung ist es ein wunderbares Gefühl. Auch wenn die Veränderung vollbracht ist. Aber irgendwann schleichen sich Zweifel ein. Warum? Ich weiß es leider auch nicht. Aber wer nicht wagt der nicht gewinnt. Und so wird weiter verändert, nicht nur innerlich sondern auch äußerlich.

    Ein toller tiefgründiger Beitrag. Einfach toll.

    Liebe Grüße Dany

    http://www.danyalacarte.de

    • Franzi sagt:

      Danke dir! Ich glaube, ich spreche hier von mir: Wir haben zu oft Angst vor neuen Wegen. Vielleicht auch ein wenig sehr deutsch? Immer abwarten, wieder verwerfen. 3 Schritte vor, 5 zurück. Alles schon erlebt. Alles ziemlicher Quark rückblickend. Aber einfach nur menschlich!

      Liebe Grüße

  5. Sue sagt:

    Als ich damals in Berlin zum Friseur ging und meine langen Haare zu einem Longbob schneiden lassen wollte, schaute der mich erst einmal entsetzt an. „Wirklich?“ Ja, wirklich! Und es tat so so so gut!

  6. Foehnlocke sagt:

    Sieht echt spitze aus!
    In meinem Umfeld, sagen auch immer alle: Frauen müssen lange Haare haben.
    Seit ich meine Haare Schulterlang trage, verstehe ich nicht mehr warum?
    Ich finde es steht mir besser als lange, fühle mich wohler und moderner.
    Ausser dass ich jetzt etwas öfter Haarschneiden gehen muss…
    Aber ist das ein Nachteil? ;-P

    Liebste Grüsse Foehnlocke.

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