Kolumne

Von Beauty OP’s, Selbstfindung und so

22. Januar 2017 • 8 Kommentare

Ich rufe sie an, ganz aufgeregt und spreche wie üblich zu schnell ins Telefon. Ich will mir die Haare wieder verlängern lassen. Einfach so, weil ich Lust habe, weil ich es kann. Ich weiß was am anderen Ende der Leitung gesagt werden wird.

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Wenn wir beide über ein Thema diskutieren können, dann über das Thema Schönheit. Für sie sind selbst Extensions ein Grund erst einmal die Augen zu verdrehen und mir einen Vortrag zu halten. Wir unterhalten uns oft über Beautytrends, Looks und den Drang immer schöner zu sein. Sie ist lehnt Make- up Looks, die über einen roten Lippenstift hinausgehen, kategorisch ab. Für sie ist Fakt, wer gegen die Natur arbeitet, der hat ein psychisches Problem. Wer oft und viel Make- up trägt hat etwas zu verbergen. Wer sich unbedingt operieren lassen will, der braucht eher einen Psychologen als einen Schönheitschirurgen.

Einen strengen Blick auf andere zu haben, so nenne ich das gern in unseren Gesprächen.

Ich würde behaupten, ich bin schon sehr offen. Ich finde es sogar wunderbar, dass wir heute ganz offen über das Nachhelfen in Sachen Make- up, Push- up, Spanx und sogar OP’s sprechen können. Tabu scheint nichts mehr zu sein. Zumindest gibt es im Netz einen gewissen Grad an Offenheit der zulässt, dass wir über Verschönerungen sprechen können. Dass Frauen etwas zu verbergen haben, die sich jeden Tag schminken, es zu ihrem Beruf machen oder extravagante Looks lieben, würde ich nie behaupten. Im Gegenteil glaube ich, dass sie sich einfach ausleben. Was rote Lippen alles bewirken und wie ein tolles Augen Make-up einen bestimmten Look und eine Stimmung unterstreichen können, habe ich oft genug selbst erlebt.

Ich liebe es, wenn Frauen sich in eine andere Person verwandeln oder andere Frauen verschönern. Make- up muss keinen unsicheren Charakter kaschieren, es kann einfach ein Hobby oder eine Leidenschaft sein. Wimpern, Augenbrauen und Lippenkonturen können heute sogar langanhaltend umgesetzt werden. Haarverlängerungen sind da fast schon ein alter Hut. Für mich ist es eine Möglichkeit für eine gewisse Zeit neue Looks auszuprobieren, um dann wieder zurück zu meinem alten Look oder einem neuen Schnitt zu gehen. Es ist vielleicht auch die Neugier in eine neue Rolle zu schlüpfen, für einen begrenzten Zeitraum, einfach etwas ausprobieren. Einfach weil ich es kann und Lust dazu habe. Niemand zwingt mich, niemand sagte mir vorher, ich würde damit attraktiver für andere werden.

Doch würde ich wirklich einen Schritt weiter gehen und eine Operation wagen?

Wir Frauen haben ein bestimmtes Bild von uns selbst. Wir wollen das Beste aus uns herausholen, uns wohlfühlen und schön sein. Das gehört dazu zum Gefühl sich schön zu fühlen.Wieso also nicht nachhelfen? Wieso also nicht zum Doktor gehen und korrigieren was uns stört? An diesem Punkt muss jede Frau für sich entscheiden wie weit sie gehen will. Eine OP ist für mich auch immer ein Risiko. Narkose, Nebenwirkungen, Unzufriedenheit und Unglück lassen sich nicht vom Tisch fegen. An sich bin ich mit mir zu frieden. Aber vielleicht sind das am Anfang alle Frauen, bis wir von einem Bild geprägt werden, das für die Masse als Inbegriff der Schönheit gilt.

Wir glauben immer fest daran und sind frei in unseren Entscheidungen. Aber manchmal glaube ich, wir als Gesellschaft formen die Vorstellungen von einem schönen Menschen. Wer dem nicht entspricht bekommt das oft zu spüren, schon in jungen Jahren. Wir bestimmen wer schön ist, wird auch erfolgreich.

Vielleicht sollten wir genau da ansetzen, an unserer Vorstellung von einem perfekten Menschen und nicht bei dem, der sich für eine OP entscheidet. Niemand wird mit dem Gefühl geboren, nicht gut genug für die Welt zu sein, oder verbindet das Geliebtwerden mit einer neuen Nase. Wir verweisen auf Fehler, auf Körper die nicht in unser Konzept passen. Eine vierzig ist nie sportlich, jemand mit einer markanten Nase ist nie glücklich. Glücklich ist nur der, der einem gewissen Standard entspricht.

Vielleicht wollte ich noch einmal lange Haare, weil sie einem gewissen Ideal einer Frau entsprechen, weil sie immer noch für Fraulichkeit stehen. Bis jetzt habe ich das Gefühl ich tue es nur für mich und hoffe ich irre nicht.

Ich kann meine Freundin nicht umstimmen. Aber vielleicht kann ich euch bewusst machen, dass wir immer drauf achten müssen es selbst zu wollen und es nicht für andere zu tun, wenn wir uns für etwas entscheiden.

Wir sollten Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren beurteilen. Wir müssen jeden so akzeptieren, wie er ist. Wenn sich jemand für die Veränderung seines Äußeren entscheidet, müssen wir diese Entscheidung respektieren und dürfen ihn nicht dafür verurteilen.

Liebe Grüße

Kommentare

8 Kommentare zu “Von Beauty OP’s, Selbstfindung und so”
  1. Stephi sagt:

    Ich persönlich finde es genauso soll wie du, wie offen solche Themen mittlerweile angesprochen werden ? Ich habe auch absolut nichts dagegen, wenn jemand sagt, er möchte Extensions, größere Brüste oder eine neue Nase, weil er sich unwohl fühlt. Was ich allerdings nicht gut finde, ist wenn dieser Wunsch allein deshalb existiert, weil es online jeder macht. Scrolle ich durch meinen Insta-Feed haben 90% der Frauen ein gemachtes, tolles Dekolleté. Und ich habe mich schon öfter ertappt, dass ich mir deswegen auch eines gewünscht habe. Nicht weil ich mich unbedingt so unwohl mit meinem Körper fühle, sondern weil ich mich schlecht fühle, nicht zum anscheinenden Ideal zu gehören.

    Liebe Grüße
    Stephi von http://stephisstories.de

  2. Kate sagt:

    Ein sehr spannendes Thema, dass du da ansprichst. Denn im Verurteilen sind wir gerade in der Zeit der Internet-Anonymität so gut! Für mich selbst würde eine OP viel zu weit gehen und ich würde nicht einmal im Traum daran denken. Aber so lange man eine Person nicht kennt – und eigentlich nicht einmal dann – sollte man auch nicht urteilen, denn man wird die Gründe nie ganz kennen und kann auch immer nur aus seiner eigenen Sicht beurteilen. Dabei hat die andere Person ein ganzes Leben lang in einem anderen Körper gelebt und nur sie weiß, was das heißt und was sie will.
    Eine Haar- oder Wimpernverlängerung ist kein großer Eingriff und wie du sagst wirklich schon fast Alltag. Wenn eine mir wichtige Person über eine OP nachdenkt, würde ich mich aber auf jeden Fall vorsichtig genauer an die Gründe herantasten und sehen, ob es nicht an ihrem Selbstbild liegt – und das ins rechte Licht rücken. Was sie danach tut, würde ich ihr überlassen. Ein toller Beitrag!

    Liebste Grüße,
    Kate
    katinspiration.com/tipps-gegen-winterblues

    • Franzi sagt:

      Liebe Kate! Das stimmt. Wir urteilen gern- nennen es schummeln oder betrügen. Das finde ich mega schade und ja im Netz kann man das auch gern immer erzählen über andere. Vielleicht sind wir in Deutschland aber auch oft gern neidisch, oder wollen Veränderung (selbst wenn sie uns nicht betrifft) nicht zulassen.

      Danke für deinen tollen Kommentar!

      Liebe Grüße

  3. Ich gebe Dir völlig recht, liebe Franzi!

    Wir sollten weniger auf Andere schielen und über Entscheidungen Anderer die Nase rümpfen, sondern eventuell mal gezielt nachfragen, warum sie oder er denn Dieses oder Jenes verändern möchte. Einfach ein Urteil fällen wäre zu einfach.
    Danke für diesen schönen Beitrag!

    Alles Liebe
    Anja

  4. Katja sagt:

    Liebe Franzi, das ist ein ganz wundervoller Text, den du da geschrieben hast! Ich persönlich liebe es, mich zu schminken, habe Spaß daran, mich einfach etwas, tue das in erster Linie für mich und fühle mich damit frischer. Oft finde ich es schade, dass andere so wenig aus sich machen. Das fällt mir ganz besonders auf, seit ich Mami bin. Aber das muss ja jeder für sich entscheiden. Ich mache das ja schließlich auch nicht für andere.
    Alles Liebe, Katja

  5. Janine sagt:

    Bei OPs bin ich skeptisch… Der Leidensdruck muss hoch sein, wenn man Narkoserisiko und Schmerzen auf sich nimmt. Ich selbst habe für mich bereits entschieden, mich in Sachen Botox und Hyaloron beraten zu lassen, wenn ich feststelle, dass jeder Blick in den Spiegel mich ärgert oder ich grimmiger und müder aussehe, als ich mich fühle. Aber ich versuche auch jetzt bereits dem mit einem gesunden Lebensstil vorzubeugen.

  6. Indie sagt:

    Ich habe mich Ende letzten Jahres dazu entschieden meine Schneidezähne neu überkronen zu lassen. Die beste Entscheidung meines Lebens, weil ich mich seitdem so viel wohler in meiner Haut fühle und mich endlich traue offen zu lächeln.
    Seitdem betrachte ich auch Schönheits OP´s deutlich differenzierter. Der Gedanke „und was stört mich eigentlich noch an mir und könnte optimiert werden“ kam durchaus kurz auf.

  7. Susanna sagt:

    Hi 🙂
    Super Beitrag! Ich finde es auch ganz wichtig, Menschen nicht nach ihrem Aussehen zu verurteilen. Prinzipiell sollte man auch keinen Menschen ins Minderwertige setzen, nur weil er eine OP durchführen möchte. Wenn jemand das wirklich macht, um sich schöner und wohler zu fühlen, sollte derjenige das auch machen. Denn wenn derjenige das Geld dafür und einen guten Arzt gefunden hat, ist es doch vollkommen legitim. Jemand, der das macht, wird sich (hoffentlich) vorher gründlich informiert haben, was alles schief gehen kann. Wenn das aber immer noch in den Hintergrund rückt und der Wunsch genau so stark vorhanden ist, sollte man denjenigen eher unterstützen. Da ist es relativ egal, was man selber davon hält. Hauptsache die Person ist hinterher zufrieden.

    Zum Thema Schönheitsideal.. es wird uns einfach schon sehr früh gelehrt, was schön ist und was nicht. Ich glaube, wenn wir die nachfolgenden Kinder nicht so darauf „trainiern“ würden, dass z.B. Brüste und Po ein schönes und erregendes Merkmal des Körpers ist, wäre das irgendwann gar kein so großes Thema mehr, wie es jetzt ist.
    Als Beispiel 😀

    Und wenn du deine Haare verlängern lassen möchtest, dann mach das! 🙂 Es ist dein gutes Recht und wenn du dich damit wohl fühlst und es für dich machst, ist es doch super 🙂

    Liebe Grüße,
    Susanna
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    http://www.susannavonundzustil.de

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