Kolumne

Ich muss meinen Körper also jeden Tag lieben. Will ich aber nicht. 

11. August 2019 • 4 Kommentare

Du sieht toll aus, so wie du bist. Nein, du brauchst kein Botox oder eine Fettabsaugung. Du musst das 30-Tage-Skinny-Botcamp nicht absolvieren.

Liebe dich und deinen Körper Body Positivity

Du bist toll wie du bist!

Liebe dich und dein Aussehen. 

Das klingt wie Musik in meinen Ohren. Body Postivity. Liebe deinen Körper und akzeptiere andere Körperformen und -arten. Es kann ja nicht nur eine Schablone geben, nach der wir Frauen uns alle richten müssen. 

Diese Ansätze haben uns unglaublich viel gebracht.

Ich weiß heute selbst, dass Größe 34 kein Maßstab mehr für mich als Frau ist. Ich weiß heute, dass Cellulite etwas ganz Normales ist und jede Frau sie haben kann. Ich weiß heute, dass es die unterschiedlichsten Körperformen gibt und es ok ist, breitere Schultern, größere Füße oder kleinere Ohren zu haben als andere. Dass Bilder uns manipulieren und wir Frauen viel zu oft Dinge nicht tun, weil wir glauben uns nicht schön genug dafür zu finden, daran müssen wir alle noch weiter arbeiten. Ich weiß das und ich weiß auch, dass wir weiter für mehr Diversität kämpfen und jungen, wie gestandenen Frauen, immer wieder zusprechen müssen. Aber. Und jetzt kommt mein Aber. 

Ich würde gern einmal meinen Körper und mein Aussehen hier ausklammern.

Ich hätte so richtig Lust darauf, mein Glück nicht nur mit meinem Körper in Verbindung zu bringen und dem, wie er gerade aussieht. 

Ich will nicht mehr, dass mein Aussehen immer wieder in den Fokus gerückt wird. Ich möchte nicht für meinen Körper und dessen Akzeptanz kämpfen müssen, sondern mich für meine Person einsetzen. Ich möchte nicht immer wieder mit nackter Haut zeigen müssen, dass ich ok bin wie ich bin. Ich möchte glücklich sein fernab von „Erst wenn du deinen Körper als schön empfindest, kannst du glücklich sein.“ Ich kann erst beruhigt einschlafen, wenn ich glaube, dass ich mit meinem Aussehen zufrieden bin. Schönheit ist gleich Glück.

Dabei ist Schönheit ja subjektiv, tagesabhängig und ganz bestimmt viel zu mächtig geworden in unserer Gesellschaft. Was ist denn überhaupt schön? Macht es die Summe unseres ganzen Daseins aus, oder ist es am Ende doch nur die Hülle die wir bewerten? Natürlich muss ich mich selbst akzeptieren, natürlich muss ich mich im Spiegel sehen können und natürlich hat das nichts damit zu tun, ob ich gern Make-up trage oder nicht. Aber eigentlich würde ich mich viel lieber einfach nur mögen, weil ich so bin wie ich bin und für meinen schlechten Humor, meine gute Arbeit, einen cleveren Gedanken und meine Worte.

Ich möchte es mir wert sein, in jeder Lebenslage, egal wie ich dabei aussehe.

Ich möchte glücklich sein, und nicht erst wenn ich meine krummen Zehen liebe. Ich möchte meinen Körper nicht immer wieder zu einem Objekt machen, das bewertet wird, egal ob positiv oder negativ. Er muss vor allem für mich funktionieren, ich muss mich gesund, fit und stark fühlen. Ich möchte mein Selbstbewusstsein nicht auf Grund meines Äußeren aufwerten.

Ich will mich verdammt noch mal auch nicht jeden Tag immer wieder nur mit meinem Körper beschäftigen. 

Manchmal ist mein Kopf so voll von all diesen Aufforderungen zur Selbst- und Körperliebe, dass es mir zu viel wird. Dann kann ich es nicht mehr hören, auch wenn Selbstliebe unglaublich wichtig ist. Mein Körper ist mir wichtig, ich will aber, dass er gesund ist und ich mehr Möglichkeiten habe mit ihm das Leben zu genießen. Ich will nicht immer wieder daran erinnert werden wie er aussieht, was ich lieben muss und wie er sich verändert. Denn das wird er. Ich werde älter und mein Körper mit mir. Er muss in erster Linie gesund bleiben. Dafür muss er nicht immer wieder ausgezogen und abgelichtet und für mein Seelenheil präsentiert und bewertet werden.  

Liebe ich mich erst, wenn ich mich anderen zeige? 

Manchmal habe ich dann das Gefühl, dass ich nur noch aus Körper bestehe und es sich offline wie online nur darum drehen soll. Dabei verschwende ich so viel Zeit, dass Kopf und Herz auf der Strecke bleiben. Ich ein bisschen Angst, dass ich mit meiner Hülle zu viel Zeit verbringe, aber in mir drin alles verloren geht. Weil ich vergessen habe, mich um das Wichtigste zu kümmern- Was am Ende auch bleiben wird, wenn ich alt und schrumpelig mit meinem Hund auf meiner kleinen Veranda sitze. Meine Persönlichkeit. 

Ich wäre jetzt gern für Body Neutralität. Damit es einfach scheiß egal ist, wie du aussiehst. Bin ich damit allein?

Kommentare

4 Kommentare zu “Ich muss meinen Körper also jeden Tag lieben. Will ich aber nicht. ”
  1. Edyta sagt:

    Nein, das bist du nicht.
    Ich sehe das genauso wie du. Ich finde es langsam ätzend, dass sich alles nur um den Körper dreht. Gut aussehen, keine Falten, am besten fit und schlank sein oder aber so sein und sich so lieben, wie man nun mal ist.
    Aber was ist mit den inneren Werten? Sind die unwichtig? Ist es nicht eben das, was eine Person ausmacht? Es ist doch viel wichtiger und schöner sich damit auseinander zu setzen. Ich finde, wenn man mit seinem Charakter, seinen Werten, Vorstellungen, Überzeugungen und Eigenschaften zufrieden ist, dann hat man alles Recht der Welt glücklich zu sein. Ich bin der Meinung, dass das eben das ist, worauf es im Endeffekt ankommt.

  2. Nancy sagt:

    Bei der Stelle „….Dass Bilder uns manipulieren und wir Frauen viel zu oft Dinge nicht tun, weil wir glauben uns nicht schön genug dafür zu finden, daran müssen wir alle noch weiter arbeiten…..“ musste ich kurz innehalten, weil ich mich dabei erwischt habe, genau das zu tun.
    Da ich ein sehr sehr heller Hauttyp bin und null Bräune ernte (Andere würden sagen käsig, blass, weiß, leichenblass kellerbraun), versage ich mir das unbeschwerte Baden oder Saunieren mit Kind und Partner. Und wenn, dann nur mit einer mega Anspannung, weil ich alle Blicke auf mir spüre. Dabei sind es genau die Dinge, die dem Menschen Freude, Erholung und Gesundheit bringen. Sommerurlaub, Bein in Kleidern zeigen – Horror für mich. Überall brutzelbraune Körper und bei mir nicht mal eine Spur von Tönung, und die würde mir schon mal reichen! Welche Rockfarbe könnte wohl zu weißen Beinen passen? Irgendwie keine…. Garant dafür, mich im Urlaub schlecht zu fühlen und ihn gar nicht zu genießen.
    Ich weiß nicht, wie ich mir nachhaltig gut zureden soll und kann!? Braun sein wird nun mal mit schön und gesund sein suggeriert und gleichgesetzt. Da fällt der Blick in den Spiegel schon mal schwer.
    Fühle ich mich dann mal wohl in/mit meiner Haut, kommt so ein taktloser Zeitgenosse daher und sagt einer 44jährigen gestandenen Frau: „Du musst mal mehr in die Sonne, Du siehst so blass aus“. oder „Bei Dir im Urlaub hat es wohl nur geregnet.“ Und wertvoll aufgebaute Selbstliebe ist dahin und eingeschüchtert.
    Je mehr ich darüber nachdenke und schreibe, um so stupider finde ich allerdings diesen Gedanken, nur wegen eines Komplexes auf die schönen Dinge des Lebens zu verzichten. Echt verrückt!

  3. Sarah sagt:

    Liebe Franzi,
    schwieriges Thema und omnipräsent.Warum?Weil Körper und Geist nicht trennbar sind und der Körper das „Pech“ hat,sich zeigen zu MÜSSEN.Bei deiner Persönlichkeit verhält es sich anders – die kann viele „Masken“ haben,du kannst dich hinter ihnen verstecken und nur das zeigen,was du MÖCHTEST.Der Körper erzählt ganz viel über einen,ob man das nun will oder nicht.Er zeigt,wie du mit dir umgehst,welchen Standard du für dich festgelegt hast,wie sehr du deine Impulse kontrollieren kannst etc. … Ganz ehrlich – es ist okay,damit zu hadern,das geht jedem von uns so.Der Unterschied ist bloß,dass nicht jeder dies in der selben Intensität spürt,bzw. jeder es anders für sich bewertet!
    Liebe Grüße,Sarah

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