Kolumne

3 Frauen 3 Meinungen: Wann hättest du eine vermeintlich „schlechte“ Freundin sein müssen?

18. November 2018 • 4 Kommentare

Es gibt Situationen, in denen wir uns als Freundin positionieren müssen. Ein Punkt, an dem wir als gute Freundin eine Entscheidung treffen sollten und es kein Zurück mehr gibt. Doch was wird dann aus der Freundschaft?

schlechte Freundin unterstuetzen zara cordblazer

Ist die immer wieder eingeforderter Ehrlichkeit manchmal doch nicht so sinnvoll? Würde sie mehr kaputt machen als zu helfen? Wann hättest du notgedrungen eine schlechte Freundin sein sollen, hast es aber um des Seelenfriedens und der Freundschaft willen gelassen? Weil es am Ende nicht mehr wichtig war was eigentlich richtig ist, sondern weil das große Ganze zählt?

Frau Nummer eins: Beste Freundinnen seit dem Kindergarten

Wir kennen uns schon ewig, fast seit der Geburt. Wir sind im gleichen Dorf aufgewachsen und uns trennen nur zwei Monate Altersunterschied. Gleiches Krankenhaus, gleiche Grundschule, gleiches Abitur und immer füreinander da. Jetzt wohnen wir ca. 30 Kilometer auseinander, dennoch bin ich ein Teil ihres Lebens. Gott sei Dank, denn ihr geht es mit mir nicht anders. Ich will sie nicht missen.
Ich liebe sie so wie sie ist, nur bei einer Sache konnte ich sie nie verstehen: Sie hat sich prinzipiell immer Männer ausgesucht, die es mit der Treue nicht so hatten. Jedes Mal, nach gut ein bis zwei Jahren, kam eine Affäre ans Licht. Egal was es war, es endete bei ihr immer in einer Affäre. Aber nicht sie ging fremd, nein immer der Partner. Das ging nicht spurlos an ihr vorbei. Ich muss zugeben, auch für mich war es eine harte Zeit, denn wenn man sieht wie einer herzensguten Person immer wieder ganz bewusst das Herz gebrochen wird, kann man das irgendwann nicht mehr schönreden mit Floskeln wie

„Beim nächsten wird es besser“.

So viel Leid und Niedertracht hat einfach niemand verdient. Um so mehr freute es mich, dass sie nach sechs Monaten Dauerdates mit vielen Idioten endlich jemanden gefunden hatte, der ihr Sicherheit, Bestätigung, Liebe und vor allem absolute Treue versprach. Ich vermute, wenn einem immer wieder das Gleiche passiert, egal was man auch macht, wird sich das auf das restliche Leben auswirken. Alles dreht sich dann nur um das eine Thema, weil Angst vorherrscht, weil Misstrauen aufkommt, weil man schon so oft dachte „Jetzt stimmt alles zu 100%“ und dann wurde man doch wieder belogen und betrogen. Ich kann sie da völlig verstehen.
Auch ich hatte kaum Einwände, als sie nach weiteren sechs Monaten schon über Hochzeit und Hausbau sprach! Jetzt soll sie doppelt glücklich werden, dachte ich mir. Ja, das dachte ich mir wirklich. Bis wir uns vor einer Woche bei der Hauseinweihung, ein Abend mit Kartenspielen und Wein, kurz allein in der Küche trafen. Ihr Mann und ich. Nett wie immer, höflich wie eh und je, nur dass er nach drei Gläsern Wein das Bedürfnis hatte, mir kurz um die Taille zu fassen. Dabei erzählte er mir, was er gern einmal mit mir anstellen würde.

Stille, kurzer intensiver Blick.

Ich ging zurück in ihr neues Wohnzimmer, auf das sie so stolz war. Ich sah ihr an ihrem Lächeln an, wie glücklich sie gerade war und sagte nichts. Sie ist jetzt endlich glücklich, das zählt doch mehr als dieses Ereignis in der Küche, oder?


Frau Nummer zwei: Freundin auf Abruf

Was macht Freundschaft aus? Gute Frage. Sagen wir es so, es wäre schön, wenn alles in einem harmonischen Gleichgewicht wäre. Manchmal macht die eine mehr als die andere: Gibt gern, erinnert sich an dich und deine Worte, ist für dich da, hört zu, heult sich aber auch bei dir aus und vertraut deinem Rat. So kurz und knapp würde mir das schon reichen. Doch irgendwie gibt es da eine Freundschaft, bei der ich wohl auch einmal auf den Tisch hauen sollte.

So eine Art Freundschaft, bei der man nur angerufen wird, wenn die Person etwas braucht, etwas wissen will oder sich auskotzen muss. Dann ist man gern gesehen und wird sogar mehrmals am Tag angeschrieben.

Sobald aber der Zank in den anderen Freundschaften vorbei ist, der Mann wieder nett und die neue Wohnung komplett eingerichtet ist: Stille.

Dann bleibt kaum noch Zeit sich alle zwei Wochen einmal per WhatsApp zu melden, geschweige denn stehenzubleiben und schnell einen Kaffee to go gemeinsam zu trinken, wenn man sich unverhofft an der Straßenbahnhaltestelle trifft. Ich müsste es besser wissen, ich müsste das aufklären, aber ich meckere lieber vor mich hin und gehe dann wieder ans Telefon, auch wenn ich weiß, dass das Gespräch mit einem Problem starten wird und ich gerade die einzige bin, die sich das anhören darf.
Ich würde gern die Karten auf den Tisch legen und ihr sagen wie frech ich es finde, dass sie sich nur meldet, wenn es ihr passt. Doch irgendwie habe ich es nicht drauf und so richtig will ich es auch nicht. Ich habe mich damit arrangiert, denn ich weiß, dass es nichts bringt es anzusprechen. So lebt sie nun einmal und ich mit ihr. Irgendwie ist es auch ganz nett zu wissen, dass ich ihr auch einfach so schreiben und mich auskotzen kann, und dann wieder lange Zeit Funkstille ist.

Eine andere Art von Freundschaft, die viele nicht verstehen. Und ich gehöre zu denjenigen.


Frau Nummer drei: Die, die bedingungslose Unterstützung anbietet

Wie kann ich meine Freundin beschreiben? Chaotisch? Selbstsüchtig? Total verplant und nichts läuft rund im Leben?
Dafür liebe ich sie aber auch und dafür ist sie ein Teil meines Lebens, auch wenn ich oft genug nachts losrenne und ihr Kopf und Kragen rette vor Männern, Schulden, Kündigungen und ihren Eltern. Doch bei einer Sache hätte ich fast den Geduldsfaden verloren und an mir und meiner Menschlichkeit gezweifelt: Die Frau, die selbst ihre kleine Schwester nachts im Park allein lässt, ist gerade schwanger von „Wir wissen es nicht… es kommen mehrere Männer in Betracht“.

Herzlichen Glückwunsch.

Wie sie nun einmal in den Tag hinein lebt, so übernimmt sie auch Verantwortung. Fast nie, und das wird gerade zu einem großen Problem. Der Vater ist nicht auffindbar und die Eltern sind schockiert und wollen jetzt endlich einen Schlussstrich ziehen, ihr die kalte Schulter zeigen. In ihrem neuen Job fürchtet man sich vor dem Mutterschutz und der Rest des Freundeskreises taumelt wohl gerade erst besoffen aus dem Club und weiß gar nicht, was sich jetzt im Leben unserer Freundin alles ändern wird. Und was müsste ich tun? Ich müsste ehrlich zu ihr sein. Sie lebt jede Woche bei einem anderen Mann, hat kaum einen konstanten Freundeskreis, außer mich. Sie verprellt so gut wie jeden der sie liebt, mit ihrer unglaublich großen Vergesslichkeit und, ach ja, ihrer geschätzten Unzuverlässigkeit. Ich müsste ihr, wie ihre Eltern es taten, raten das Kind abzutreiben oder es nach der Geburt abzugeben, in eine Familie die dem Kind bietet was sie nicht kann:

Ein geregelter, liebevoller Alltag.

Ja, es wäre das Beste für das Kind und es wäre jetzt momentan die Wahrheit, die ich ihr als Freundin sagen müsste. Aber es würde sie einfach auch nur verletzen und ich wäre ein Mensch mehr, der ihr die Tür direkt vor der Nase zuknallt. Ich würde ihr zu etwas raten, bei dem ich nie weiß ob es sie verändern könnte. Etwas, bei dem ich nicht weiß wie mein Rat sie beeinflussen wird, und ob sie es vielleicht für immer bereuen würde.
Also habe ich sie in den Arm genommen, sie bei mir einziehen lassen und hoffe jetzt, dass wir das gemeinsam wuppen. Den Vater ausfindig machen, die Eltern beruhigen und dem Kind, was bald da sein wird, ein geregeltes und liebevolles zu Hause bieten. Vielleicht schafft es dann auch meine Freundin, Verantwortung zu übernehmen.

 

Wann hättest du eine schlechte Freundin sein müssen?- Hast es aber dann doch gelassen?

Kommentare

4 Kommentare zu “3 Frauen 3 Meinungen: Wann hättest du eine vermeintlich „schlechte“ Freundin sein müssen?”
  1. Alex sagt:

    Hey, ich finde deine Blogbeiträge toll, sie kommen aus dem Herzen und man hat das Gefühl du denkst nicht nach wenn du schreibst sondern deine Seele schreibt. Ich stecke auch in so einer klemme. Ich war ehrlich in einer Freundschaft und das hat alles kaputt gemacht. Seit dem versuche ich mich zurück zuhalten. Das fällt mir schwer den ich glaube Freundschaft ist dafür da zu sagen was man denkt oder fühlt. Denn wenn ich es nicht dort kann wo dann ?

    Liebe Grüße Alex von https://margreblue.de/

  2. Sophia sagt:

    Hey, super Blogpost 👍🏼 Ich habe eine Freundin, zu der ich immer ehrlich bin, weil sie das aber auch braucht! Sonst wägt man die Aussagen auch ab und überlegt, ob der Mehrwert der Aussage größer als die Verletzung ist. Ich glaube aber auch, dass eine Freundschaft solche Situationen aushalten muss und sollte!
    Liebe Grüße
    Sophia

  3. Zu ehrlich sagt:

    Das ganze spricht mir aus der Seele da es eine Frage ist, die erst vor kurzem mein Leben verändert hat. Durch einen dummen Zufall über drei Ecken ( weil im Endeffekt ja jede Stadt ein Dorf ist) kam heraus dass ein guter Freund betrogen wird. Nun sitzt man da, zerbricht sich den Kopf, möchte selber heulen und weiß irgendwann nicht mehr was nun das richtige ist.
    Doch nach kurzer Besinnung ist klar, man muss ehrlich sein, man muss die Wahrheit sagen, die wie schlimm wäre es wenn herauskommt dass man es wusste? Und nichts gesagt hat?
    Das Ende vom Lied? Alles wird geleugnet, man selbst als schlechter Mensch, Intrigant und Lügner von der betrügenden Person bezichtigt und die Freundschaft? Mehr oder weniger wegge“ghosted“. … aber würde man es denn selbst nicht auch wissen wollen?

  4. Hey!

    Interessanter Beitrag.
    Sind das echte Menschen und echte Geschichten?

    XOXO und liebe Grüße
    Deine Sarah
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