Kolumne

Was war los Frances? Weekly Update „Ich will nicht unter Monstern Leben“

30. August 2018 • 3 Kommentare

Eine ganze Menge. Ich war die Woche so viel unterwegs, dass ich fast nichts von der Außenwelt mitbekommen habe. Ich war in meiner Bubble. Ich war in Deutschland unterwegs und kurz in Zürich, um dann ein wenig erschöpft aber auch glücklich in Berlin zu landen und erst einmal eine große Portion Realität einzuatmen.

Und dann stand ich vor dem Zeitschriftenladen, scrollte durch Facebook und wünscht mir kurz die gute alte Zeit zurück. Die Zeit, in der es nicht ok war rassistische Äußerungen als freie Meinung zu deklarieren, und in der Nazis einfach verdammt noch mal kein Problem waren. Zumindest oberflächlich. Denn sind wir einmal ehrlich, diese Gedanken waren schon immer da. Die poppen nicht erst nach einer Nacht voller Wut und Angst auf. Sie stauen sich an, bauen sich auf und bekommen große Unterstützung von außen.

Wie kann das passieren?

Indem du in einem kleinen Dorf aufwächst, wo alle Mittel gestrichen werden; in dem jeder Jugendclub und jeder gemeinnützige Verein allein gelassen wird und langsam zu Grunde geht. Orte, an denen niemand mehr nach den Kindern schaut oder nachdenkt über das, was sie an jeder Ecke hören und nachplappern. Wenn man wegschaut, wie sich rechte Organisationen aufbauen, Kinderfeste betreiben und die Leute aufstacheln. In dem man zusieht, wie sie ganze Dörfer einnehmen bis sich niemand mehr traut den Mund aufzumachen.

Harmlose Schubsereien, bemalte Hauswände, eingeschlagene Scheiben oder vergiftete Hundeköder sind der Anfang, wenn auch nicht das Ende.

Oder weil sie ja so viel tun für deine Stadt in der du aufgewachsen bist. Dann fügst du dich, dann machst du mit. Du machst mit bei Stammtischparolen die zu Hymnen und einer Art Glaube werden, der dir wieder Schutz und eine gewisse Integration bietet. Wenn du dann noch die richtige Partei mit deinem Gedankengut findest, kannst du all das, was früher heimlich im Keller besprochen wurde, an den Kaffeetisch holen und alle stimmen zu. Aus Angst selbst dran zu sein, aus Angst weniger zu haben, aus Angst nichts mehr zu sein.

Der Rechts-Ruck ist kein Problem des Ostens, er ist ein Problem in den Köpfen der Menschheit.

Schaut nach Polen, Österreich, selbst die Niederlande sind nur knapp einer rechtsorientierten Regierung entkommen. Und warum das alles? Stolz auf das Geburtsland, auf die Hautfarbe, auf die Vergangenheit? Nein, es ist pure Angst, purer Hass, weil das eigene Leben nicht so verlaufen ist wie es sollte- Und die pure Dummheit. Auch die Politik hat lange weggesehen, sie hat nicht eingegriffen in die politische Bildung in Schulen, hat nicht gesehen was zu tun ist, um kluge selbstdenkende und reflektierte Menschen zu erziehen.
Es ist unsere Aufgabe aufzuklären, die Geschichte immer wieder mitzunehmen und ein sozialer Staat zu sein. Was wir an Deutschland so lieben- die Offenheit und die Willkommenskultur- sollten wir uns selbst nicht nehmen lassen. Rechts ist keine Lebenseinstellung. Rechts sein ist nichts was wir gutheißen oder als Meinung akzeptieren dürfen. Denn es geht gegen den Menschen, will sie nicht akzeptieren und ruft zu Gewalt auf. Was jetzt passiert, die Verbalisierung von Gewalt und Hass gegen Fremde, Verharmlosung und das Wegschauen, hat uns in der Geschichte schon einmal an einen Punkt gebracht, an dem wir zu Monstern wurden. Ich will nicht noch einmal das Land voller Monster sein.

Ich bin Europäerin. Ich stehe für ein offenes Land. Wir sind in erster Linie Menschen. Wir müssen wieder genau hinsehen. Wir formen unsere Gesellschaft und das was in Chemnitz passiert ist, darf nicht noch einmal passieren. Egal ob im Osten oder Westen.

Ich habe lange überlegt wie ich das hier aufschreibe, wie ich mich melde, weil es mir verdammt schwer fällt es in Worte zu fassen. Es macht mir Angst und ich bin fast schon hilflos. Denn diese Meinung und diese rassistischen Gedanken sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Diese Erkenntnis nimmt mir die Luft zum Atmen. Man wird nicht als Nazi geboren, aber zur Zeit bieten wir den idealen Nährboden einer zu werden. Bitte geht nicht diesen Weg. Er scheint zwar einfacher, aber es ist der Weg zum Monster zu werden. Werde kein Monster!


Diese Gedanken und die ganzen News haben das alles so extrem überschattet. Ich packe all meine anderen Gedanken in einen zweiten Post. Nur so viel: Hamburg, Düsseldorf, Zürich und Berlin waren klasse. Ich habe glatt vergessen wie toll es ist reisen zu können und so unglaublich tolle Menschen kennenzulernen.

 

Viel Liebe, für viele tolle und offene Menschen. So wünsche ich mir das für alle!

Kommentare

3 Kommentare zu “Was war los Frances? Weekly Update „Ich will nicht unter Monstern Leben“”
  1. Lydia sagt:

    Danke für diese deutlichen Worte! Ich kann das auch alles gerade nicht fassen und wenn man sich die Kommentarspalten der unterschiedlichen Kanäle anschaut, dann bekomm ich es wirklich mit der Angst zu tun. Dieses menschenfeindliche Bild scheint in so vielen Köpfen zu sein… warum können nicht alle gleich und frei und gut zueinander sein?!

    • Franzi sagt:

      Liebe Lydia! Ich habe leider keine Ahnung. Ich weiß auch nicht warum wir nicht normal reden, normal miteinander leben können. Aber die Geschichte aus jedem Land zeigt uns aber auch, die meisten Menschen können nicht in Frieden nebeneinander leben. Warum auch immer ….

  2. Lou sagt:

    Kurz und knackig : Danke. Widerstand ist genau jetzt wichtig.

Schreibe einen Kommentar