Kolumne

Selbstständig, Putzfrau, Köchin – damit mache ich meinen Freund glücklich

19. August 2018 von

11 Kommentare · Kommentar schreiben

Schön, dass du von zu Hause arbeitest- dann kannst du ja putzen und kochen für deinen Freund- der findet das bestimmt gut!

homeoffice ptzfrau mann gluecklich machen Feminismus

 

Es gibt Sachen, die verschlagen mir noch immer die Sprache. Ich würde gern kräftig schlucken und mich zurückhalten können, aber es rutscht mir leider nur ein Kopfschütteln raus und das wars. Ende und leicht überfordert. Manchmal vergesse ich dann meine innere Wut und manchmal lässt sie mich nicht mehr los. Mit diesem Text befinden wir uns eindeutig in Situation Nummer zwei.

Dass wir 2018 noch glauben, Frau sei genau dafür auf die Welt gekommen, lässt mich seit drei Tagen nicht mehr los. Ich wusste in diesem Moment auch nicht so genau, wie ich darauf reagieren sollte. Es gab für mich die letzten Nächte zwei Gedankengänge, die mich immer wieder grübeln ließen. Vielleicht die alberne Vorstellung, dass das von zu Hause aus Arbeiten mehr Freizeit als Arbeit ist und ich so natürlich viel mehr Zeit als alle anderen auf diesem Planeten für Haushalt und das Kochen hätte. Mensch, klingt das logisch. Ich vermute alle, die von zu Hause aus arbeiten, sind schon richtige Profis im Putzen und Kochen. Was machen wir  auch den ganzen lieben langen Tag zu Hause? 

Oder ist es die Vorstellung, dass ich als Frau genau das auch wollen muss und mir dafür Zeit nehmen soll?

Ja, dieser Punkt regt mich am meisten auf. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr wirklich los und begegnet mir immer wieder. Ob Großeltern, Freunde, Männer oder Frauen in meinem Alter- Der Haushalt scheint in den meisten Fällen und zum größten Teil Frauensache zu sein. Ja ich bin eine Frau, das habe ich mir im Übrigen nicht ausgesucht – Natur und so! Aber ich komme, so wie ich bin, ganz gut mit mir klar. Zusätzlich darf ich auch noch einem Bild entsprechen, das ich mir auch nicht aussuchen durfte und dann erzählt mir 2018, nach allem was Frau und Mann gemeinsam im Alltag wuppen müssen, wieder eine Frau:

Du als selbstständige Frau hast zu Hause -Gott sei Dank- genug Zeit fürs Kochen und Putzen. Und das freut wiederum deinen Freund am meisten an dieser ganzen Situation.“ 

Ich bekomme in diesem Moment ein schlechtes Gewissen, weil ich ihr kurz nach dieser Aussage den Kopf abreißen wollte, mir aber nichts Gescheites über die Lippen ging. Es war aber definitiv kein Zugeständnis. Wie ich zu sein habe als Frau wird fast immer noch von außen bestimmt und mir gern auch gesagt. Das kommt aus jeder Altersgruppe und in jeder verdammten Lebenslage vor. Frauen dürften nicht unordentlich, laut, zickig, meinungsgebend oder herausfordernd sein. Natürlich immer nur als gut gemeinter Ratschlag verpackt, immer mit einem freundlichen Blick, in nette Worte gehüllt, aber nie geht es dabei um mich als Mensch. 


Ja, das unterstelle ich jetzt. Ja es wird emotional und ja, ich würde gern so richtig zickig auf diese immer wieder nett gemeinten aber doch langweiligen und völlig überholten Aussagen regieren. Eifach weil mir danach ist. Weil ich mich für meine Gefühle und meine Einstellung entscheide und für mich spreche und für mich bestimmen will, was ich sein möchte. Klar, es kann mir auch egal sein, was andere über mich und meine Lebenseinstellung denken. Aber ebenso sollten mich andere Menschen, ob Frau oder Mann, nicht mit solchen Aussagen vorführen wollen. 

Was soll ich darauf antworten?

Wie soll ich reagieren?

Gern nehme ich mir Zeit und erkläre meinen Job, meine Wünsche und Träume  und ungern will ich dann hören, dass ja dann der Haushalt laufen würde.

Ganz ehrlich: Alles läuft gut in meiner Beziehung auch ohne dieses anscheinend so wichtige Thema. Wir arbeiten beide Vollzeit, er angestellt und ich frei. Wir teilen alles, auch die Arbeit zu Hause und in der Wohnung, die wir beide zusammen finanzieren, zu gleichen Teilen wie in bestimmt gefühlten Millionen anderen Haushalten- Wie es heute Gang und Gäbe ist und wie ich mich auch persönlich richtig wohlfühle. Warum muss ich allein den Haushalt schmeißen, warum sollte Frau das heute noch müssen und was hat mein Freund damit zu tun, ob ich das mache oder nicht? Ob die Küche glänzt und das Essen Punkt zwölf auf dem Tisch steht, ist doch heute keine Norm mehr, oder? Oder bekomme ich dann keinen Mann mehr ab? Oder wird sich mein Freund bald von mir trennen? 

Oder ist das womöglich totaler Blödsinn, den man im Jahr 2018 auch endlich mal stecken lassen kann?

Ja! 

Schön, dass du zu Hause arbeitest. Das ist bestimmt ein spannender Job und und bestimmt kannst du dich selbst verwirklichen. 

So klingt es in meinen Ohren viel besser, warum nicht in deinen?

Kommentare

Bisher 11 Kommentare zu “Selbstständig, Putzfrau, Köchin – damit mache ich meinen Freund glücklich”

  1. Anna sagt:

    Was für ein guter Blogpost ich könnte mich über diese überholten Klischees auch stundenlang aufregen. Wir teilen uns im Haushalt eigentlich alles 50/50 und wer in der aktuellen Woche mehr Zeit hat macht halt mal mehr. Wie überall ist das ein Geben und Nehmen. Ich finde aber dass ein Aufteilen heutzutage der einzige richtige Weg ist. Und Männer/ Frauen die das nicht akzeptieren sind in meinen Augen einfach rückständig. Liebe Grüße
    Anna

    • Franzi sagt:

      Danke dir und ja- es ist ja auch nur noch so möglich und auch wichtig. Warum sollten diese Aufgaben unsere sein? Ich höre soche Fragen und Aussagen immer wieder … oder auch schön: Wie dein Freund hilft mit im Haushalt? Ähm klar! Wieso nicht?

      Ich finde es nervig ….

    • Rena sagt:

      „Wir teilen uns im Haushalt eigentlich alles 50/50 und wer in der aktuellen Woche mehr Zeit hat macht halt mal mehr. “
      So sollte es auch normal sein. Zumindest in unserer Generation. Denke bei der Generation 50+ sieht das etwas anders aus, die sind mit anderen Werten ausgewachsen. Aber es sollte jedes Paar für sich allein entscheiden, wie sie das untereinander regeln. Das geht Außenstehende gar nichts an.

  2. Rena sagt:

    Vielleicht war diese Aussage gar nicht so böse gemeint, wie du sie aufgefasst hast. Ich mag diese typischen Rollenklischees auch nicht: Mann arbeitet, Frau kriegt Kinder und putzt – das ist auch ziemlich überholt mittlerweile. Ich habe auch mal für etwa 1 Jahr von zu Hause gearbeitet und musste nur vereinzelt feste Termine außerhalb wahrnehmen. In dieser Zeit konnte ich so Dinge wie Haushalt ganz anders in meinen Alltag integrieren, weil ich zwischendurch einfach mal kurz Zeit dafür hatte: mal eben Spülmaschine angestellt, weiterarbeiten, dann kurz mal die Arbeitsplatte abgewischt und wieder arbeiten. Haushalt erledigte sich im Alltag so nebenher ohne, dass ich feste Zeiten dafür brauchte, wie es eben der Fall ist, wenn man in einem Vollzeitjob außerhalb angestellt ist: man muss irgendwie abends oder am Wochenende diese Dinge machen. Okay, in diesem Kommentar fehlt der Faktor „Mann“ 😀 Da denke ich, dass man es nicht verallgemeinern kann: Ist der Mann 50 oder 60 Stunden auswärts mit Arbeit beschäftigt und hat vllt noch Dienstreisen, dann ist es klar, dass die Frau, die Home Office macht, den Haushalt schmeißt – das Gleiche gilt umgekehrt. Und wenn beide nur arbeiten, dann muss vllt einfach eine Haushaltshilfe gezahlt werden. Es gibt für alles eine Lösung und es hat nicht immer was mit „Mann-Frau“ zu tun sondern einfach mit der Lebenssituation.

  3. Rena sagt:

    P.S. Heute ist es doch normal, dass sich beide Personen in der Partnerschaft die Aufgaben teilen, wenn es mit dem Zeitmanagement/Arbeitszeiten irgendwie halbwegs vereinbar ist. In meiner Partnerschaft haben sich da feste Aufgaben rauskristallisiert: Er ist für das Entfernen von allem, was krabbelt verantwortlich und ich trenne die Wäsche (ja schwarz und weiß wird nicht zusammen gewaschen. Breaking News 😀 ), um nur mal ein Beispiel zu nennen.

  4. da_lindchen sagt:

    Sehr gut geschrieben! Ich kann deine Wut total verstehen- und auch, dass du nicht weißt, wie du am besten darauf reagieren solltest. In dieser Aussage stecken direkt zwei Aspekte, die einen total sprachlos machen, obwohl man am liebsten los schreien würde.
    Vielleicht kannst du mit dieser Kolumne wenigstens ein paar Lesern, die sich auch schon mal so geäußert haben, einen Denkanstoss geben….

  5. Claudi sagt:

    Wichtiges Thema! So ähnlich ist es auch mit Studenten… wir haben ja auch den ganzen Tag Zeit um zu Hause alles zu erledigen… 🤦‍♀️

  6. Anonymous sagt:

    Es ist wichtig darauf für die Zukunft eine Antwort zu haben. Eine potentielle Antwort, die häufig passt und deshalb vielleicht trotz kurzem „Schock“ parat sein kann, wäre ein: „Hej, hör mal, du hast mich gerade auf mein Geschlecht reduziert – und das auf eine Art, die ich weder gut heiße, noch mit der ich mich irgendwie identifiziere.“

  7. Jenni sagt:

    Huhu, toller Blog. Ich kenne das nur zu gut. Ich gehe Vollzeit arbeiten und mein Mann ist Hausmann. Er macht das super und schmeißt den Kompletten Haushalt. Wir haben es so aufgeteilt, weil ich mehr verdiene als er. Beide Familien wissen das, aber ich muss mir seit Jahren anhören, das ich eine schlechte Mutter bin. Ich soll die Kinder erziehen und mich um den Haushalt kümmern. Es ist echt traurig.

  8. Liebe Frances,

    ein toller Artikel.
    Ich wollte seid Ewigkeiten mal auf deinen Blog einen lieben Kommi hinterlassen. Bisher habe ich immer nur still gelesen, aber das wird sich hoffentlich ändern.
    Ich ziehe ja den Hut vor Menschen, die komplett Homeoffice machen. Ich freue mich, wenn ich zur Arbeit das Haus verlassen kann. Aber als Blogger ist das noch einmal was anderes, weil man da ohnehin viel unterwegs ist.
    Ich bin derzeit in Elternzeit und habe ähnliche Kommentare zu Ohren bekommen: „Du bist du in Elternzeit, da sitzt du doch den ganzen Tag rum und kannst machen was du willst.“
    Jaaaa, genau. Das Kind dann scheinbar auch? Ja, einfach drüber stehen.

    Ganz liebe Grüße
    XOXO Sarah
    http://www.herbstmeedchen.de
    http://www.dielesebrille.net
    http://www.fashion-library.jimdo.com

  9. Liebe Frances,

    hier meldet sich jetzt auch mal die Generation 50+, „die noch mit anderen Werten aufgewachsen ist“. 😉

    Wir sollten uns alle mal etwas frei machen vom Schubladendenken. Ich bin jetzt 52 und betreibe nach diversen Führungsjobs in der PR-Branche in Vollzeit und erfolgreich mein Blog Life40up, der genau mit dieser Art Schubladendenken aufräumt. Denn ganz ehrlich: Diese Schubladen im Kopf haben wir alle!

    Ihr hört 50+, und in euren Köpfen seht ihr grauhaarige Menschen mit Rollator vor euch, die im Schwimmbad Badekappen tragen, und keine Ahnung vom Internet haben (dank meiner Generation gibt’s übrigens das Internet). Dieses Bild ist genauso falsch, wie das Bild der Frau im Homeoffice, die nebenbei für ihren arbeitenden Gatten den Haushalt schmeißt und ihm die Pantoffeln bringt. Ach ja, auch das noch: Ich arbeite selbst im Homeoffice, und das erfordert ganz schön viel Selbstdisziplin, Organisationstalent und Professionalität. Mein Mann und ich teilen uns übrigens den Haushalt und der Sohn hilft auch mit. Ich kenne auch keine Paare in meinem Alter, wo das nicht so ist. Sicherlich gibt es Ausnahmen, aber die gibt es bei sehr viel jüngeren Paaren auch!

    Also: Es liegt noch viel Aufklärungsarbeit vor uns, und bis dahin gilt der Songtexte der Ärzte: „Lass die Leute reden …“

    Liebste Grüße,
    Valérie

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Mit der Nutzung dieses Formulares erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten (Name und Email Adresse) durch diese Website einverstanden. Mehr dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung.