Kolumne

Instagram: shiny happy people verstrahlt oder doch echt glücklich?

15. Juli 2018 von

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Instagram? Das ist doch alles fake- niemand ist immer glücklich.

Höre und lese ich immer wieder von allen Seiten.

Instagram: shiny happy people verstrahlt oder doch echt glücklich?

Wenn ich auf Instagram schaue, dann ist es gerade In: die angebliche Happy Welt zu durchbrechen. Mit dem Glücklichsein verbinden wir offenbar, nur die schönen Momente im Leben zu zeigen und, dass alles rosa rot ist. Dass zum Glücklichsein aber mehr gehört, wissen wir selbst ab einem gewissen Alter und aus der eigenen Erfahrung heraus. Dass Instagram nicht alles zeigt, irgendwann doch hoffentlich auch. Aber wieso ist diese Welt dann so verpönt? Wieso wollen wir immer wieder deutlich zeigen, dass nicht alles eitel Sonnenschein sein kann?

Denn wenn ich rausgehe und mir das echte Leben ansehe, sehe ich alles andere als glückliche Menschen. Ich reise viel und kann euch sagen, dass ein Lächeln auf der Straße mir in Deutschland selten entgegenkommt. Im Gegenteil, ich hab hier schon oft erlebt, wie seltsam es auf andere wirken muss, wenn man glücklich ist.

Ich erinnere mich an eine Zugfahrt. Ich trug Kopfhörer, ein wenig Sonne begleitete mich sowie ein gutes Lied. Ich muss wohl vor mich hingrinsend den Speisewagen aufgesucht haben. Mir tippte ein älterer Herr auf die Schulter und fragte mich, ob alles ok bei mir sei- ich würde so seltsam lächeln. Das wäre nicht normal.

Noch bezeichnender empfand ich eine Jobsituation. Ich wurde zu einem Gespräch gebeten, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich nicht immer so freudestrahlend hier herumlaufen sollte. Meine Kollegen und Kolleginnen hätten bereits das Gefühl, es wäre mehr Spaß als Arbeit für mich. Ich legte dann zwei Wochen lang böse Miene auf, dann war man zufrieden mit mir und meiner Arbeit.

 

Wo ist sie, die Happy Welt, wenn ich in die Bahn steige und angemotzt werde und wenn Kinder mit bösen Blicken gestraft werden weil sie spielen? Wenn der Kaffee nicht in einer Sekunde auf dem Tresen steht?

In der Realität sind wir alles andere als glücklich oder wahren den Schein und so kann wohl Instagram auch nicht echt sein. Wenn wir es offline nicht schaffen, das Leben immer mal wieder von der Sonnenseite zu sehen, ist es doch online um so schwerer?


 

Instagram: shiny happy people verstrahlt oder doch echt glücklich?

Warum fällt es uns so schwer, kleine Dinge zum Anlass zu nehmen, um uns zu freuen?

Und warum verbieten wir es anderen dann ebenso?

Wenn man sich einmal mit den echten Problemen unserer Gesellschaft und der Welt auseinandersetzt, dann merkt man wie gut es einem selbst geht und wie man lernen muss, sich auf das Gute zu konzentrieren. Dabei soll keine schlechte Laune unterdrückt oder kleingeredet werden.

Probleme haben wir alle jeden Tag.

 

Wir sollten nur abschätzen ob sie es wert sind, sie zu einem großen Problem werden zu lassen. Sie wachsen zu lassen bis Neid und Missgunst aufkommen, bis wir selbst auf Social Media nur noch Gift und Galle versprühen können, wenn jemand glücklich mit sich und seinem Leben zu sein scheint.


Ja, „Rosa Wolken, alles ist schön und ich bin immer happy“ gibt es zu Genüge auf Instagram. Und natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. „Unglücklich sein“, schlechtere Tage sind ein notwendiges Gefühl für uns Menschen, weil wir sonst nicht so einfach das schätzen könnten, was wir haben.

Aber wie viel Raum sollten wir

negativen Gedanken und Gefühlen lassen?

Sollten wir nicht lieber immer wieder schauen wie groß wir diese negativen Gefühle machen und warum? Vielleicht um kurz Aufmerksamkeit zu bekommen, vielleicht um vielleicht um Dampf abzulassen. Passiert. Und vielleicht dann auch um zu verstehen, dass Glück für jeden etwas anderes bedeutet und das glücklich sein viel auch mit dem akzeptieren von Höhen und Tiefen im Leben einhergeht.

Auch wenn es mal trübe Tage gibt, überwiegen die schönen, denn ich habe ganz viel Glück im Leben. Das weiß ich, vergesse es aber auch immer wieder selbst. Schuldig. Daher  sollten wir uns unser Glück immer wieder bewusst machen.

Was helfen kann?

 

Zieht immer mal wieder den Kopf aus dem Onlineleben und lebt das reale Leben, mit all den wichtigen News rund um unsere Gesellschaft und schwimmt nicht nur in einer kleinen Blase, die nicht viel bedeuten wird, wenn das echte Leben immer mehr abrutscht.Wir müssen daran arbeiten mit uns klar zu kommen und andere nicht mit den Vorstellungen von unserem Leben zu belasten, nur weil andere gerade ein Hoch fühlen und wir ein Tief. Wir dürfen über schlechte Tage und Emotionen sprechen, sie aber nicht einfach an anderen auslassen.

Vielleicht darf ich dann irgendwann einfach lachend zu meiner geliebten Maultasche im Board-Restaurant schlendern oder den Job mit Spaß angehen, ohne mir anhören zu müssen, dass mit mir etwas nicht stimme.

 

Und vielleicht schaffen wir es auf Social Media die Dinge nicht mehr so ernst zu nehmen. Wir teilen nur Momente. Die schönen Seiten, wir sollten uns freuen können für andere, wir sollten offen darüber sprechen, wenn es uns nicht gut geht, aber andere nicht dafür bestrafen, wenn sie glücklich sind.

Edit: ich finde es schade, das glücklich sein in unserer Gesellschaft nicht so einen hohen Stellenwert hat, wie meckern und nörgeln. Egal ob online und offline. Darum habe ich diesen Post geschrieben.

Kommentare

Bisher 3 Kommentare zu “Instagram: shiny happy people verstrahlt oder doch echt glücklich?”

  1. Larissa sagt:

    Ich denke oft, dass wir in der heutigen Welt wohl nur dann als „normal“ angesehen werden wenn wir uns so verhalten wie alle anderen. Sei es wie in deinen Beispielen , wenn man als „anders“ gilt nur weil man vermehrt gute Laune hat oder wie ich mich oft rechtfertigen soll wieso ich keinen Alkohol trinke? HÄ? Gehts noch … Ich lebe mein Leben so wie ich es für richtig und angenehm halte und wenn ich lachend durch die Straßen gehe, sollen sie mich doch für verrückt halten.
    NORMAL KANN DOCH JEDER !

    Unnormale Grüße,
    Larissa
    (https://salutmavie.de)

  2. Juli sagt:

    Hallo Liebes,
    perfekter Beitrag, danke dafür. Du sprichst mir aus der Seele. Und ich sehe das auch hier in Deutschland extremer als woanders. Mies gelaunt und meckernd durch die Straßen zu gehen ist „normal“, glücklich tanzend – da kann man ja nur einen Dachschaden haben. Das macht man so nicht und ist sofort „anders“. Und was Instagram angeht, für mich persönlich ist es eine Inspirationsquelle und ich liebe es schöne Orte und glückliche Menschen dort zu sehen. Schöne Kleider, traumhafte Blumen und bezaubernde Inneneinrichtung. Natürlich darf und soll man auch kommunizieren, wenn es einem nicht gut geht. Das gehört dazu. Aber das kann man auch in der „das Glas ist halb voll“ Optimisten-Variante, statt jammernd, meckernd und missgünstig. Immerhin kann man aus jeder Situation das beste oder das schlechteste machen. Ich hoffe auch, dass Glück irgendwann einen höheren Stellenwert haben wird und man das weniger von Vergleichen mit anderen abhängig macht, sondern das Glück in sich findet. Oder eben guter Musik und ein paar Maultaschen 🙂
    Liebe Grüße
    Juli von JuliJolie

  3. Anni Pastel sagt:

    Wow, die Erfahrung in deinem Job ist einfach verrückt. Leider kenne ich das auch selber, dass einem bei zu viel guter Laune oder Spaß unterstellt wird, dass das nicht echt sein kann. Ich bin Lehrerin, da merkt man vor allem den Unterschied zwischen den Schülern und Kollegen. Erstere freuen sich einfach über gute Laube, zweitere glauben sofort, man hätte nicht genug zu tun. Im Moment bin ich auf Bali und ganz begeistert, wie leicht die Menschen hier lächeln. Ich wünschte, wir hätten das auch daheim viel mehr.

    Liebe Grüße,
    Anni

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