Kolumne

Kaschieren – versteck dich

Mode soll ja viel können. Wenn ich euch jetzt fragen würde, wie ihr euren Stil beschreibt, wüsstest ihr sicher genau, welche Worte ihr wählen müsstet. Würde ich euch fragen auf was Frau bei der Outfitwahl achten müsste, wüsste ich auch auf welchen Satz wir nicht verzichten könnten:

Bodybashing_Bodygoals_Fitness_blogger

„Kleide dich deiner Figur entsprechend, kaschiere die unschönen Stellen und hebe deine gute Seite durch deine Kleiderwahl hervor.“

Passt so, oder? Auch in Zeitschriften und online lesen wir genau diese Zeilen immer wieder. Nicht jeder könne alles tragen, nicht jede Figur sollte jeden Trend mitmachen. Wie strecke ich mich heimlich? Was verbirgt meine Oberarme und wie schaffe ich es noch dünner auszusehen? Dann musst du das tragen, das kaufen und das gut finden.

Keine Frage, wenn wir uns wohler fühlen, dürfen wir diese Tipps gern einmal durchlesen und dann daraus für uns die netten Dinge mitnehmen. Aber ich habe auch immer geglaubt und mir lang genug eingeredet, dass ich bestimmte Dinge nicht tragen kann, weil es nicht einem bestimmten Bild entsprechen würde. Wir Menschen sind ein Völklein, das Harmonie und ein stimmiges Bild liebt. Haben wir uns in der Masse erst einmal für ein Ideal entschieden, kommen wir schwer wieder davon weg. Das Auge ist ein olles Gewohnheitstier und sieht nur ungern plötzlich ganz andere Dinge. Dann fängt es an zu rattern im Kopf, wir beschließen, es passt nicht in das typische Bild und sind dagegen. Wir lehnen es ab. Noch besser, wir versuchen das Bild anzupassen. Suchen nach Tricks, mogeln und bearbeiten, um dann dem Auge die Harmonie zu bieten, die abgesegnet werden kann. Aber eigentlich möchte ich weder von modischen Vorgaben noch von gesellschaftlichen Idealen abhängig sein. Denn die können uns  auch krank machen. Sie können uns im Gehirn ordentlich die Windungen verdrehen- so dass wir am Ende da sitzen und glauben, wir müssten uns ändern. Unser Körper wäre falsch. Wir wären unvollkommen.  Wenn du aus der Rolle fällst, wird dir das ganz schnell auch klar gemacht. Blöde Blicke oder alberne Kommentare sind die Folge. Dann will man doch lieber wieder dazugehören und hält sich an unser vorgegebenes Ideal oder kaschiert das, was nicht in das Bild passt. Das hat mich persönlich ganz heimlich ein wenig krank gemacht.

Bodybashing_Bodygoals_Fitness_blogger

Sich selbst zu lieben und sich sein gesundes Körpergefühl zu erhalten scheint irgendwie richtig schwer geworden zu sein. Ich bin nicht gern unzufrieden mit mir, ich möchte mich nicht ständig vergleichen- aber es passiert immer wieder. Ich kann mich noch ganz genau an den Tag erinnern, als ich das erste Mal vor dem Spiegel stand und zu mir selbst sagen musste, du bist zu dick für dieses Kleidungsstück. Ich habe einfach nicht verstanden, wieso es an mir nicht so gut und so vorteilhaft aussah, wie an anderen Frauen. Ab diesen Punkt war etwas mit mir geschehen. Vorher war ein Eis nur ein Eis. Die Shorts waren nur Shorts und meine Arme waren einfach nur meine Arme. Dann war es in mir: Dieses ständige Gefühl nicht gut genug zu sein für ein Bild, dass uns überall begegnet, ob im Netz oder offline. Es hat mich verfolgt, wuchs innerlich in mir und legte sich wie ein dunkler Schatten mal mehr oder weniger auf meine Stimmung. Ich weiß gar nicht wie groß das „Unzufriedensein mit sich selbst“ werden kann. Ich weiß nur was für ein Gefühl es ist und wie es den Alltag bestimmen kann. Erst waren es die großen Füße, dann die Knubbelknie, dann die breiten Schultern und die viel zu dominate Nase. Auf einmal passte nichts mehr in mein Selbstbild. Alle waren schöner, passten besser in das Bild, was nur verdammt noch mal nicht auf mich passen wollte. Ich war unglücklich und konnte nicht verstehen, wieso ich nicht ich sein konnte. Ich fing an mir Kleidung auszusuchen die das an mir versteckte, was mich vermeintlich selbst so unglücklich machte. Andere würden es wohl auch gern als kaschieren bezeichnen.

Kaschieren nennen wir das heute- oder sich seiner Figur entsprechend kleiden- oder versteck dich und fang nicht an dich zu lieben.

Doch glücklicher machte es mich nicht. Im Gegenteil. Ich versteckte mich hinter Kleidung die ich eigentlich nicht tragen wollte. Ich zwängte mich in Sachen die mir eigentlich nicht standen. Das kann ja nicht der Sinn von Mode sein. Dass kann doch kein Ideal sein? Daher habe ich irgendwann beschlossen, als ich wieder in einer Kabine stand mit Sachen die kaschieren sollen aber einfach nur so 0815 für mich waren: Ja ich habe breite Schultern, kleine Knie und große Füße- aber das bin ich. Wieso sollte ich anders sein und wieso wird Kleidung nicht einfach nach echten Frauenbildern erstellt? Ich will nie wieder Dinge kaschieren, mit denen ich eigentlich zufrieden bin, obwohl. Ein Eis soll wieder einfach ein Eis sein, meine breiten Schultern sind meine Schultern und meine Füße sind meine Füße. Ich will mit meiner Outfitwahl einen großen Teil meiner Persönlichkeit zeigen. Das kann ich doch nicht kaschieren? Und wenn ich wieder in einer Kabine stehe und die Sachen sind zu klein, dann bin ich bestimmt nicht daran schuld und vor allem nicht mein Körper. Ich möchte mich so lieben wie ich bin, da ist kaschieren doch der falsche Weg!

Liebe Grüße von einer Dame die kaschieren ab jetzt als völlig unsinnig empfindet.

Und jeden blöden Blick  sollten wir einfach ignorieren. Kein Mensch sollte auf Grund von modischen Ansichten gezwungen sein, sich zu verkleiden oder sich zu verstecken.

//Bedeutung: Kaschieren: Dinge oder Sachverhalte so zu verdecken oder darzustellen, dass ihre Mängel oder Fehler nicht sichtbar sind, siehe Täuschung //

 

Kommentare

Bisher 17 Kommentare zu “Kaschieren – versteck dich”

  1. Anonymous sagt:

    Toller Post! Danke!

  2. Fee sagt:

    Wichtiger Post, das denke ich mir auch immer wenn ich was vom „kaschieren“ lese 🙂

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

  3. S. sagt:

    Toller Post mit einer wundervollen Botschaft! 🙂
    Liebe Grüße
    S.
    http://www.cappuccinocouture.blogspot.de/

  4. Natalie sagt:

    Liebe Franzi,
    danke für deinen ehrlichen und sehr treffenden Blogpost. Du hast mit deiner Meinung absolut Recht. Niemand sollte sich gezwungen fühlen seine Makel durch Kleidung bedecken, wenn man eigentlich etwas anderes anziehen möchte. Leider höre ich noch von einer bestimmten Person, die mir vorschreiben möchte, was ich anziehen soll, damit man mein Makel am Rücken nicht sichtbar ist. Inzwischen gehe ich dieser Person bewusst aus dem Weg und ignoriere böse Kommentare.
    Danke, dass du dieses Thema angesprochen hast.
    Liebste Grüße
    Natalie
    https://www.livolett.de

    • Franzi sagt:

      Hallo liebe Natalie! Danke für deine ehrlichen Worte- ich kann dir nur eins sagen- hör nicht auf diese Person und frage sie auch gern einmal nach dem Grund? Oder wieso es sie so beschäftigt!
      Liebe Grüße

  5. Leonie sagt:

    Ganz toller Post. Ich liebe deinen Blog und deine Beiträge aber dieser hier ist mein allerliebster. 🙂

    Ich finde es auch ganz schrecklich dass heutzutage nur der Lifestyle gelebt wird, indem man nur gesund essen darf, Süßigkeiten eine Todsünde sind und Sport jeden Tag ein muss ist. Hat man keinen durchtrainierten Körper und eine Größe 34 ist man automatisch nicht schön genug.

    Ich hasse es. Als ob ich mit meiner Größe 38 und meinem weiß Gott nicht sportlichen Körper nicht gut aussehen würde.
    Wenn ich sage „ich liebe meinen Körper mit den Rundungen trotzdem“ werde ich schräg angeschaut. Nach dem Motto „wieso? wie kannst du SO zufrieden sein?“.

    Wieso muss das so sein? Warum darf ich nicht einfach tun und lassen was ich will. Mein Körper gehört mir und da sollte sich niemand einmischen. 🙂
    Liebt euch wie ihr seid! <3

  6. Tabea sagt:

    Toller Artikel! Das sollte sich jeder zu Herzen nehmen (:
    Ich finde es auch so schade, dass so viele Frauen/Mädchen sich einreden, dass sie bestimmte Körperstellen jetzt kaschieren müssen und deswegen tolle Kleidungsstücke nicht mehr tragen können oder wollen…

    Liebe Grüße
    Tabea
    https://bytabea.wordpress.com/

  7. Ivi sagt:

    Wow das hast Du ganz wunderbar geschrieben. Es ist wirklich furchtbar schade, dass sich heutzutage die meisten nur noch über ihre Kleidergröße, ihre Maße und ihr Gewicht definieren. Ich habe selbst über 55 Kg abgenommen und musste vor meiner Abnahme oft reichlich Kritik für mein Aussehen einstecken. Dabei braucht sich niemand zu verstecken und jeder sollte so rumlaufen, wie es ihm bzw. ihr passt.

    Liebe Grüße
    Ivi von http://www.fashion-ahoi.com

  8. MissRainbow sagt:

    Wow liebe Franzi, was ein ehrlicher und wunderschön geschriebener Beitrag!
    Danke dafür 🙂 Ich finde besonders die, die nach unserem Schönheitsideal geboren sind, eher normal und langweilig. Okay, nichts Besonderes- nicht schön und nicht hässlich!
    Und richtig schön kann man erst sein, wenn man sich in einem Kleidungsstück auch toll fühlt…
    Ich bin dir dankbar für diesen Post, auch wenn ich das eigentlich schon in meinem Gehirn verankert habe- Erinnerungen können ja nicht schaden 😉
    Liebe Grüße von meinem Blog

  9. Ella sagt:

    Liebe Franzi,
    wirklich ein toller Post! „Selbstliebe“ ist echt etwas verdammt wichtiges! Doch leider beginnt es ja schon im kleinsten Schulalter, dass einem weiß gemacht wird, man ist nicht gut genug in den und den Dingen. Und hat man kein liebevolles, starkes Elternhaus, die einem versichern, dass man das tollste Wesen der Welt ist, egal was andere sagen, dann ist Selbstzweifel und ein mangelndes Selbstwertgefühl leider oft vorprogrammiert.
    Also, an alle Mamis da draußen (bin selbst gerade eine geworden) – sagt euren Kindern mindestens einmal am Tag wie toll sie sind und ihr immer hinter ihnen stehen werdet, egal was passiert.
    Liebste Grüße
    Ella
    http://lavie-byella.de/

  10. Jessi sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag über ein sehr mieses Thema, welches uns ständig, vor allem im Sommer, einholt und schlechte Laune verbreitet. Schön, dass du nun gegen den Strom schwimmst und zufrieden mit dir bist. 🙂

    LG,
    Stil-Helferin Jessi

  11. Vera sagt:

    Yesss!
    Schöner Artikel und super Message! Ich stimme dir absolut zu und werde mal drüber nachdenken, was das für mich bedeutet.

    LG Vera

  12. Ina sagt:

    Liebe Franzi,

    das ist ein wirklich guter Artikel! Ich hoffe er erreicht ganz viele Mädels und Frauen und öffnet ihnen ein bisschen die Augen. Es ist wirklich schade zu sehen, dass man lieber versucht alles schlechte zu verstecken anstatt dass man anfängt sich selbst zu akzeptieren und zu lieben.

    Liebe Grüße
    Ina
    http://www.mintliebe.de

  13. Madamecherie sagt:

    Das hast du echt toll geschrieben! Stimme dir da voll und ganz zu. Aber ich bin auch der Meinung, dass die Modekonzerne da gut bei Mithelfen, dass wir uns schlecht fühlen: Bei Mango zählt Größe 42 als Übergröße und bei H&M passe ich mal in eine 44 oder dann mal in 46. Die Größen fallen teilweise auch immer so schlecht und unterschiedlich aus: Das hatte ich letztens erst wieder beim Jeanskauf – bei H&M mit ach und Krach in eine 44 gepasst und bei C&A ist die mir zu groß, was mich dann zwar glücklich macht, aber bei H&M habe ich mich echt scheiße in der Umkleide gefühlt, weil ich da nicht reingekommen bin. Obwohl beide Hosen stinknormale Bootcut Jeans waren.
    Da ich eine große Oberweite habe muss ich damit immer bei den größeren Sachen schauen, die sind mir dann in der Bauchregion zu groß und lassen mich wie einen Sack Kartoffeln aussehen. Oder manchmal sind die Sachen dann auch viel zu kurz geschnitten, das sieht dann bei großer Oberweite echt kacke aus. Aber dann sind da auch so Sachen wo ich dann doch mal mit meine Möpse in ein M oder L Shirt passen. Das ist echt teilweise mega frustrierend und nervt mich ehrlich gesagt mehr, als dumme Sprüche. Da ich mir davon nichts annehme und mich in meinem Körper wohl fühle – so lange ich nicht in einer Umkleide stehe 😀

    LG Nina <3
    http://www.madamecherie.de

  14. Tascha sagt:

    Wieder einmal ein toller Post. ich bin auch der Meinung nicht jeder kann alles tragen, aber jeder kann alles tragen, was er möchte. Ich zwänge mich nicht in Dinge die nicht passen, aber liebe bunte Mode , völlig wurscht, wer blöde guckt. ich finde Mode ist auch ein Ausdruck von Lebensfreude und Freiheit. Mit kaschieren und verstecken sollte das nichts zu tun haben.
    Liebste Grüße
    tascha
    taschasdailyattitude.blogspot.de

  15. Agnes sagt:

    Wenn ich Deinen Körper hätte, würde ich wahrscheinlich dauernd Bikini-Selfies posten. Ich sehe nicht, wo man da etwas kaschieren sollte. Glaub mir, Dein Freund wäre nicht mit Dir zusammen, wenn er Dich nicht attraktiv finden würde. Wenn eine Frau mit so einem Körper noch einige Stellen „kaschiert“ ist das kein gutes Signal an andere Frauen. Mir ist schon lange aufgefallen, dass Du im Vergleich zu anderen Bloggerinnen sehr „zugeknöpft“ bist. Da habe ich mich immer gefragt, ob Du einfach nur nicht so billig wirken willst oder Dich tatsächlich nicht attraktiv genug findest. Letzteres wäre sehr schade. Wenn Du in Zukunft mehr Haut zeigst, wird das andere Frauen auch selbstbewusster machen

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