Kolumne

JOMO? Ich bin nicht dabei. Und es fühlt sich nicht schlecht an. 

JOMO?Ich bin nicht dabei. Und es fühlt sich nicht schlecht an.

Wann hast du bemerkt, dass dein Leben gar nicht so langweilig ist? Wann wurde dir klar, dass einfach nur den Alltag zu leben doch auch schön sein kann?

JOMO? Freust du dich über dein jetziges Leben?

Könnt ihr euch noch an „fomo“ erinnern? An die Zeit, in der wir immer und überall dabei sein mussten? Egal wo, egal wann- Hauptsache dabei gewesen, um dann auch am nächsten Tag mitreden zu können. Dann kamen die sozialen Medien hinzu und der Druck wurde noch größer. Auf einmal galt nicht mehr nur das Wort, sondern wir mussten live zeigen, dass wir auch wirklich dabei waren und es eine Menge Spaß gab. Wir mussten auf die Sekunde genau filmen, fotografieren und darüber schreiben, dass wir jetzt etwas erleben. Dass wir dazu gehören und dass die Party richtig gut war, oder der Urlaub, oder die Beziehung. Alles musste gut, besser und größer wirken. Die Wohnung, der Urlaub, das Essen. 

Wer konnte mithalten und wer verlor sich in dem ganzen Gepose und Geposte?

Ich! Aber unbemerkt. Undercover. Ganz heimlich schlich sich da eine Gewohnheit in mein Leben ein, die ich rückblickend nicht nur albern, sondern sogar unhöflich finde. Das leidige Bedürfnis, das Leben für andere als „wichtig“ darzustellen. 

Es war anstrengend, es raubte mir manchmal die Nerven und immer mehr wurde dann alles nicht mehr so gut, nicht mehr so intensiv oder wichtig. War mein Urlaub noch vorzeigbar? War New York nicht viel mehr „in“ als Krakau?. Sollte ich lieber umziehen? Wenn ich das kaufe, sieht das dann vorzeigbar aus? 

Und jetzt? 

Jetzt fühlt es sich irgendwie schön an, das eigene Ding durchzuziehen. Mal die Couch zu hüten, mal an einem Freitagabend ein Buch zu lesen, mal einfach nichts zu machen, nichts zu sagen (hieran arbeite ich noch) und einfach das Leben zu genießen, auf die Art und Weise wie ich es gerade selbst für richtig halte. 

Manchmal kann eine kollektive Auszeit uns von Gewohnheiten befreien, die uns vorher gar nicht so bewusst waren. Manchmal merke ich erst viel später, was ich alles verpasst habe, weil ich immer die Kamera und das Handy in der Hand hielt. Ich habe keine Angst mehr etwas zu verpassen und ich brauche gerade nicht viel um glücklich zu sein. Ich gönne jedem anderen seine Reise, die neue Wohnung, den Start in einen neuen Beruf, die geile Party, den tollen Trip. Aber es bringt mich nicht mehr dazu, das noch toppen zu wollen oder es noch besser präsentieren zu müssen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir mein Alltag mal genügen würde. „Bis jetzt ist das ein sehr gutes Gefühl“ sagte sie, während sie die gute alte Schnitte auf ihrer Couch verspeist und diese Zeilen tippt. 

Was euch das hier sagen soll: Lebt eurer Leben, das ist gut so wie es ist, denn es ist eures. Lasst euch treiben, genießt eure Freundschaften, die Beziehung, den guten Wein, das Essen und glaubt nicht, dass eurer Leben unspannender ist als das der anderen.

Ich würde diese Entwicklung ungern „Jomo“ nennen. Joy of missing out: Die Freude, etwas zu verpassen. Denn ich freue mich über mein Leben und mein Glück, aber denke nicht darüber nach, etwas zu verpassen. 

Fällt euch ein passender Begriff ein? 

Erwachsen?

Ach, das wäre zu einfach. 

Alles Liebe Frances 

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