Kolumne

Was ich an meinem Beruf Influencer gerade hasse …

Was ich an meinem Beruf Influencer gerade hasse …

Ich hasse manchmal Sachen, die ich eigentlich sehr gern mache. Oder besser formuliert: Situationen, die ich nicht händeln kann, so wie bestimmte Dinge in meinem Job.

Influencer sein aber das hassen

Ja, alle die mein Metier blöd finden und sich fragen, was daran Arbeit ist, können jetzt gern auf Facebook gehen, den eingestaubten Influenza-Witz reißen über Influencer und sich ein paar Bestätigungen in Form von Likes und LOLs abholen. Aber ich arbeite, nie im Leben so wie eine Pflegekraft oder ein Arzt, aber ich mache meinen Job. Ich mache ihn sehr gern und ich denke auch sehr gut. Ich habe den Luxus, all den Unrat, der mir täglich durch den Kopf schießt, online zu stellen, mich austauschen zu können, Bilder, Videos, Konzepte, Ideen und Produkte zu erstellen und mich über jedes liebe Wort, das von euch zu mir rüber flattert, zu freuen. 

Aber manchmal, und das kommt selten vor, aber es passiert, hasse ich einen Teil meines Jobs. Nicht weil es blöde Anfragen gibt, Kritik oder sinnlose Meinungen rausgeblasen werden, ohne nachzudenken und Konsequenzen zu erkennen, nein da habe ich auch wieder unglaublich großes Glück.

Ich bekomme, wenn überhaupt, nett und gut ausgewählte Kritik, oder wir gehen sorgfältig in der Wahl unserer Worte in einen Austausch. Hate ist mir Gott sei Dank fast schon ein Fremdwort. Ich bin auch nicht genervt von meinen Kollegen und Kolleginnen. Klar, ist nicht alles nach meinem Geschmack, oder ich würde es anders umsetzen. Wir gehen Themen anders an, oder mit ihnen um. Damit bin ich absolut fein.

Was mich aber wirklich aus der Bahn wirft und mich kurz hassen lässt, wobei Hass wirklich ein mächtiges Wort ist, dessen bin ich mir absolut bewusst, sind Begegnungen oder Worte, mit denen ich nie rechnen würde.

Solche, die ich absolut nicht auf dem Schirm habe als Influencer, weil ich sie so abwegig finde, weil sie mir nie in den Sinn kommen würden, weil ich auf manche Sichtweisen nie kommen würde, wenn sie mir nicht via Mail einfach so vor die Nase gesetzt werden und ich dann damit leben muss. Diese Dinge, die du nicht ändern kannst oder willst, weil sie dich ausmachen und du sie dir nicht vorschreiben lassen möchtest. Spoiler:

„Der nächste Step in deinem Leben, in deiner Beziehung sollte nie von Dritten bestimmt werden.“ 

Was ich an meinem Beruf Influencer gerade hasse …

Ein kleiner Auszug aus verbalen Begegnungen die ich hasse, weil ich nicht weiß, wie ich auf solche Aussagen reagieren soll: 

„Liebe Franziska, wir haben immer gern mit dir zusammengearbeitet, aber der Kunde will eine Frau in deinem Alter mit einem Kind sehen.“

„Leider können wir nicht mehr mit dir zusammenarbeiten, weil wir uns auf Familien spezialisiert haben, die kriegen mehr Klicks.“

„Kannst du als Influencer deinen Freund verheimlichen, dann wirkt es authentischer.“ 

Erst Stille, dann ein großes Nein. Weil ich das in 12 Jahren bloggen und acht Jahren Instagram bis 2018 nie erlebt habe und erst in den letzten zwei Jahren immer mal wieder serviert bekomme. Gut, du bekommst den Job nicht, das ist vollkommen ok. Aber nicht weil deine Arbeit nicht gut ist, nicht weil du es vermasselt hast, nicht weil du blond bist und sie eine Brünette Influencerin suchen, sondern weil du nicht einem bestimmten Frauen- / Influencerbild   entsprichst.

Das ist für mich nicht greifbar, das ist für mich unglaublich unverständlich und absolut übergriffig. Mir ist es gleich, wer, wen, wann, wie heiratet, Kinder bekommt oder nicht. Mir ist es gleich, ob eine Frau mit Kindern für eine Nachtcreme wirbt oder eine Frau ohne. Mir macht es nichts aus, wenn sie Single ist und verreist und ich finde es auch toll Familien zu sehen, die Urlaub auf Balkonien machen. 

Wieso ist es also für irgendeine Marke so wichtig, Stereotype im Influencer-Bereich zu erfüllen?

Niemand dort draußen will das mehr. Keine Frau möchte vorgeschrieben bekommen, wann sie was und wie zu erfüllen hat. Ich will 2020 nicht über meine Eierstöcke, meinen Kinderwunsch und meine Heiratspläne sprechen, wenn ich es nicht selbst will. Ich will einfach Frau sein, wie viele andere. Wieso ist das noch immer nicht in allen Bereichen angekommen? 

Das hasse ich. Und, hasst ihr mit? 

Alles Liebe

Kommentare

Bisher 7 Kommentare zu “Was ich an meinem Beruf Influencer gerade hasse …”

  1. Emi sagt:

    Damit hast du absolut Recht! Danke 💚

  2. alory sagt:

    ja, ich hasse mit dir! :/

  3. Daniela sagt:

    Hallo Franzi, danke für deinen schönen Text. Ich finde dich und deinen Blog sehr inspirierend. Unglaublich, wie diese Firmen eine Absage begründen. In letzter Zeit denke ich wegen Aussagen, die sich häufen, viel darüber nach, wie Frauen gesellschaftlich behandelt werden. Falls du Taylor Swifts Song „The Man“ noch nicht kennst, kann ich dir diesen sehr empfehlen (ich liebe diesen Song). Ich wünsche dir noch einen schönen Tag!

    • Franzi sagt:

      Liebe Daniela, ich danke dir! Ich glaube, dass viel gesagt wird, was nur noch selten überdacht wird. Vielleicht ist da der Fehler. Aber es gibt viel mehr Positives, als Negatives.

      Alles Liebe

  4. Morris sagt:

    Wow, Hammer! Für welche Deiner bisherigen Kooperationen würdest Du jetzt ohne Freund oder mit Kindern glaubwürdiger wirken? So ein Schmarrn, dass man sich so etwas heutzutage anhören muss ist traurig. Ich gehe davon aus, dass Du alle Deine Kooperationen kennzeichnest und mir würde im Leben nicht einfallen, was davon jetzt mit Kindern oder ohne Mann besser rüberkommen würde. Ein Kinderstuhl, Windeln oder eine Singlebörse ist doch nicht dabei oder?
    Es gibt hoffentlich noch genügend vernünftige Firmen…
    Viele Grüße

    • Franzi sagt:

      Hello! Ja ich habe auch viel schon abgesagt und weiß auch nicht so Recht, wo ich hätte das Kind einsetzen sollen … wobei ich das eben auch für mich in Frage stellen würde- und das muss ich auch erwähnen, es gibt genug andere tolle Firmen, die meine Arbeit schätzen.

      Ich danke dir

  5. Judith Kratzer sagt:

    Wow ich bin erst seid kurtzem eine Leserin von dir, und das ist auch der erste Blog Den ich lese. Ich bin sehr jung aber selbst mich berührt dieser Blog.
    Alles Gute

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