Kolumne

3 Frauen 3 Meinungen – Was hast du für deine Liebe aufgegeben? 

8. September 2019 • 1 Kommentar

Es gibt Dinge die wir in der Liebe gern in Kauf nehmen. Vielleicht weil wir erkennen, dass wir es gar nicht benötigen, vielleicht weil wir unserem Partner entgegenkommen wollen, oder weil es die Bedingung war, die die Liebe am Leben hielt?

3 Frauen 3 Meinungen - Was hast du für deine Liebe aufgegeben? 

 Was hast du für deine Liebe aufgeben?

Bereust du es, oder würdest du es immer wieder tun?

Frau Nummer eins: 33 Jahre alt und schon wieder am Kisten packen.

Ich habe aufgegeben zu erklären, wieso wir nicht sesshaft werden, wieso ich mir keinen anderen Mann suche oder einen Job. Weil ich nicht muss und weil ich mit meiner Ehe das Versprechen eingegangen bin ihm zu folgen, egal wohin es geht. So haben wir nun schon in den Staaten, im Norden von London und in der Nähe von München gelebt. Zwischendurch haben wir immer mal wieder in Deutschland die Stadt gewechselt. Das ist das Versprechen, das wir uns nun einmal gaben. Ich habe es aufgegeben, beruflich erfolgreich zu sein, ich habe meinen Fokus auf meine Familie und den Job meines Mannes gelegt. Früher war das völlig normal und wurde kaum in Frage gestellt, doch heute halte ich mich lieber zurück, wenn ich nach meinem Job und meinem Leben gefragt werde. Ich erzähle ungern, dass ich seit sechs Jahren nicht mehr arbeite und zu Hause bin. Klar gehe ich manchmal putzen oder stehe zum Spaß für ein paar Stunden im Laden, aber ich muss es nicht tun und vermisse es auch nicht. Ich kann sehr gut damit leben, nicht mein eigenes Geld zu verdienen, weil wir eh alles teilen.

Ich kann gut damit leben, dass wir immer wieder umziehen und ich immer wieder etwas Neues zu tun habe.

Ich weiß, viele selbstbestimmte Frauen würden mir jetzt gern den Kopf abreißen, aber ich mache das freiwillig mit und mag es, so zu leben. Ich habe mich bewusst für meinen Mann und das Leben mit ihm entschieden. Die einzige Bedingung war, dass ich überall dahin gehe, wo ich gebraucht werde. Das tun wir und ich tue es gern. Wie es mit Kindern wird kann ich noch nicht einschätzen, aber auch hier werde ich mich nach seinem Job richten und eine Lösung finden. Ich habe meine berufliche Laufbahn für eine Liebe aufgeben, die auf jedem Kontinent funktionieren wird und bereue es keinen Tag. Ich bin dennoch eine Frau im Verstand und Herz. Ich muss mir nur keine Sorgen um mein Einkommen machen. Und dieses Gefühl empfinde ich nicht unbedingt als negativ. 

Frau Nummer zwei: 26 Jahre alt und denkt immer wieder an sie.

Ich weiß nicht wie ich es erklären oder beschreiben soll, ohne dass mich jemand mit Blicken oder Worten straft. Ich habe meine Freundin für meinen jetzigen Mann aufgegeben. Ganz bewusst, nachdem er mir ein Ultimatum gestellt hat. Ja ich weiß, ihr würdet das nie tun und ich hätte mir das gut überlegen sollen- und das habe ich. Ganze zwei Jahre ging es hin und her und ich weiß bis heute nicht, wie es zu diesem großen Bruch kam. Ich weiß nur noch, dass die beiden sich am Ende nicht mehr ausstehen konnten.

Ich saß immer wieder zwischen den Stühlen und irgendwann konnte ich nicht mehr.

Sie wollte mit ihm nichts zu tun haben, er wollte mit ihr nicht mehr in einem Raum sein. Sie sagte mir immer wieder wie schlecht er für mich wäre und wie ich mich langsam zu einem unerträglichen Wesen verwandeln würde, er konnte ihre Meinung und Einstellung zu unserer Beziehung nicht mehr ertragen. Ich habe alles versucht, ich habe immer wieder beide zu einem Treffen gezwungen, sie sollten reden, sich verstehen oder sich nett aus dem Weg gehen, doch bei beiden funktionierte es einfach nicht. Keiner konnte nachgeben, keiner wollte sich für seine Worte entschuldigen, aber beide ließen ihren Frust an mir aus. An meinem letzten Geburtstag war es mir einfach zu viel. Sie wollte eine extra Feier ohne ihn. Er kam nicht, nachdem sie sich angekündigt hatte, obwohl sie wusste, dass er dann gehen würde. Ich war so wütend und so sauer, dass ich alles an ihr ausließ. Meine ganze Wut landete vor ihren Füßen. Einiges davon war gerechtfertigt, anderes nicht. Dafür wollte ich mich im Nachhinein entschuldigen, doch dann stellte sich mein Mann vor mir auf und sagte die Worte, die ich heute noch manchmal leise aufsage: 

„Entweder du lässt sie jetzt gehen oder ich gehe. So geht es nicht weiter.“

Ich ließ sie gehen und habe mich nicht mehr entschuldigt, wie es mein ursprünglicher Plan war. Ich habe auch ihre Anrufe ignoriert bis es still wurde, bis ich merkte, dass sie es verstanden hatte. Heute sehen und hören wir nichts mehr voneinander. Ich bin immer noch mit ihm zusammen und glücklich. Wir haben gemeinsame Freunde, aber gehen auch mit anderen aus. Seitdem sie nicht mehr da ist, geht es uns auch besser. Nur manchmal, wenn ich ein Glas Wein allein auf meinem Balkon trinke, frage ich mich ob es richtig war. 

Frau Nummer drei: 38 Jahre alt und immer noch wie frisch verliebt. 

Ich habe alles hinter mir gelassen. Ich habe mich auf eine neue Liebe eingestellt. Die letzte Beziehung beendet, meine Wohnung gekündigt und mit ihm zusammengezogen. Wir sind wie ein junges Teenagerpärchen und bestimmt manchmal etwas peinlich. Verzeiht! Aber ich bin so glücklich wie noch nie. Ich habe noch nie so empfunden und muss mich immer wieder fragen, was und wen ich die letzten Jahre denn wirklich geliebt habe. Habe ich mir meine Gefühle immer nur eingeredet? Habe ich unterbewusst so lange auf diesen Mann warten wollen? Manchmal frage ich mich wirklich, was mir das Leben noch alles bereithält und manchmal frage ich mich auch, ob ich meine Entscheidungen später, wenn ich alt bin, bereuen werde? Denn jetzt jetzt weiß ich, dass ich mit genau diesem Mann alt werden will. Was er mir aber zu Beginn gleich gesagt hat, lässt mich immer mal wieder in mich kehren und darüber nachdenken. 

Er könne keine Kinder mehr bekommen.

Er hat aus seiner ersten Ehe drei Kinder und ließ sich danach sterilisieren. Er will ganz bewusst keine weiteren Kinder in die Welt setzen. Er kümmert sich immer noch liebevoll um seine nun schon erwachsenen Kinder, aber das reicht ihm völlig aus. Für ihn ist seine Familienplanung abgeschlossen. Ich bin seine neue große Liebe, mit der er die Welt sehen will, aber nicht der Mensch, um eine neue Familie zu gründen. Ich muss dazu sagen, dass ich 15 Jahre jünger als er bin und bis vor zwei Jahren immer noch gedacht habe, dass ich nur den richtigen Mann finden muss, dann klappt das auch mit den Kindern. Ob ich wirklich welche will? Keine Ahnung, aber jetzt wo ich den richtigen Mann an meiner Seite habe und mir die Entscheidung damit  quasi abgenommen wurde, frage ich mich immer öfter, ob es das ist was ich will. Schaue ich ihn an, kann ich sagen, dass ich will, dass er bei mir ist. Schaue ich mir seine erwachsenen Kinder an, weiß ich, ich mag sie sehr, aber es sind nicht meine. Ich werde mit dieser Beziehung keine eigene Familie gründen können. Ich werde nur ihn haben und ich bin mir nicht sicher, ob ich das später bereuen werde.

Kommentare

Ein Kommentar zu “3 Frauen 3 Meinungen – Was hast du für deine Liebe aufgegeben? ”
  1. Drea sagt:

    Ich freue mich immerwieder Sonntags was neues zu lesen. Am interessantesten finde ich immer „3Frauen 3 Meinungen“ das ist so echt und direkt aus dem Leben.

Schreibe einen Kommentar