Kolumne

Letters to Myself: Einfach einmal die Klappe halten

14. Juli 2019 • 1 Kommentar

Wie oft predige ich, dass wir kurz bevor wir den Mund aufmachen, die Möglichkeit wahrnehmen sollten über das sogleich Ausgesprochene noch einmal nachzudenken?

Fragen die wir gern nicht stellen dürfen: Bist du schwanger?

Inne halten, sich fragen wie sinnvoll die Äußerung ist, ob sie jemanden verletzten könnte und wie ich auf diese Worte selbst reagieren würde? Wie simpel das doch klingt, aber wie selten wir es umsetzen. Wie oft musste ich schon selbst erfahren was Worte, Andeutungen oder ein vorschnelles Urteil mit mir machen können?

Richtig. Ich müsste erwachsen genug sein um zu wissen, was ich sagen kann und was ich gern für mich behalten darf. 

Es gibt so viele Themen bei denen ich mir auf die Zunge beiße und denke „Franzi! Ist es das wirklich wert? Die ganze Aufregung und der emotionale Rattenschwanz, alles für ein paar lauwarme Gedanken?“

Lass es doch im Raum stehen. So schnell wie der Gedanke da ist und wieder verschwindet, müsste doch auch das Gefühl wieder gehen, es ansprechen zu wollen. Das klappt auch immer öfter ganz gut, vor allem wenn diese Menschen mich nicht betreffen, mich nicht beeinflussen oder die Chancen bei 99,99% liegen, dass ich sie nie wieder sehen werde. Aber was ist das in uns, dass wir bei manchen Themen auf einmal das Hirn abgeben und unserer Neugier oder der eigenen Dreistigkeit freie Bahn lassen, nicht auf die Alarmglocken hören, der Verstand sich wegdreht und das Bauchgefühl frei raus fragt: 

„Sag mal- Bist du schwanger?“ 

Da ist das Fettnäpfchen. Eine dumme Laune meiner Natur, Hirn zusammen mit dem Mantel an der Garderobe abgegeben, Feingefühl draußen vor der Tür gelassen und der Bekannten dreist die nervtötendste aller nervtötenden Fragen um die Ohren gehauen. Schon als ich es aussprach merkte ich, wie auf einmal das Hirn wieder einsetzt und mein Empfänger für Empathie voll ausschlägt. Innerlich versinke ich gerade im Boden. Derjenigen, die immer so gern sagt „Das gehört sich doch nicht, wie kann sie nur …“ passiert genau das, was ihr nie passieren sollte: Sie mutiert zu einer unhöflichen Begleiterscheinung. 

So selten ich diese Bekannte sehe und so wenig ich über sie weiß, so dreist bin ich an diesem Abend schon lange nicht mehr gewesen. Wie kann ich mir anmaßen, so eine unglaublich persönliche Frage kurz nach der Begrüßung in den Raum zu werfen? Neben ihrem Cocktail in der einen und der Zigarette in der anderen Hand hätte sich das wohl schon von selbst geklärt.

Aber es gab in meinem Kopf leider nur ein Dreischritteprogramm, dass mich nicht daran gehindert hat, eine dieser selten dämlichen Fragen zu stellen.

Mein Kopf läuft hochrot an und ich entschuldige mich sofort für meine Art und Weise. Sie nimmt es gelassener hin, als ich es wohl getan hätte, lächelt mir milde zu und gibt mir das wieder, was wohl schon als Standardsatz eingeplant ist.

„Ich hab einfach nur zugenommen. Also ich bin gerade fett geworden. Mach dir keine Sorgen, jeder fragt mich das.“

Mit „jeder“ ist wohl die Art Mensch gemeint, die sich gern rausnimmt anderen intime Fragen zu stellen und sich nicht zu fein ist, sie auch in größerer Runde auszuplaudern ohne dabei zu beachten, wie es demjenigen überhaupt geht. Ohne darüber nachzudenken, welche Konsequenzen so intime Fragen haben können, oder zu wissen um was es wirklich geht. 

Ich darf mich nach diesem Abend zu diesen Menschen zählen und bin nicht stolz darauf. Auch Tage später verfolgt mich mein selten dummes Verhalten und ich schreibe ihr noch einmal. Ich weiß auch, dass sie mir mit netten Floskeln antworten wird, denn wir wissen beide, dass ich es nicht böse gemeint habe- Aber so kam es eben an. Respektlos war es, sinnfrei und unangebracht. Genau das schreibe ich ihr auch. Ein paar Tage ohne Antwort vergehen und ich würde es auch völlig verstehen, wenn sie gar nicht mehr reagieren würde. Aber am Ende der Woche erhalte ich eine lange Message mit viel Ehrlichkeit und einem letzten netten Satz:

„Du bist leider nicht die Einzige die mich das fragt. Aber immerhin hast du dich entschuldigt, ohne auf eine Erklärung von meiner Seite zu warten. Danke.“ 

Auch drei Monate später schäme ich mich noch, weiß aber jetzt woran ich noch arbeiten muss, und dass eine Entschuldigung in diesen Fällen immer oberste Priorität hat. 

Letters to myself: Einfach einmal die Klappe halten und nachdenken, bevor ich etwas sage.

 Seid ihr auch schon solche Fettnäpfchen getreten? Wie seid ihr damit umgegangen?

Kommentare

Ein Kommentar zu “Letters to Myself: Einfach einmal die Klappe halten”
  1. Septemberbaby2019 sagt:

    Liebe Franziska,
    Was man vorallem bedenken sollte, dass es viele Frauen gibt die sich Kinder wünschen, eine entsprechende Therapie machen mit Hormonen etc u dadurch auch an Gewicht zu legen u obwohl sie wissen das es nicht gut ist, sich an dem Abend einen Cocktail u eine Zigarette gönnen. Ist mit oft passiert, aber entschuldigt hat sich nie jemand, also danke für deine Sensibilität deiner Bekannten gegenüber, da können sich einige eine Scheibe von abschneiden.
    Lg Liv…jetzt offensichtlich schwanger;)))

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