Kolumne

Von Frau zu Frau: Was ist das mit uns Frauen und dem Zusammenhalt?

26. Mai 2019 • 1 Kommentar

Support? Sehr gern. Aber nur wenn es einem in den Kram passt! Ich habe keine Ahnung wie ich mich als Frau richtig verhalten soll, damit wir alle irgendwie den richtigen Weg zusammen gehen- so von Frau zu Frau.

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Manchmal müssen wir loslassen und manchmal müssen wir uns überlegen, ob wir uns auch so verhalten wollen, und manchmal wäre nicken und „Danke“ sagen wohl die passendere Reaktion. Aber wie sieht es aus wenn wir fies werden von Frau zu Frau?

Ich erzähle euch eine Geschichte.

Stellt euch vor ihr seid neu im Job. Ihr fühlt euch unwohl. Sie jedoch wirkt erfahren, als ob sie alles im Griff hat. Sie wirkt wie eine Instanz, an die ihr euch halten könnt und sie gibt euch auch genau dieses Gefühl.

„Bei Fragen und Probleme kannst du dich gern an mich wenden.“

Dieses Bild vermittelt sie dir immer wieder wenn ihr euch trefft. Manchmal seht ihr euch spontan, sagt euch hallo auf dem Gang, sprecht ihr Lob für ihre Arbeit aus und applaudiert bei Lob anderer für sie. Sie bedankt sich immer höflich bei dir, antwortet dir gern auf Mails und ab und an, wenn ihr es schafft, gibt es einen geplanten gemeinsamen Kaffee. Es klingt alles nett und fühlt sich alles gut an. Wir Frauen fassen dann gern Vertrauen und sind mutig, immerhin hören wir viel von „Support other Woman“ und „Zusammenstehen bringt uns voran“ vor allem im Beruf auch ein kluger Schritt nach vorn. Du nimmst sie dir als Vorbild und möchtest dich auch gern weiterentwickeln. Sie natürlich nicht kopieren, ihr nichts wegnehmen. Nein Im Gegenteil, du findest sogar sie könnte dir vielleicht bei mancher Frage weiterhelfen und deine berufliche Richtung beeinflussen.

„Bei Fragen und Probleme kannst du dich gern an mich wenden.“

Du nimmst dir vor, ihre Meinung zu dir anzuhören, zu deiner Arbeit. Diese Frau hat es immerhin geschafft sich etwas aufzubauen, das du bewunderst, und vielleicht hat sie Zeit dir zu sagen, was du noch besser machen könntest. Es kostet dich nur Mut und Überwindung. Du nimmst dir vor, ihr eine Nachricht zu schreiben, in der du deine persönliche Seite zeigst. Du machst dich angreifbar, du gehst in die Offensive, du bist mutig und wagst es, ganz offen um Hilfe zu fragen. Ob sie sich deine Arbeit und was du bis jetzt geschafft hast, einmal anschaut und dir vielleicht den einen oder anderen Tipp geben könnte?

Du fügst imaginär noch hinzu, dass du für jegliche Kritik offen bist und dich nicht persönlich angegriffen fühlst, wenn etwas nicht gut wirkt oder unprofessionell ankommen sollte.

Einen Rat anzunehmen ist nicht so schwer in unserer Gesellschaft, erst einmal danach zu fragen dagegen schon. Es gibt für uns Frauen kaum eine Anlaufstelle, um einmal eine wirklich objektive Meinung zur eigenen Leistung zuerhalten. Freunde und Familie sind dir immer pauschal positiv gestimmt und Menschen, die dich nicht mögen, können dir ihre Sichtweise selten ohne ihre Gefühle vermitteln.

Warum also nicht eine Frau fragen, deren Arbeit du schätzt?

Die Antwort kann prompt kommen oder sie lässt sich Zeit. Sie kann sehr nett formuliert sein, dass sie nichts zu meckern hat und sie sich für dich freut. Das war es. Vielleicht eine ganz normale Geschichte im Alltag einer Frau.

Aber was ist, wenn du Monate später aus vielen  Ecken und auch öffentlich lesen darfst, was sie von dir wirklich denkt? Kein nettes Wort, dafür umso mehr Spot und Hohn?

Wenn wir Frauen genauso weiter mit anderen Frauen umgehen, werden wie wir auch noch weitere 500 Jahre brauchen, um endlich weg von den immer noch so großen Ungleichheiten zu kommen. Wovor haben wir Angst? Wieso ist es einfacher sich das Maul zu zerreißen, anstatt den Anstand und die Ehrlichkeit zu haben, die wir gern vermittelen? Wie viel Vorbild steckt in uns, wenn wir uns immer wieder gegenseitig so behandeln- wieso haben wir wohl mehr Angst vor anderen Frauen als am Ende auf einen gemeinsamen Weg zu blicken?

„Bei Fragen und Probleme kannst du dich gern an mich wenden.“

Das sollten wir ernst nehmen und einfach ehrlich sein, oder? Beißen wir uns die nächsten Jahre weiter gegenseitig den Kopf ab? Lassen wir uns dadurch nicht extrem viel entgehen, oder funktioniert nur so der eigene berufliche Erfolg?

Was würdet ihr tun?

Kommentare

Ein Kommentar zu “Von Frau zu Frau: Was ist das mit uns Frauen und dem Zusammenhalt?”
  1. Denise sagt:

    Liebe Franzi,
    ich finde es auch sehr schade, dass es so oft belächelt wird, wenn man nach Hilfe fragt und ich kann auch absolut nachvollziehen, dass man sich deshalb davor scheut, jemanden zu fragen, den man selbst vielleicht sogar ein Stück weit bewundert, zu dem man jedenfalls aufschaut.
    Inzwischen habe ich da aber wesentlich weniger Probleme, weil ich mir denke, wenn mein Gegenüber es nötig hat, mir mit Spott und Hohn zu begegnen – und ich rede nicht von konstruktiver Kritik, darauf bin ich ja aus – dann ist das ein Thema, welches die Person mit sich selbst hat. Wenn jemand gemein und unsachlich wird, obwohl ich freundlich und offen auf sie zugekommen bin, dann hat das meistens nichts mit mir, sondern mit meinem Gegenüber zutun. Und irgendwie senkt eine solche Reaktion mein Ansehen vor der Person auch gewissermaßen ab. Ich weiß nicht, ob ich Ratschläge von jemandem will, der es scheinbar genießt, auf andere herabzuschauen, ohne ihnen aufzuhelfen.
    Liebe Grüße,
    Denise

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