Kolumne

Letters to myself: Allein sein als Frau , allein reisen als Frau

12. Mai 2019 • 1 Kommentar

Ich bestelle mir ein Glas Wein, oder doch ein Glas Wasser? Niemand da, mit dem ich das besprechen kann. Ich überlege wie ich von A nach B komme, ich kopiere mir den Weg aus google Maps auf mein Handy … und ich mache das nur für mich.

allein als frau reisen wohin wie fühle ich mich einsamkeit unterwegs

Als ich heute Morgen aufgestanden bin, war ich allein. Ich habe langsam die Balkontür geöffnet, das Meer rauschen hören und bin auf Zehenspitzen in das Hotelbad gelaufen. Leise öffne ich die Tür, leise schließe ich sie wieder. Ich blicke in den kleinen Spiegel und muss kurz lachen, für wen noch mal- ich bin doch allein hier. Ich öffne die Tür wieder. ….

Stunden später laufe ich durch eine Stadt, in der ich noch nie war. Stunden später stehe ich vor Schaufenstern, gehe an Marktständen vorbei, erwische ein knutschendes Pärchen und suche mir dann ein kleines Restaurant, um mit mir allein einen Kaffee zu trinken.

Neben mit sitzt eine ältere Dame, die ein Glas Wein in der Hand hält und obwohl es sich gerade gut anfühlt hier allein zu sein, macht mich ihr Anblick etwas traurig.

Wie stellen wir uns Frauen vor, die allein reisen? Einsam, kaum Freunde, Eigenbrödlerin, seltsam bis schrullig und niemand will mit ihnen verreisen. Ich denke sofort an Tracking-Sandalen plus Fischerhut. Wenn, dann ein richtiges Antibild präsentieren.

Mir wäre es vor drei bis vier Jahren auch nicht in den Sinn gekommen, einfach etwas zu buchen und loszuziehen, ein paar nette Sachen einzupacken und eine Woche nur mich und die Welt zu entdecken. Warum hätte ich das tun sollen? Für wen? Nur für mich? Unvorstellbar und auch selten irgendwo gehört. Daher immer mit Freundin, Familie oder Freund unterwegs sein. Immerhin will ich Erlebnisse teilen, gemeinsam entdecken und später noch sagen können: Kannst du dich daran noch erinnern? Etwas Bleibendes schaffen, das sich im Gedächtnis einnistet und das Herz ab und an erwärmt. Diese kleinen Dinge im Alltag, die mir dann das Gefühl aus dem Urlaub wieder vor Augen führen und am liebsten geteilt mit den liebsten Menschen.

Der Marmeladeglasmoment- pack ihn ein und nimm dir immer wieder ein Stück Erinnerung, wenn du es brauchst.

Aber kann ich auch für mich ganz allein Momente sammeln? Und die viel wichtigere Frage: Wozu wäre es gut? Was nützt mir das allein sein und reisen, wenn ich es nur mit mir erlebe? Wie oft teilen wir Momente nur, weil wir zeigen wollen, wie wichtig und beliebt wir sind? Wenn ich dann allein reise, gibt es doch gar keinen Beweis?! Allein reisen, kann auch bedeuten, nicht gemocht oder beliebt zu sein. Ihr wisst schon, nur wer viele Freunde hat, immer mit vielen Menschen unterwegs ist und so auch einen Beweis liefern kann, ist beliebt und wird gemocht. Status: viele Freunde, viel wichtiger, guter Urlaub.

Das ist es aber nicht, was beim Thema allein reisen wirklich zählt.

Mir fallen sofort ein paar gute Gedanken ein die ebenso ein Marmeladeglasmoment wären: Über meinen Schatten springen, sich neuen Herausforderungen stellen, an den eigenen Ängsten wachsen und sich überraschen lassen. Klingt auch verdammt gut und verwegen, oder? Raus aus dem Alltag und das tun, was sich gar nicht so viele trauen. Dazu zähle ich mich bis jetzt auch noch. Doch irgendwie lockt es mich schon, mehr für mich und meine Persönlichkeit zu tun und auf die Sicht der anderen reichlich wenig zu geben. Vielleicht auch, weil ich begriffen habe, dass ich erst mit mir klarkommen muss, um im Leben sowie den Rest ins Lot zu bringen. Weil mir bewusst geworden ist, ich weiß manchmal gar nicht mehr wer ich bin, was ich für mich will und wie ich mich wieder finden kann. Dann braucht es womöglich diese Auszeit von allem. Diesen einen Schritt um wieder mehr über sich selbst zu lernen.

Das „darüber nachdenken“ fühlt sich auf jeden Fall nicht falsch an. Im Gegenteil, mir juckt es sogar in den Fingern, allein etwas zu buchen, im Flieger zu sitzen und nicht zu wissen, mit wem ich am Ende vielleicht an einem Tisch sitzen werde.

Am Ende sogar neben der älteren Dame?

Ich blicke noch einmal zu ihr und jetzt wirkt sie gar nicht mehr so traurig, wie ich zu Beginn vermutete. Im Gegenteil sie ist auch noch weit aus eleganter gekleidet als ich. Nichts von Tracking, nichts von schrullig.

Das einzige was ich sie gern fragen würde, meine größte Angst ist es, dass allein sein als Frau in einer fremden Stadt. Denn hier habe ich ein kleines Problem- es kann mir nicht nur das „in die falsche Gasse abbiegen“ passieren. In einer Welt, in der ich mich auf der einen Seite so stark und sicher fühle, wird es auch Momente geben, in denen ich Angst haben werde.

Wie werde ich dieses Gefühl jetzt noch los?

Allein sein- allein reisen

Kommentare

Ein Kommentar zu “Letters to myself: Allein sein als Frau , allein reisen als Frau”
  1. Edyta sagt:

    Toller Beitrag!
    Ich versteh das total. Ich würde am liebsten auch mal alleine verreisen wollen… leider hab ich da etwas Respekt vor…abgesehen davon verreise ich unheimlich gerne mit Freunden und vor allem mit meinem Freund. Aber wie du sagst, einfach mal über der Schatten springen, den Horizont erweitern. Das sollte Frau öfter allein machen. Ohne Angst, ohne Vorurteile und vielleicht ganz spontan.

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