Kolumne

3 Frauen 3 Meinungen: Wann hast du vergessen, dass du gut genug bist für diese Welt?

10. Februar 2019

Du bist nicht genug für dich und dein Leben.
Du musst dich anpassen.
Du musst mit etwas aufhören, mit etwas beginnen, oder etwas für dich machen.

sei dir selbst genug liebe dich so wie du bist

Was bringt uns Frauen dazu uns selbst nicht zu akzeptieren wie wir sind? Welche Gedanken verleiten uns immer wieder dazu, an uns selbst als Mensch zu zweifeln? Warum entsteht eine Leere in uns wenn wir nicht so leben wie alle anderen, und was machen diese leeren Räume in unserem Kopf und im Herzen mit uns?

Frau Nummer eins ist  24 Jahre jung. Single seit 5 Jahren. Ist sich selbst gerade nicht gut genug.

Wie oft sage ich mir, dass ich gut bin wie ich gerade bin? Fast jeden Tag. Ich muss das tun, ich muss es sagen, weil ich manchmal an mir selbst und meinem Umfeld verzweifle. Wie oft höre ich „Warum du keinen Mann findest ist mir ein Rätsel“. Ja, ein Rätsel ist es für mich auch, aber es ist wohl einfach so. Ich bin erst 24, aber es ist doch schon seltsam seit gut fünf Jahren wirklich niemanden zu treffen, der auch nur annähernd für etwas längere Zeit bei mir bleiben möchte. Ich habe keine Gefühle, vielleicht auch gerade keinen Platz oder keine Zeit. Aber irgendwie will ich als Frau, als Mensch, doch geliebt werden. Ich habe Freunde, Familie und Arbeitskollegen, alle nett, alle immer für mich da- aber die Sache mit dem Singlesein ist nach den letzten einsamen Jahren doch nicht mehr so einfach wegzustecken. Ich würde mich sehr gern verlieben und mehr Zeit opfern, Dinge aufgeben und so Raum schaffen für einen Mann in meinem Leben.

Nur ist mir bis jetzt nicht einmal ansatzweise jemand näher gekommen, bei dem ich mir das vorstellen könnte. Und so frage ich mich selbst schon ab und an mal, ganz allein auf der Couch in meiner Single Wohnung:

 

„Bin ich genug? Passt das alles? Kann sich so überhaupt jemand in mich verlieben?“

Stimmt mit mir irgendetwas nicht?

Meine Freunde und meine Familie würden sofort nein sagen, aber es ist schon komisch, dass jeder seinen Deckel findet und nur ich eine Art Spezialtopf zu sein scheine. Ein Sondermaß.

Wenn ich Freitagabend mal wieder ausgehe oder allein auf der Couch sitze und einen Mädelsabend plane, ist da ganz unterbewusst in mir drin immer wieder dieses Gefühl. Ich schalte und blende es oft genug aus und akzeptiere es mehr oder weniger. Aber wenn es hochkommt, dann frage ich mich immer „Wann bin ich genug, wann passe ich endlich in diese Welt?“ Ich weiß sehr gut, dass mich die Liebe zu einem anderen Menschen nicht freier oder glücklicher machen kann, aber es fehlt mir etwas.

Ich wünsche mir einen Partner an meiner Seite, und bis zu diesem Zeitpunkt wird immer wieder die Frage in mir aufkommen, wann ich endlich genug bin.


Frau Nummer zwei ist  33 Jahre alt. Immer wieder unglücklich.

Was hätte ich nur dafür getan ein wenig später auf die Welt gekommen zu sein. Wie wäre ich jetzt wohl mit 22? Manchmal spüre ich diesen unglaublich großen Druck auf meinen Schultern. 33. Wie endgültig. Nicht mehr zu jung um dumme Dinge zu sagen und zu tun, aber auch noch nicht zu alt um mich über alles zu beklagen, was ich in meinem Leben finden kann.

Ich weiß ich bin nicht alt, aber diese Zwischenzeit fühlt sich für mich als Frau bedeutungslos an, wenn man nicht gerade Kinder, Familie oder Karriere plant.

Ich habe keine Geldsorgen, bin aber auch nicht reich. Ich sehe jünger aus, bin aber auch kein Model. Ich liebe es jeden Tag aufzustehen, weiß aber am Ende des Tages oft nicht was ich geschafft habe. Ich hänge fest, zwischen Karriere und erstem Kind. Denn es gibt sonst nichts für mich zu tun. Will ich zu Hause bleiben und Kinder kriegen? Das wäre ein Plan. Will ich hoch hinaus und dafür arbeiten? Das klingt auch gut. Aber ich kann mich doch nicht ewig zwischen beiden Welten bewegen. Was also tun?

Die 33 aussitzen, weitermachen, umkehren, mich selbst belügen, abwarten?

33 ist zwar kein Alter, aber immer noch eine Problem. Wenn ich auf die Frage nach meinem Alter ehrlich antworte, bekomme ich oft die Reaktion „Doch schon so alt.“ Lüge ich und sage 27 antwortet man mir „Du hast noch alle Zeit der Welt.“ In fünf Jahren ist also doch alles vorbei. Dann muss ich etwas vorweisen. Ich korrigiere mich, ich bin ja schon 33. Jetzt muss ich etwas vorzeigen können.

Geht es nur mir so? Sind es nur wir Frauen, bei denen wir ab einem bestimmten eine Entscheidung sehen wollen? Eine Entwicklung? Einen Fortschritt? Müssen wir, wenn uns die ersten Lachfalten stören, jünger, attraktiver und naiver wirken? Was mache ich nach der 33? Bin ich nur gut genug wenn ich jung bin?


Frau Nummer  drei ist erst 16 Jahre alt. Will gern irgendwo dazugehören, um sich gut genug zu sein.

Mir ist ja bewusst, dass ich mich nicht nur auf mein Äußeres konzentrieren sollte. Ich lese genug Texte und führe gute und intensive Gespräche mit Freunden und meiner Familie. Aber sobald ich beispielsweise den Klassenraum betrete, das Magazin aufschlage oder durch Instagram scrolle muss ich feststellen, dass alle immer besser und dünner aussehen.

Skinny Jeans? Weisse Hose? Enges Kleid?

Das funktioniert nur an ganz dünnen Mädchen. Oder wenn du richtig kurvig bist, dann ist das ja auch wieder ein Statement. Dann hast du deinen Platz irgendwie gefunden. Aber was ist denn mit den ganz normalen Mädels, so wie ich es bin? Ich würde mich gern weniger vergleichen oder mich fragen, warum meine Knie dicker und knubbeliger sind. Ich würde gern wissen, warum dieses Mädchen hot ist, und das andere nicht, und wieso das nur immer so wichtig ist.

Alle sprechen von Selbstliebe, aber selbst wenn du völlig normal bist, bist du schon nicht mehr genug.

Neue Brüste zum Geburtstag, die Nase korrigiert, und die Mütter die sagen, dass ihrer Tochter die Diät im Sommerurlaub richtig gut getan hat. Ich bin an vielen Tagen schon fein mit mir, aber es gibt auch diese anderen furchtbaren Stunden, in denen ich mich nicht mehr im Spiegel sehen möchte, und in denen ich mich noch mehr über mich und meine dumme Oberflächlichkeit ärgerer. Ich weiß am Ende eigentlich schon, was gut für mich ist- die meiste Zeit zumindest. Dieses ständige Dünner sein, aber auch wieder nicht zu dünn- mehr Kurven, aber nicht zu viel- „richtig“ eben, das macht mich fertig. Sich selbst zu lieben, aber sich gleichzeitig immer verbessern, das macht mich so verrückt.

Es zwingt mich zu einer Entscheidung: Vielleicht doch eine Diät zu machen? Vielleicht doch mehr Kurven?
Ja, ich muss mich wohl entscheiden. Aber muss ich das, nur um anderen zu genügen?

Wann hast du vergessen, dass du gut genug bist für diese Welt?

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