Kolumne

Trage ich als Influencer eine Verantwortung?

24. Januar 2019 • 7 Kommentare

Ich habe vor zehn Jahren angefangen zu bloggen. Aus einer Laune heraus, einfach so für mich und weil ich glaubte, dass das eh niemand wirklich so richtig lesen würde.

verantwortung influencer geld

Jetzt, zehn Jahre später, bin ich seit sechs Jahren selbstständig und sitze in einem Büro. Ich zahle Steuern, habe zwei freie Mitarbeiter und muss mich heute noch manchmal zwicken, wenn ich darüber nachdenke, wie ich darauf kommen konnte einen Blog zu starten.

Damals war alles freier und es gab noch keine großartigen Regeln, Gesetze, oder gar Gedanken daran damit sein Geld verdienen zu können. Es war ein Hobby, das langsam aber sicher zum Beruf wurde.

Ich kann mich glücklich schätzen. Es ist nicht immer so einfach in ganz neuen Bereichen etwas Neues aufzubauen, denn weder das Gesetz noch unsere Gesellschaft ist auf einen so schnellen Wandel vorbereitet.

Grundlegend ist allerdings immer die Verantwortung für das was man tut, das gilt für jeden Menschen und jedes Unternehmen. Die Frage nach der Verantwortung des Influencers für seine Arbeit, seine Äußerungen und seine Handlungen ist natürlich auch berechtigt:

Sind wir verantwortlich? Fühlen uns überhaupt verantwortlich? Gibt es einen Punkt an dem wir zurückrudern, Stellung beziehen müssen, oder  gar transparent sein sollten?

Bist du mit deinem Kanal auch verantwortlich für die Konsequenzen?

Diese Frage wurde mir so noch nie gestellt. Ich habe sie mir erst jetzt selbst stellen müssen, nachdem ich mir die Dokumentation über das Fyre Festival auf Netflix angesehen habe. Dort haben ein paar Leute ein großes Ding, das Festival überhaupt geplant, unterstützt von prominenten Investoren und beworben von unzähligen Supermodels und großen Infiuencern. Am Ende wurde vielen Menschen das Geld aus der Tasche gezogen, sie wurden betrogen. Die Dokumentation hat mich zum Nachdenken gebracht.

Welche Verantwortung hat jemand, der mit einem Imagevideo und gebuchten Werbeposts Leute dazu bringt, Tickets im Wert von mehreren Tausend Dollar zu kaufen? Wie hoch ist die Verantwortung bei einem so großen Vertrauensvorschuss?

Sie ist jung, sportlich und erzählt von ihrer ganz persönlichen Abnehm-Horror Story. Mobbing in der Schule, nie so gut gekleidet, immer viel gelitten. Aber seit sie diese Kuren macht, ist sie ein anderer Mensch. Ein Leben ohne ihre Community kann sie sich nicht mehr vorstellen. Sie empfiehlt nur die Produkte, die sie selbst nutzt.

So kaufen junge Menschen eine Anleitung zum Abnehmen.

Sie ernähren sich unterkalorisch, in WhatsApp Gruppen tauschen sie sich aus. Niemand stellt die Frage nach der medizinischen Einschätzung einer selbst erdachten und durchgeführten Kur. Niemand stellt den Influencer in Frage, denn sie hat es ja schließlich geschafft. Und sie ist eigentlich meine beste Freundin, deswegen empfehle ich diese Kur auch anderen Menschen. Ich verdiene vielleicht sogar noch etwas dazu und bekomme Lob von meinem Idol.

Aber habe ich nicht die Pflicht mich umfänglich zu informieren, auch auf Risiken hinzuweisen und mich damit mehr auseinanderzusetzen?

Sie sitzt in einer Badewanne und hält einen Fön in der Hand. Ist das nicht gefährlich? Oder sind die neuesten Geräte jetzt immun gegen Wasser?

Sie hängen sich an eine Klippe, die Aussicht ist atemberaubend. Beide sind so schön anzusehen, aber der Reiz ist wohl die Extreme. Müssten sie nicht darauf hinweisen, dass es immer wieder ein Wagnis ist, dass es gefährlich ist?

Sie wacht gerade aus der Op auf. Sie hat endlich die Oberweite die sie sich wünscht.

Sie hat keine Schmerzen, keine Probleme und kann dank der Kooperation mit dem Arzt noch ein paar Tage in seinem Wellness Hotel verbringen. Aber ist eine Brust-Op denn nicht auch gefährlich? Was kann passieren? Welche Alternativen bieten sich an? Muss ich das wirklich tun? Für wen tue ich es eigentlich? Trage ich eine Verantwortung, wenn ich über Schönheitsoperationen spreche?

Natur pur. Ich trage kein Make-up mehr und halte Filter für völlig überflüssig.

Schaut man sich im Netz die Bilder von früher an, weiß ich auch warum: Da wurde sehr viel verändert. Es wurde nachgeholfen, aufgespritzt, andere Nase, mehr Wangenknochen und nun ist sie auch wunderschön. Aber was passiert mit mir, wenn ich das als junge Frau nicht weiß, nicht einschätzen kann und mich automatisch mit ihr vergleiche?

Müsste sie nicht darüber sprechen, warum sie sich jetzt so natürlich zeigt und weshalb sie sich erst jetzt schön findet?

Sie lachen und haben Spaß und alle haben das gleiche alkoholische Getränk in den Händen. Hier steigt die Party, hier haben alle Spaß, weil sie zusammen trinken. Alkohol ist ein Konsumgut und salonfähig. Ein Werbemagnet. Doch es kann auch zur Sucht werden. Es hilft nicht gegen Probleme und es macht keine Party besser. Müsste ich das nicht auch erwähnen?

In den letzten Tagen verfolgen mich diese Gedanken.

Ich kann mir selbst und euch nur diese Antwort geben: Ich denke, dass wir, sobald wir uns öffentlich äußeren, für unsere Handlungen eine Verantwortung tragen. Ich muss mich als Influencer erkundigen, ich muss genau hinsehen für was ich werbe und überlegen, ob ich hinter der Botschaft stehen kann. Ich muss, und das ist meine ganz persönliche Meinung, die Verantwortung erkennen und wahrnehmen, wenn ich jungen Menschen etwas empfehle. Ich bin verantwortlich für mein Handeln, denn vielleicht kommen andere Menschen zu Schaden, weil sie mir vertraut haben.

Bei diesem Festival war es am Ende nur das Interesse am großen Geld. Geld verlieren, tut kurz weh und ist kein gutes Gefühl- Aber ich möchte nicht, dass sich jemand operieren lässt, nur um sich besser zu fühlen und dann Probleme bekommt, weil er die Risiken nicht einschätzen konnte.  Ich möchte nicht, dass jemand glaubt er könne nur mit Alkohol Spaß haben. Und ich möchte nicht, dass sich jemand in die Wanne setzt und sich dabei die Haare fönt, denn ich möchte die Schuld am Tod eines Menschen nicht tragen müssen.

Ich weiß, ab einem gewissen Alter müssen wir uns um uns selbst kümmern. Dennoch stehe ich hier und genieße euren Vertrauensvorschuss. Das darf ich nicht ausnutzen, euch hinters Licht führen, euch betrügen oder euch gar in Gefahr bringen.

Ich trage für meine Taten, meine Handlungen und meine Worte eine Verantwortung. Und ihr erwartet zu Recht, dass ich mir dessen bewusst bin.

 

Trage ich als Influencer eine Verantwortung?

Ja.

Kommentare

7 Kommentare zu “Trage ich als Influencer eine Verantwortung?”
  1. C. sagt:

    Hallo Franzi,
    ich finde deinen Text wichtig und gut. Er hat mich sehr angesprochen, aber er lässt für mich einen großen Aspekt offen. Alle tragen Verantwortung, die in irgendeiner Öffentlichkeit stehen und von jungen Menschen als mögliche Vorbilder wahrgenommen werden. Deine Beispiele sind mir zu krass und zu weit weg von deiner persönlichen Verantwortung. Du bist nicht die, die das Partyleben mit Drogen und Alkohol als einzig wahren Lifestyle propagiert, du bist nicht die die junge Mädchen in den Magerwahn treibt (zumindest nicht durch Schwachsinnige Diätdarstellung, du bist schlank und attraktiv und könntest Jugendliche dazu animieren aussehen zu wollen wie du, aber dafür kannst du nichts).
    Wo ich deine Verantwortung gegenüber jungen Mädchen sehe, ist die Schuldenfalle: du zeigst sehr teure Kleidung, Taschen und Beautyprodukte. Freut mich, wenn du sie dir leisten kannst oder von Firmen gestellt bekommst! Aber ich würde mir wünschen, dass man angesichts steigender Armut in Dtl, denen die das nicht können, den Druck nehmen würde, den Druck dazuzugehören, den Druck, dass das so sein muss etc. Vielleicht kann man auch mal günstige Alternativen vorstellen (damit meine ich nicht die von 1000 auf 300 reduzierte Tasche, sondern wirklich unter 50 €) oder wie man mit kleinen Mitteln trotzdem einen tollen Style haben kann.

    • Franzi sagt:

      Hello! Ja ich glaube die Beispiele sind extrem aber im Netz sehr oft vorhanden. Zu der Sache mit den teuren Sachen: Die meiste Zeit trage ich Zara, H&M und Co, ich werte nur ab und an meine Looks mit Taschen auf, auf die ich lange sparen musste und darüber spreche ich auch oft und habe das sehr oft erzählt. Günstigere Alternativen biete ich auch immer an, aber ich würde nie zum Kauf von Dingen animieren, nur weil sie günstiger sind.Klasse statt Masse ist meine Devise. Denn ich finde auch blinder Konsum sollte nicht so propagiert werde.

      Ich würde und das habe ich schon öfter geschrieben- auch die teure Tasche nicht in den Vordergrund stellen oder als Must Have bezeichnen. Und wer arm ist, der hat ganz andere Probleme. Denn mein Job und mein Leben ist ein Luxus, das versuche ich auch zu vermitteln. Das ist nicht selbstverständlich, vor allem weil ich auch nicht so aufgewachsen bin. Ich hoffe dass nimmt dir etwas den Druck. Aber ich kann mir das genauer anschauen und das gern mehr mit aufnehmen. Aber lass uns eins ganz klar trennen, Armut und regelmäßig shoppen für 100 oder 50 Euro sollten wir nicht mischen. Denn das ist für andere auch schon mehr Luxus als sie sich leisten können. Danke dir für den Denkanstoß!

      • C. sagt:

        Ich will mit meinem Komentar auch keinen Massenkonsum fördern, aber ich finde Klasse statt Masse ist auch eine Luxusansicht! Was ich kritisiere ist, dass sich viele junge Mädchen Verschulden, weil sie glauben das muss so und wenn sie nur ein paar Bilder mit teuren Teile än posten kommen sie irgendwie raus aus ihrer kleinen Welt! Ich weiß, dass du oft davon sprichst, wieviel Arbeit dein Blog ist! Aber ich glaube, dass junge Mädchen mehr die Bildsprache als die Worte wahrnehmen! Und noch mal zu Klasse statt Masse: ich glaube nicht, dass ein Chanel-Lippenstift so hohe Qualität hat, wie er teuer ist! Da geht es nur um Luxus.

        • Franzi sagt:

          Das habe ich dir auch nicht unterstellt. Aber noch einmal um meinen mir sehr wichtigen Punkt deutlich zumachen: Armut würde ich bitte nicht mit: Ich kann nur für 100 oder 50 Euro shoppen verbinden. Um es mal ganz salopp runterzubrechen: Armut sollten wir ganz anders definieren, als über Klamotten, Beauty und Handtaschen. Da sind wir uns aber sicher einig und du wirst es nur etwas überspitzt angewendet haben. Zum Thema nachkaufen und Schulden machen: Absolut. Daher sage ich auch, wir sollten uns frei machen von solchen Statussymbolen. Und hier kommt meine Frage an dich, wenn ich aber eben spare und investiere- werde ich leider nicht der Ansprechpartner für bestimmte Inspirationen sein und das müsste mein gegenüber doch dann auch akzeptieren, oder? Was ist wenn ich die H&M Tasche eben nicht gut finde und 30 Euro für die Qualität, Optik und Material lieber anspare und dann für mich in eine Tasche investiere, die ich wirklich lange tragen werde?

          Da ich auch junge Designer empfehle und die eben auch Geld verdienen sollen, kostet Mode eben dann mehr. Aber wie wäre es mit alle 3 Monate dann ein gutes Teil, anstatt 3 Teile im Monat, die nicht der gewünschten Qualität entsprechen? Was den Lippenstift von Chanel angeht, das ist Geschmacksache und sicher wirst du immer einen Teil Marke mitbezahlen. Aber stell dir vor, du hättest diese Marke genau dahin gebracht, wo sie jetzt ist? Den Wert, der Ruf, die Läden, das was man mit Chanel verbindet. Meinst du nicht, du würdest dir auch einen gewissen Preis dafür vorstellen? Für dich ist das nur Luxus, für andere nicht notwendig oder für manche eben eine Investition von der sie mehr haben als von dem 5 Lippenstift von DM. Ich mag eher die von Dior aber auch von Catrice 😉 Ich denke meine Verantwortung liegt hier deutlich beim ehrlich sein und bleiben. Was ich nicht mag, sage ich. Was ich mir leiste und warum auch. Aber wer das nicht liest, den kann ich nicht zwingen. Und ich muss zugeben Dior Lippenstifte haben eine hohe Qualität und ich besitze 3 davon. That’s it. Alles Gute dir

  2. Coriful sagt:

    Liebe Franzi,

    Ich finde das Thema Verantwortung im Influencerbereich, wirklich super ausgewählt!

    Es ist so ein wichtiges Thema und wird wirklich unterschätzt! Klar sind die Beispiele, schon ein bisschen „überspitzt“ aber wenn mal mal drüber nachdenkt ist es die Pflicht als Expertin, die Aufklärungsarbeit zu leisten.

    Jedoch finde ich sind sehr viele im Influencer Bereich keine Experten.

    Ich finde es so toll, wie du sagst es war ein Hobby und nun ist es dein Beruf, jedoch recherchierst du und setzt dich damit auseinander, was dich zu einem Experten macht! Die spiegelt sich in deinen Blogbeiträgen auch wieder. Bei Kosmetika kennst du die Wirkstoffe und gehst darauf ein. Bei fashion erwähnst du klar, dass die Taschen, auch von dir lang angespart sind und sie werten den Look auf, was keinen in einen Ruin stürzt.

    Die Bilder, Texte von Experten werden jedoch mittlerweile nicht gesehen, wenn man kein Blog hat oder wie ich zum Beispiel die Reichweite nicht erlangen kann.

    Deshalb finde ich auch, wer die Reichweite hat trägt Verantwortung! Und sollte fürsorglich damit umgehen!

    Fühl dich gedrückt!
    Cori

  3. Hippymaedchen sagt:

    Kurz und knapp, aber JA, ich bin ganz Deiner Meinung.
    Genau wie Sportler, oder Schauspieler und Models. Wer in der Öffentlichkeit steht und dann noch für etwas wirbt, trägt eine gewisse Verantwortung!
    Tolle Gedanken hierzu!

  4. Eva sagt:

    Liebe Franzi,

    Super Post!!
    Ich finde, wir alle tragen eine gewisse Verantwortung für (jüngere) Mitmenschen; auch in der S-Bahn oder auf der Straße sind wir immer in gewisser Weise auch Vorbild für andere. Gerade ihr als Influencer/Blogger,.. habt da, wie ich dir zustimme, noch in weiteren Bereichen diese Aufgabe.
    Oft denke ich mir bei Produkten, die beworben werden: „Klar findest du das gut und kannst es empfehlen, du hast ja auch nichts dafür gezahlt. Aber würdest du es immernoch gut finden, wenn du den vollen Preis dafür hingelegt hättest?“ Ich glaube nicht, dass eine Meinung/Bewertung da wirklich objektiv sein kann, wenn das Produkt gesponsert wurde. Noch dazu, dass viele Menschen für den Preis des Produkts noch viel länger arbeiten/sparen müssten.
    Genauso finde ich es grenzwertig, wenn manche ihre eigenen Diäten anpreisen, ohne sich (das unterstelle ich einfach mal) wirklich ganz intensiv mit Ernährungswissenschaften/Medizin auseinander gesetzt haben. Viele Influencer haben mehr Reichweite als ein Arzt, der für seine Beratung ein Medizinstudium absolviert hat, Langzeitstudien kennt, usw. Genauso mit Kindererziehung und so viele weiteren Themen.
    Oft startet es als gut gemeinte Ratschläge, Erfahrungen, die weitergegeben werden, aber selbst ich ertappe mich des Öfteren, dass ich mich als Leser oft beeinflussen lasse und das, obwohl ich mich als reflektiert und alles andere als leichtgläubig einschätzen würde. Ich bin froh, in der heutigen Zeit nicht mehr Teenie zu sein und „mithalten zu müssen“, sondern weiß, auf was es (mir) im Leben wirklich ankommt. Und trotzdem liebäugle ich seit Langem mit einem Chanellippenstift, obwohl mir bewusst ist, dass der alverde Lippenstift bestimmt verträglichere Inhaltsstoffe hat (wenn ich jetzt sage, dass ich mir vom gleichen Preis die ganze alverde-Farbpalette kaufen könnte, sind wir schon beim nächsten Konsumthema).
    Ich würde mir wünschen, dass sich mehr Menschen ihrer Verantwortung so bewusst sind.

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