Kolumne

Ich finde mich schön und klug. Ist das ein Problem?

13. Januar 2019 • 2 Kommentare

Ich finde mich schön.

Ich sage das wenn es passt, wenn jemand fragt oder wenn ich einfach die Lust verspüre, es zu sagen. 2019 sprechen wir zwar an jeder Ecke von Selbstliebe, aber dann doch bitte nicht so, dass sich andere Frauen und Männer auf die Füße getreten fühlen.

Ich finde mich schön und klug. Ist das ein Problem?

„Ein bisschen Selbstverliebtheit ist schon dabei. Ich bin der Meinung eine Dame weiß, dass sie gut aussieht- aber sie würde es niemals laut sagen!“

Ich weiß, Bescheidenheit ist immer noch eine Tugend die wir in unserer Gesellschaft großschreiben. Aber es geht doch bei Selbstliebe nicht darum anzugeben oder einen Wettbewerb, wer innerlich oder äußerlich schöner ist zu starten. Das ist kein Wettrennen. Im Jahr 2019 ist das einfach absolut erlaubt. Es ist ok Dinge wie „Ich bin klug, ich bin schön, ich kann das“ zu sagen. Gerade als Frau ist es möglich das auszusprechen, ohne auf andere Rücksicht nehmen zu müssen. Nur weil andere das als eingebildet empfinden, ist es das nicht automatisch auch.

Ich soll mich also immer noch zurückhalten. Ich darf mich zwar selbst lieben, sollte es aber bitte nicht ansprechen. Und wenn ich es doch anspreche, wird mir Selbstbeweihräucherung unterstellt. Selbstliebe ist kein Verbrechen, es verletzt niemanden, es tut uns sogar gut. Gerade in Zeiten in denen Social Media kein echtes Abbild der Welt und Menschen mehr ist, uns diese Welt aber immer wieder als die einzig richtige und wahre verkauft werden soll, brauchen wir diese Stärke, und die Selbstliebe umso mehr.

Wie lange habe ich mit mir und meinem Äußern gehadert weil die Lippen zu klein, die Taille zu breit oder die Ohren zu winzig sind? Wie sehr habe ich mich dafür geschämt zu sein wie ich bin, und nicht wie all die anderen auf den Plakaten, im TV oder auf Instagram? Viel zu lange. Und deswegen muss ich meine Stärke und das Bewusstsein für meinen Körper und Geist wiederentdecken, mich selbst unterstützen und an mich glauben. Dabei lüge ich mich nicht an, sondern beginne kleine Mängel und Unzulänglichkeiten wahrzunehmen, sie für mich zu akzeptieren und dann ehrlich zu sagen, dass ich mich schön finde.

Noch immer kommen Frauen jedoch auf die Idee, mir nach diesen Gedanken Eingebildetheit zu attestieren. „Das gehört sich doch nicht. Wer es ist, der spricht nicht darüber.“ So ein Unsinn.

Genau das ist es, was uns Frauen unglücklich macht. Genau das ist es, was uns am Ende zu Entscheidungen treibt, die wir eigentlich nicht nötig hätten. Wenn es besser ist, nur meine Unsicherheiten preiszugeben damit mir alle sagen, dass es nicht so ist- mag das gut und nach Etikette klingen. Denn dann ist Frau wieder das Wesen mit den Emotionen und wenig Selbstbewusstsein, was gern alle sehen wollen. Eben wie es sich gehört als Elfe, als zartes Wesen, als Mädchen von nebenan. Wir brauchen ja immer wieder den Zuspruch, Mitleid und Bestätigung um uns gut zu fühlen. Aber es löst das Grundproblem nicht. Ich muss mich selbst akzeptieren können, so wie ich bin.

Wir sollen uns mit unseren Makeln beschäftigen und uns gut zusprechen, aber eine unbefriedigte Situation anzugehen und zu ändern ist dann nicht mehr akzeptabel? Sprich über deinen Erfolg und über deine Selbstliebe und dir wird nicht mehr zugehört. Du bist schließlich eingebildet.

Klassiker: Selbstsüchtig, arrogant und ja, auch noch eingebildet.

Wieso ist es also verkehrt endlich unsere Stärken in den Vordergrund zu stellen, anstatt den selbsterwählten Makeln so einen großen Raum zu geben? Auf was ich stolz bin, wie ich aussehe, was ich kann und was ich sein will- sollte viel mehr Gewicht haben. Wieso soll ich lieber meine Unsicherheiten öffentlich preisgeben und mir Zuspruch von außen holen der den Schmerz lindert, aber das Problem nicht behebt?

Ich habe oft erzählt was an mir nicht stimmt, habe aber gleichzeitig nicht verinnerlicht, dass ich mich lieben darf. Noch schlimmer, meine Makel traten noch mehr an mir hervor, ich bemerkte und verinnerlichte sie noch mehr. Bis ich aufhörte über meine Makel zu sprechen und sie euch zu präsentieren. Erst an diesem Punkt begann ich, mich so zu akzeptieren wie ich bin. Mal mit viel Humor, mal mit mehr Mut. Und jetzt? Jetzt sage ich, dass ich schön bin, wieso sollte ich das auch nicht sagen? Klingt es in deinen Ohren besser und beruhigender wenn ich behaupte, ich fände mich nicht schön?

Ich bin selbstverliebt, weil ich dann anfangen kann auch Liebe weiterzugeben. Ich kann mich nur selbst lieben, sonst würde ich mich in dieser Welt nicht zurechtfinden, mich nur auf meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten konzentrieren und mich einschränken.

Und wenn du dich erst selbst liebst, ist ein „Ich bin schön“ von einem anderen Menschen keine Herausforderung mehr, oder eine Möglichkeit dich über diese Äußerung aufzuregen. Es wäre viel mehr die Chance deine negativen Gedanken über dich abzulegen und sie in positive umzuwandeln. Das kann aber jeder Mensch immer nur für sich selbst entscheiden. Wir sollten das unterstützen, vor allem von Frau zu Frau. Sonst reden wir auch in 30 Jahren noch weiter nur über unsere Makel anstatt unsere Vorzüge.

„Ich finde mich schön und klug und ich denke ich habe etwas erreicht.
Ist das ein Problem?“

nein.

Kommentare

2 Kommentare zu “Ich finde mich schön und klug. Ist das ein Problem?”
  1. Absolut!
    Toller Artikel mit Etwas, das gesagt werden darf und sollte.

    Zumal es auch etwas bigott ist, bei Männern ist es ein Zeichen von Erfolg und Selbstbewusstsein, wenn mit „Mein Haus, meine Yacht, mein Auto…“ wie mit Pfauenfedern geplustert wird, aber Frauen sind dann arrogant und zu eingebildet, wenn sie eigenen Erfolg oder Fähigkeiten anerkennen.

    Darüber sollten wir 2019 in der Tat hinweg sein.

  2. MitohneMaske sagt:

    Vielen Dank für diesen tollen und voller wahrer Worte steckenden Beitrag! Während des Lesens hatte ich ein bisschen was von einem Wackeldackel, weil ich immer wieder ganz kräftig nicken musste und gleichzeitig merkte ich, wie im Hinterkopf bereits die ersten Gedanken kreisten.

    Ganz liebe Grüße von einer sicher noch etwas vor sich hin grübelnden Maike

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