Kolumne

Ich muss mich nicht mit jeder Frau verstehen

11. November 2018 • 6 Kommentare

Ich muss mich nicht mit jeder Frau verstehen. Ich muss das aussprechen dürfen und du: akzeptieren.

 

 

Wir stehen uns gegenüber und ich will dich von Herzen mögen. Wirklich, weil ich auch das Gefühl habe, dass ich das müsste. Ich will dir sagen ich fände dich hübsch, wunderbar und so unglaublich liebenswürdig. Aber das stimmt nicht. Auf mich hast du eine andere Wirkung und ich fühle, dass ich das nicht aussprechen darf. Ich befürchte, wenn ich die Wahrheit sage, würden wir beide nicht gut dabei wegkommen. Ich finde mich in dir nicht wieder, du kannst mir nichts geben, das mich wachsen lässt oder mich zum Nachdenken bringt. Genau so wird es dir mit mir und meinem Wesen auch gehen. Immer wieder versuche ich einem Grund zufinden, dabei liegt er so nahe:

Ich finde dich nicht interessant. Wir passen nicht zusammen.

Ich darf das nicht laut sagen. Ich darf mich nicht ohne Grund distanzieren, denke und fühle es aber trotzdem.

Du hast es oft genug versucht. Über Freunde und auf Arbeit, aber ich habe nie einen wirklichen Draht zu dir gefunden. Irgendwann habe ich die Reißleine gezogen und wollte das klären, was wohl unausgesprochen zwischen uns abläuft, obwohl wir uns nicht kennen. Ich habe dir gesagt es passe nicht. Ich hätte keinen Platz in meinem Leben für noch einen Menschen. Ich habe auch gesagt, dass es nicht an dir liegt, sondern daran, dass ich mich nur bewusst auf Freundschaften einlasse, bei denen ich ein gutes Gefühl habe. Du hast es akzeptiert, zumindest als ich vor dir stand. Doch jetzt gehst du mir aus dem Weg und ich höre immer wieder über fünf Ecken, dass wir ein Problem miteinander hätten. Dabei finde ich nicht, dass wir eines haben.

Es wird nur eins daraus gemacht, weil wir zwei Frauen sind und uns entweder verstehen oder hassen müssen. Dazwischen gibt es nicht viel mehr.

Als Frau ….

… im Jahr 2018 gehört es dazu, dass wir uns gegenseitig unterstützen, akzeptieren und respektieren. Das finde ich gut. Daher müssen wir uns aber auch alle mögen. Das finde ich falsch. Egal wie, wo und wer wir sind, wir sind verdammt dazu uns Freundinnen zu nennen. Und das fällt mir immer wieder auf die Füße. Denn was ich dann nicht darf, ist ehrlich zu sein und den Mund aufzumachen. Es geht dabei nicht darum die Schuld zu suchen oder der anderen Frau auf die Füße zu treten, sie zu verletzen oder ihr verbal vor allen anderen verstehen zu geben, sie sei nicht erwünscht oder es nicht wert, mit mir befreundet zu sein.

Im Gegenteil.

Es geht darum, dass wir uns mit manchen Menschen besser verstehen und wir uns gegenseitig mehr zu bieten haben als mit anderen. Ein ganz normaler Vorgang der bei Bekanntschaften und Freundschaften zwischen Frauen ausgehebelt wird. Das darf nicht angesprochen werden, denn es existiert noch immer das Bild von der Frau mit den immer gleichen Eigenschaften: Liebenswürdig, immer und für alle da, zu nett für diese Welt, denkt erst an alle anderen und dann an sich, hat viele tolle Freunde, bis an ihr Lebensende. Wenn es danach ginge, wären alle Frauen dieser Welt heilig und wir hätten viel weniger Ärger im ganzen Universum. Aber wenn wir ehrlich sind, wir sind auch nur Menschen mit Ecken und Kanten. Mit Geschichten, die mal mehr oder mal weniger kompatibel sind. Das kann auch ganz ohne Drama und negative Gefühle passieren.

Ich kann nicht mit jeder Frau…

… tiefgründige, politische, weltbewegende oder private Themen besprechen. Ich stehe mit anderen Frauen in Konkurrenz. Ich kann manche Charaktere nicht in meinem Leben haben, weiß aber gleichzeitig, dass sie auf fachlicher wie auch menschlicher Ebene top sind- Aber eben nicht zu meinen Vorstellungen passen. Ich kann dir trotzdem Hallo sagen, auch wenn ich dir freundschaftsmäßig eine Absage erteile. Ich muss dann keinen persönlichen oder emotionalen Grund vorlegen, weil es einfach so ist.

Können wir damit umgehen?

Wissen wir, dass Frauen auch nur Menschen sind, die nicht dem ewigen Klischee der Best-Friends-Forever entsprechen? Immer noch müssen Frauen beste Freundinnen sein, sich öffentlich wie auch privat näher kommen und es muss dann für immer und ewig sein. Frauen sind doch so liebenswürdig, immer für alle da, zu nett für diese Welt und sie denken immer erst an alle anderen und erst dann an sich selbst.

Das mag alles stimmen.

Es mag die wunderbarsten Charaktere auf Erden geben, dennoch passt es manchmal einfach nicht und das auszusprechen, muss ok sein. Es darf nicht wieder die gleiche Leier abgespielt werden, nur weil man einfach einmal nein sagt und sich der Bekanntschaft entzieht. Ich bin weder arrogant, noch halte ich mich für etwas Besseres. Ich will niemandem einen wunderbaren Charakter oder Menschlichkeit absprechen. Ich möchte nur sagen dürfen, dass ich nichts weiter mit dir zu tun haben möchte, weil es für mich nicht passt.

Was wäre uns denn lieber?

Dass wir uns belügen und alles überspielen?

Oder dass wir uns direkt sagen, wenn es nicht passt und es akzeptieren und uns dennoch auf Augenhöhe begegnen?!

Du hast gefragt, ob wir uns neben der Arbeit noch auf einen Kaffee treffen wollen. Ich habe abgelehnt und versucht es nett zu erklären, um die berufliche Ebene nicht weiter bis zur privaten Eben auszubauen. Ich kann niemanden einschätzen, den ich kaum persönlich kenne. Aber ich habe ein Gefühl dafür entwickelt, wem ich mehr vertrauen möchte und wem nicht. Dir hat meine Absage nicht gepasst und nun bin ich die, die sich wohl für etwas Besseres hält. Das wollte ich nie sein, aber genau diese Reaktion hat wiederum meine Entscheidung bestätigt, dir abzusagen. Ich werde dich trotzdem grüßen, trotzdem auf Augenhöhe mit dir zusammenarbeiten, aber eben mein Privatleben nicht mit dir teilen.

Ich will keinen Streit und niemandem vorschreiben, wen er zu mögen hat oder nicht. Ich habe nichts gegen dich, ich habe nur keinen Platz in meinem Leben für jemanden, der nicht passt. Ich hoffe du nimmst es mir nicht übel. Ich hoffe, ich bekomme irgendwann kein schlechtes Gewissen mehr, weil alle anderen Frauen immer wieder fragen, warum wir nicht mehr miteinander machen. Denn das machen Frauen doch so.

Jetzt könntet ihr über mich richten und euch fragen, ob ich überheblich und eingebildet bin.
Ich bin nicht besser, nicht klüger, nicht wichtiger. Ich bin nur eine Frau, die für sich entscheidet hat, mit wem sie ihr Leben teilen will. So ganz ohne Drama. So ganz ohne tieferen Grund.

Ist das im Jahr 2018 immer noch unvorstellbar?

Kommentare

6 Kommentare zu “Ich muss mich nicht mit jeder Frau verstehen”
  1. Ich stimme dir 100% zu! Es ist völlig in Ordnung wenn jemand mich (oder wen anderen) nicht mag, was ich jedoch nicht aushalten kann ist wenn man dann respektlos gegenüber diese Person ist. Nicht jeder mag Tomaten, wieso sollten wie alle Leute mögen die wie je kennenlernen? Respekt ist trotzdem angesagt, immerhin sind wir alle Personen und verdienen es.

    LG, Rosie //Curvy Life stories

    • Franzi sagt:

      Absolut. Aber vielleicht spielt da immer eine Menge Emotionalität mit rein. Ich habe das Gefühl, dass vor allem Frauen noch lernen müssen, andere Frauen zu akzeptieren. Auch wenn sie sich nicht mögen. Muss ich mir auch immer wieder an die eigene Nase fassen.

      Alles Liebe

  2. tashaloves sagt:

    Liebe Franzi!
    an dieser Stelle möchte ich mich zu aller erst für deine tollen Beiträge hier und auch auf Instagram bedanken! Ich bin eigentlich meist eine stille Mitleserin, versuche es jedoch momentan zu ändern, da Kommunikation und Support einfach so wichtig sind in der heutigen Zeit.
    Auch diesem Beitrag kann ich wieder nur zustimmen. Mit diesen Verurteilungen muss ich wohl schon fast mein Leben lang kämpfen. Ich gehöre mal nicht zu den Frauen, die mit jeder anderen Frau „Best Friends Forever“ werden muss/möchte. Man hat natürlich einen gewissen engen Kreis, jedoch möchte auch ich nicht jede beliebige Person zu nah an mich ran lassen. Vor allem, wenn wir überhaupt nicht auf einer Wellenlänge sind! Und es ist schwer und fühlt sich immer wieder furchtbar an, dem Gegenüber dies klar zu machen. Oft wird man tatsächlich als eingebildet und überheblich eingestuft, doch werde ich mich trotzdem nicht ändern.
    Ich freue mich auf viele weitere Beiträge!
    Liebe Grüße
Tasha

  3. Carla sagt:

    Ich habe eine Arbeitskollegin, mit der es mir so ähnlich geht. Ich würde noch nicht mal sagen, dass ich sie gar nicht mag, ich mag sie eben nur nicht besonders. Irgendwie finde ich zu ihr keinen richtigen Zugang, verstehe auch ihren Humor nicht und finde sie nicht sympathisch. Sie ist für mich kein warmer Mensch.

    Dabei habe ich einige Arbeitskollegen, die ich als Kollegen schätze und mit denen ich auf der Arbeit auch gerne Zeit verbringe – nur privat wäre dem nicht so. Das ist aber nicht das Gleiche. Besagte Kollegin gibt mir als Mensch kein gutes Gefühl und wir finden noch nicht mal für die Zusammenarbeit eine passende Wellenlänge. Und das irritiert mich, weil es doch durchaus selten ist. Weil man normalerweise mit den meisten Menschen zumindest für einen Teilbereich des Lebens (z.B. Arbeit) eine Wellenlänge finden kann.

    Und „mein Problem“ besteht im Prinzip auch nur deswegen, weil ich gezwungen bin, mit dieser Person so viel Zeit zu verbringen. Ich habe einfach keine Wahl. Wir sitzen rund 40-50 Stunden die Woche nebeneinander. Das sind 40-50 Stunden in denen ich jemanden um mich habe, der mir kein gutes Gefühl gibt.

    Ansprechen würde ich das aber trotzdem niemals, weil es dann genau das „Ding“ werden würde, von dem du sprichst. Ggf. hat sie mir gegenüber andere Gefühle, sie mag mich vielleicht sogar wirklich. Oder ihr geht es genauso. Wer weiß. Aber irgendwas spürt sie jedenfalls auch.

    Das Unausgesprochene gibt beiden einen gewissen Schutz, denn erst ein Gespräch bestätigt oder widerlegt die eigenen Gefühle. So lange sind sie lediglich subjektiv und man kann sich immer noch dahinter verstecken, „dass das ja vielleicht gar nicht so ist.“ Ein offenes Kommunizieren würde bei Ihr als Ablehnung ihrer Person ankommen, verständlicherweise. Das ist im Privatleben

    überhaupt kein Problem, wenn man eben nur Menschen in seinem Leben haben möchte, die man sich selbst sorgfältig ausgewählt hat. Dann schließt man die Person aus und gut ist. Man sieht sich nicht mehr zwingend.

    Im Berufsleben habe ich aber gelernt: Diplomatie vor meinen eigenen Gefühlen. Weil ich keine Wahl habe, mit wem ich meine Zeit verbringe.

    PS: Ich habe letzte Woche gekündigt. 😉

  4. Benjamin sagt:

    Ich bin ein Mann und habe vor ein paar Jahren einen noch radikaleren Schritt vollzogen. Nachdem schon mehrere meiner Freundschaften zu Frauen daran gescheitert sind, dass ich die Frauen nicht attraktiv fand und sie mir das übel nahmen, entschloss ich mich, nur noch Freundschaften mit Frauen einzugehen, mit denen ich auch eine Liebesnacht verbringen würde. Das heißt nicht, dass ich allen Freundinnen tatsächlich an die Wäsche will, aber andersherum will ich nie wieder in die Situation kommen, dass eine Frau die Freundschaft zu einer „Freundschaft plus“ erweitern will und ich ihr eine Absage erteilen muss. Es ist nicht so, dass ich nun alle nicht attraktiven Frauen „aussortiere“. Wenn ich eine Frau nicht attraktiv finde, investiere ich einfach keine Mühe mehr, um eine Freundschaft überhaupt zu vertiefen. Ich fahre dann zum Beispiel nicht mehr quer durchs Land, um sie mal wieder persönlich zu treffen. Jetzt bin ich tatsächlich an dem Punkt angekommen, dass ich nur noch mit Traumfrauen befreundet bin. Das hat mein Leben sehr verbessert. Neue Freundschaften mit Männern gehe ich gar nicht mehr ein. Die sehe ich als Zeitverschwendung an.

  5. Dorie sagt:

    Ich finde auch, dass es absolut normal sein muss, dass man einfach nicht auf einer Wellenlänge ist, ohne dass gleich eine Feindschaft existiert. Schön, dass du das mal abgesprochen hast.
    Liebe Grüße
    Dorie von http://www.thedorie.com

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