Kolumne

Everything happens for a reason. Warum an sich glauben, nicht immer ausreicht.

4. November 2018 • 6 Kommentare

Everything happens for a reason. Ich muss nur daran glauben, dann kann ich alles verändern. Der Glaube versetzt Berge, du musst es nur wirklich wollen, dann schaffst du es auch. Deine Gedanken sind das Gerüst deines Lebens. Stärke sie, nutze sie, dann ist alles möglich.

Everything happens for a reason. Warum an sich glauben, nicht immer ausreicht.

Ich überfliege noch die nächsten fünf Zeilen und fühle mich schon besser, bestätigt, gestärkt, aber sofort auch irgendwie allein gelassen. 

Ja das klingt gut und ja, eine positive Einstellung zum Leben und der eigenen Person ist wichtig, um im Leben immer wieder einen Grund zu finden weiterzumachen, nicht aufzugeben und nur zu hoffen. Aber kurz nach dem Lesen dieser wunderbar verfassten Zeilen, untermalt mit tiefsinnigen Bildern, denke ich sofort wieder daran wie das im echten Leben abläuft. Meine Gedanken können nicht alles verhindern oder verändern. Das Leben gibt uns manchmal keine Chance zu kämpfen, uns einzusetzen und Berge zu bewegen. 

Es gibt da gerade so einen Hype aus der „Wir schaffen alles“- Ecke.

Und ich bin im Grunde dafür. Tief in mir drin will ich das auch glauben. Ich mag den Gedanken, die Möglichkeit zu haben im Kleinen etwas zu verändern und vielleicht das große Ganze besser machen zu können. Für mich, für dich, für uns. Aber manchmal, und das kommt mir ganz oft in den Sinn wenn ich Instagram und Co. verlasse, merke ich was für ein Bullshit das auch sein kann. Wenn man den Leuten täglich erzählt, dass die Kraft der Gedanken alles möglich macht und es im Grunde nur an uns selbst liegt, Dinge zu verändern, macht mir das Angst.

Ich fühle mich alleingelassen, oder besser gesagt falsch. Falsch als Mensch, weil ich nicht alles tun kann um zu erreichen, was ich mir für mich, mein Umfeld und ganz klar auch für alle anderen dort draußen wünsche. Gute Gedanken und eine positive Einstellung können viel bewirken, aber im echten Leben trifft es selten zu und das müssen wir auch sagen. Niemand kann mit der Kraft seiner Gedanken Krankheiten, Unfälle und Zufälle und das echte Leben lenken.


Dein Leben startet in einem Neubaublock. Deine Möglichkeiten werden immer erst einmal anders sein als bei denen, deren Eltern für alles sorgen können: Die teuren Hobbys oder die Möglichkeit, das Studium einfach so angehen zu können. Du hast völlig andere Voraussetzungen um an Bildung zu kommen oder gar ein großartiges gesellschaftliches Ansehen. Wird dieser Mensch mit völlig anderen Startbedingungen dann nur an sich glauben, oder froh sein über die Runden zu kommen, wenigstens etwas Anerkennung zu erhalten und überhaupt einmal angehört zu werden?

Ist es deine Schuld, wenn du nicht genug an dich geglaubt hast?

Oder liegt die Schuld doch an dem sozialen Gefälle, das immer größer wird? Oder ist es die Blase, die andere um sich herum bauen, die viel fordern aber nicht sehen, dass manche Leben anders verlaufen.

Stell dir vor, du hast nicht das liebende Elternhaus wie andere. Streit, Gewalt, und wenig Liebe bestimmen von Geburt an deinen Alltag. Bist du dann schuld, weil du nicht genug an die Liebe geglaubt hast? Kann ich dir dann einen Vorwurf machen, dass du nicht an andere denkst, sondern zuerst einmal an dich, weil auch nie jemand an dich gedacht hat? 

Stell dir vor…

… du wirst schwer krank. Stell dir vor, du verlierst einen wunderbaren Menschen in deinem Leben. Stell dir vor das Leben hat dir von Beginn an einen großen Rucksack voller Probleme mitgegeben. Ist es dann möglich alles durch die eigenen Gedanken und einen starken Charakter einfach gerade zu biegen, und das ganze Leben in ein positives Gleichgewicht zu bringen? 

Ich lebe selbst in einer Blase und weiß nicht, wie sich all diese Aufzählungen anfühlen. Ich weiß nicht, was sie mit einem Menschen machen können. Ich weiß nur, ich kann nicht fordern, was ich nicht beurteilen kann. Ich kann erzählen was ich tue, ich kann verraten wie ich mich fühle. Und wenn es mir schon manchmal schlecht mit dem Gefühl geht, nur nicht richtig an mich geglaubt zu haben, wie fühlt es sich dann für andere an, die schlechtere Startmöglichkeiten ins Leben hatten als ich? 

Weg von Instagram, weg vom Internetleben und Menschen die nichts damit zu tun haben., die sich nicht einfach kurz in eine Yogastunde setzen und alle schlechten Gedanken und negativen Gefühle wegatmen können.

Das Leben ist nicht so einfach wie eine Bildunterschrift oder eine Quote auf Instagram. Es ist viel mehr und oft ist der Weg schon vorbestimmt. Wo bist du geboren? Wer sind deine Eltern? Wo gehst du zur Schule? Welche Noten hast du und wen liebst du? Was wird aus dir?

Glaubst du nur stark genug an dich, damit dein Leben endlich richtig verläuft? Und was ist überhaupt richtig, wenn nicht jeder die gleichen Chancen erhält? 

Du bist deines Glückes Schmied. Aber auch nur dann, wenn du nicht zu denen gehörst, die gar nicht erst die Möglichkeit bekommen etwas zu schaffen.

Manchmal machen mir solche Gedanken Angst. Angst, dass ich allein damit bin, dass ich nicht glaube und dass meine Gedanken nicht alles retten und richten können.

Kommentare

6 Kommentare zu “Everything happens for a reason. Warum an sich glauben, nicht immer ausreicht.”
  1. Alex sagt:

    Hey, lieben Dank für den schönen Post. Ich Leben auch kn einer Blase der Weg dort hin war steinig und schwer. Ich komme aus guten Haus für mich würde immer alles getan und trotzdem musste ich immer kämpfen. Ob beruflich oder privat. Für die liebe meines Lebens für meine Kinder ect. Ich habe Tiefschläge hinter mir wo ich dachte das schaffe ich nicht. Meine Oma hat immer zu mir gesagt man bekommt nur die Aufgaben im Leben gestellt die man bewältigen kann. Manchmal ist es schwer an sich zu glauben Garde in der Welt von Social Media. Dennoch bin ich ein Romantikerin geblieben und glaube das wir alles schaffen können wenn wir es nur wollen. Eine tolle Kolumde liebe Grüße Alex von https://margreblue.de/

  2. Maren sagt:

    Ok, wow!
    Vielen Dank für diesen Artikel!
    Ich bin 25 Jahre alt, aufgewachsen in einem miserablen Elternhaus. Mein Vater kannte nur Gewalt und „ich, ich, ich“. Meine Mama war schon immer krank & dementsprechend schwach. Es war Standard, nachts um 22 Uhr wach zu sein um die Brote für meinen Vater zu schmieren, wenn er um 23 Uhr nach Hause kommt von einer sehr „anstrengenden“ Schicht. Hätten wir (ich bin die mittlere von drei Schwestern) nicht unsere Großeltern gehabt, wären wir drei in einem Kinderheim gelandet und meine Mama schon vor über 10 Jahren tot. Dank Ihnen – und dafür danke ich Ihnen wirklich!- konnte ich ein bisschen Selbstvertrauen gewinnen. Ein etwas normaleres Leben leben. Mittlerweile hat Mama den Kampf um die Nachwirkungen der Bestrahlung verloren, aber sie ist jetzt an einem besseren Ort. Für mich gehtˋs jetzt ans aufarbeiten.
    Franzi, ich lese selten Blogbeiträge, weil ich einfach nicht der Typ dafür bin. Aber diesmal habe ich ihn verschlungen. Danke also dafür. Für tolle Texte. Ernstzunehmende Texte!

    Mit lieben Grüßen
    Maren

  3. Marion sagt:

    Danke für den wirklich tollen Artikel! Ich muss sagen, meine Familie hat immer sehr viel für mich getan und dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. Sie haben mich gefördert und auch gefordert. Trotzdem musste ich um viele Dinge hart kämpfen, mich anstrengen um sie zu erreichen. Ich denke, dass ist auch völlig normal. Man bekommt nicht alles fertig serviert, auch dann nicht wenn man gute familiäre Voraussetzungen hatte.
    Dadurch habe ich aber auch gelernt, dass Einsatz und Mühe belohnt wird. Ich tue mich manchmal schwer mit mir selbst, aber ich erinnere mich immer daran, was meine Familie zu mir sagte: „Ohne Fleiß kein Preis!.“
    Der Lohn für die Mühen im Leben kann auch ein Anreiz sein, seinen inneren Schweinehund zu überwinden und sich einzusetzen, für die Dinge die man erreichen möchte.

    Liebe Grüße und eine schöne neue Woche,

    Marion <3

  4. Andrea sagt:

    Vielen Dank für Deine Gedanken zu diesem Thema.

    Ich glaube gar nicht das es um eine Art „Hokuspokus“ geht. Jedem, der irgendwie normal denkt, muss klar sein….alleine Gedanken verhelfen nicht zu Glück, Zufriedenheit oder Reichtum. Jedoch sind sie ein großer Bestandteil davon. Ich bin jetzt 41 und war mit 30 und den darauffolgenden Jahren noch deutlich verbissener. Rückblickend kann ich sagen….ein positives Mindset ist unfassbar hilfreich für alles, was kommt und es ist auch hilfreich bei Tiefschlägen…völlig egal, aus welchem sozialen Status man kommt.

    Wichtig ist auch…jeder empfindet seinen persönlichen Status anders und ich glaube das auch die eigene Persönlichkeit eine richtig große Rolle spielt. Meine Schwester, 6 Jahre jünger, hat sich zum Beispiel in eine völlig andere Richtung entwickelt. Wir kommen aber beide aus einem intakten Elternhaus.

    Manchmal, wenn ich Deine – großartigen – Kolumnen lese, dann erkenne ich mich wieder…vor 10 Jahren. Ich bin sehr gespannt auf Deine Kolumnen, die kommen und ob und wie sich Dein Blick auf die Dinge verändert.

    Viele Grüße, Andrea

  5. Anna sagt:

    Sooooo cool! Vielen vielen Dank dafür Frances! Deine Meinung/Beitrag kommt gerade wie gerufen. Ich sitze selbst gerade an einem EHFAR-Beitrag und überlege die ganze Zeit über, ob ich „so etwas leicht Negatives“ schreiben sollte. Diese ganze Positive-Welle, in der sich alle so hochloben und mit allen möglichen Quotes umher schmeißen…..okay, ich versuche mich nicht reinzusteigern. Ich finde dem Ganzen fehlt ein wenig Realität. Oder eine ganze Schippe Realität! Ich glaube an ein Schicksal und an eine Art Bahn, die jede Seele für das irrdische Sein mitbekommt. Okay, das ist auch weit weg von einer greifbaren Realität, ABER…

    Also, ich will damit nicht sagen, dass z.B. jedes Alkoholiker-Kind auch ein Alkoholiker wird, weil es ihm vorgelebt wird und das somit sein Schicksal ist. Aber jedes Alkoholiker-Kind wird vielleicht nicht die Chance bekommen zu studieren oder in bestimmte Kreise zu kommen und anerkannt werden. Dem einen ist es gegeben, dem anderen nicht 🤷🏻‍♀️ Da hilft alles positive Denken/Träumen nichts.

    Natürlich sollte man immer sein Bestes geben und ein wenig Positivität im Herzen tragen, denn das erleichtert das Leben und bringt uns irgendwie voran (finde ich).

  6. Maike sagt:

    Liebe Franzi,
    Danke für diesen Artikel!
    Mir wurde im Leben nie was geschenkt und der Gedanke nicht gut genug zu sein und nichts zu erreichen, all die Zweifel, sie verfolgen mich täglich.
    Ja, eine andere Einstellung kann da sicherlich helfen. Aber es ist einfach so, dass nicht alle die gleichen Vorraussetzungen im Leben haben. Ich kann nicht so recht daran glauben, dass die positiven Gedanken so viel ändern können. Sind wir nicht viel zu sehr von äußeren Umständen determiniert?

    Worüber ich aber auch sehr oft nachdenke ist, warum ein Mensch ist wie er ist.
    Was hat ihn zu dem gemacht?
    Ich glaube solange man da nicht gleich verurteilt und auch versucht schwierige Menschen zu verstehen ist schon viel getan. Und ein nettes Wort kann vielleicht ja auch dazu führen, dass sich derjenige wertgeschätzt fühlt und auch in Zukunft mal an sich glauben kann.

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