Kolumne

Ich habe das alles nicht verdient- das Imposter Syndrom

23. September 2018 von

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„Sei stolz auf dich, du hast das verdammt gut gemacht.“ Wie ein Mantra möchte ich es mir vorbeten und aufsagen, um es dann endlich auch zu verinnerlichen.

Ich habe das alles nicht verdient- das Imposter Syndrom

Tief durchatmen und an sich glauben. Sollte doch schnell wieder alles rund laufen in meinem Kopf? 

Ich wache nachts auf und bin mir sicher, dass alle ganz schnell merken werden, dass sie nur Glück gehabt hat. Sie ist dort jetzt nur, weil jemand nicht da war, weil sie zufällig dort herumstand, aber eigentlich nicht viel kann. 

Also ich. Das denke ich über mich, jedes Mal wenn ich etwas bekomme- Einen Job, ein Geschenk oder ein Lob. Jedes Mal meldet sich dann eine kleine feine Stimme, die mir genau das erzählt, damit ich mir ja nicht zu sicher mit mir und meiner Arbeit bin. Abitur? Ach ich hatte die richtigen Fragen und einfach einen guten Tag. Studium, beste Arbeit im Kurs? Kein Talent, mehr Glück als Verstand. Und vielleicht hat der Dozent die Arbeit gar nicht richtig gelesen? Bloggerin, selbstständig, beratend tätig, und jedes Jahr ein besserer Job und mehr Vertrauen von den Kunden? Ich habe mir eine Menge aufgebaut in einem Bereich, der noch ganz frisch und neu ist. Ich weiß das, manchmal. Aber manchmal eben nicht. 

Du hast das nicht allein geschafft.

Du kannst eigentlich nichts gut.

Du bist nicht gut genug!

Ich bin immer wieder auf mich selbst hineingefallen und wollte mir nicht glauben, dass ich das war. Dass ich mich für einen Weg entschieden habe und den auch gegangen bin. Immer wieder will ich mir erzählen, dass ich das gar nicht war. Dass die Welt irgendwann einmal aufwachen und erkennen wird: Ich habe eigentlich gar nichts drauf. Mit diesem Gefühl bin ich oft genug allein ins Bett gegangen und wieder aufgestanden. Es ist wie ein  Schatten, mal größer, mal kleiner, aber ein ständiger Begleiter. Ich habe nie darüber gesprochen. Ich dachte immer, das ist nur in meinem Kopf und wenn ich es erzähle werden, mir andere meine Ängste auch noch bestätigen.

Ja du hast nichts davon wirklich verdient.

Das Imposter Syndrom:

Das Hochstapler-Syndrom, teilweise auch Impostor-Phänomen, Impostor-Syndrom, Mogelpackungs-Syndrom oder Betrüger-Phänomen genannt, ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Betroffene unfähig sind, ihre Erfolge zu internalisieren. Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind Betroffene davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient haben. Von Mitmenschen als Erfolge angesehene Leistungen werden von Betroffenen dieses Symptoms mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch andere erklärt.

 

Ich las nur die ersten Zeilen und dachte mir „Herzlichen Glückwunsch, jetzt hast du für dein kleines Problem auch die Antwort.“ Nicht, dass ich eine Ausrede gesucht hätte. Mehr eine Lösung, warum ich es immer noch nicht schaffe mir und meinen Fähigkeiten zu 100% zu vertrauen. Warum ich auf Grund dieser Gedanken manchmal nachts wach liege und fest davon überzeugt bin, dass ich das alles hier nicht verdient habe. 

Aber wieso denn eigentlich nicht?

Wieso sollte ich es nicht verdienen? Ich habe darauf nie eine Antwort gehabt, ich habe mich mit diesen Gedanken noch nie jemandem anvertraut, weil ich Angst hatte, dass meine Gedanken der Wahrheit entsprechen würden. Diese paar kleinen Zeilen aus einem schönen Wikipedia Artikel haben mir die Augen geöffnet und ich teile sie mit euch. Denn wisst ihr was: Im Netz finden sich unglaublich viele Artikel zu diesem Thema, vor allem auch von Frauen, die sich genau so immer wieder in Frage stellen und nicht glauben können, wie toll und erfolgreich sie sind. Weil sie so sind wie sie sind!

Wie simpel, wie logisch. Aber ich musste auch erst darauf kommen. Daher teile ich meine Zweifel mit euch, um zu zeigen wie albern sie klingen wenn man sie aufschreibt und wie ich mich oft genug selbst kleingehalten habe. 

Erfolg haben ist eine wunderbare Sache. Manchmal ist es Glück, manchmal bekommen wir Hilfe, aber immer sind wir es die etwas tun, starten und erreichen wollen. Wenn es dann klappt, dann dürfen wir das genießen. Mein einziges Glück ist, dass mich andere so akzeptieren wie ich bin. Das macht mich erst aus und verschafft mir die Möglichkeit erfolgreich zu sein. 

Meine To Do Liste für diesen Monat um meinen Erfolg realisieren zu können:

Ich akzeptiere meine Zweifel und erzähle sie

Ich schreibe meine Erfolge auf

Ich feiere meine Erfolge

 

Punkt eins ist ab heute abgehakt.

 

Kommentare

Bisher 5 Kommentare zu “Ich habe das alles nicht verdient- das Imposter Syndrom”

  1. Dagmar sagt:

    Danke für diese Zeilen…Sie trafen mitten ins Herz. Wie oft liege ich nachts wach und zweifle an mir, an meinem Können…auch heute noch und wenn ich hundert Mal zu hören bekomme:“Wahnsinn, was du da gerade geschafft hast…“ Dieses kleine feine Stimmchen istständig auch in meinem Kopf. Also werde ich einfach mal weiter recherchieren und versuchen, mich von dem ewigen Selbstzweifel zu befreien….
    Deinen Blog verfolge ich erst seit einigen Tagen, aber das kann ich DIR jetzt schon bestätigen, du hebst dich durch deine Tiefgründigkeit und Vielfalt deiner Gedanken und Themen weit aus den üblichen Bloggerinnen heraus. Und dieses Kompliment kommt von einer Ü60igerin, will sagen, dass du auch „Topager“ erreichst und begeisterst.👌💖😍
    Ich wünsche dir eine erfolgreiche Woche….you go👍

  2. Ich denke, das betrifft viele – ich zumindest kenne das Gefühl nur zu gut. Dabei sollten wir eigentlich alle einfach mehr Vertrauen in uns und unsere Erfolge haben, leider ist das gar nicht so leicht…
    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und die Fähigkeit, daran zu glauben.
    Liebe Grüße
    Susanne

  3. Anonymous sagt:

    Danke für deine Ehrlichkeit und diese Zeilen. Mir kamen beim lesen die Tränen, da ich das nur zu gut kenne und seit Jahren damit kämpfe. Sobald ich etwas geschafft habe, zweifle ich an mir oder seh es als Glück, Zufall oder einfach als „normal“ an. Zudem unterstützen manche Menschen dies auch noch. Ich habe mit 35 begonnen zu studieren und das Studium mit Erfolg abgeschlossen. Viele meiner Kommilitonen waren deutlich jünger und haben berufsbegleitend studiert (ich Vollzeit) und ich habe mehr als ein mal gehört „na wenn ich soviel Zeit hätte, dann wär das für mich auch kein Problem“. Solche und ähnliche Kommentare machen es dann oft nicht leichter, seine eigenen Erfolge zu sehen und stolz darauf zu sein. Leider wissen die Menschen oft nicht, was sie mit solchen Kommentaren bei anderen auslösen, deshalb freue ich mich besonders, dass du an dieser Stelle darüber schreibst und Menschen Mut machst und bei anderen Verständnis erzeugst. Danke.

  4. Liebe Frances,

    denkst du wirklich manchmal so über dich? …..
    Ganz ehrlich, ich auch. Zwar, bin ich noch meilenweit von dem entfernt, was du geleistet hast (und da passiert es schon wieder), aber auch ich zweifle manchmal daran, ob alles so echt ist, wenn etwas gut läuft und ich meinen Anteil daran habe.
    Kürzlich habe ich einen Blogbeitrag geschrieben, der ein ähnliches Thema auffasst. Es geht darum, dass man sich nicht ständig entschuldigen sollte, für alles eben.
    Schau doch mal vorbei 🙂

    XOXO und liebe Grüße
    Deine Sarah
    http://www.herbstmeedchen.de
    http://www.dielesebrille.net
    http://www.fashion-library.jimdo.com

  5. Schminktante sagt:

    Danke für diese ehrlichen Zeilen. Wie oft denke ich genau das Gleiche. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich Erfolge, Jobzusagen oder erledigte Aufträge für die ich Lob ernte, kleinrede. Immer abwinkend, als hätte ich gar keine Aktie an diesen Ergebnissen.
    Ich suchte immer in meiner Vergangenheit nach dem Fehler… hat mich jemand so geformt, mein Licht ständig unter irgendeinen imaginären Scheffel zu stellen? Und trotz allem gelobt werden zu wollen? Weil ich früher einmal zu oft hörte: „Nimm Dich nicht so wichtig!“ ?
    Ich glaube, dass es viele Faktoren gibt, warum wir Frauen unsere Leistung selbst so wenig wertschätzen. Letztlich sind die es ja auch, die dafür sorgen, dass wir uns nicht schön, nicht klug und was weiß ich nicht noch alles NICHT finden. Der Neid des eigenen Geschlechts ist dabei nicht zu unterschätzen.
    Lass uns weiter daran arbeiten, uns für unsere Leistungen auch mal zu feiern. Stolz zu sein auf das, was wir geschafft haben. Mit erhobenem Haupt, einem Lächeln im Gesicht und ab und an auch mal mit Champagnergläschen! Dafür müssen wir nur ein bisschen mehr an uns selbst glauben, weniger auf diese fiesen Sticheleien und Zweideutigkeiten von innen und außen hören und zusammenhalten, wo es geht!
    In diesem Sinne alles Liebe
    Anja

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