Kolumne

3 Frauen 3 Meinungen- wann hast du bemerkt, dass du etwas falsch machst?

17. Juni 2018 • 2 Kommentare

Wann hast du gemerkt, dass es nicht mehr geht? Dass du so nicht mehr weitermachen kannst? Du hast auf einmal eingesehen, dass es an dir selbst liegt und nicht an den anderen. Du muss etwas ändern, dich selbst akzeptieren, um für dich und dein Leben endlich richtig weiterzumachen.

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Es gibt im Leben jeder Frau diesen Moment, in dem sie erkennt, was nun zu tun ist. Auch wenn wir viel Zeit und Energie in einen Weg, einen Menschen oder einen Traum investiert haben, kommt dieser Aha- Effekt. Der Schalter legt sich um und endlich sieht man klar und kann erkennen, dass es einfach das eigene Verhalten war. Die Einstellung zum Leben, oder das stumpfe vor sich hin Leben mit etwas, das man eigentlich gar nicht will.

3 Frauen 3 Meinungen. Wann hast du bemerkt, dass du etwas falsch machst?

Was war mein Fehler?

Frau Nummer 1, 33 Jahre, hat in 16 Monaten 35 Kilo abgenommen. Sie hat etwas erkannt, das ihr vorher nicht bewusst war.

Ok, wo fange ich an? Wir sollen uns alle lieben wie wir sind. Ich habe genau das fünf oder sechs Jahre lang nicht getan, das weiß ich aber auch jetzt erst. Denn genau wie viele der anderen Frauen, die nicht der Norm entsprechen, vor allem im Bezug auf den Körper, konnte ich mir sehr gut Dinge einreden und ausreden. Es ging mir eine Zeit lang sogar richtig gut mit bestimmten Gedanken und Verhaltensmustern. Mir fehlte nichts, ich war am Leben und genoss es. Das dachte ich jedenfalls immer. Wie sagt man so schön: „Was der Bauer nicht kennt… das kann er nicht vermissen“. Das trifft vor allem auf mich zu. Denn bis vor sechs Jahren war ich für andere die lebenslustige Dicke. Die, die immer etwas zu laut und zu breit war. Bis dahin nicht schlimm, bis dahin aber auch nur die halbe Wahrheit. Ich kann ja nur für mich sprechen, aber nachdem ich das Doppelte in vier Jahren zulegte, war nicht mehr viel mit der Happiness, wenn die Tür hinter mir zu fiel.

Nur wenn keiner hinschaute und ich aus Frust und auch aus dem Bewusstsein heraus, dass ich keine Disziplin besaß, wieder alles in mich reinstopfte. Nur ungesundes Zeug, Süßes, Saures, Salziges.

Hauptsache das Gefühl betäuben, das Gefühl nicht zu lassen, das mir schon lange versuchte zu sagen, dass da etwas nicht stimmt.

Du bist so wie du jetzt bist nicht mehr glücklich. Ich wurde fetter und fetter, das Stufen raufgehen, das lange Laufen, das Sitzen an einem sonnigen Fleckchen, das Einkaufen, das ständige von Büro zu Büro Gehen wurde immer schwieriger. Meine Innenschenkel rieben sich wund, im Sommer und Winter.

Ich hatte Schmerzen, ich war einsam und wurde immer fetter. Aber ich habe es nicht wahrhaben wollen. Ich dachte ich bin glücklich, ich dachte der Salat in der Kantine würde die Berge an Süßigkeiten in meiner Schublade wieder gut machen. Ich dachte es liegt nicht an mir, dass ich immer müde und lustlos war. Ich habe vier Jahre gebraucht und einen Mitarbeiterausflug mit Nachberichterstattung, um zu verstehen was ich falsch mache: Ich habe nicht mehr auf mich geachtet. Ich habe meinen Körper verletzt, mit Absicht mit schlechten Dingen in Massen gefüttert, um mein Gefühl zu betäuben. Bis, ja bis ich das Gruppenbild im Nachgang online sah. Da war ich, unübersehbar. Ein dicker Klecks, keine Konturen mehr im Gesicht, nur die schmalen nach unten gezogenen Lippen.
Ich erschrak, war wütend auf das Bild und auf die anderen, aber vor allem auf mich. Ich habe mir so viel Zeit genommen abzuwarten, vor mich hin zu leben. Ich war schuld daran, dass ich nicht bemerkt hatte, wie unglücklich ich war. Das wollte ich ändern, ich wusste aber nicht wie. Ich brauchte Hilfe und die holte ich mir. Ich fing an, mir meine Gedanken und Gefühle mit ärztlicher Hilfe von der Seele zu reden, ging wieder mehr raus, schloss mich einer Ernährungsgruppe an und ging seit zehn Jahren mal wieder ins Schwimmbad. So fing alles an und ich bin noch längst nicht fertig.

Ich war fett, aber nur weil ich all meinen Frust wegessen wollte. Mir geht es nicht darum schlank zu sein oder Größe 34 zu tragen, viel mehr darum das Leben genießen zu können und gesund zu sein. Das war ich vor zwei Jahren definitiv nicht mehr, aber ich gehe meinen Weg weiter.


 

Frau Nummer zwei, 28 Jahre alt. Sie studiert, ist  im Beruf angekomen und hat bis jetzt immer beschlossen das Glück bei anderen zu suchen.

Ich war die meiste Zeit verdammt mies drauf. Kennt ihr diese alten kleinen Damen mit Buckel und nörgelndem Singsang? So hätte ich enden können. Zumindest habe ich jetzt das Gefühl, dass ich nicht mehr weit weg von einem kauzigen Etwas war, das alle anderen verschreckt ohne es zu begreifen. Ich war missmutig, habe jeden Morgen mit Gedanken wie „Gott… ich muss schon wieder zur Arbeit, in der Bahn schreit ein Balg und der Kaffee ist viel zu teuer“ begonnen. Ich habe vordergründig alles gehasst, was mir im Weg war. Gedanken, Menschen, Hürden, Fitnessstudios, Freunde treffen, umziehen, laute Kollegen.
Die Liste war elend lang und ich wusste nie so richtig warum, aber Dampf ablassen schien mir die beste Lösung. Ich war laut, harsch, und dabei oft traurig tief in mir drin. Denn irgendwie konnte ich dann doch nicht verstehen, warum die Kollegen mich nie nach einem Feierabendbier fragten, Freunde selten anriefen und meine Familie mich immer versuchte aufzumuntern.

Mir ging es doch gut!

Nein. So war es nicht. Ich war unglaublich unglücklich, habe nur kein Ventil gefunden, um es rauszulassen und dann auch zu sehen, was meinen Missmut und meine Missgunst antreibt. Bis ich einen neuen Chef bekam, der nach zwei Wochen zu einem Gespräch bat und mir nahelegte meine Einstellung zu ändern, nicht alle zu drangsalieren und vor allem den Azubis keine Angst mehr zu machen.

Das saß. Sechzehnjährige hatten Angst vor mir. Keinen Respekt, keine Bewunderung für meine Arbeit oder meine Art, sondern pure Angst. Weil ich giftig geworden war, weil ich ständig laut nörgelig böse Blicke verteilte. Ich saß in der Bahn auf dem Heimweg und heulte das erste Mal seit Jahren so laut und so inbrünstig, dass sich um mich herum ein Kreis bildete, dass ich mit seltsamen Blicken beäugt wurde und froh war, nur drei für Haltestellen in der Bahn schluchzen zu müssen. Zu Hause stand ich im Flur, und sah im Spiegel einen Menschen, den ich selbst nicht mehr erkannte. Ich hasste auf einmal mich selbst. So wie ich jetzt war, wollte ich nie sein. Ich wollte niemandem ständig auf die Füße treten, meine schlechte Laune rauslassen und jede Stimmung killen. Aber das war ich.

Das will ich ändern.

Das muss aufhören.

Ob ich jetzt, sechs Monate später, ein besserer Mensch bin? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur wie hart es ist, anzufangen sich zu ändern. Denn das hieß für mich zuerst, alle tiefen Gräben und verbalen Unfälle wieder gerade zu biegen. Sich zu entschuldigen. Dafür einzustehen, scheiße gewesen zu sein. Es ist hart, aber am Ende auch befreiend. Ich habe kein Mitleid oder großen Freudentränen erwartet, aber das Feedback war bis auf ein- zwei derbe Rückschläge gut für mich und meine positive Entwicklung. Ich glaube ich bin auf dem besten Weg.

Seit zwei Wochen trinke ich jeden Donnerstag ein Bier mit meinen Kollegen und setze mich für die Azubis ein. Ich gehe zum Kraftsport und schreie alle meine Ängste und meine Wut hinaus. Bis jetzt weiß ich immer noch nicht, wie ich zu so einem Menschen werden konnte. Ich mache nur gerade alles dafür, dass ich es nicht mehr bin.


Frau Nummer 3, 27 Jahre alt, seit zwei Wochen frisch geschieden und das erste Mal ganz offiziell glücklich.

Here we go. Neustart. Alles auf Anfang, und ja, es war meine Entscheidung. Denn ich habe es versäumt mich im Leben einmal für mich zu entscheiden. Jetzt könnte ich aufhören zu schreiben, denn das ist der Satz, der alles ausmacht. Dieser Gedanke beschreibt mich und die Probleme die ich hatte, auf den Punkt genau. Ich habe mich nie für etwas entschieden weil ich es wollte, sondern weil es sich so gehörte.

Wunderbar. Es ist das Jahr 2018 und ich bin die Dumme, die noch nicht verstanden hat, dass man das Leben selbst in der Hand hat? Ja stimmt. Ich dachte es ist wichtig sich mit 16 zu verlieben und dem Mann treu zu bleiben auf immer und ewig, egal was passiert. Gleich nach der Ausbildung arbeiten zu gehen, ein Kind zu bekommen und dann mit all den Entscheidungen glücklich zu sein. Denn es war ja meine Entscheidung.

Nein. Waren sie leider nie.

 

Es waren immer die Wünsche und Träume der anderen. Meiner Familie, meines Ex Mannes, meiner Freunde, meiner Kollegen. Ich kann ihnen keinen Vorwurf machen, sie wollten nur das Beste für mich und da ich mich nie entscheiden konnte, nie etwas ohne Aufforderung anging und immer alles brav erfüllte was man mir vorschlug oder in Auftrag gab, lief ich so mit. Die Berufswahl, die Ehe, das Kind, das Haus. Und dann war ich unglücklich.
Auf einmal tat sich ein großes schwarzes Loch auf. Ich war mit allem fertig was andere wollten, sich erarbeiteten oder mir wünschten. Dabei habe ich vergessen, dass mich das alles nicht glücklich machte und vor allem nicht mein verdammter Wunsch war. Ich habe die Chance verpasst mal nein zu sagen, auszubrechen und Fehler zu begehen. Ich habe abgewartet, die anderen machen lassen und mich nie gewehrt oder unwohl gefühlt. Ich habe einfach nichts gefühlt. Ich habe funktioniert. Alles lief so vor sich hin, bis es schwarz wurde und ich mich befreien musste.

Mein Fehler war, nicht selbst auf mich zu achten. Zu lernen was ich will, zu zu hören und mir Zeit zu lassen, um mehr über mich und meine Wünsche zu erfahren.

Diese Einsicht kam spät. Sehr spät, in irgendeiner Dezembernacht. Ich lag neben meinem Mann, das Kind schlummerte zwischen uns beiden und ich wusste plötzlich, dass ich hier weg muss.
Das tat ich am nächsten Morgen. Mit meiner Entscheidung habe ich vor allem meinen Mann und meine Familie dumm dastehen lassen. Aber ich wollte raus. Ich nahm Kind und Kegel und suchte mir in der Stadt eine Wohnung und einen neuen Job und fange gerade an zu leben.

Es ist unglaublich hart, aber es fühl sich nach Leben an. Nach meinem Leben. Ich liebe mein Kind und bereue es nicht Mutter geworden zu sein. Ich bereue nur, dass ich viel zu lange abgewartet habe und dass ich ein Leben eingegangen bin, das ich nicht wollte. Aber vielleicht ist es nie zu spät für eine Veränderung im Leben?

Klar ist es jetzt schwer, aber ich hatte es ja schon eifnach und das will ich nicht mehr.

Wann hast du bemerkt, dass du etwas falsch machst?

Kommentare

2 Kommentare zu “3 Frauen 3 Meinungen- wann hast du bemerkt, dass du etwas falsch machst?”
  1. nataeschle sagt:

    Liebe Franzi,

    eigentlich folge ich dir still und bin eine Skeptikerin was Blogs/instaaccounts angeht die als Beruf betrieben werden….denn bei vielen artikeln, Bildern etc gibt es für mich nur flache Infos, zwei schöne Bilder und am Ende weiß ich nicht mal mehr warum ich Zeit verschwendet habe, das zu lesen.
    Ganz anders aber bei dir. Ich mag diese kritischen Beleuchtungen, Deine Art zu schreiben und letztendlich werde ich nach dem schließen der Seite weiter über den Inhalt nachdenken. Damit hast du alles richtig gemacht und ich wünsche mir mehr solche Artikel! Finde es total interessant abseits dieser glitzernder instawelt über Dinge zu sprechen, die das wahre Leben mit sich bringt.
    Liebe Grüße

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