Kolumne

Letters to myself: Bin ich genau so cool wie die andere Frau? 

18. März 2018 • 2 Kommentare

Wie ich auszog um lässig zu werden

Letters to myself: Bin ich genau so cool wie die andere Frau?

Letters to myself: Bin ich genau so cool wie die andere Frau? 

Sie die Schöne, sie die Witzige. Sie die eine Traumwohnung und den perfekten Mann hat. Sie die alles weiß, die alles kann und immer im richtigen Moment da ist, mit alldem was man sich an sich selbst nur wünschen kann. Die Frau die auf Instagram die beste Figur macht, dir Tipps gibt und ehrlich daherkommt, authentisch ist und ein Leben zum Neidischwerden hat. Sie, die du immer sein willst, weil es so verdammt gut und richtig auf  dich wirkt.

Ach so, ich spreche im Übrigen nicht von mir. Würde ich aber gern. Ich würde wollen, dass andere genau das von mir denken, dass sie mich so sehen, mich so beschreiben, mich so in Erinnerung behalten. Dabei bin ich aber eher die Frau von nebenan, die bestimmt nett wirkt und aussieht und ganz smart ist. Aber das reicht in meinen Augen leider nicht aus, um glücklich zu sein. Mein Glück mache ich nämlich gern an der Meinung anderer über mich fest. Ich definiere mich an guten Tagen über meine Taten und vergleiche mich an schlechten Tagen mit Bildern von anderen.

Ich bin eine bescheuerte Eule.

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich damit verbracht, so verdammt toll sein zu wollen wie die anderen. Das kostet Geld, Zeit, Nerven, Freunde und vor allem eigene Persönlichkeit. Denn wenn du die ganze Zeit damit beschäftigt bist anders zu werden, weißt du irgendwann nicht mehr wer du warst.

Ich stelle mir dann immer vor, wie meine Hülle vor mir schwebend erscheint. Zart, leicht bewusst, zum Greifen nah, aber nicht mehr spürbar. 

Wie ein verblasstes Abziehbild in einem Panini Stickeralbum. Blasses Bild, blasses Gesicht, blasser Charakter. Noch eine Frau mit einhundert Selfies und tollen Taschen und der Küche im Hintergrund und dem Cocktail in der Hand. 

Erwischt? Reihen wir uns alle in die Schlange der eigenen Erwartungen an uns selbst ein? Ich mache mal den Anfang. Denn nichts ist so nervenaufreibend wie der Versuch, ein Selfie zu schießen und unter den zweihundert Versuchen endlich eines zu finden, das eigentlich wie alle anderen aussieht, aber dann doch als das Besondere gelten muss. Um anderen zu zeigen wie unperfekt man ja eigentlich ist, postet Frau in den Stories die zweihundert Versuche, ohne zu merken wie gleich und klein man sich wieder macht. Wenn ich eines habe, dann ist es die Fähigkeit mich selbst zu verlieren. Wenn ich eines will dann ist es mich zu finden, und nicht im Panini Album als Nummer zwanzig von hundert mit ganz viel versuchter Lässigkeit zu landen. Einer Lässigkeit, die im echten Leben nicht stattfindet, weil sie nie da war. Nur zum Zeigen. Nur zum Schein.

Mir bleibt jetzt die Möglichkeit, keine bescheuerte Eule mehr zu sein und mich anzunehmen wie ich bin. Mit einem schrägen bis eher niedrigen Humor, dem Drang sich auszutauschen und im Leben zu stehen. Ohne den Versuch jemand anderes zu sein, denn gibt es ja eh schon. Wieso also nacheifern? Wieso also mich verleugnen?

Entspricht das Bild das wir von starken, unabhängigen und klugen Frauen haben, anscheinend doch selten dem echten Leben?

Wie ich auszog um lässig zu werden und erkannte, dass ich es nie sein werde. Wie ich versuchte etwas zu sein, das ich gar nicht sein konnte. Wieso wir uns ständig vergleichen und dabei nur verlieren.  

Fragst du dich auch manchmal, warum du nicht so bist wie die anderen, die alle bewundern? Versuchst du auch immer wieder jemand zu sein, der vermeintlich besser ankommt und dafür Applaus erhält? Was bist du bereit dafür aufzugeben und bist du dir bewusst, dass wenn du dich verlierst am Ende nur eine Hülle deiner selbst sein wirst?

Alles Liebe

Kommentare

2 Kommentare zu “Letters to myself: Bin ich genau so cool wie die andere Frau? ”
  1. 1022mari22 sagt:

    Liebe Franzi,

    Wieder einmal toll geschrieben. Ich glaube das steckt in jedem von uns, selbst schon wenn wir Kind sind, es ist leider glaube ich in der Natur des Menschen, immer das sein oder haben zu wollen was man nicht hat oder ist.

    Liebe Grüße Mari

  2. Daniela sagt:

    Frauen dürfen sich daran erinnern, dass sie EINZIGartig sind. Und da mag ich auch das Wort ART (engl; Kunst). Einziger Kunst in der Weise wie sie sind. Was bringt es für einen Sinn, wenn ich mich vergleiche, den Wunsch hege, so zu sein wie wer anderer?

    Ist der Weg nicht jener, zu sehen, wie einzigARTig .. ICH bin. ? Ohne mich wäre meine Welt, mein Universum, mein Leben nicht so wie es ist – weil es auf MICH ankommt, in meiner einzigartigen Weise.

    Und … wenn die andere Frau schön – erfolgreich – beliebt – bewundernswert ist, weil sie so ist, wie sie ist – besagt das ja nicht, dass ich nicht nicht auch schön – erfolgreich – beliebt – bewundernswert ist, weil ICH so bin, wie ich bin.

    Ermutigen und erinnern wir uns doch DARAN und stoppen wir den ständigen Wettbewerb des Vergleichens und Bewertens.

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