Kolumne

You can call me Spießerin

11. September 2016 von

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Ich scrolle meine Timeline durch. Tolle Outfits und tolle Mädels in wirklich tollen Styles. Dabei erwische ich mich in Shorts und Socken mit Punkten in meinem Wohnzimmer, ganz früh an einem Sonntag Morgen, ganz allein.

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Hier liege ich, so richtig gammelig. Ich genieße die ersten Sonnenstrahlen die mich durch meine 3 Meter hohen Fenster erreichen. Es ist frisch, nur ganz kurz kühl. Ich sitze auf meiner Couch, die bald gegen eine wunderschöne, neue graue American Style Variation ausgetauscht wird. Dabei habe ich kein schlechtes Gewissen, ok vielleicht ein kleines. Aber dank der Ladies in New York, die deutschen Blogger rocken die Straßen und die Fashion Week gerade so sehr, bleibe ich ruhig. Ihr macht das schon, ganz ohne mich. Ihr seht gut aus, seid gut drauf und rockt das alles!

Würde ich mich vor einem Jahr selbst dabei beobachten, wäre mein Blick starr auf mich gerichtet, ich würde panisch lachen und versuchen mir ein Zeichen zu geben. Wild würde ich anfangen von links nach rechts zu rennen, an mir zweifeln, an meiner Person. Kurzum ich wäre blass vor Neid und würde mich ständig fragen, wieso nicht ich, sondern die anderen? Mein Damals in mir würde ihren Augen nicht trauen und sofort gegensteuern:

„Madame? Was ist mit dir los? Nicht so spießig. Du musst da auch hin, mitmachen- such dir eine Crew. Pack deine siebenhundertmillionen Sachen und düse rüber. Lern leute kennen, schaffe neuen Content und zieh dir verdammt noch einmal etwas richtiges an!“

Diese Ehrlichkeit muss sein, diese Gedanken muss ich mit euch teilen, denn auch ich bin mal verdammt neidisch, vom Herzen bis zum kleinen Zeh. Ja der Neid kann mir auch gern mal aus den Ohren quellen, das kann ich nicht leugnen. Muss ich jetzt aber um mich und meine Person Angst haben? Muss ich das Bloggen an den Nagel hängen? Muss ich jetzt sauer auf die Damen dort drüben sein?

Nein.

Ich nippe an meinem Kaffee aus meiner Lieblingstasse und kann einen Blick auf den noch schlummernden Mister erhaschen. Ich atme die noch kühle Luft ein, kraule das graue Fellknäul und weiß was ich gerade bin. Glücklich, so ganz für mich in meinem Universum. Ich sitze in seinen Shorts und meinen Pünktchensocken auf meiner eigenen Couch in meiner eigenen Wohnung und habe nur ein Gefühl ganz für mich. Ich weiß, dass ich noch nie so viel vorgehabt habe wie 2016/2017,  ich weiß ich möchte so viel zeigen und erleben.

Aber

… heute ist das gar kein Thema, es passt nicht in diesen Tag. Gerade jetzt zählt etwas ganz anderes. Genau das Jetzt und Hier in meinen vier Wänden. Es ist alles ok. Es ist ok früh am Morgen total verpennt die Welt nicht gleich zu verstehen, den Kaffee durchlaufen zu lassen, die Morgensonne zu genießen, den Hund zu kraulen und zufrieden zu sein. Wenn ich mich vor einem Jahr so gesehen hätte, hätte ich nicht an mir halten können. Ich wäre an die Decke gegangen, hätte mich verflucht und das was ich habe. Weil es nicht genug gewesen wäre. Nur für wen?

Diese Frage habe ich mir dieses Jahr selbst beantwortet. Ich habe für mich beschlossen, meine Zeit und meinen Weg für mich zu finden. Ganz egal wie schnell sich die Welt für andere drehen mag, ich muss das ganz für mich selbst herausfinden und umsetzen. Das braucht Zeit, Nerven und genau diese Momente der Erkenntnis, der puren selbstgewählten Spießigkeit. Die finde ich übrigens mega klasse, denn alles was mit Punkten und Kaffee in meinem Leben auftaucht, kann nur gut werden. Ich werde heute arbeiten, die Beine ausstrecken, GoodWife feiern und Blumen besorgen. Ich kümmere mich um frische Brötchen, gemeinsame Zeit und versuche das Gefühl, was ich jetzt gerade habe mit euch zu teilen. Glück und Erfolg können für jeden nur ganz individuell gelten. Für mich ist es gerade ein ganz normaler Alltag auf meiner Couch, mit Kaffee und Punkten.

Ich habe eine gewisse Zeit gebraucht um mein Glück zu definieren. Da ich ständig im Vergleich stehe wurde mir das zu viel. Zu viel das Leben der Anderen. Daher habe ich mich zurückgezogen und begonnen über mich und meine Wünsche nachzudenken. Das hat ganz gut geklappt und ich hätte nie gedacht, dass glücklich sein so einfach ist.

Liebe Grüße

Egal ob Spießer, Weltenbummler, Langausschläfer, Arbeitstier oder Zeittotschläger. Für jeden ist das ganz persönliche Glück etwas anderes.

Kommentare

Bisher 12 Kommentare zu “You can call me Spießerin”

  1. Laura sagt:

    Hallo Franzi,
    ich bin selbst zwar keine Bloggerin aber oft huschen auch mir solche Gedanken durch den Kopf, wenn ich all die schönen Instagram Fotos, snaps usw. sehe und denke warum die anderen und ich nicht. Was verpasse ich alles, was sehen die und ich nicht und der Kopf schwirrt mir. Die eine ist hübscher als die andere, trägt tolle Kleidung… Und dann merke ich. STOP… mein Leben ist aufregend, anders aber auch spannend und versuche mich auf mein Glück zu besinnen. Das ist manchmal ganz schön schwer, aber ich bin froh was ich habe und was ich bin und dass muss man sich manchmal wieder vor Augen führen.

  2. Liebe Franzi das hast du toll geschrieben.
    Sobald man aufhört sich mit anderen zu vergleichen und einfach schaut was man selbst hat und mag, ist das Glück zum Greifen nah!

    Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag
    Ines

  3. Vielen Dank für diesen schönen und ehrlichen Beitrag. Das Wichtigste im Leben ist doch, dass wir mit uns selbst um Einklang sind und uns nicht über andere definieren, was wir gerade tun sollen oder wo wir gerade sein sollten.
    Gerade das macht uns doch authentisch und langfristig auch glücklich.
    Liebe Grüße,
    Julia
    http://www.westendbirds.com

    • Franzi sagt:

      Liebe Julia! Ja und das heutzutage herauszufinden und sich dann auch immer treu zu bleiben- fällt manchmal schwer! Aber genau das ist es, der letzte Satz sagt alles aus.

      Liebe Grüße

  4. was für ein toller und ehrlicher post und was für ein wunderschönes fazit! danke für deine offenheit und deine gedanken und gefühle, an denen wir teilhaben dürfen!!! <3

    alles liebe aus münchen,
    marie

    http://www.heartfelthunt.com

  5. Kathi sagt:

    Liebe Franzi,
    ein wunderschöner Text, in dem ich mich auch wiedergefunden habe. Aber das ist wohl wahrscheinlich auch normal 🙂 Das wichtigste ist jedoch, dass du mit Kaffee und Pünktchensocken zuhause und ich mit Tee, Jogginghose und Fellknäuel auf der Couch erkennen, dass das Leben der anderen auch nicht immer nur Highlife ist und man selbst auch verdammt glücklich über das was man bisher erreicht hat sein kann und sollte!
    <3
    Liebst Kathi
    http://www.meetthehappygirl.com

  6. Maria Anna sagt:

    So ein schöner Beitrag, denn genau so ist es. Jeder hat ein eigenes Leben, das der anderen ist nicht schlechter oder besser – es ist einfach nur anders. Und das ist völlig ok, weil jeder in seinem Temp sein Leben genießen sollte <3

  7. Genevieve sagt:

    Ein wirklich schöner Beitrag, liebe Franzi 🙂
    Ich genieße im Moment gerne mal die Stunden ohne Social Media, ohne sich ständig mit anderen zu vergleichen, ohne perfekt sein zu wollen/müssen. Ich denke mir häufig, wie schwer es für die Mädels und Jungs im Teenageralter heutzutage sein muss, die ständig auf Instagram, Snapchat oder sonst wo unterwegs sind.
    Dein Text regt einen wieder zum nachdenken an 🙂

    Hab eine schöne Woche,
    Genevieve // http://www.facilityinfashion.de

    • Franzi sagt:

      Liebe Genevieve! Ein wichtiger Punkt- wenn ales perfekt ist- weiß ich mit meiner Erfahrung schon, da steckt viel Arbeit dahinter und manchmal auch verstecktes Chaos! Aber wenn ich jetzt 16 wäre, hätte ich vielleicht nicht den Weitblick?

      Danke dür!

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