Kolumne

I don’t care. Genau das ist unser Problem

Hey! Wollen wir uns am Montag treffen?- Ja sehr gern, wann passt es dir- dann kann ich das schnell einplanen – Stille.

Ich habe zwei Karten fürs Kino? Kommst du mit? Sehr gern. Wann geht es los?– 2 Stunden später: –

Sorry, doch lieber Couch.

Kannst du kurz einmal anrufen- ich bräuchte deine Hilfe?

3 Tage später- Ja, was los?“

I don't care. Genau das ist unser Problem

Mittlerweile ist es gang und gäbe sich nicht mehr festlegen zu müssen. Wir sind so frei in unseren Entscheidungen, dass wir nicht einmal mehr wissen, wann wir wirklich einmal nicht nur an uns denken sollten. Denn genau das ist sie für mich, die Unverbindlichkeit im Leben.

Wir sind frei, erwarten das auch von anderen, aber was ist wenn Liebe, Freundschaft und das Miteinander Leben doch Pflichten benötigt? Regeln, mit denen wir uns bewegen und dann auch fühlen können, was dem Gegenüber gut tut oder nicht. Kann ein Miteinander darauf beruhen sich immer mal wieder zu sehen, nur wenn es gerade passt, es bequem ist, oder niemand anderes Zeit hat? Versteht mich nicht falsch, Spontanität gehört genauso zum Wir, wie auch ein eigenes Leben und Zeit für sich. Aber ist Liebe oder auch Freundschaft noch vertretbar, wenn sie nur noch aus der Distanz stattfindet, selbst wenn man in einer Stadt wohnt? Wenn wir nie wieder etwas für andere tun müssen, weil wir so frei sind und das auch von unserem Gegenüber verlangen? Verlernen wir dann die Wichtigkeit anderer Menschen und das nicht so wichtig Nehmen der eigenen Person? Es geht nicht um Selbstaufgabe, es geht um das Maß an Menschlichkeit das dich zurückblicken und Fehler fühlen lässt und du dadurch weißt, wann du einmal nicht nur an dich denken darfst.
Aber das würde auch bedeuten über den eigenen Schatten zu springen und eigene Bedürfnisse zurückzuschrauben. Genau das verlernen wir gerade unter dem Deckmantel der Unverbindlichkeit. Wir sonnen uns im Ich und fühlen uns wohl, nur mit uns und unseren Bedürfnissen. So ist doch auf niemanden mehr Verlass. Dann ist das Schmieden zukünftiger Pläne nur noch vom Münzwurf abhängig und das Glück oder das Pech wird nicht mehr selbst angegangen- Es wird dem Zufall überlassen. Es geht hier wie gesagt nicht um Aufopferung, es geht um den Weg, den man gemeinsam im Leben geht, und der ist leider nicht nur geprägt von Sonnentagen und relaxten Gesprächen, wie es gerade passt. Auch das macht ein Miteinander aus. Auch das prägt Freundschaften und die Liebe. Aber was wären die Konsequenzen? Genau die, die wir schon lange und oft genug an anderen bemängeln: Emphatielosigkeit, Einsamkeit und die Gewissheit, vertrauen kannst du nur noch dir selbst. „Jeder ist sich selbst der Nächste“ hat sich so in unseren Köpfen manifestiert, dass wir selten noch etwas tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Wieso? Weil wir wegschauen, weitergehen, ignorieren, löschen per WhatsApp Geburtstagsgrüße versenden und es uns einfach ausreicht. Wir sind genug mit uns beschäftigt. Wer sich nicht anpasst, wird aussortiert und am nächsten Tag, wenn es wieder passt, einsortiert. Nein, Unverbindlichkeit ist ein Unwort. Eine Tarnung für Egoismus. Wir haben uns ein Wort kreiert für unsere Unfähigkeit, das Miteinander zu schätzen und an Beziehungen zu arbeiten.

Interessanterweise bemängeln wir diesen Zustand dann immer an anderen, wenn wir Hilfe, Freundschaft, Liebe und Unterstützung benötigen. Aber vielleicht ist das auch ein Symptom unserer Zeit. Morgen scheint die Sonne schon wieder. Ganz unverbindlich.

Übertreibe ich? Vielleicht, aber vielleicht möchte ich euch auch nur zum Nachdenken und Kommentieren anregen.

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 23 Kommentare zu “I don’t care. Genau das ist unser Problem”

  1. Lisa sagt:

    Ein richtig toller Blogbeitrag!ich bin begeistert!

  2. Lisa sagt:

    Sehr guter Beitrag! Ich werde definitiv öfter anrufen statt zu whatsappen 😉 Leider verfällt man in der Tat in diese Art Lethargie.

  3. Lisa sagt:

    Ein sehr guter Beitrag! Ich sehe das ganz ähnlich wie du

  4. Adele sagt:

    „Per WhatsApp Geburtstagsgrüße versenden“… Da hast du mich tatsächlich etwas zum Nachdenken gebracht: Ich bin ja eine große Verfechterin der neuen Technologien, Social Media, etc., aber ich muss auch eingestehen, dass (zumindest bei mir) die immer häufigere und intensiver Internetnutzung definitiv dazu beigetragen hat, dass ich mich teils aus der Offline-Welt richtig ausklinke. Mit Freunden, die kein WhatsApp haben, treffe ich mich viel seltener. (Weil, puh, telefonieren, oder was?) Und treffen? Naja, lass mal kurz facetimen. Ist ja unkomplizierter, als Tag, Ort, Uhrzeit für ein Treffen zu koordinieren. Geburtstage von Freunden, die nicht auf Facebook sind, vergesse ich. Ich sage immer, das ist nun mal der Geist der Zeit in der wir leben. Aber wohin sich wohl die Gesellschaft verändert, wie sich Beziehungen zu Menschen verändern, wenn offline Interaktionen immer mehr abnehmen, immer weniger „nötig“ sein werden…? Hmm, schon etwas gespenstisch.

  5. Seija sagt:

    Ich erwische mich viel zu oft dabei, dass ich denke „boah ne, da antwortest du jetzt nicht“ – einfach, weil es mir nicht in den Kram passt, mir keine Antwort einfällt oder ich unzufrieden damit bin, was mir geschrieben wurde.
    Mit deinen Worten hast du einen Nerv getroffen, den wir jetzt alle spüren sollten. Erstmal an die eigene Nase fassen, bevor wir andere kritisieren, jawoll!
    Danke für diesen Post – auf, dass ihn alle lesen!

    Hab einen schönen Start in die Woche!
    Liebe Grüße,
    Seija

    • Franzi sagt:

      Wirklich? Aber man kann sich doch einfach unterhalten. Aber danke für deine ehrlichen Gedanken und genau das was du hier schreibst, wollte ich ansprechen!

      Liebe Grüße

  6. Genya sagt:

    Toller Beitrag!
    Die sprichst mir wirklich aus dem Herzen. Die Spontanität zwischen Freunden ist manchmal zu sehr schon integriert. Es gibt Freunde, mit denen legt man sich 1 Woche vorher fest und es steht. Bei anderen muss man sich alle paar Minuten Gedanken machen, ob die Verabredung noch steht.

    Ich fände es aber ehrlich gesagt schön, wenn es zwischen Freunden noch ein paar Pflichten (die meiste Zeit zumindest) geben würde. 🙂

    Liebe Grüße <3

  7. Diana June sagt:

    Hey Franzi,
    ich stimme dir komplett zu! Ich habe so einen ähnlichen Beitrag zum Thema „Leben nach der Hochzeit“ und die Generation der „Unentschlossenen“ geschrieben. Würde mich über dein Feedback freuen!
    http://bit.ly/1TE0aIv

    Liebe Grüße,
    Diana June
    http://www.dianajune.com

  8. Michaela sagt:

    Toller Text¨! Leider steckt viel Wahrheit darin. Ich merke selber, dass ich jeweils schon Wochen vorher mit Freunden einen Termin zum Kaffeetrinken ausmachen muss, weil sonst klappts gar nicht…

    Liebe Grüsse
    Michaela
    Michaelablog

  9. Jule sagt:

    Huhu Franzi,

    habe – glaube ich- noch nie auf deinem Blog kommentiert und bin nur stille Leserin. Nun muss ich es aber tun! Finde diesen Beitrag so so so gut, Inhalt sowie Formulierung. Er hat etwas Philosophisches. Und so traurig ich den Inhalt finde, erkenne ich nicht nur Bekannte sondern (leider) auch selbst mich ab und an darin wieder, zum Beispiel bei den Geburtstagsgrüßen. Toll finde ich auch, nicht einfach darauf loszuschimpfen, sondern erstmal bei sich selbst anzufangen. Vielen Dank für den schönen Text und weiter so 🙂

  10. Caterina sagt:

    Ich finde es vor allem traurig, wenn einen enge Freunde versetzen. Ehrlich gesagt kann ich das nicht tun. Selbst wenn es mir nicht gut geht oder ich nicht so viel Lust habe, halte ich meine Verabredungen ein. Was ich echt nicht leiden kann ist, wenn man jemanden eine Nachricht schreibt, derjenige sie liest aber nicht antwortet. Warum auch immer. Ich antworte sobald ich es gelesen habe. Vor allem wenn die Nachricht eine Frage beinhaltet. Schade, dass manchen das einfach nicht wichtig genug ist.

    LG Caterina
    http://caterinasblog.com/

  11. Ilona sagt:

    Toller Beitrag. Du sprichst mir aus dem Herzen! Ich lade immer wieder Freunde zum Essen ein und dann 5 Minuten vor dem Essen sagen sie ab weil sie irgendwo anders hingegangen sind. Das wäre ja kein Problem, aber so eine Stunde vorher könnte man schon absagen.
    Andererseits muss ich mich manchmal auch an der Nase nehmen. Ich schreibe oft nicht so rasch zurück.. zu viel auf meinem Telefon und dann ist eine Nachricht vergessen..

  12. Ich finde es auch so schade, das man Freundschaften nicht mehr so pflegt wir früher…“Früher“, als ob ich mit 27 alt wäre und im 19.Jahrhundert gelebt hätte. Meine beste Freundin ist in L.A., sie ist vor 5 Jahren dort gezogen und wir haben Wöchentliche Skype „Dates“, wo ich Abend esse und sie Mittag, oder umgekehrt, je nachdem es geht. Wir sind zusammen aufgewachsen und für uns ist es selbstverständlich das wir weiterhin Kontakt haben werden und es auch pflegen. Aber ich finde es auch, das die Freundschaften die ich gemacht habe, seitdem ich vor 2 Jahren nach Österreich gezogen bin, nicht mehr so sind. Wir schreiben uns hin und wieder, aber telefonieren? Extrem selten und treffen noch seltener…es ist schon schade… Und du hast es wunderbar ausgedrückt!

    xo,Rosie
    Rosie’s Life

  13. bee sagt:

    toller text!! 🙂
    darf ich unverschämt fragen, welchen Nagellack du verwendest?!
    LG

  14. Hi Franzi =)
    Ich bin auch deiner Meinung, was Unverbindlichkeit angeht und habe vor einiger Zeit ebenfalls einen Post zum Thema geschrieben, in dem ich Unverbindlichkeit in Zusammenhang mit moderner Kommunikation bringe…
    Würde mich freuen, wenn du mal reinschaust 😉
    Liebe Grüße
    Susi
    http://www.fairytalegonerealistic.com/2015/10/16/unverbindlichkeit-in-zeiten-von-whatsapp-und-co/
    Susi

  15. Tatiana sagt:

    Bravo! Ich bin nur zufällig hier reingestolpert und bin bewegt von Deinem tollen Text.

    Ähnliches denke ich mir auch immer, vor allem, was die Nutzung von Social Media angeht. Ich bin noch ohne Handy&Co. aufgewachsen, und das war eigentlich auch ganz schön. Das Internet hat mir selbst zwar viele Möglichkeiten eröffnet, allerdings muss man doch sehr aufpassen, dass man seine realen Kontakte nicht vernachlässigt. Ich beobachte es bei mir, aber auch bei Freunden, die selbst die schon erwähnten Geburtstagsgrüße nur per Copy&Paste über Facebook/Whatsapp/etc. abarbeiten; die sich auch sonst gerne verkriechen, und nur noch online anzufinden sind – weil es einfacher ist. Und wer macht sich schon gerne Arbeit?

  16. Nö.Du übertreibst nicht.Es stimmt ja : Man hat heutzutage keine Lust mehr sich festzulegen.
    Warum auch? Man muss es ja nicht.Man ja genug Auswahl.
    Sehr schön geschrieben 🙂

  17. Katharina sagt:

    Ehrlich gesagt, sehe ich das nicht ganz so wie du. Ich habe darüber auch schon nachgedacht, und sicher mir auch mal gewünscht „jetzt antworte doch einfach ja oder nein“ 🙂 – aber mittlerweile gehe ich anders damit um. Auf keinen Fall lasse ich mir vorwerfen, ich müsste sofort antworten, nur weil ich eine Nachricht gerade gelesen habe. Wenn es dringend ist, oder eine Freundin in Not – dann auf jeden Fall. In jeder anderen Situation möchte ich nach meinem Befinden entscheiden, und wenn das an dem Tag eher down ist, dann sage ich zB „Ach Mama, war n harter Tag, ich ruf dich morgen an“. Das Aktzeptiere ich auch andersrum und möchte auch nicht erwarten, dass meine Nachrichten die wichtigsten Geschehnisse am Tag sind für eine andere Person. Auch Freunde treffen ist für mich kein „Ja, anytime!“ sondern „JA, wenn Zeit und Lust“. Und ich verstehe es, wenn das andere genauso machen. Wenn ich merke, ich will in dieser Beziehung mehr Interaktion als der andere, dann muss ich irgendwann überlegen, obs das wert ist, dass ich mich dauernd über dessen schwere Erreichbarkeit ärgere oder ob ich die Zeit auch besser nutzen kann. Und mich dann eben aufs nächste Mal umso mehr freue.
    Ist das der Mittelweg? Weiß nicht, aber ich hab eher den Eindruck, dass manche sich schwer tun sich ihre Qualitytime zu nehmen ohne schlechtes Gewissen. Und dass dann Couch-Ausflüchte oder Stille kommt. Vielleicht weil sie glauben, das gegenüber versteht es nicht? Oder ich denk an deiner Intention vorbei 😀

    • Franzi sagt:

      Ich sehe das genau so wie du. Nur muss man auch das Gegenüber berücksichtigen. Ich würde immer sofort absagen oder so, dass der andere nicht auf mich warten muss. Das kann man ja direkt ansprechen und sich auch arrangieren. Aber es ist doch schade, wenn man davon ausgeht- der andere hätte nichts Besseres zu tun, als auf mich zu warten? Da soll es textmäßig eher hingehen. Sonst bin ich da auch völlig fein mit. Nur wenn man etwas ausmacht und zu kurzfristig absagt, den anderen vergisst, wird es ein wenig egoistisch. Und das ist, glaub ich schon mehr die Regel geworden. Und durch diese Selbstverständlichkeit der Unverbindlichkeit lösen sich Freundschaften viel schneller und wir werden immer unverbindlicher … es wird nur noch wenig investiert. Qualitytime ist völlig ok- aber wenn ich eine Verabredung nicht einhalte, weil ich ein wenig zu faul bin oder auf der Couch liege, könnte man doch kurz überlegen wieso man lieber liegen bleibt und wieso man nicht eher absagt … Der Mittelweg ist immer die beste Lösung, da hast du Recht. Am Ende muss man schauen, wie man zueinander passt 😉
      Liebe Grüße

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