Kolumne

Es reicht nicht aus gegen Rassismus zu sein,

….. wir müssen Rassismus aktiv bekämpfen.

Ich bin privilegiert. Ich lebe in einem Land, in dem ich sagen darf was ich denke, und mich zu Themen äußern kann, die uns alle angehen. Aber es fällt mir gerade schwer, die richtigen Worte zu finden. 

Ich muss mehr tun gegen Rassismus

Traue ich mich nicht? Habe ich Angst etwas Falsches zu sagen? Will ich mich lieber schützen, als mutig meine Meinung zu äußern? 

Ich erzähle euch jetzt eine Geschichte die mich, seitdem sie passiert ist, begleitet und für die ich mich schäme.

Im Alter von sechs Jahren war ich in einem kleinen Feriendorf mit den unterschiedlichsten Familien aus ganz Deutschland zu Besuch. Wie Kinder spielten zusammen mit dem Kühen und Hühnern, die Erwachsenen verbrachten die Abende mit Karten und einem guten Glas Wein. Ich war schon mit sechs laut, frech und habe mir nichts gefallen lassen. Unter den Kindern gab es einen Jungen, mit dem ich sehr gern Zeit verbracht habe. Wir mochten uns oft und manchmal weniger. Wir haben uns dann blöde Sprüche an den Kopf geworfen. 

Ganz unbedacht habe ich ihm dann mal, vor lauter Wut in solch einer Situation, direkt vor ihm stehend „Du siehst aus wie ein Negerkuss“ an den Kopf geworfen.

Einfach so mit sechs Jahren. Vorher war seine Hautfarbe nie ein Thema für mich, auf einmal aber schon. Ich verließ den Raum, aber am nächsten Tag zitierte mich seine Mutter zu sich und erklärte mir warum das nicht ginge, was ich gesagt und gedacht habe. Bis heute schäme ich mich für meine Worte und bis heute weiß ich nicht warum ich das gesagt habe. Warum seine Hautfarbe erst in der Wut und im Streit ein Thema wurde. Wie ich drauf kam, seine Hautfarbe als Möglichkeit einer Beleidigung zu benutzen, kann ich mir bis heute nicht erklären. Ich finde immer wieder Ausreden, will es mir schön reden. Aber es gibt keinen plausiblen Grund, der meine Gedanken von damals rechtfertigt. 

Ich wollte ihn da treffen, wo es ihm weh tun würde. Ich wollte ihn reizen und ich wollte ihm zeigen, was an ihm im Vergleich zu mir anders war.

Dafür schäme ich mich bis heute und ich muss immer wieder an diese Situation denken, wie ich ihm diesen Satz entgegen pfefferte, und er danach nie wieder ein Wort mit mir wechselte. Mit sechs Jahren sollte ich nicht wissen, dass ich den Unterschied unserer Hautfarben nutzen kann, um jemanden zu verletzen. Mit 6 Jahren sollte ich wissen, das ist nicht ok ist, so etwas auszusprechen.

Und wie sehe ich das jetzt?  

Es reicht nicht mehr aus gegen Rassismus zu sein,

Ich hoffe, dass ich unbewusst oder bewusst keine Unterscheide mache, dass ich bemerke wenn ich falsch liege oder aus Wut und Frust Gründe suche, jemanden zu verletzten.  Aber dennoch bin ich mir unsicher darüber, wie viel Rassismus in mir steckt, ohne dass ich es realisiere. Aus der Wut heraus etwas zu sagen, das man nicht so meint, das erkenne ich an mir, aber ich habe vor allem Angst vor dem, was ich noch nicht in mir entdeckt habe. 

Ich glaube es reicht jetzt nicht mehr nur, nicht rassistisch zu sein. Dass ich auf Instagram ein Bild mit euch teile, einen Spruch, der klar zeigt wo ich stehe und danach wird das Thema wieder fallen gelassen. Ich muss mehr machen, ich muss meine Stimme erheben, ich muss mich mehr belesen, ich muss mehr hinterfragen und dabei auch akzeptieren Fehler zu machen und mich vor den Konsequenzen nicht zu scheuen.

Ich muss mir meiner Privilegen bewusst sein, die Ungerechtigkeiten erkennen und sie benennen. In einer Welt, die heute so offen sein will und in der wir alle die gleichen Rechte und Möglichkeiten erleben möchten, darf es keine Diskrimierung mehr auf Grund der Hautfarbe geben.

Ich hoffe wir schaffen das. Aber ich bin mir sicher, dass das nur gemeinsam geht. 

Meine persönliche To Do Liste

  • Ich muss mich bilden. 
  • Ich darf auch mal die Klappe halten und nicht glauben, dass es bei Rassismus um meine Gefühle geht.
  • Ich muss zuhören.
  • Ich darf nicht erwarten, dass andere das schon regeln werden.
  • Ich muss mich mit der Geschichte auseinandersetzen und besonders mit meinen Privilegien. 
  • Ich muss andere auf ihre rassistischen Äußerungen ansprechen.
  • Ich darf dem Konflikt nicht aus dem Weg gehen, weil es unangenehm werden könnte.
  • Ich werde Fehler machen.
  • Ich muss Fragen stellen. 
  • Ich muss helfen.
  • Ich muss meine Einstellung verändern. 

 

Es reicht nicht aus gegen Rassismus zu sein, wir müssen Rassismus aktiv bekämpfen.

Frances

Kommentare

Bisher ein Kommentar zu “Es reicht nicht aus gegen Rassismus zu sein,”

  1. Es ist erschreckend, das wir im Jahre 2020 das ganze noch thematisieren müssen. Als ich ein kleines Kind war, habe mir nie Gedanken gemacht, dass es unterschiede zwischen Hautfarbe gibt. Wir sollten alle wie Kinder denken und alle Anderen als gleich und selbstverständlich nehmen. Lieb Grüße!

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