Kolumne

Hurra, die Welt geht unter … – In welcher Welt möchstest du leben?

15. März 2020 • 1 Kommentar

Wenn sich eine Zeile in diesem Song gerade so nah anfühlt, dann weiß ich fast auch nicht weiter. Zu so vielen Themen habe ich immer eine Meinung. Bin vorn mit dabei.

Corona und die Welt steht still

Will mehr wissen, stürze mich in die Recherche und diskutiere gern bis aufs Blut mit all denen, die mir ein „Aber“ entgegensetzen. Doch gerade jetzt fehlen mir die Worte, die Sätze, der richtige Ansatz, um euch in meine Gedankenwelt mitzunehmen und hier mehr zu schaffen, als nur ein paar dahingeschriebene Zeilen.

Hurra, die Welt geht unter

Wieso fällt es mir so schwer, die Situation in Worte zu fassen?

Ich bin ziemlich behütet groß geworden. Früher war immer klar, alles läuft nach Plan. Politiker machen ihren Job und ich muss nur mitmachen. Ärzte sind immer für uns da, ich muss nur hingehen und mein Leid klagen. Die Läden haben immer genug Essen für uns parat, ich habe immer nur die Qual der Wahl. Ich kann verreisen, wann und wohin ich will, ohne um Erlaubnis zu bitten. Die Erkältung stecken wir alle einfach so weg, weil wir in einem Wohlstandsland leben.  

Alles ist selbstverständlich.

Solange, bis plötzlich nichts mehr selbstverständlich ist. Bis unsere Welt anfängt zu bröckeln, Dinge fehlen und uns unsere endlosen Möglichkeiten weggenommen werden. Die Welt steht still, wenn unsere luxuriösen Gewohnheiten zur Vergangenheit werden. Wenn all das was wir immer tun, plötzlich nicht mehr möglich ist, obwohl wir nichts verändert haben an uns oder an unserer Lebensweise. Alles ist ganz normal, alles ist wie immer. Und wir müssten uns eigentlich nicht anders verhalten, wenn nicht unsere Umgebung sich verändert hätte.

Vielleicht fällt es mir deshalb so schwer, jetzt die Welt, die mit der Corona Pandemie konfrontiert wird, zu akzeptieren und zu verstehen. Mir war nie klar, das sich meine freie Welt binnen von 14 Tagen komplett ändern könnte. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir auf einmal nichts mehr tun können, außer den Abstand zueinander einzuhalten und Rücksicht aufeinander zu nehmen. 

Es fühlt sich im Herzen falsch an, der selbstverständlich gewordenen Gewohnheit den Rücken zu kehren. Ich will innerlich wie ein kleines Kind rebellieren, weil es „von denen“ ein Verbot erteilt bekommen hat. Weil ich doch immer frei war in meiner Wahl zu handeln, zu leben und zu arbeiten. Dabei weiß mein Verstand doch ganz genau: Es ist richtig und wichtig, das wir jetzt unsere alltägliche und so selbstverständliche Lebensweise verändern. Nicht nur für mich, sondern auch für euch da draußen. Für die, die keine Wahl haben, für die, die geschwächt sind, für die, die jetzt für uns da sein müssen. 

Ich will kein trotziges Kind sein, ich will meinen Teil beitragen. Mein Verhalten ist ein kleiner Teil zum großen Ganzen unserer Welt, in der wir leben. So wie ich lebe, spiegele ich die Gesellschaft wider. Ich könnte trotzig weiter auf die Straße gehen, mir nicht die Hände waschen, horten und wegkaufen, laut werden, meckern, schubsen, keine Rücksicht nehmen, Lügen und Angst verbreiten, gut gemeinte Angebote ablehnen, alles verteufeln, den Tod herbeiwünschen, Jobs abwerten und hinterfragen, den Schwachen keinen Gedanken widmen, nur an mich denken, und dennoch überleben. Ich könnte meine eigenen Gedanken und Probleme über die der Gesellschaft stellen.

Aber in welcher Gesellschaft würde ich mich dann wiederfinden, welche Art Menschen hätte ich dann um mich herum?

Ich will viel lieber meine Hilfe anbieten, Wissen teilen, Menschen helfen, Mehrwert bieten, gute Laune verbreiten, mit anpacken oder einfach einmal die Füße still halten und Rücksicht nehmen. Wie würde diese Gesellschaft aussehen? Wie würde es sich anfühlen, so miteinander zu leben? Ich glaube sehr gut. Ich glaube dann schaffen wir es tatsächlich auch, einen Virus zu bekämpfen. Jeden Morgen möchte ich ein Teil genau dieser Gesellschaft sein und irgendwann singen können

„Hurra, diese Welt geht nicht unter“

und „Wir leben so zusammen, dass das Wir mehr zählt als nur das Ich.“

Es würde auch verdammt anstrengend werden, wenn wir alle nur noch allein mit uns wären. Am Ende ist der Zusammenhalt doch immer das größere Ziel.

Kommentare

Ein Kommentar zu “Hurra, die Welt geht unter … – In welcher Welt möchstest du leben?”
  1. Nerdup sagt:

    Danke für diese gefühlvollen, ehrlichen Worte!
    Zusammenhalt ist wohl gerade jetzt das Wichtigste, woran wir alle arbeiten können. Diese Krise ist auch eine Chance, denn wir lernen gerade so viel neues: Digitales Arbeiten wird nach dieser Sache normaler sein denn je. Wir werden weniger reisen müssen, weil wir viel mehr per Remote erledigen können – denn wir lernen gerade, wie gut das geht! Kontakt zu Freunden aufrecht halten, egal wo diese gerade sind, klappt jetzt gerade bei mir so gut wie nie.
    Die Zeiten sind schwierig und zehren an uns allen. Aber ich bin überzeugt, dass wir als gestärkte Gemeinschaft daraus hervorgehen können. Zusammen!

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