Kolumne

Sei laut, wütend und vulgär. Was Frau nicht sein sollte.

15. Oktober 2018 von

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Schon einmal über die eigenen Vorstellungen von der passenden Frau, Freundin oder Mutter nachgedacht? Wie sieht sie für euch aus, die Rolle der Frau? Was definiert sie und wie tritt sie dann auf?

was frau sein soll wie sie sich zu benehmen hat

Ich stelle sie mir so vor: Besonnen, gut gekleidet, mit einem Lächeln auf dem Lippen und viel Wissen im Hinterstübchen. Immer gut gelaunt, nie ausfällig, nie laut- nie unangenehm. Und genau da liegt auch mein Problem. Ich selbst empfinde Frauen, die nicht in dieses Schema passen, oft als zickig, als nervend, als unangenehm. Sie passen mir nicht in mein Weltbild und anstatt das zu überdenken, würden mir sofort fünf Gründe einfallen, warum diese Frau vor mir jetzt so reagiert wie sie reagiert.

Klassiker:

„Sie hat ihre Tage“. Sie hat Liebeskummer, sie ist unzufrieden mit sich, sie ist eine anstrengende Persönlichkeit oder sie bekommt einfach gerade ihren Willen nicht.

Das mag alles zutreffen oder es mag alles nicht stimmen, aber das ändert nichts an unserem Bild von einer Frau. Wir Frauen dürfen nicht böse sein, wütend werden und dabei auch noch aufstehen und brüllen. Das ist dem anderen Geschlecht vorbehalten, das Recht aufs Lautsein. Wir dürfen nicht weinen, weil wir weich wirken würden. Wir dürfen nicht brüllen, weil wir als hysterisch abgestempelt werden würden. Wir dürfen nicht laut nein sagen, vulgär sein oder einfach einmal ein „Halt die Fresse“ antworten. Es gehört sich nicht, es schickt sich nicht. 

Es ist das Jahr 2018 und insgeheim denken wir immer noch, die größte Anziehungskraft die wir Frauen verspüren ist die zum Herd, zum Putzlappen, zum Kinderkriegen und zu starken Männern. 

Dabei haben wir gerade jetzt die Möglichkeit, so zu sein wie wir wollen. Mensch sein, und dazu gehört mehr als nur die heile Welt zu leben und sie nach außen zu wahren. Zum Menschsein gehören eben auch negative Gefühle und Gedanken. Dazu gehört Wut und der Drang, Recht zu bekommen, der Drang Karriere zu machen um jeden Preis, Launen zu zeigen und vor allem- ehrlich zu sich zu sein. Wieso sollte ich, wenn mir etwas nicht passt, den Mund halten? Wieso sollte ich nur nett lächeln und nur „Arschloch!“ denken, anstatt es einfach auszusprechen? Muten wir der Gesellschaft zu viel zu, wenn wir alte Rollenbilder aufbrechen und vielleicht dafür auch übertreiben? Oder Grenzen überschreiten, die heute eh keinen mehr jucken sollten? 

Attention Please:

Ich spreche nicht vom Verlust des gegenseitigen Respekts, nein. Der muss natürlich gewahrt bleiben. Aber was wir uns langsam stecken können, sind die Vorurteile, die wir Frauen uns immer noch gern selbst bestätigen. Dass wir zu Unrecht glauben, wenn wir auffallen und echte Gefühle zeigen, laut werden oder böse reagieren, nicht mehr akzeptiert, respektiert oder geliebt werden. Nein, Frau darf auf den Tisch hauen, brüllen, wütend werden, laut sein und einfach auch einmal die Fasson verlieren. Sie ist dadurch nicht weniger Frau, weniger liebenswert oder wird weniger respektiert. Sie ist dann nicht zickig, hat nur ihre Tage oder ist im Leben frustriert. Sie ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, wie Männer eben auch.  Sie ist wie du und ich. 

Ich will das auch nicht mehr denken, ich selbst will auch nicht daran glauben man wäre unangenehm, wenn es mal nicht rosa- rot ist. Dann sind wir nicht gleich: Hysterisch, gefühlsduselig, überfordert. 

Was Frau nicht sein sollte?

Still sein, weil sie muss. Ruhig, weil sie sonst glaubt, weniger geliebt zu werden. Zurückhaltend, weil man ihr erzählt hat, das gehöre sich so. 

Ich gebe mein bestes. Ich hoffe es. 

Kommentare

Bisher 2 Kommentare zu “Sei laut, wütend und vulgär. Was Frau nicht sein sollte.”

  1. Rena sagt:

    Meine Liebe! Dein Content spricht mir aktuell so aus der Seele. Du findest so wahre und so wichtige Worte. Warum bin ich zickig, wenn ich auf eine freche Forderung gereizt reagiere? Ich finde es Schade, dass Frau sein doch häufig so schwach definiert ist. Man erwischt sich auch selber dabei zu denken, man müsse sich nun so oder so verhalten. Und dann schreibst du. Und du schreibst mir aus der Seele und ich weiß: einen Scheiß muss ich! Danke 🙂

  2. Anna sagt:

    Liebe Frances,

    zu Deinem Artikel habe ich einen Haufen persönlicher Erfahrungen vorzubringen. Nein, ich zähle hier natürlich nicht alle auf 🙂

    Ich war schon immer jemand, der aus der Reihe fiel. Zu energisch, laut, auch mal vulgär etc. Und es hieß immer:“Frau …! Das sagt/macht doch keine Lady!“ Und ich habe mich stets dagegen gewehrt. „Ich bin keine Lady“, keifte ich oft zurück. Warum soll(t)e ich mich in dieses Bild zwängen lassen?

    Wenn mir ein Mann dumm kam und beleidigend wurde, dann war und ist es mein Recht ihn zu fragen, ob er denn schlecht Luft kriege. Oder was für einen Arschloch er denn heute zum Frühstück hatte. Ich schäme mich auch nicht zu sagen, dass er sich mal richtig bügeln lassen sollte, damit er endlich mal wieder klar käme – sprich, dass die Sauerstoffzufuhr zu seinem Hirn wieder normal funktioniert 😀

    Gehört sich eigentlich nicht. Warum aber soll ich mir von Männern alles gefallen lassen? Müssen die dann nicht auch Gentlemen sein, wenn von mir „verlangt“ wird eine Lady zu sein? Mit meinem Verhalten ecke ich an, ja. Das Dasein ist nicht besonders leicht, ja. Auch ein Ja dazu, dass Leute den Kopf über mich schütteln. Aber ich muss mir nicht gefallen lassen im Jahr 2018 (von Männer oder der Gesellschaft) in alte Rollen gepresst zu werden! Dafür haben all‘ die Feministinnen nicht gekämpft…

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