Kolumne

Letters to myself: „Scheiß auf diesen Typ Frau!“

26. August 2018 • 2 Kommentare

„Du würdest so gern immer wieder schreiben‚Wir tun uns zusammen und ziehen das alles gemeinsam durch.‘ Du wurdest aber genauso oft immer wieder enttäuscht, und immer von denen, die am lautesten nach Zusammenhalt und Unterstützung schreien und dir am Anfang so imponiert haben?
Dann scheiß auf sie.“

 

Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Text hier schreibe und euch erzähle, dass ich auf Meinungen bestimmter Frauen einfach keinen Wert mehr lege. Das klingt hart in euren Ohren? Ja, aber ich musste das für mich lernen. Vielleicht weil ich blauäugig das kleine Heimatdorf verließ, um erwachsen zu werden und weil ich immer eine Entschuldigung für meine Fehler suchte. Oder weil ich zu lange auf der Suche nach mir selbst war und mich oft verleiten ließ zu anderen Frauen hinaufzublicken, die am Ende all das verkörperten, was ich nie sein wollte- und hoffentlich nie sein werde.

Wo fange ich an zu erzählen?

Vielleicht bei der Art von Frau, die dich schon in der Schule über den Tisch zog und du es erst zwei Klassenstufen später bemerkt hast?! Die Art Frau, die alle um sich scharren konnte und es immer wieder schaffte, das man mit ihr befreundet sein wollte. Die, die du hast abschreiben lassen, die dich dafür aber schön auflaufen ließ in der nächsten Klausur, um sich dann darüber zu amüsieren, oder dich gern beim Lehrer verpetzte.

Herzlichen Dank du blöde Kuh.

Oder die Art von Frau, die im Studium der netteste Mensch auf Erden war und sich sogar für wichtige Themen einsetzte und laut wurde an den richtigen Stellen, aber dann im gleichen Atemzug auch andere vorführte. Die kaum eine andere Meinung zuließ und dich dann abschrieb, wenn die nächste Ladung Frischlinge ankam. „Ja“ und „Amen“ im Chor. Oder bei der Art von Frau, die der Kollegin im Büro den Mann ausspannte und ihn dann fallen ließ, weil sie ihr Ziel erreicht hatte und dafür auch noch volle Zustimmung einforderte.

Kann ich eine dieser Frau einen Vorwurf machen? Sicher, weil sie an vielen Stellen nur an sich und ihren Vorteil gedacht haben. Aber nicht dafür, dass ich mit ihnen befreundet sein wollte. Ich habe sie ja ein Stück weit auch bewundert und so diesen ganzen Mist unterstützt. Ich hätte den Kopf einfach eher anschalten, auch den Mund aufmachen müssen und einfach alle Sachen packen und die Tür fest hinter mir verschließen sollen anstatt immer zu hoffen, dass es nur ein Zufall oder nicht beabsichtig war.

Wir suchen uns unsere Beziehungen selbst aus,

lassen uns aber oft auch verleiten von unseren innersten Bedürfnissen.

Diese Bedürfnisse fühlen sich wie ein großes Loch neben dem Herzen an, das scheinbar für einen kurzen Moment von einer fremden Person gestopft werden kann. Mit ihrem Leben, mit ihren Taten, mit ihren Worten. Weil sie gefühlt alldem entspricht, was wir uns von uns selbst so gern wünschen und erwarten. Ich wollte immer stärker sein und lauter auftreten, hatte aber eine lange Zeit nicht den Mut so zu sein, wie ich eigentlich bin. Das Herz auf der Zunge tragen und auch mit den Konsequenzen leben zu können:

dass nicht jeder mit mir klarkommen wird. Nicht jeder wird verstehen was und wie ich ticke und nicht jeder wird das mögen, was ich bin.

Diesen einen Punkt hatten all diese Frauen gemeinsam: Ihnen war es egal was andere dachten. Sie zogen ihr Ding durch. Oft mit Mitteln, die ich als furchtbar empfand und oft über das persönliche Ziel hinaus, oft mit Verletzen am Wegrand. Ich war aber wie geblendet. Wie die Motte, die unbedingt zum Licht fliegen wollte, obwohl ihr das Bauchgefühl schon sagte, dass das nicht gut gehen kann. Ich verbrannte mich oft und hätte oft genug schon die Notbremse ziehen müssen um zu erkennen, dass manche Menschen für einen Wunsch stehen, den wir uns nur selbst erfüllen können. Sich das einzugestehen ist mir fast schon ein bisschen peinlich.

Wieso sollten andere Menschen meine Unzulänglichkeiten reparieren können,

die mich an mir selbst stören?

Und warum musste ich mir dafür solche Extreme aussuchen und ihnen nacheifern? Wohl um zu lernen was ich sein will und wem ich heute vertraue. Das sind übrigens heute die Art von Frauen die mich ergänzen. Die in vielen Bereichen ähnlich ticken und oft genug die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Heute kann ich getrost an einer Sorte Mensch vorbeigehen.

Noch besser: Ich bekomme den Mund auf. Vielleicht habe ich das von euch gelernt und, dass ich niemanden verletzen muss, um selbst glücklich und erfolgreich zu werden. Danke dafür und jetzt zieh bitte weiter. Ich kenne heute Frauen, die machen das richtig, was ihr immer noch falsch macht. Mit denen möchte ich befreundet sein. Ich hoffe sie mit mir auch.

Kommentare

2 Kommentare zu “Letters to myself: „Scheiß auf diesen Typ Frau!“”
  1. Sarah sagt:

    Liebe Franzi,
    ein sehr ehrlicher und wahrer Beitrag.Ich glaube,viele finden sich wieder,weil es menschlich ist,dass man sich auf seinem Lebensweg gerade in jungen Jahren auch „morbiden“ Persönlichkeiten zuwendet.Wie willst du denn auch sonst erkennen,wer DU bist und wie DU sein willst oder eben nicht???Also sind wir doch dankbar für diese Begegnungen und lernen daraus.
    Einen schönen Abend und liebe Grüße,Sarah

  2. Liebe Franzi,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel.
    Oh man, wie sehr erkenne ich mich selbst darin wieder.
    Hab ich doch gerade in der Schulzeit nach Anerkennung gelechzt, weil ich DAS Opfer war.
    Da rennt man gerne in diese „Frauenfalle“, glaubt, dass sie einen endlich mögen, nur um am Ende einen fertig zu machen.
    Hab lange gebraucht, mich da frei zu schwimmen. Heute habe ich das 10 Fache an Selbstbewusstsein und auch kein Problem diesen Weibern entgegenzutreten….wobei ein fader Nachgeschmack bleibt doch immer.

    XOXO und liebe Grüße
    Deine Sarah
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