Kolumne

Wenn deine Kollegin zum Biest mutiert

30. November 2016 von

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Einer der Vorzüge in der Selbstständigkeit ist, dass ich nur mit mir allein klarkommen muss. Meine Macken in meinen vier Wänden. Ich kann den Laptop schließen, das Telefon stumm schalten, muss keinen Raum verlassen und fürchten, gleich nach mir wird das Gerede losgehen.

Die Kollegin ist ein Miststueck Stimmung am Arbeitsplatz

Und wisst ihr was? Bis jetzt ist mir das auch nur selten an meinen bisherigen Arbeitsstellen passiert. Aber ich höre, lese und erfahre aus meinem nahen Umfeld immer wieder, was Mobbing am Arbeitsplatz anrichten kann. Manchmal geht das einfach zu weit. Also Ladies, eine direkte Frage an euch:

Was muss passieren, dass ihr euch den Arbeitsplatz, den Ort, an dem ihr gefühlt die meiste Zeit eures Lebens verbringt, zu einem Schlachtfeld verwandelt?

Was geht in euch vor, wenn Kleinigkeiten das Fass zum überlaufen bringen, Gespräche verdreht oder pauschale Anschuldigungen in den Raum gestellt werden?

Wie ich darauf komme? Weil vor mir jemand sitzt, der das gerade erlebt. Eine neue Stelle, absolut motiviert, offen für neue Wege und immer ein Lächeln auf den Lippen. So kenne und liebe ich sie, meine Freundin. Mit ihr lässt es sich bei den schwierigsten Themen und den heikelsten Äußerungen so gut wie nie streiten oder diskutieren. Doch das neue Umfeld im neuen Büro hat genau das geschafft und das nur, weil eine der vier Damen etwas gegen sie ausheckt. Doch was könnte der Grund dafür sein? Wir könnten zu spät kommen, trödeln oder zu viele private Dinge am Arbeitsplatz erledigen aufzählen. Aber wisst ihr was?

So hat sich bis heute keine dieser Verfehlungen geleistet. Sie ist eine Frau mit einem Pflichtbewusstsein, dass sogar mir manchmal schlecht wird. Sie steht nach langen Nächten auch nach 10 Jahren noch wie aus dem Ei gepellt auf und denkt ganz klar den Tag entlang. Sie ist immer freundlich, selbst wenn das Gegenüber schon direkt auf ihrem Schlips und mit wutentbranntem Gepöbel vor ihr steht. Sie weiß alles, was sie nicht weiß liest sie nach. Ihren Kollegen begegnet sie mir Fairness.

Sie ist in meinen Augen die perfekte Mitarbeiterin. Ich schätze sie so sehr, dass ich neben ihr selbst anfange ordentlicher und strukturierter zu arbeiten. Ob zu Schulzeiten, in der Uni oder im ersten Job, diese Frau hatte es nie schwer Freunde zu finden und Beförderungen abzugreifen. Zum neidisch werden, oder? Aber da liegt vielleicht ihr Problem. Sie könnte der Grund für die Veränderungen im Arbeitsleben anderer sein. Sie könnte die Vorlage für den perfekten Mitarbeiter bieten und so für Chaos und Unordung sorgen. Stiftet sie aus Versehen und ganz unbeabsichtigt damit genau das an, was sie gar nicht will? Neid? Missgunst? Weil sie ihre Kolleginnen verunsichert?

Dieser Satz klingt in meinem Kopf schon schlimm genug und als ich ihn aussprach, konnte ich die Verzweiflung in ihrem Gesicht und die herbe Enttäuschung über unsere Gattung spüren.

Das zerriss mir das Herz. Es ist die Erkenntnis darüber, dass meine Freundin aufgrund ihrer großen Bereitschaft im Arbeitsleben so sehr leiden muss und andere Frauen dazu ein großes Stück Schuldkuchen beitragen, überzogen mit Missgunst und gefüllt mit Neid.

Was stimmt mit ihr nicht? Ich kann es ihr nicht beantworten. Ich kann ihr nur erzählen, wie stolz ich auf sie bin und absolut nichts an ihr verkehrt ist, bloß weil sie sich aus Zickereien oder persönlichen Beleidigungen raushält. An ihr ist nichts falsch oder verkehrt. Was aber absolut nicht geht ist unser Bild von einer Gesellschaft, die lieber traurige bis frustrierte Einzelgänger produziert, als eine gut laufende, sich gegenseitig unterstützende Truppe zu schaffen. Immer wieder werden persönliche Probleme an den Arbeitsplatz gezogen und andere für das persönliche Leid verurteilt.

Wir neigen eher dazu aus Unverständnis böse zu handeln, aus dem persönlichen Gefühlschaos Drama für andere zu machen, als einfach Arbeit und Privatleben zu trennen.

Wir hegen lieber unsere Voruteile, nehmen den ganzen Frust mit an den Arbeitsplatz und entscheiden dann gern einfach irrational und oft auch unfair. Solange es keine Veränderung gibt, läuft alles wie ich es will. Ich bestimme, ich bin die beste, da ist kein Platz für ein Wir. Da ist keine Möglichkeit endlich zu verstehen: Job ist Job, Leben ist Leben.

So ist sie nun, die neue. Das einzige was sie falsch macht, ist nicht nach den Regeln einer anderen Person zu funktionieren. Das einzige was sie will, ist ihren Job so gut wie möglich zu machen. Das scheint doch für andere ein großes Problem zu sein.

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 12 Kommentare zu “Wenn deine Kollegin zum Biest mutiert”

  1. Franzii sagt:

    Liebe Franzi,
    Ich fühle mit deiner Freundin mit! Sowas ist schrecklich. Bei mir auf der Arbeit ist das ähnlich. Die neuen sind nicht so motiviert wie wir „alteingesessenen“ und da kam es zu Unstimmigkeiten (meiner Meinung nach). Meine 2 Kollegen und ich sind Ziel der bösen Kommentare, unsinnige und unbegründete Anschwärzung beim Chef und man wird angeblafft oder ignoriert. Solch eine Stimmung ist schrecklich! Wenn man wie deine Freundin auch noch allein gegenhalten muss ist das echter Mist.
    Ich hoffe Sie findet die für sich die passende Problemlösung. 🙂

    Alles Gute Franzi.:*

  2. Frederike sagt:

    Liebe Franzi,

    Du hast hier wirklich einen klasse Beitrag geschrieben. Ich habe mich direkt in deiner Freundin wiedererkannt und konnte mir beim Lesen die ein oder andere Träne nicht verkneifen. Letztes Jahr habe ich mein Studium abgeschlossen & bin in meinen ersten festen Job gestartet. Die ganzen Jahre es Studiums hat man quasi genau darauf hingearbeitet & ich bin extrak motiviert gestartet. Leider habe ich genau die selben Probleme mit einer bzw sogar zwei Kolleginnen gehabt. Da wir uns nur in einem dreier Team befunden haben, war die Situation für mich wirklich schlimm. Diese ständigen Anfeindungen, linke Nummern und das bloßstellen vor dem Chef. Das wünsche ich wirklich niemandem. Leider gehöre ich zu der Sorte Mensch, die niemanden schlecht dar stehen lassen will – selbst in solchen extremen Situationen. So habe ich letztendlich den Schlussstrich gezogen und habe gekündigt. Ich war mit den Nerven am Ende und komplett verzweifelt. Wie können Menschen nur so gegen andere Vorgehen? Im Endeffekt schiebe ich alles auf deren Angst um die eigene Stellung und das Ansehen des Chefs. Allerdings sehe ich das nicht als Entschuldigung! Ich habe meinen Master abgeschlossen, bin ein paar Jährchen älter und habe daher einfach eine andere Arbeitsweise und (wie ich gemerkt habe) auch eine komplett andere Arbeitseinstellung. Da ist ihnen wohl als „Verteidigung“ nur der Schritt ins Mobbing geblieben. Ich benutze in dem Zusammenhang gerade das erste mal den Begriff Mobbing. Es ist doch sehr schwer sich einzugestehen, dass man gemobbt wurde, ohne sich selber extrem schwach zu fühlen. Vermutlich habe ich es daher bisher vermieden. Nach fast zwei Monaten Auszeit habe ich das alles soweit verarbeitet & auch verstanden, dass ich nichts falsch gemacht habe. Das wichtigste in dieser Zeit waren mein Freund, Freunde und meine Familie. Genau solche Freunde wie dich liebe Franzi, die einem Beistehen & vor allem einen bestärken, braucht man in so einer Zeit! <3

    Ich hoffe sehr, dass deine Freundin sich aus dieser Situation "befreien" kann!

    Schöne Grüße,
    Frederike

  3. Silvia sagt:

    Auch Männer können sehr böse Kollegen sein – hatte ich in meiner letzten Arbeit. Ich wurde gemobbt und verunglimpft bis zum Geht-nicht-mehr, nur weil ich nicht auf ihre Anzüglichkeiten eingegangen bin und mich nicht mit ihnen privat getroffen habe. Es war der schlimmste Horror meines Lebens. Zum Glück bin ich da jetzt weg. Ich verstehe nicht, warum man anderen das Leben derartig schwer machen muss, nur weil man privat und beruflich nicht trennen kann!

    • Franzi sagt:

      Da hast du sicher völlig Recht. Ich habe nur gerade wieder diesen Mobbing Mist unter Frauen miterfahren müssen. Ich verstehe es genau so wenig wie du und frage mich immer wieder: Warum?

  4. Kate sagt:

    Das ist wirklich traurig zu lesen :-/ Vor allem weil deine Freundin toll ist, so, wie sie ist – und doch nichts an der Situation wird ändern können. Vielleicht hört die Kollegin auf, wenn sie sieht, dass es nichts bringt. Aber das sollte niemand erleben müssen… Im Team kann man so viel mehr erreichen, vor allem, wenn man die anderen gut kennt und in freundlicher Atmosphäre zusammenarbeitet. So kann jeder seine Stärken einbringen und man schafft viel mehr, als wenn man ständig nur seinen eigenen Fortschritt mit anderen vergleicht und sich ärgert, wenn man nicht an erster Stelle steht.
    Viel Kraft für deine Freundin! Sie findet bestimmt einen Weg, und so lange hat sie ja eine liebe Freundin wie dich. 🙂

    Liebst,
    Kate von http://katinspiration.com

  5. vielen Dank für diesen Blogeintrag! Ich genieße es einfach dich zu lesen!

    http://thedaydreamings.blogspot.de/

  6. Marina sagt:

    Für Frauen, die sich nicht gegenseitig helfen, ist ein ganz besonderer Platz in der Hölle reserviert.

  7. Katta sagt:

    Ich finde es traurig zu wissen, dass es wirklich vielen so oder so ähnlich geht. Bei mir war es damals, bevor ich mein Studium begonnen habe. Denn ursprünglich wollte ich eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten machen. Doch bereits die ersten Tage waren sehr sehr schwierig und mir wurde schnell zu verstehen gegeben, dass ich als Konkurrenz gesehen werde. Klar, Lehrjahre sind keine Herrjahre. Aber DAS was alles geschah war sehr gemein. Mobbing im höchsten Stil!
    Damals habe ich innerhalb kürzester Zeit sehr viel Gewicht verloren, wurde immer verschlossener und fuhr hinterher nur noch mit Tränen und Heulkrämpfen zur Arbeit fuhr.
    Letztendlich habe ich mir gesagt, dass ich das keine drei Jahre durchziehen kann und habe ich Ausbildung abgebrochen. Im ersten Augenblick für mich mega deprimierend, da ich ohne alles dastand. Doch aus jetztiger Perspektive die BESTE Entscheindung überhaupt!

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA || INSTAGRAM || FACEBOOK

  8. Lieselotte sagt:

    Hallo Franzi,
    ich hab das direkt auch in meinem neuen Job zu spüren bekommen – bzw. wir alle litten unter einer Kollegin. Das war so anstrengend. Man konnte sich gar nicht mehr mit anderen unterhalten (ob nun privat oder beruflich, um Fragen zu stellen, Probleme zu diskutieren,…), immer wurde man angeblafft und zurechtgewiesen, gemaßregelt, beleidigt, bevormundet. Das war zwar kein gezieltes Mobbing, aber der pure Psychoterror. Sogar – und zum Glück – die Chefetage hat das mitbekommen, nun ist die Kollegin nicht mehr da und wir haben endlich unseren Frieden, und ich kann wieder in Ruhe zur Arbeit gehen. Das macht SO einen großen Unterschied.

    Und es gibt NIEMALS einen Grund für Mobbing. Sind andere neidisch, ist das ihr Problem, nicht das eigene. Missgunst und Neid sind keine Ausrede, andere mies zu behandeln. Man kann immer mit dem ‚Überflieger‘ sprechen, sich vielleicht eine Scheibe abschneiden, bitten, dass der andere auch mal 5 gerade sein lässt, Tempo rausnimmt, man sich zusammensetzt und Projekte gemeinsam angeht, damit es für alle schneller und leichter geht. Aber fies sein? Never.

    Bei einer Freundin von mir ist das aber auch die Regel. Weil sie eine Zeit lang nur halbtags da war, wurde immer nachmittags hinter ihrem Rücken gelästert, sie wurde vor dem Chef schlecht gemacht, alles, was nicht funktionierte, wurde auf sie geschoben – sie war ja nicht da und konnte sich nicht wehren… Jetzt lässt sie sich in eine andere Abteilung versetzen.

    Liebe Grüße,
    Lotte von http://www.lieselotteloves.wordpress.com

  9. Dany sagt:

    Liebe Franzi, ein tolles Thema und ein super Text dazu!

    Auch bei mir zieht sich dieser rote Faden aus Missgunst, oder was auch immer die für ein Problem hatten, durch mein ganzes Leben. In der Schule war ich zu still, in der Ausbildung auch. Mittlerweile mache ich öfter meine Klappe auf, dann sind alle überrascht. Es ist traurig das es immer Menschen gibt und geben wird denen man nicht in den Kram passt. Natürlich müssen nicht alle beste Freunde sein und natürlich passen auch nicht alle Menschen zusammen und sind gleich. Das ist auch gut so. Aber ist es denn so schwer sich gegenseitig zu respektieren und zu tollerieren. Es sind die stillen Menschen die irgendwann ihr Stimme erheben oder mit einer Tat ihr Inneres zum Vorschein bringen. Der Schein trügt. Ich glaube immernoch daran, dass jeder bekommt was er verdient.

    Danke für deinen Text, er macht nachdenklich.

    Liebe Grüße
    Dany von http://www.danyalacarte.de/

  10. Laura sagt:

    Dein Text beschreibt den täglichen Spießrutenlauf, den ich mir momentan jeden Tag in der Arbeit geben muss, echt sehr gut. Bis ich angefangen habe, „erfolgreich“ zu sein, war alles gut, ich war ein respektiertes Mitglied der Gruppe, hatte meinen festen „Kolleginnenkreis“. Dann fing es an, bei mir gut zu laufen, weil ich hart dafür gearbeitet und nicht wie der Großteil meiner Kolleginnen die Zeit in der Kaffeeküche verbracht habe. Mittlerweile werden über mich fiese Gerüchte gestreut, mir werden aberwitzige Dinge vorgeworfen (mein Highlight: es sei unfair, dass ich so viel am Wochenende arbeite) und ich weiß, dass es einfach nur der Neid ist, der aus ihnen spricht. Aber es tut trotzdem echt weh.
    Mir ist klar, dass es

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