Kolumne

Bloggertalk: du bist nicht wertvoller oder besser mit einem Label

18. September 2016 von

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„Wieso tragen alle nur noch Gucci und Chanel? Als ob das gleich einen besseren Menschen aus uns machen würde. Ich kann in High End ja trotzdem totalen Müll verzapfen, nur anscheinend sieht es in Loui und Co. besser aus.“

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Bloggertalk: Du bist nicht wertvoller

oder besser mit einem Label!

Aus einem Scherz heraus gesagt bringt mich der Satz zum Nachdenken. Denn ich konsumiere. Das auch gern. Für manche sofort ein Grund weg zu klicken, für andere einer zu bleiben und mein Aber zu lesen.

Gerade jetzt ist es für uns nicht einfacher geworden. Wir haben alles, all unsere Grundbedürfnisse sind gedeckt. Was bleibt? Wir geben uns den Gütern und Dingen hin, die für puren Luxus stehen. Wir können es Geldverschwendung nennen, protzen oder einfach genießen. Marken und High End sind im Alltag noch nie so bewusst und in Massen von uns allen konsumiert wurden. Wir bekommen Mails, Bilder und lesen Texte, in denen uns die neuen It- Pieces der Designer schmackhaft gemacht werden. Es reicht uns nicht mehr ein ähnliches Modell zu shoppen, es muss das Original von Designer XY sein. An sich erst einmal eine guter Gedanke. Eine tolle Sache, nicht für 200 drölfzig ähnliche Teile Geld aus dem Fenster zu werfen, sondern einmal richtig gezielt und schätzend zu kaufen. Könnte man so durchgehen lassen, sieht aber in der Realität anders aus.

Kurzer Einschub! Ganz klar, ich müsste die Klappe halten. Ich liebe sie, die schönen Dinge, die tollen Taschen und diese verdammten lockenden Statement Schuhe von Gucci bis Chanel. Viel zu teuer, aber ich bezahle das Label mit. Ist so, nennt es dumm, protzig oder einfach ein Hobby, das ich mir leiste, aber andere gern richtig doof finden können.

Was für mich kein Argument gegen meine Leidenschaft ist: Das haben ja alle. Stimmt.
Mich stört es einfach nicht, wenn wir in einer Gruppe auftreten, wir Fashion Bingo spielen könnten und alle bei der gleichen Tasche völlig ausflippten. So ist das mit Trends, die gefallen oft mehr als 10 Leuten, sonst wäre es eben auch kein Trend.

Rückblick

Ja, ich bin schon immer eine von denen gewesen, die gegen Trends an sich erst einmal nichts hat. Als Göre, als kleines Modemädchen, war ich auch versessen darauf die neueste Miss Sixty Hose mein zu nennen, die damals schon richtig frech teuer war. Doch ich musste dafür auch arbeiten. Zeitung austragen, Nachhilfe geben, Treppendienst übernehmen, und Prospekte in Briefkästen verteilen, die jeder hasste und somit auch mich. Machte aber nix, denn ich war überglücklich, als ich mit meinem Geld meine Wunschjeans bezahlen konnte- bar. Genau abgezählt unter den argwöhnischen Augen der nie lächelnden Verkäuferin.

Vielleicht war auch das Gefühl des Dazugehörens der Antrieb. Gerade wenn man jung ist, sucht man nach passenden Freunden, nach Vorbildern, nach einem Weg sich selbst zu finden. Da kann eine Hose einer bestimmten Marke einem kurzzeitig genau das richtige Gefühl geben. „Ich gehöre dazu.“ Dieses hielt leider nicht lange an und die Hose mit einem Taillenbund, gefühlt unterhalb der Kniescheibe, tat vor allem für den Wohlfühlfaktor rein gar nichts.

Ich lernte aus meinen Fehlern, glaube ich zumindest heute. Ich bin völlig bei euch, dass wir vor allem in unserer Bloggerszene nach materiellen Gütern bewerten. Die Erfolgsskala geht von Michael Kors bis hin zu Chanel und wir wissen alle wo wir starten und welches Ziel wir haben. Das Problem ist nur, dass wir irgendwo den Boden verloren haben. Manchmal glaube ich, dass wir uns dadurch dauernd unter Druck setzen und einen Zwang zum Konsum hervorrufen, der nicht nur uns Blogger sondern am Ende auch die Leser überfällt. Wie ein kleiner Virus sind bestimmte Marken zu Statussymbolen geworden, die dann auch über Erfolg und Anerkennung entscheiden. Obwohl das totaler Quark ist und drei goldene Buchstaben uns nicht zu besseren Menschen machen.

Wieso stapelt sich dann auch bei mir schon die eine oder andere Tasche im Regal?

Weil ich sie liebe, diese Dinge, die aus reiner Übertreibung und Zeitverschwendung entstehen. Es ist ein Luxus, dem ich unglaublich gern nachgehe. Ich weiß mittlerweile aber auch, dass ich aufpassen muss, denn irgendwann habe ich angefangen, meinen beruflichen Erfolg von dieser Investitionen abhängig zu machen. Jeder neue Schritt und jeder Erfolg wurde gefeiert und ich habe mich belohnt. Ich habe meine beruflichen Erfolge und die damit verbundenen Gefühle nicht in ein Marmeladenglas gesteckt, ich habe sie investiert. Mit jedem größeren Schritt erfülle ich mir einen kleinen Herzenswunsch. Ich bin keine zwanzig mehr, ich stecke mitten im Berufsleben und darf mit meinem Geld machen was ich will, aber selbst ich merke, dass das langsam richtig albern wird. Daher muss ich meinen Kurs ein wenig korrigieren.

„Wenn ich an einem Tisch sitze und mir im Vertrauen erzählt wird, dass man sich für Labels verschuldet, die Steuerzahlung hinauszögert und sogar die Freunde danach ausgesucht werden, dann müssen wir über dieses Thema reden.“

Das ist kein Text der bloßstellen oder angreifen soll. Er soll mich und auch euch an die wirklich wichtigen Dinge erinnern. Es ist kein Muss, ein Label zu tragen. Es muss nicht jeden Tag ein neues It- Teil her. Im gleichen Atemzug ist es keine Ablehnung von schönen Dingen oder das Kritisieren anderer Lebensarten und Einstellungen. Es ist nur ein Gedanke, den ich heute mit euch teilen möchte, weil ich das Gefühl habe, dass wir darüber offen sprechen müssen.

Ich liebe meine Valentino, aber ich könnte sterben für Pommes rot- weiß an einem lauen Sommerabend mit den besten Menschen der Welt. Das sind die Momente die zählen, ob mit oder ohne Label XY. Vergesst das nie, wenn ihr hier vorbei schaut oder andere Blogs und Magazine durchklickt.

Und ich bin auf keinen Fall besser oder toller, nur weil ich eine bestimmte Marke mein nennen darf.

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 14 Kommentare zu “Bloggertalk: du bist nicht wertvoller oder besser mit einem Label”

  1. Sehr toll geschrieben! <3 Natürlich finde ich auch das ein oder andere Designerstück schön, doch für mich hat es schnell mal Grenzen.

    Hab einen schönen Rest vom Sonntag!

    Liebe Grüsse

    Beauty-Mona

  2. Denise sagt:

    Richtig, richtig schöner und wahrer Text. Bin beeindruckt und du hast sowas von Recht!! Vielleicht rüttelt das ja tatsächlich den ein oder anderen wach.

    Liebste Grüße von Denise

  3. Lotte sagt:

    Hallo Franzi,
    ich bin’s 😉 Ich finde ehrlich gesagt überhaupt nicht, dass du dich dafür rechtfertigen musst, was du mit deinem Geld anstellst. Geht keinen was an, solange deine Geldeinnahmequelle legal ist 😉 Ich habe immer das Gefühl, dass das so ein Ding in Deutschland ist – andren ein schlechtes Gewissen machen. Das beneiden, was andere haben, aber es dann gleichzeitig schlecht reden. Dir z.B. sagen, dass du dich für was Besseres hälst in deinen Designersachen. Nun kenne ich dich ja nicht persönlich, aber überheblich bist du mir nie vorgekommen…
    Mir ist das oft auch zu viel mit den Designersachen auf den Fashion-Blogs. Zum einen, weil ich mir wirklich keinen Pullover für 500€ und mehr kaufen kann, zum anderen weil mir die meisten Designersachen schlicht und ergreifend nicht passen. Aber das Faible für teure Handtaschen und ander Accessoires kann ich verstehen, da bin ich ganz bei dir 🙂 Und wie du deine Handtaschen und Schuhe kombinierst, schaue ich mir sehr gern an, auch wenn ich sicherlich nicht losziehe und mir sofort die Valentino, die du zeigst, kaufe. Aber träumen darf man ja 😉 Außerdem finde ich es, abgesehen davon, ob ich es mir leisten kann/will oder nicht, toll, dass ich auf Blogs Inspiration finde, über neue Produkte und Kollektionen informiert werde usw. Ich mag nun mal Mode, Schmuck und vor allem Beauty, und interessiere mich einfach für News aus dieser Welt.
    Aber ja: Verschulden für Mode ist dämlich, absolut.
    Liebe Grüße,
    Lotte von http://www.lieselotteloves.wordpress.com

  4. Schön geschrieben, find ich passend so ein Thema zum Sonntag 🙂 Liebe Grüße

  5. Charli sagt:

    Hallo Franzi,
    grundsätzlich finde ich die Gedanken toll. Ich finde nur, dass im Moment auch die Welt der Designer immer auf die gleichen Teile reduziert wird. Bei Insta sehe ich immer wieder die gleichen Taschenmodelle, Schuhe etc.. Auch Gucci und Co. haben doch so viel mehr zu bieten, ganz zu schweigen von den anderen großen Designhäusern.
    Ich freue mich immer über Inspiration. Auch wenn ich mir das Meiste davon (noch?) nicht leisten kann, schaue ich mir schöne Mode immer sehr gern an. Und gerade an Bloggern sollte es dann doch etwas Authentisches haben. Wie eine Chloe Faye aussieht oder die Dionysus von Gucci, weiß ja mittlerweile jeder der Insta hat, oder?
    Ich würde mir da mehr Einfallsreichtum wünschen und nicht dieses auf Sicherheit gehen, obwohl ich es natürlich irgendwo auch verstehen kann. Aber mich inspirieren inzwischen Modezeitschriften wieder viel mehr, als die großen Blogs (Ausnahmen gibt es natürlich auch da). Oder auch manche „kleinere“ Modemädchen, die sich noch trauen zu experimentieren.
    Ich hoffe, es klang jetzt nicht allzu kritisch, aber ich möchte einfach gern von Modeleuten überrascht werden und das dürfen gern auch teure Marken sein. Da weiß ich dann, warum ich für die Schule lernen sollte, ha, ha… Irgendwie muss man sich ja motivieren. 😉
    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag.
    Charli

  6. Eva sagt:

    Wundervoll geschriebener Text? Ich habe in letzter Zeit vermehrt das Gefühl, wenn man zur anerkannten Blogger Elite gehören will, kommt man an einer Designer-Tasche nicht vorbei. „Haste nicht – biste nichts“! Das macht mich nachdenklich und traurig. Ich verurteile niemanden mit schicken Luxusgütern – jeder hat seinen Spleen sich zu verwöhnen und das ist auch gut so. Dabei sollte man das echte Leben & die unbezahlbaren Momente aber nicht vergessen!

    • Franzi sagt:

      Liebe Eva! Ja leider kommt es mir manchmal auch so vor. Aber glaube mir, wer so denkt, hat eigentlich ganz andere Probleme. Aber hinter die Fassade schauen wird auch immer schwieriger. Vielleicht liegt es auch daran? So zeigt man sich: hier bin ich, schau mich an?

      Liebe Grüße

  7. Alex sagt:

    So wahr! Wenn, dann sollte man vor allem darüber nachdenken, ob man Label XY jetzt für sich selbst kauft, oder für die Menschen, die es sehen, wenn man damit rumläuft. Generell mag ich Labels auch gerne, habe aber bisher das Reisen in den Vordergrund gestellt – immerhin hätte ich mir auch eine (oder zwei) Designertaschen kaufen können, statt 8 Monate in New York zu leben oder jetzt nach Hawaii zu fliegen. Für beides muss ich selbst arbeiten und mein Geld verdienen, aber ich habe mich dann doch für die Zeit in New York entschieden. Denn die kann mir keiner mehr nehmen, und die Erinnerungen und Erlebnisse sind 1000 Mal mehr wert, als eine teure Handtasche 🙂
    Liebe Grüße,
    Alex

  8. Malina sagt:

    Ein sehr schöner Text. Ich finde es sehr gut, dass du so offen und ehrlich über dieses Thema redest. Hätte ich das Geld, sähe es bei mir sicherlich ähnlich aus. Das Geld habe ich aber noch nicht und trotzdem gebe ich leider momentan irgendwo jeden Cent für hübsche Dinge aus, anstatt mal ein wenig auf mein Sparbuch zu überweisen. Es ist aber mit 22 verlockend: Ich habe noch keine großen Verantwortungen außer, dass ich am Ende des Monats noch Geld fürs Katzenfutter übrig haben sollte. Da lassen sich ein Paar Acne Jensen Boots oder ähnliches recht leicht kaufen. Eigentlich ist es richtig dumm von mir, keine Rücklagen zu bilden. Naja… Aber über das ein oder andere teurere Teil freut man sich halt einfach wie ein Schneekönig. Bald trudelt endlich eine schwarze PS11 bei mir ein, die ich sehr günstig gebraucht geschossen habe. Meine erste richtige Designertasche. Trotzdem fände ich es völlig falsch mich über so ein Teil zu definieren. Wenn ich mir nämlich viele der erfolgreichen Blogger anschaue, dann haben sie nichts zu sagen und sind lediglich Kleiderstangen voll mit teuren Marken. Und das ist dann irgendwo auch nichts wert, da können die Täschchen noch so teuer gewesen sein.

    Grüße, Malina
    http://malinaflorentine.de

  9. Ein schöner Text Franzi! Ich muss sagen, dass ich in meiner Jugend auch immer alles unbedingt haben musste. Miss Sixty Hosen, Buffalo Boots … alles worauf eine gute Marke stand und ws zu der Zeit eben jeder hatte. Mittlerweile bin ich da anders. Ich besitze tatsächlich kein einziges Paar Designerschuhe und hab auch keine Handtasche, die mehr als 80 Euro kostet. Es geht mit nicht mehr darum von wem die Tasche ist, sondern ob sie mir gefällt. Ich verurteile aber auch keinen wenn er sich das gerne leisten möchte. Ich kann es nur selbst nicht so ganz nachvollziehen, dass man für eine Tasche, eine Uhr oder ein Paar Schuhe solche Unmengen von Geld ausgibt. Gerade bei jüngeren Mädels frag ich mich dann tatsächlich oft wie die das machen. Ich lege zwar immer Wert auf eine gute Qualität, bin aber mit wenig schon sehr zufrieden. Nur auf der Fashion Week komm ich mir dann immer ein bisschen fehl am Platz vor, weil ich nichts von Gucci, Prada oder Valentino besitze. Aber ich bin da nicht der Typ Mensch für und dann ist das eigentlich auch okay so.

    • Franzi sagt:

      Ja so war ich auch. Nicht immer, aber es gab Zeiten, in denen dachte ich: Wenn ich das trage, bin ich dabei! Ist Quark, aber ich glaube wir entwickeln uns da auch wieder ein wenig hin- warum auch immer, scheinen wir wieder die „Mein Haus, Mein Auto, mein Kleiderschrank“ Sache hochzuholen. So muss jeder seinen Weg finden, aber das Netz macht es uns auch nicht gerade leicht.

      Liebe Grüße

  10. Feli sagt:

    Toller Post 🙂 Ich finde es gut, wie kritisch du die Sache beleuchtest ohne zu verurteilen! Liebe Grüße, Feli von http://www.felinipralini.de

  11. […] hat die liebe Franzi einen schönen und sehr ehrlichen Artikel über das Konsumieren geschrieben. „Du bist nicht wertvoller mit einem Label.“ Aber warum sind wir dann alle so verrückt nach all den It-Bags von Gucci, Chanel, Valentino und […]

  12. Inka sagt:

    Toll geschrieben. Auf den Punkt gebracht! ✌?️ Inka

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