Kolumne

Somebody somewhere doesn’t like you

1. November 2015 von

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Nachts, wenn deine Einstellung auf dem Weg zu den eigenen vier Wänden durch einen Blick auf eine verlebte Plakatwand komplett auf den Kopf gestellt wird, sollte man doch kurz noch einmal innehalten! Genau das ist mir diese Woche passiert und wisst ihr was: „Es wird immer jemanden geben, der dich und das was du tust scheiße findet“ stimmt zu 100%.

Somebody somewhere doesn't like you

Ich muss kurz zurückspulen, damit ihr meinen Gedanken auch folgen könnt.

Wenn man den großen Drang hat, allen immer alles Recht zu machen, bekommt man irgendwann ein Problem. Das Problem liegt dann bei der eigenen Person, bei den eigenen Gedanken und Gefühlen. Meine Achilles Ferse, meinen wunden Punkt, würde ich genau so beschreiben.

 Ich sehne mich einfach innerlich danach, das alles gut und glatt abläuft. Gehe bestimmten Situationen und Ereignissen lieber aus dem Weg, als sie direkt zu klären und auch einmal nein zu sagen, auch einmal das geht so nicht aus meinem Mund purzeln zulassen oder mich sogar komplett aufzulehnen. Direkt, ohne Zeitverzögerung, per du, in einer Runde oder einfach zu mir selbst. Immer alles allen recht zu machen ist nicht möglich, aber ein Ziel das mir jahrelang Ruhe, Freundschaft, Entspanntheit und Vertrauen versprochen hat. Dabei bringt es nur Stress, Falten, Essattacken und Unmut. Ja, die Aussicht auf eine Konfrontation, auf eine Lage, die Klärungsbedarf fordert, machte mir immer eine Heidenangst. Ich wollte niemanden verletzen, nicht einmal wenn es einfach nur ein dummes Huhn war mit einer einsilbigen Meinung, ich wollte niemanden vor dem Kopf stoßen, auch wenn diese Person schon mehrere Freundschaften aufs Spiel setzte, um die eigenen Bedürfnisse umsetzen zu können. Nicht einmal auf der beruflichen Ebene, wenn es wirklich um Haus Hof und Existenz ging. Nein, ich war immer der festen Überzeugung, es müssen mich alle mögen und so schlimm kann das doch am Ende gar nicht sein. Doch. Wenn man nicht direkt anspricht was falsch ist, wenn man nicht direkt die Hand hebt und Gehör einfordert und endlich einmal handelt, kann im Nachgang viel mehr schief gehen.

Vor allem mit dem Kopf und im Herzen. All die Worte die nie gesagt wurden, all der Groll, all der Unmut und all die seltsamen Gegebenheiten die daraus entstanden sind, stauen sich an! Man wird innerlich unglücklich, wie eine kleine dumme Primel geht man lieber ein, anstatt das Gedachte endlich einmal laut auszusprechen. Anstatt sich ein Herz zu fassen und reinen Tisch zu machen. Das hat zur Folge, das Ideen, Mut, Spaß und Vertrauen sich klamm heimlich aus den Staub machen und am Ende nichts mehr da ist, außer Unmut auf sich und auch auf andere. Immer allen alles Recht zu machen, immer ja und Amen im Hinterkopf schon abzuspulen, um am Ende doch wieder zu wissen „Jetzt hätte ein einfache Nein gereicht“ ging mir lange Zeit nicht über die Lippen. Keiner sollte Böses von mir denken, niemand sollte wütend auf mich sein. Alle sollten mögen was ich sage, tue und denke. Richtig albern? Richtig naiv? Ja und es war bis vor kurzer Zeit noch lange kein gutes Ende in Sicht. Bis zu einer Überschrift, bis zu einem Satz, bei dem ich doch endlich einmal verstand, wie es wirklich zu laufen hat: „Es wird immer jemanden geben, der dich und das was du tust scheiße findet.“ Stimmt und genau so geht es mir doch auch. Ich kann nicht alles toll, klasse superduper amazing finden. Mach ich auch nicht, wieso sollte ich es von anderen verlangen und mir dieses Gefühl aufzwängen? Manchmal kann einem ein blöder Satz von einer uralten Werbetafel einfach so die Augen öffnen. Manchmal bleibt man gefühlte hundert Stunden starr mit dickem Schal umgeben von nichts als nur Dunkelheit und Kälte stehen und glaubt es nicht, das blöde alte Werbeslogans die Antwort auf dein ewiges Problem in einen Satz erfasst und gelöst haben. Liebe Werbetafel, bei der nächsten Sache bitte zeitnahe auftauchen!

Somebody somewhere doesn’t like you- und es nicht schlimm!

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 9 Kommentare zu “Somebody somewhere doesn’t like you”

  1. Leonie sagt:

    Oh ja, wie wahr! Es ging mir sehr lange genauso wie du es hier beschrieben hast – mir war Harmonie immer super wichtig und allein der Gedanke an Konfrontationskurs hat in mir Panik verursacht. Doch mittlerweile lerne ich immer mehr, wie wichtig es ist, sich genau in diesem Punkt treu zu bleiben und zu den Dingen zu stehen, die man denkt und für richtig hält.
    Erst neulich hatte ich die Situation, dass ich mich über das Verhalten von anderen aufgeregt habe – früher hätte ich da nie etwas gesagt, sondern es schweigend akzeptiert. Doch heute traue ich mich, dann auch anzusprechen, wenn etwas falsch läuft. Und es ist wahnsinnig befreiend!

    Liebe Grüße
    Leonie
    Follow The Daisies

  2. Fee sagt:

    Wahre Worte! Ich brauchte auch lange dafür, meine Einstellung zu verändern und nicht mehr zu versuchen „Everybody’s Darling“ zu sein.

    Alles Liebe,
    Fee von Floral Fascination

  3. Maren sagt:

    Hallo Franzi,

    das was du beschreibst kenne ich zu genüge. Darüber habe ich mir auch Gedanken gemacht. http://www.marenvollmer.de/2015/09/01/nachgedacht-warum-kannst-du-nicht-wie-ich-sein/
    Letztendlich liegt es nur an einem selbst.

    Liebe Grüße,
    Maren

  4. Andrea sagt:

    Ich kenne das sehr gut! Man denkt, wenn man Konfrontationen vermeidet, wird das schon irgendwie. So war das eine ganze lange Zeit bei mir, bis ich auch bemerkt habe, dass es einfach nichts bringt. Heute erwische ich mich dabei, Sachen lieber nicht anzusprechen, um eben Probleme zu vermeiden. Bald stehe ich wahrscheinlich wieder vor einer Situation, die mir einiges abverlangen wird – und auch hier weiß ich: lieber das Problem an den Wurzeln packen und ansprechen! Irgendwie kommt dein Post genau richtig..

    Liebe Grüße, Andrea von The Luster Edition

  5. Anni sagt:

    Wenn das mal nicht das Wort zum Sonntag ist 🙂 Es ist manchmal trotzdem schwer, das zu akzeptieren. Ich muss mich zumindest öfter mal daran erinnern, dass nicht jeder alles toll finden muss, was ich sage oder mache.
    Liebe Grüße, Anni 🙂

  6. Lisa sagt:

    Super Beitrag – und ein total tolles Bild! ♡

    Liebste Grüße
    Lisa von http://www.confettiblush.com

  7. S. sagt:

    Das ist ein toll geschriebener Post! Zwar mit einem ernsten Hintergedanken, aber trotzdem (oder gerade deswegen) sehr aufbauend.
    Liebe Grüße
    S.
    http://cappuccinocouture.blogspot.de/

  8. Juliane sagt:

    Was du hier gerade beschreibst, kommt mir sehr bekannt vor.
    Ich hatte auch so meine Probleme damit „Nein“ zu sagen. Wollte immer helfen so gut ich konnte und hab mir am Ende selber einfach zu viel zugemutet.
    Insgeheim dachte ich mir zwar sehr oft “Nein, ich kann und will nicht”, aber am Ende hörte ich dann doch immer, wie ein “Klar kein Problem, sehr gerne” meinen Lippen entwischte. Der Mund sprach und das Gehirn schüttelte ungläubig den Kopf. Das war unbewusst wahrscheinlich mein Versuch es jedem Recht zu machen. Gut anzukommen.
    Mittlerweile ist das nicht mehr so. Zum Glück!
    Schön, dass auch dir die „Augen geöffnet wurden“.
    Den Spruch der Werbetafel finde ich übrigens super!

    Alles Liebe
    ♡ ♡ ♡
    Juliane

  9. Dea sagt:

    Dieser Post spricht mir aus der Seele! Erst heute sollte ich zu einer Veranstaltung einer mir nahestehenden Person gehen. Fact is: Ich. habe. heute. einfach. keine. Zeit! Ich habe der Person die genauen Gründe geschildert und sofort gemerkt, dass sie beleidigt war. Und jetzt habe ICH ein schlechtes Gewissen – obwohl ich das nicht müsste!

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