Kolumne

she was never alone

26. Juli 2015 von

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Ich bin kein Fan von Stereotypen in Sachen Liebe und Beziehung, doch es gibt sie wohl, die Frauen, die von einer Liebe in die nächste Beziehung übergehen und alles nach Plan verläuft.

she was never alone

„Ich war noch nie allein! Sechs Jahre lang haben wir uns Wohnung, Bett und Freundeskreis geteilt. Was mache ich jetzt nur ohne ihn?“ Stark sein. Ich glaube es kommt immer einmal der Punkt im Leben, an dem man für sich entscheiden muss, wo die Reise hingehen soll.

Jetzt könnte sie es sich einfach machen und schnell dem nächsten schönen Mann den Kopf verdrehen. Das kann sie und konnte sie immer gut. Von einer Liebe in die nächste übergehen. Ohne großes Tamtam, ohne stundenlang ausheulen, ohne ihn zu hassen und Mädelsabende ausufern zu lassen. Ohne emotionale Fehltritte. Ganz konsequent das Schöne an der Liebe weiterleben. Nur die Person, die du am Morgen neben dir entdeckst, wurde ausgetauscht. Alles war und bleibt gleich. Die Gefühle, der Alltag, das Leben zusammen. Keine Wut, keine Einsamkeit, nur das pure neue Glück. Was ist aber, wenn du dich für das allein sein entscheidest, die Gefühle zulässt und weißt, es wird jetzt nicht einfach. Vielleicht wäre es an der Zeit, an dieser zerbrochenen Beziehung zu wachsen und das Leben für sich ganz neu anzufangen? Sie schaut mich an und ich sehe, es ist ihr ernst: „Es ist unglaublich schwer, das zu meistern. Ich habe keine Lust mich all diesen Gefühlen auszusetzen. Vielleicht wäre es einfacher jemanden zu haben der mir über diese Zeit hinweghilft?“ Deine Freunde und du selbst können dir beistehen und helfen, wandert sofort über meine Lippen. Irgendwas in mir möchte, dass sie es schafft, allein zu sein und dabei glücklich. Wir sehen beide ein, der Zeitpunkt ist gerade nicht gut gewählt, um über die kommenden Schritte zu sprechen und wechseln das Thema.

Drei Wochen später treffen wir uns zufällig auf der Straße. Sie hat eine neue Liebe, sie steht neben ihm und strahlt ihn an. Wir stellen uns vor und kurz hege ich den Gedanken im Weitergehen: Vielleicht macht sie alles richtig? Beschäftigt sich nicht mit den alten Gefühlen und schaut nach voran und ergreift die nächste Möglichkeit?

„She was never alone“

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 8 Kommentare zu “she was never alone”

  1. Kathi sagt:

    Toller Beitrag! 🙂
    Ich kann das Hin und Her absolut nachvollziehen. Warum alleine sein, wenn man einfach weitermachen kann? Warum traurig sein? Ich glaube, dass es dennoch richtig ist, erstmal alleine klar zu kommen. Zum einen, um der alten Beziehung doch einen gewissen Tribut zu zollen, den Gefühlen und allem, was damit zusammenhängt. Zum anderen glaube ich, dass niemand Neues einen glücklich machen kann, wenn man nicht auch alleine mit sich selbst glücklich sein kann.
    Danke für die Denkanregung!
    Liebe Grüße, Kathi

  2. Sarah sagt:

    Schöner Text, regt zum Nachdenken an 🙂

  3. …vielleicht nie alleine, aber auch nie für immer…
    Solche Menschen haben zwar immer „die ganz große Liebe“ an ihrer Seite, aber alle paar Jahre in einer anderen Person. Diese Menschen kommen nie wirklich an. Diese Menschen lassen Gefühle nie wirklich zu.
    Diese Menschen sind irgendwie immer Getriebene und auf der Suche.

    Ob das so erstrebenswert ist….

  4. Caro sagt:

    Liebe Franzi,
    sehr gut geschrieben (mal wieder). Ich habe auch so eine Freundin, die sich nach zehn Jahren Beziehung gleich in die nächste Beziehung gestürzt hat. Und ich frage mich: Weiß sie eigentlich, wer sie ist, während sie nun seine Hobbys und Vorlieben „übernimmt“? Oder ist es genau die Person, die sie eigentlich ist, aber während ihrer letzten Beziehung nicht sein konnte? Ich bin der Meinung, man sollte sich zwischendurch auch die Zeit sich selbst zu finden – und das kann man leider am besten kompromisslos und allein.

    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag,
    Caro

  5. Mia sagt:

    Macht sie sicher nicht. :p Du kannst Beziehungskram nach der Trennung eine zeitlang verdrängen, doch trotzdem muss man das Vorherige irgendwie verarbeiten. Kenne einige Damen, die sich nach Beziehungen in zig Liebschaften gestürzt haben. Anstatt sich auf sich selbst zu konzentrieren, waren sie krampfhaft auf der Suche nach einer neuen Beziehung. Konsequenz war, dass alles aus dem Ruder lief und Frau sich selbst nicht mehr wieder erkannte.

  6. Kali P. sagt:

    Wir sind Herdentiere und Alleinsein macht uns oft eher depressiv. Wer jedoch das Alleinsein lieben lernt, lernt auch Selbstständigkeit und Unabhängigkeit lieben. Das kann etwas sein, was man ungern aufzugeben bereit ist für eine neue Beziehung. Zum anderen: wie schnell finde ich denn wirklich wieder jemanden, den ich ehrlich und von Herzen liebe? Oder ist dieser Jemand dann nur eine „vorübergehende Lösung“, weil ich keinen Schmerz fühlen will? Und wie gut ist es wirklich, den Verlustschmerz immer zu umschiffen? Denn ist unser Leben nicht auch durch Verlieren und Loslassen geprägt?

    Liebste Grüße
    Kali von Miss Bellis Perennis

  7. Ich finde den Beitrag schön. Er ist nicht wertend, aber beobachtend gescheben und trifft einen jeden – denn ich glaube wir alle haben den einen Freund oder die eine Freundin die sich so verhält!

    Ich bin aber über einige Kommentare hier erstaunt… wir stecken nicht in ihr drin, wissen nicht, was in ihrem Kopf vorgeht und auch nicht, was das Beste für sie ist. Genau wie du mal einen tollen Beitrag darüber geschrieben hast, wie viel Nähe ihr braucht und dass das manche nicht verstehen.

    Jedem das seine, oder? 🙂

  8. Janine sagt:

    Ich bin sehr spät für einen Kommentar… Aber ich möchte für eine Seite sprechen, die meine Vorrednerinnen nicht kennen… I never was alone. Ich bin eine dieser Frauen. Augenscheinlich. Ich brauche lang eine Beziehung zu beenden. Ich kämpfe lange für das Uns. Tränen, Schreien, Einsamkeit stehe ich vor der „offiziellen“ Trennung durch. Oft allein, weil ich noch hoffe. Wenn ich gehe ist die Entscheidung gereift. Ich gehe ganz und blicke nicht zurück. Ich trauere und freue mich andererseits mich leben zu können, ohne jede Einschränkung. Und ich lebe, schmiede Pläne nur für mich. Und in dem Moment, in dem ich ganz bei mir bin und IHN nicht gebrauchen kann, ist er plötzlich da. Ich verliebe mich, wehre mich, es ist zu früh. Gespräche, warum ich mich nicht einlassen kann. Und irgendwann die Entscheidung wieder Platz zu machen in meinem Leben. Ich bin 32, hatte 4 langjährige Beziehungen und bin nach inzwischen vier Jahren mit meinem Partner heute mehr als glücklich mit ihm zusammen. Ich war in meinem Leben nie länger als 6 Wochen ganz ohne Mann.

    Ich bin vielleicht anders als meine Vorrednerinnen. Verarbeite anders. Aber ich liebe wie ihr!

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