Kolumne

Wann ist es an der Zeit loszulassen? 

Wann ist es an der Zeit loszulassen? 

loslassen, nicht weitermachen - wann ist es Zeit aufzugeben

Ich bin gern von Anfang an und lange dabei. Ich halte gern fest an Dingen, Situationen und Menschen, obwohl ich weiß, dass es nicht gut ausgehen wird. Wann aber ist der richtige Zeitpunkt loszulassen? Ab wann ist es kein Aufgeben, sondern der Entschluss, der für alle Beteiligten am Ende der Beste ist?

Die Linie ziehen, wissen, dass es danach allen besser geht. 

Früher habe ich schnell aufgeben: Den Mannschaftssport, die Beziehung nach dem ersten Kuss, den Job nach der ersten schlechten Beurteilung. Ich wollte es besser machen und nicht als die gelten, die schnell das Handtuch wirft; sondern dran bleiben, alles geben. Dabei habe ich womöglich verlernt „nein“ zu sagen, Abstand zu gewinnen und Grenzen zu ziehen. 

Wenn wir gehen, etwas aufgeben oder hinschmeißen, dann wird es oft mit Versagen, mangelndem Durchhaltevermögen oder Angst verbunden. Dabei gibt es immer wieder Situationen, die leiser, ruhiger und entspannter ausgegangen wären, wenn wir nur früh genug die Reißleine gezogen hätten. Ab wann müssen wir loslassen, um nicht noch mehr kaputt zu machen und im Bösen auseinander zu gehen? Dann, wenn jedes Wort falsch verstanden wird, oder dann, wenn wir jeden morgen aufstehen und uns nicht auf den Tag im Büro freuen? Vielleicht wenn die Berührung nichts mehr bedeutet, vielleicht wenn wir es nur getan haben, weil alle es so tun und von uns erwarten? 

Aufgeben, loslassen, wegbleiben.

Das sind immer wieder Worte, die sich für mich lange Zeit negativ angehört haben. Dabei kann es auch bedeuten auf sich selbst zu achten: Auf das Herz und auf den Verstand, die dir sagen, dass dein tägliches Auftauchen nicht notwenig ist, dass du nicht angehört und akzeptiert und respektiert wirst. Dass die Beziehung schon viel früher in die Brüche gegangen ist und wir noch an den Restgedanken und Gefühlen von damals kleben.

Es ist kein Verbrechen und es ist auch kein Weltuntergang wenn du gehst, wenn du kündigst- Den Job, die Beziehung, die momentane Lebenssituation. 

Du entsprichst dann vielleicht nicht mehr den Erwartungen der anderen, aber wer kann die am Ende schon erfüllen? 

Wenn ich mir überlege, dass wir nur genau ein Leben haben und uns trotzdem immer zu etwas überreden und uns überzeugen lassen, das uns leise unglücklich macht, warum soll das der vernünftigere Lebensweg sein? Wir müssten heute nicht mehr alles mitmachen und aushalten. Wir müssen uns nicht mehr immer nur anpassen, wir dürfen auch feststellen, dass es nicht mehr passt, in allen Lebensbereichen. 

Aufgeben, loslassen und Zelte abbrechen kann auch etwas mit Mut zu tun haben. Den Mut zu erkennen, etwas nicht zu schaffen, dass es nicht zu einem selbst passt und dass es einen anderen Weg gibt. Einen ganz individuellen für jeden einzelnen Menschen dort draußen. 

Wann ist es Zeit loszulassen? 

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