Kolumne

Drei Frauen, drei Meinungen – Welches persönliche Ereignis hat dich verändert?

16. September 2018 von

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Was passiert wenn wir etwas erleben, das wir uns nie gewünscht oder um das wir nie gebeten haben?

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Was ist, wenn dieses Ereignis das ganze Leben auf den Kopf stellt, uns auffordert uns und unsere Einstellung zu ändern, am Ende aber vielleicht genau das war, das wir benötigt haben um uns und unsere Situation zu ändern?

Müssen manche Geschehnisse eintreten, damit wir uns menschlich weiterentwickeln und nicht nur auf der Stelle treten? Oder wäre die liebe heile Welt die bessere Option?

Drei Frauen, drei Meinungen zum Thema: Welches persönliche Ereignis hat dich verändert?


Frau Nummer 1, nach einer großen Liebe ohne Happy End wieder Single.

Und so lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende. Ja so war das gedacht. Genau so haben wir es uns geschworen, und ich wäre bestimmt auch lange Zeit mit ihm glücklich geblieben- Wenn er nicht schon vor der Hochzeit eine Affäre gehabt hätte und wenn diese Frau nicht beschlossen hätte, zwei Monate nach unserer Hochzeit vor unserer Haustür zu stehen und mich mit allen Details zu versorgen die ich nie erfahren wollte.

Ich war verliebt und naiv. Naiv zu glauben, er würde nur mich lieben. Ich war schon immer treu und habe das auch von ihm verlangt. Zumindest in diesem Punkt dachte ich immer, wären wir uns einig. Ich weiß bis heute nicht mehr so wirklich was passiert ist, nachdem ich die Tür geschlossen hatte und mit all den Informationen vor einer riesigen Lebenslüge stand. Jugendliebe, immer und alles zusammen erlebt, er war viel unterwegs um das Haus und die geplante Familie mit mir aufzubauen.

Ich wollte mich selbstständig machen, hatte gerade den Meister in der Tasche, das Haus frischbezogen und mir meinen kleinen Lebensplan zurechtgelegt. Ich war im Großen und Ganzen verdammt glücklich, bis zu diesem Tag und bis zu dieser Nachricht. Ich war sauer, auf ihn, auf sie, aber vor allem auf mich.

Ich wollte doch nicht als frustrierte Hausfrau enden. Ich wollte nicht diejenige sein, die über die zahllosen Affären hinwegblicken kann und sich immer wieder sagt, dass er am Ende ja nur mich liebt. Denn das konnte ich danach und mit all den leeren Worten und Lügen von ihm nicht mehr ganz glauben. Männerurlaub ohne Smartphone? Nein, er war mit ihr unterwegs. Lange Nacht und er schläft lieber in einem Hotel, damit er am Morgen ausgeruht nach Hause kommt? Er lag nur 20 km von mir entfernt in einem Bett einer anderen Frau.

Ich hatte also die Wahl. Entweder ich schlucke es, akzeptiere es, höre mir seine Erklärung an und wir arbeiten wieder an uns. Oder ich gehe.

Ich ging. An diesem Tag noch. Ich packte ein paar Kleider, ein paar Erinnerungen an Freunde und das wars. Der Rest im Haus hätte mich immer nur wieder an uns erinnert. Ich schrieb eine SMS. Sie war da. „Werde glücklich mit ihr. Ich gehe.“ Ich rief meine Freundin an und schaltete das Handy aus.
Das ist jetzt 16 Monate her und es tut immer noch ein kleines Bisschen weh wenn ich darüber erzähle, aber ich habe jetzt meinen eigenen Laden, der in wenigen Tagen eröffnet. Ich bin in eine andere Stadt gezogen, hatte ein paar Dates und weiß irgendwie, dass alles gut wird.

Auch wenn ich dachte, dass er der Mann ist mit dem ich alt werde, auch wenn er es wohl doch nicht war. Ich fühle mich stärker, lauter und mehr am Leben. Vielleicht wäre ich doch nicht glücklich geworden, mit ihm im Reihenhaus und…


Frau Nummer 2 dachte die Ehe ihrer Eltern wäre das Paradebeispiel für echte Liebe.

Ich bin 29 Jahre alt und mich hat bis jetzt noch nichts wirklich erschüttern können. Egal ob Tod, materieller Verlust oder Berufswechsel. Ich bin eine von den taffen Frauen. So hat mich meine Mutter erzogen, dafür bin ich ihr dankbar. Und auch dafür, dass meine Eltern sehr lange immer sehr glücklich waren und wir als Kinder alles hatten was man sich wünschen und weswegen man ein glückliches Leben führen kann. Sie waren immer das perfekte Paar für mich, mein Vorzeige-liebesbeweis und meine Hoffnung, dass ich mich auch irgendwann so verlieben werde und, dass das „Für immer & ewig“ auch genau diese Bedeutung hat.

Doch alles kam anders. Kurz vor dem runden Geburtstag meines Vaters verkündeten meine Eltern, dass sie sich trennen würden. In aller Freundschaft und mit einem guten Gewissen.

Immerhin haben sie uns großgezogen. Wir sind alle ausgezogen und planen oder haben schon eine eigene Familie. Jetzt wollten sie noch einmal von vorn beginnen. Es wäre wohl doch nur noch mehr Freundschaft als Liebe zwischen ihnen. Ich bin 29 Jahre alt. Ich sollte das verstehen und mich freuen, dass es in aller Seelenruhe ohne Zank auseinandergeht, und wir dennoch all die Festtage zusammen verbringen können.

Doch diese Trennung hat mir einen extremen Schlag versetzt. Mitten ins Herz. Diese Trennung hat all das ausgelöscht, an was ich immer geglaubt habe. Das Immer und Ewig ist wohl doch auch nur eine Phrase. Die Liebe zwischen beiden war wohl mehr uns geschuldet als der Beziehung.

Das zu verstehen und zu akzeptieren fällt mir jetzt immer noch extrem schwer und ich glaube, dass es auch ein bisschen meine heile Welt und die großartige Vorstellung von einer perfekten Familie ruiniert hat. Ich war der festen Überzeugung: Wenn meine Eltern es schaffen, sich nach so langer Zeit noch zu lieben und zusammenzubleiben, dann schaffe ich das auch. Jetzt bin ich mir nicht mehr so sicher.

Jetzt zweifle ich an dem ganzen System, das ich mir aufgebaut habe. Meine Welt hängt extrem in den Seilen, weil ich meine Eltern immer als Vorbild ansah, sie immer genau dafür bewunderte und wusste, es kann ja nur gut werden. Weil es bei ihnen gut war, ist und sein wird.

Gerade jetzt überdenke ich selbst meine Einstellung zu allen Dingen in meinem Leben, aber vor allem zum Thema Liebe. Ich bin extrem verunsichert. Das war ich noch nie in meinem ganzen Leben.


Frau Nummer 3 wird jetzt mehr zuhören, weil sie weiß was sie zu verlieren hat.

Aufmerksam sein. Immer da sein, immer zuhören und die Zeichen erkennen. Das sollte auch eine Freundschaft ausmachen. Das würde ich erwarten von meiner Freundin und auch von mir selbst für meine Freundin. Doch genau das habe ich wohl nicht getan. Ich habe sie wohl als zu selbstverständlich, als zu alltäglich, als zu „Lass sie reden“ wahrgenommen. Jeder hat doch einmal schlechte Tage, jeder kommt einmal nicht aus dem Bett, aber nicht jeder versucht sich das Leben zu nehmen.

Meine Freundin hat versucht sich umzubringen und ich habe die Anzeichen nicht bemerkt. Ich habe nicht verstanden, dass es ihr schlecht gehen muss, dass sie leidet, dass sie Hilfe nötig hatte und vor allem eine gute Freundin an ihrer Seite. Ich war so mit meinem Leben beschäftigt, dass mich der Anruf ihrer Eltern aus allen Wolken fielen lies. „Meine Freundin, sie doch nicht! Sie hat doch alles- Liebe, Beruf, Familie und gut Freunde.“

Genau das dachte ich bis zu diesem einen Anruf, der mich aufwachen ließ und mir zeigte, dass wir alle nur eine Maske tragen. Sogar vor den engsten Freunden sind wir manchmal nicht fähig oder mutig genug um unsere wahren Gefühle zu zeigen. Wir verstecken sie und geben nur kleine Hinweise, in der Hoffnung jemand sieht und hört diese Hilfeschreie und reagiert dann auch.

Ich aber habe sie nicht gehört, gesehen oder gar bemerkt. Zu keinem Zeitpunkt hätte ich meiner Freundin zugetraut, dass sie sich das Leben nehmen will. Sie hat ja augenscheinlich alles und muss somit augenscheinlich auch glücklich sein.

Ich bin immer noch schockiert und enttäuscht. In Schockstarre, weil ich sie fast verloren hätte, enttäuscht, weil ich es nicht kommen sah. Ich habe ihre Lebenssituation völlig falsch eingeschätzt, ihr Glück und viel Liebe unterstellt, aber die Einsamkeit und Hilflosigkeit nicht gesehen. Ich weiß nicht, ob ich so ein schlimmes Ereignis nötig hatte um zu verstehen, dass ich wirklich genau zuhören und fragen muss. Ich weiß nicht, wie es weitergegangen wäre, wenn sie es nicht versucht hätte.

Ich weiß nur wie wichtig sie mir ist und wie ich ihr das jeden Tag zeigen will. Ich will keinen Menschen verlieren, weil er sich nicht mehr geliebt fühlt oder vom Leben überrollt wird. Ich gebe mein Bestes. Ich schaue und höre jetzt genau hin. Bei allen Menschen die mir begegnen.

Welches persönliche Ereignis hat dich verändert?

Kommentare

Bisher 5 Kommentare zu “Drei Frauen, drei Meinungen – Welches persönliche Ereignis hat dich verändert?”

  1. Ruth sagt:

    Ich möchte diesen Kommentar nutzen, um dir ein großes Kompliment auszusprechen! Deine Blogbeiträge sind wirklich immer unglaublich kreativ, besonders deine Kolumnen finde ich toll. So viel Kreativität ist in einer Welt, in der einfach nur wie wild kopiert und abgeschrieben wird, wirklich selten. Doch bei dir ist das nicht so, du ziehst dein eigenes Ding durch und das finde ich klasse!

    Liebe Grüße
    Ruth

  2. Nini B. sagt:

    ich muss dir sagen, liebe franzi, dass ich die art wie du schreibst unglaublich magisch finde. sie verleitet einen dazu, einfach immer weiter zu lesen.

    ich glaube, dass du gerade mit diesem blogeintrag vielen menschen die augen und ohren geöffnet hast, auch mir. Sachen ganz anders war zu nehmen. danke dafür.

    ich bin unfassbar froh, dich und deinen blog gefunden zu haben. wirklich selten so einen herzlichen und gleichzeitig so kreativen menschen gefunden. danke, dass du uns an deinem kopfchaos teilhaben lässt.

    danke, dass du auch vor solchen Themen wie Selbstmord nicht zurück schreckst.

    danke franzi, dass du bist wie du bist.

  3. Franzi sagt:

    Wieder ein super Artikel. Ich freue mich über jeden neuen Blogeintrag von dir! Danke 🙂

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