Kolumne

mehr Mut zur Liebe

„Was uns Frauen fehlt? Der Mut zur Liebe“- Kurz halte ich mein Glas fest und muss nickend zustimmen. Da teilen wir alles mit der Welt. Von der Unterwäsche bis zu den bevorzugten Bettgeschichten, aber keine der Damen will sich einfach nur verlieben.

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Ihr Profil: Dauersingle. Selbst so betitelt, weil sie sich nach fünf Jahren einfach dazu zählen möchte. Ihr Auftreten? Mutig, hat Spaß immer ein Lächeln auf den Lippen und kann sich zumindest im Netz gut verkaufen und verlieben. Wir sitzen zusammen und ich stelle ihr aus reiner Neugier drei Fragen, die mir als Beziehungsdame auf der Zunge brennen. Sie muss lachen und antwortet ehrlich.

Wie siehst du dich?

Als starke Persönlichkeit. Ich will Leben, Lieben und Genießen. Ich bin beruflich gerade gut unterwegs, habe meine Wohnung seit zwei Jahren hervorragend im Griff und weiß endlich welcher Stil meine Vorzüge am besten unterstreicht.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

Ganz klar auf der Karriereleiter ein wenig weiter oben, aber keine Chefetage. Ich will gut aber nicht nur für den Job leben. Ich möchte eine größere Wohnung beziehen, endlich in diese eine überteuerte Tasche investieren, politisch belesener sein als jetzt und glücklich. Vielleicht in einer Beziehung? Verheiratet? Aber eigentlich ist es nicht wichtig.

Was fehlt dir? Ehrlich sein! Sonst lassen wir es.

Ganz ganz ehrlich? Die Liebe. Der Mut für die Liebe, das Loslassen von meinen Vorstellungen wie jemand zu sein hat und wie ich mir ein Wir vorstelle. Langsam glaube ich, weiß gar nicht mehr was Liebe ist und wie sie aussehen kann. Vielleicht suche ich mir deshalb immer nur die aus, die in mein Bild passen?

Wie sieht es bei dir aus? So als Langzeitliebende?

Ich bin schon lange in einer Beziehung. Mal über glücklich, mal anstrengend genervt aber mit der Gewissheit, das ist der Mann mit dem ich mir alles vorstellen könnte. Selbst der Bankraub würde in Frage kommen, da ich weiß er wäre bei mir der bessere Sprinter. Aber mal ganz ehrlich Ladies, wann haben wir das letzte Mal über die ehrliche Liebe gesprochen? Wir kauen jedes Thema durch, nehmen uns all unsere Wünsche vor, gehen in die Joboffensive aber bei der Liebe machen wir einen Rückzieher. Dann finden wir Ausreden, haben Angst etwas falsch zu machen und zerreden ein kleines aufkeimendes Gefühl lieber, als endlich das zu machen wofür wir auf Erden so viel Zeit und Möglichkeiten haben: Eintauchen, versuchen, hoffen und verlieben. Vielleicht ist das genau das Problem meiner Freundin? Vielleicht wäre dieses ganze Totgerede und Geträume auch einmal genug? Wäre es nicht besser einfach einmal abzuwarten, einfach einmal die Kontrolle abzugeben und ein gutes Gefühl zu zulassen? Was uns fehlt? Bei all dem Mut den wir aufbringen für andere Dinge, glaube ich manchmal das wir in der Liebe lieber die Kontrolle sprechen lassen. Wir wollen spielen, die Oberhand behalten und nichts fest machen.

Könnte ja etwas Besseres kommen.

Stimmt, aber dann kann man ja immer noch gehen. Aber wenn man nie versucht zu bleiben, woher will man dann wissen was man will? Kann man bei all dem Ich noch ein Wir zulassen? Oder ist das Wir dann so verschoben, so unreal von all den Wünschen und Vorstellungen wie andere immer sein sollen? Manchmal glaube ich, wir haben verlernt der Liebe eine Chance zu geben. Manchmal glaube ich, das für viele Frauen die Liebe auch ein Kampf um Macht ist. Wer zeigt eher schneller Gefühle, wer knickt ein und wer funktioniert nicht sofort, wie ich es will und wie es mir gerade passt. Oft werde ich belächelt für mein langes Beziehungsglück, oft werde ich gefragt was ich verpasse? Manchmal frage ich mich das auch- aber ich habe lieber einmal zu viel geliebt, mich entliebt, das Herz verloren als irgendwann zu Hause zu sitzen, auf der Piste zu sein und das Hätte Hätte Gefühl würde mich überkommen.

Wir brauchen mehr Mut für die Liebe. Versucht es. Gehen können wir immer. Fettnäpfchen, Idioten, enttäuschte Nächte sind genau so eine Erfahrung wie das Verlieben … und manchmal darf es erst richtig blöd laufen, bevor dieses kleine Gefühl aufkeimt, was uns Menschen so gern auch für immer und ewig verbinden kann.

Ich bin für mehr verlieben, als nur darüber sprechen und dann wieder doch lieber nur die innere Carrie Bradshaw vorschieben.

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 13 Kommentare zu “mehr Mut zur Liebe”

  1. S. sagt:

    Was für ein wunderschöner (und ehrlicher!) Post! Ich stimme dem, was du sagst, zu. 🙂
    Liebe Grüße
    S.
    http://www.cappuccinocouture.blogspot.de/

  2. Maren Ze sagt:

    Hallo Franzi,
    Toller Post – ich kann mich sehr gut in deine Gesprächspartnerin reinversetzen.
    Ich bin seit 3 Jahren Single, hab mich zwischendurch zwar immer mal wieder in wen verliebt, bin aber immer enttäuscht worden. &‘ ich glaube, das ist mein Problem. Dass ich mich vor lauter Furcht, wieder enttäuscht &‘ verletzt zu werden, immer weiter in mein Schneckenhaus zurückziehe, mich abschotte, teilweise gar nicht mit bekomme, wenn ein süßer Typ mich anlächelt – obwohl ich dann immer der Ansicht bin, er will mich nur für’s Bett – &‘ das geht auf Dauer auch nicht.
    Also bleibe ich Single – vielleicht nur noch ein zwei Jahre, vielleicht bis ich 30/35 bin. Das kann ich heute nicht sagen. Wichtig ist mir nur, nicht suchen &‘ nicht finden lassen. Der Kerl, der mich nach dem Weg fragt, könnte schon der nächste sein.
    Liebe Grüße &‘ einen schönen Sonntag
    Maren

    • Franzi sagt:

      Liebe Maren! Danke für deine Antwort! Aber ich bin mal frech und sage- Trau dich mehr! Immer dieses Floskeln – aber manchmal treffen sie auch zu.

      Liebe Grüße und danke für deine Ehrlichkeit hier

  3. Nisi sagt:

    Wunderschön!:)

  4. Dana sagt:

    Liebe Franzi,
    ein wirklich schöner Post. Ich selbst war acht Jahre lang Single, bevor ich meinen jetzigen Ehemann über das Internet kennengelernt hatte. In der ganzen Zeit vorher war ich genau 2 mal verliebt. Irgendwie hatte ich keine Lust mich auf etwas einzulassen. Mich einschränken zu müssen. In den Sommermonaten war ich nur unterwegs und im Winter hatte ich onlinedates um mir die Zeit zu vertreiben. Aber von Beziehungen wollte ich nichts wissen. Und den einen Winter war dann Mr. Right dabei. Es war nicht gleich die Liebe auf den ersten Blick, aber ich habe mich mit ihm öfter getroffen als mit anderen Jungs und irgendwann war er für mich der anziehendste Mann überhaupt. Und nun sind wir seit über 2 Jahren verheiratet und haben eine 5 Monate alte Tochter. So kann es also gehen, wenn man sich doch entschließt, Gefühle zuzulassen.

  5. Lieselotte sagt:

    Liebe Franzi,
    wie man es von dir kennt, hast du auch dieses Thema gefühlvoll, aber dennoch ehrlich und bestimmt beschrieben. Es ist sicher schade, wenn Frauen, die sich einen Partner wünschen, Angst vor Ablehnung haben, und sich lieber auf niemanden einlassen. Aber ich verstehe das auch. Ablehnung tut eben weh. Und da muss man erstmal drüber weg kommen. Das dauert bei manchen vielleicht 3 Monate, bei anderen vielleicht aber auch 3 Jahre oder länger. Und wenn man dann schon so lange Single ist, ist das Leben vielleicht auch ohne Partner ganz gut. Ich bin selbst nun schon lange in einer Beziehung, finde es aber falsch, Singles zu attestieren, dass ihnen etwas fehlt oder fehlen MUSS – ich sage nicht, dass du das tust, abe rin deinem Artikel fehlt dieser Aspekt, deswegen schreibe ich das 🙂 Wenn die beschriebene Freundin sich ihr Leben gemütlich eingerichtet hat, Karriere machen kann, toll lebt usw., vielleicht will sie dann nicht unbedingt eine Beziehung?! Kenne ich aus meinem Bekanntenkreis auch.
    Liebe Grüße,
    Lieselotte von http://www.lieselotteloves.wordpress.com

    • Franzi sagt:

      Hallo liebe Lieselotte! Ich stimme dir völlig zu. Wenn etwas zu Ende geht- egal wie, muss man erst einmal damit fertig werden. Und ich bin völlig bei dir, wenn dann erst einmal andere Sachen Prio im Leben haben. Ich würde auch nie, das ist hier vor allem hoffentlich ganz deutlich geworden, pauschalisieren. Da meine Freundin mir ja sagt, was ihr fehlt und ich ihr einen Rat gebe. Der kann nicht auf jede Situation oder Person passen- aber hier dachte ich, würde es ihr gut tun, genau das zu hören. Das ist aber dem Aspekt der Freundschaft geschuldet. Man weiß ja wie die Freundin tickt.

      Liebe Grüße

  6. Ich kenne dieses Gefühl nur zu gut! Ich hatte bisher nie eine vernünftige und lange Beziehung. Entweder wurde ich belogen oder betrogen. Dann habe ich irgendwann aufgegeben, Warum? Weil ich es nie richtig zugelassen habe mich zu wieder verlieben. Ich hatte stets die starre Vorstellung von einem Mann, einer Perfekten Beziehung statt es einfach mal zu versuchen. Festlegen? Nein, das war mir einfach zu riskant und es lag auch ein wenig an meiner Bequemlichkeit.

    Liebe Grüße
    Diana

  7. Liebe Franzi,

    ahhh, heikles Thema … und ich komme nicht drumherum heraus zu lesen, dass einem als Single etwas fehlen muss und nur eine Beziehung einen wirklich glücklich machen kann. Erst einmal ist Single nicht gleich Single, es gibt viele verschiedene Phasen, die man durchlebt. Angefangen mit der Trauerphase nach einer Trennung, die schon über vier Phasen verfügt, kann der ganze Prozess eben auch etwas länger dauern.

    Zudem nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft, gibt es in der Tat ein Singlegen namens 5-HT1A. Das hat mit der Produktion vom Serotonin zu tun. Personen, in deren Körper weniger Serotonin im Umlauf ist, verhalten sich in Beziehungen vermutlich anders und fühlen sich in engen Beziehungen weniger wohl. Ein kurzer Auszug, aber sehr interessant.

    Sicherlich gibt es einige Singles, die aufgrund schlechter Erfahrungen mehr introvertiert bei Gefühlen reagieren. Allerdings ist es mit mehr Mut in der Liebe da nicht getan. Sondern viel mehr die Konfrontation mit den eigenen Ängsten und der Frage „Was will ich wirklich.“ Wenn man weiß, was man will und vor allem wen man will, sind selbst Langzeitsingles sehr redseelig und offenbaren ihre Gefühle. Liegt der Fokus allerdings nicht in der Liebe, sondern Karriere und anderen Dingen, dann macht man sich auch weniger Gedanken über die Liebe und schiebt sie vor sich her.

    Es ist nicht immer der richtige Zeitpunkt für eine Beziehung, allerdings wenn man sich verliebt, welches eher unerwartet, weder geplant noch gewollt geschieht, sondern einfach passiert, dann ist selbst der freiheitsliebenste Single bereit für etwas Festes.

    Gut Ding will Weile haben. Eine Freundin sieben Jahre Single und absolutes Vorbild an Coolness und rocken des Singlelebens, brauchte diese Zeit für sich. Seit drei Jahren ist sie glücklich vergeben, reist mit ihm um die Welt und nächstes Jahr wird geheiratet, manchmal ist man eben noch nicht soweit und es bedarf einfach Zeit. Viel wichtiger ist doch, dass man glücklich ist und das geht auch ohne Partner.

    Mich würde ja interessieren, was Deine längste Singlezeit war? Bei mir waren es vier Jahre, jetzt sind es fast zwei und jedes Mal lerne ich in dieser Zeit mehr über mich dazu. Derzeitig keine Zeit etwas Ernstes aufzubauen, aber da hätten wir ja noch die Liebe und zack gerät alles ins Wanken ?

    Liebe Grüße Julia

    • Franzi sagt:

      Hallo liebe Julia! Findest du das Thema heikel? Nee, ich habe es ja auch aus einer sehr persönlichen Sicht geschrieben- daher kann es auch nicht für alle Singles oder Vergebenen gelten- höchstens für mich und meine Freundin. Ich habe das Gefühl, da drückt eher der Schuh auf der anderen Seite. Also, ich werde jetzt persönlich- ich hoffe das geht in Ordnung für dich? Vielleicht vermisst du doch etwas, weil du es aus meinen gewählten Zeilen so herausliest. Also der „Angriff“ oder besser gesagt die „Unterstellung“ es würde etwas fehlen von allen Damen die vergeben sind an alle die es nicht sind. Dem ist aber nicht so- zumindest ist es nicht so angedacht gewesen. Da meine Freundin mir ja ehrlich antwortet was ihr fehlt und ich ihr meinen Rat gebe. Der nicht für alle passt, der nicht jede Situation beschreibt, aber gerade zu ihr passt und auf ihre Antwort. Daher ganz klar, glücklich sein geht auch ohne Partner. Aber Verlieben ist doch eines der schönsten Sachen auf der Welt, das darf man auch vermissen und dazu stehen, es macht aber nicht die Welt aus. Verzeih, ich wollte kurz ein wenig mehr auf deine Äußerungen eingehen, weil ich da schon ein wenig verstimmte Emotionen herausgelesen habe.

  8. Kathi sagt:

    Was für ein toller Text <3 Du sprichst mir so aus der Seele, weil ich diese Zweifel selbst gerade durch mache und warum eigentlich? Ich habe deinen Text jetzt drei Mal gelesen und es quasi als mein Mantra betitelt 🙂 Ich nehme mir deine Worte jetzt mal zu herzen und versuche mal wieder jemanden an mich ran zu lassen, denn wie du schon richtig sagst: gehen kann ich immer…
    Danke liebe Franzi <3
    Liebst Kathi
    http://www.meetthehappygirl.com

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