Kolumne

Mehr von der Gelassenheit

7. Februar 2016 von

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Was ich euch heute erzählen möchte? Dass uns vielleicht ein wenig mehr Gelassenheit gut tun würde. Wie ich das anstelle? Ich zeige euch zwei Seiten von mir. Zwei verschiedene Herangehensweisen an meinen Tag.  Wie wär es mit dem verhasst- geliebten Montag?

Mehr von der Gelassenheit

Gelassenheit vs. Hektik. Entspannte Lage vs. heilloses Durcheinander. Gute Laune vs. Grumpy Cat Stimmung. Aber ich kann mich ja immer wieder entscheiden!

Grumpy Cat

Montag, der Wecker klingelt. Ein Dreher um mich selbst, ein kurzer Stupser auf die Schlummertaste. Stöhnend wieder in den Schlaf wälzen. Nach 15 Minuten aufschrecken und bemerken: Es ist Montag! Ich schlurfe ins Bad, extra laut, denn ich finde es einfach unfair, dass er immer länger schlafen kann. Ich suche vergeblich den Lichtschalter. Das Licht ist grell, viel zu hell und es bleibt nur noch wenig Zeit. Erst greife ich zum Smartphone, gehe beschleunigt alle Lieblingskanäle durch und ärgere mich über eine Kollegin die schon wieder mit Cocktail am Strand liegt. Pff, wohl reich geheiratet…? Zeit vergessen! Ich renne unter die Dusche, das Wasser ist zu kalt, das Duschbad schäumt nicht richtig und die Haare bekommen auch noch Wasser ab, als das Duschgel sich einfach von meinen Fingern verabschiedet. Raus aus der Dusche. Blick in den Spiegel. Verzweiflung pur. Schnell Haare hoch, irgend ein Outfit, Hose, Pulli muss passen. Kurzer Stop im Ganzkörperspiegel. Nichts passt zusammen und ich fühle mich wie ein gestrandeter Wahl mit Unfallfrise. Schnell etwas Mascara und Rouge. Brötchen auf die Hand und raus aus der Tür. Ich eile zur Bahn, die ich ganz knapp erreiche und wieder macht keiner Platz, alle schauen grimmig, ich schaue einfach grimmig zurück und nörgle vor mich hin. Die Bahn muss halten, schleicht und ich werde ungeduldig. Das Smartphone? Portemonnaie und Terminplaner? Alles noch zu Hause. Na prima. Wir halten, ich quetsche mich schnell an der alten Dame vorbei, viel zu langsam. Wenn ich so schleichen würde, wäre ich doch besser zu Hause geblieben. Ich nörgele sie heimlich von der Seite an. Ich schaffe es gerade noch pünktlich an meinen Platz. Durch den Wind, genervt, der Magen grummelt. Ich schleppe mich zur Kaffeemaschine. Klar, der Kaffee ist alle und niemand hat den Schpüler ausgeräumt. Nein, ich bin doch nicht die Putze vom Dienst und gehe wieder an meinen Platz. Die Kollegin, gut gelaunt und vertieft in ihre Arbeit macht mir ein schlechtes Gewissen. Zur Mittagspause werde ich ihr dafür das letzte vegetarische Gericht wegschnappen. Eine kleine Genugtuung. Den Praktikanten lasse ich Kaffee holen, ich schiebe ein paar Sachen auf morgen. Auf die Frage, ob ich mit den anderen noch etwas nach der Arbeit trinken gehe, raune ich nur: Ich habe viel zu viel zu tun. Ich verziehe mich pünktlich nach der Uhr nach Hause, schließe die Tür, bestelle mir Pizza und bin mir sicher, alle haben es besser als ich.

Happy Kid

Montag Morgen, der Wecker klingelt, kurz bevor ich auf die Schlummertaste drücken möchte, beschließe ich aufzustehen. Denn es ist noch fast dunkel, ich kann den Morgen und den guten Kaffee fast schon riechen. Ich schleiche auf Zehenspitzen ins kühle Bad, atme tief durch und weiß, jetzt bin ich erst einmal dran. Kalte Duschsession? Macht nichts. Soll ja gut für die Haut und für den Kick- Start in den Tag sein. Schnell eincremen, einen kurzen Blick in den Spiegel und sich selbst loben. Schöne Augen, Madame! Das Outfit? Manchmal fällt es mir schwer, gerade montags. Wenn ich das weiß, lege ich mir schon einen Tag vorher das Outfit zurecht. Oder ich greife zu den All time Favorites in Sachen Alltagslook. Manchmal muss es einfach bequem sein. Ein Kaffee ober ein Toast ist nicht mehr drin! Macht nix, ich eile zur Bahn und gönne mir am Kiosk einen guten Kaffee und ein belegtes Brötchen. Ich laufe konsequent zur Bahn, verpasse sie und nehme es mit Humor. Schnell eine Nachricht an die Kollegin, sie wird es verstehen. Montage. Ich steige in die nächste Bahn ein und gebe gern meinen Platz für die ältere Dame frei. Die Türen öffnen sich, sie lässt mich vor und ich lächle sie dankend an. Sie lächelt verlegen zurück. So soll es sein. Im Büro angekommen, lasse ich mich auf den Stuhl fallen und sehe meiner Kollegin kurz bei der Arbeit zu. Sie sieht glücklich aus. Ich pirsche mich vorsichtig an sie heran und muss ihr ein Kompliment für ihre gute Laune an einem Montagmorgen machen. Sie gibt mir einen Tipp: Einfach einmal ein wenig mehr Gelassenheit, das hilft und die kleinen Dinge nicht so ernst nehmen- vorallem an Montagen. Ich räume den Spüler aus, hole Kaffee und setze mich an meine Arbeit. Gehe mit meiner Kollegin gemeinsam Essen. Sie vegetarisch, ich wie üblich die Nummer 3. Zum Feierabend beschließen wir alle noch einmal die Bar nebenan zu besuchen. Wir stoßen auf den Montag an und ich bekomme ein Kompliment für meine gute Laune und mein Outfit! Wer hätte das gedacht, der Montag und die Anderen sind gar nicht so verkehrt.

Den Alltag in Deutschland können wir oft alle gemeinsam starten und hier schon eine 90-prozentige Übereinstimmung in Stimmung, Blick, Einstellung und vorallem der Tagesform finden. Doch wieso sehen wir viele Dinge so verbissen, wieso vergleichen wir uns selbst so oft und warum wirken andere Länder und Sitten immer genau dann so reizvoll? Vielleicht fehlt uns die Gelassenheit? Ich habe nur ganze zwei Tage in Kopenhagen verbacht, wurde aber noch nie so viel angelächelt, habe zurück gelächelt und um Verzeihung gebeten. Irgendetwas ist uns verloren gegangen. Vielleicht ist es die Gelassenheit? Vielleicht dürfen wir nicht alles so unglaublich verbissen und ernst sehen? Ich werde mich bemühen und der ollen Grumpy Cat nicht mehr so viel Auslauf bieten. Ich glaube das könnte klappen.

Wie werdet ihr den Morgen angehen? Ihr habt die Wahl!

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 20 Kommentare zu “Mehr von der Gelassenheit”

  1. Liebe Franzi, ein wundervoller Post!
    Wir haben unser Leben und ganz besonders auch unser Glück selbst in der Hand!!!

    Greetings & Love & a wonderful sunday
    Ines

  2. Johanna sagt:

    Richtig gelunger Text! Jeder kennt diese Montage und manchmal kostet es wirklich Überwindung die Crumpy Cat Zuhause zu lassen. Genau dann merkt man aber, wie schön das Leben sein kann. 🙂

    Grüße,
    Johanna | http://dream-factory-of-my-world.blogspot.de/

  3. Das ist wirklich ein sehr akkurater und wunderbar ehrlicher Post! 🙂 Ich neige Montagmorgens leider auch dazu, die Grumpy Cat zu sein (ich bin leider einfach kein Morgenmensch)… vielleicht sollte ich mich auch mal bewusst dafür entscheiden, gute Laune am Morgen zu haben. Ich hoffe, ich bringe die Disziplin dazu auf! 🙂

    Liebe Grüße aus dem Ruhrpott!

  4. Jessica sagt:

    Ein sehr inspirierender Post – Dankeschön! Ich werde mich sehr bemühen, morgen mal als Happy Kid das Bett zu verlassen. Das macht den Montag doch gleich viel besser 🙂 Einen schönen Sonntag, Franzi!

  5. Susanna sagt:

    Hi 🙂
    Ein sehr gelungener Text. Ich mag solch aufmunternde, inspirierende Texte 🙂

    Grüße, Susanna
    ________________________
    http://www.susannavonundzustil.de

  6. Julia sagt:

    Ich finde deinen Post total toll! Ich finde der Montag ist genau so ein Tag wie jeder andere, klar es ist nach dem Wochenende und eine neue Woche beginnt, aber das kann man ja auch positiv sehen oder?
    Ich bin an Montagen irgendwie immer besonders gut gelaunt, ich weiß nicht woher das kommt aber ist doch schön!
    Liebe Grüße und morgen einen schönen Montag!

  7. Toller Beitrag! Irgendwie total motivierend! 🙂
    Manchmal muss man eben über seinen Schatten springen! 🙂

    XX,
    Photography & Fashion Blog

    CHRISTINA KEY
    http://www.CHRISTINAKEY.com

  8. Daniela sagt:

    Toller inspirierender Post. 🙂

    Liebste Grüße, Daniela von http://www.babbleventure.com

  9. Kathrin sagt:

    Sehr schön geschrieben! Ich stelle auch oft genug fest, dass man ganz viel mit seiner eigenen inneren Einstellung beeinflussen kann – es liegt häufig doch an einem selbst, ob man sich über irgendwelche Kleinigkeiten fürchterlich aufregt oder einfach drüber hinweg lächelt.

    Danke dafür! 🙂

  10. Sarah Cosmos sagt:

    Super Post und ebenso gute Einstellung! Ich habe auch lange mit mir selbst und dem Alltag gekämpft, bis ich endlich irgendwann erkannt habe – hey, du hast das alles selbst in der Hand. Klar wird niemals alles super laufen, eine positive Einstellung macht echt unglaublich viel. Hätte ich vorher nie so gedacht und bin jetzt umso glücklicher darüber.

  11. S. sagt:

    Ein wunderschöner Post! Manchmal überwiegt bei mir leider die Grumpy Cat, aber dann versuche ich, ganz schnell das Happy Kid wiederzufinden. 🙂
    Liebe Grüße
    S.
    http://www.cappuccinocouture.blogspot.de/

  12. Marion sagt:

    Gelungener Artikel. Mir geht es doch oft ganz genauso. Manche Dinge die eigentlich total unwichtig sind, beschäftigen mich tagelang, und man macht sich einen Kopf um völlig unwichtiges. Viel besser wäre es doch, auch mal runterzufahren und einfach nur den Moment zu genießen. Dann hätten wir alle mehr vom Leben 😉

    Liebe Grüße, Marion

  13. Luise sagt:

    Ein wundervoller Beitrag Franzi, der mal wieder zeigt, dass wir doch alle unser eigener Schmied zum Glück sind.

    Liebe Grüße
    Luise | http://www.just-myself.com

  14. Anonymous sagt:

    Kopenhagen, da hast du ein schönes Beispiel herangezogen. Ich empfand es dort genauso. Es war nur ein kurzer Trip in diese Stadt und ich bin so vielen fröhlichen, entspannten, hilfsbereiten, heiteren Menschen begegnet. Innere Zufriedenheit? Gelassenheit? Weniger Neid? Ich habe keine Antwort was es ist.

    Seit ein paar Wochen lebe ich an der Nordsee… der Makler sprach beim Einzug von Entschleunigung und Gelassenheit und dass hier oben die Uhren etwas anders ticken. Die Leute zufriedener sein. Ich merk davon nichts. Grantige Gesichter um mich rum, kurz angebundene Menschen… und jeden Tag kaempf ich fröhlich durch die Welt zu gehen und weiterhin die „einzig gluecklich aussehende Kundin“, lt. Kellnerin in meinem Cafe, zu bleiben.

    Und das Traurige an der Geschichte: ich wohne in einer Touristenhochburg… Mensch Leute, Ihr macht Urlaub hier!!! Was is los???

    Im Sinne von mehr Gelassenheit werd ich mich aber nicht aufregen… 😉

  15. Jessica sagt:

    Ein wundervoller Post der zum Nachdenken anregt. Ich versuche stets ein Happy Kid zu sein, leider gelingt es mir nicht immer 😉

  16. Giselle sagt:

    Wow, was für ein schöner Post! Und deine Worte sind so wahr… danke das du mich daran erinnert hast!

    Liebe Grüsse
    Giselle

    http://www.gisellejewelry.com

  17. Christina sagt:

    Wow. Was für ein toller Post. Ich LIEBE deinen Schreibstil so sehr.

    Love,
    Christina from http://inlooovewith.com

  18. Petissa Pan sagt:

    Wie schön, in deinen Beiträgen – in diesem auch ganz besonders – kann man so richtig mitgehen, mitfühlen und miterleben! Frau ist mitten in der Story und liebevoll gefesselt – von deinen schön gewählten Worten, Themen, Geschichten. Das gefällt mir sehr.

  19. Marion sagt:

    Wieder ein sehr schöner Post. Ich habe eine liebe Schulfreundin die in den USA lebt und die immer alles sehr gelassen und entspannt angeht. Nie regt sie sich unnötig auf oder dramatisiert etwas, und oft versuche ich mir an ihr ein Beispiel zu nehmen. Ich bin leider das krasse Gegenteil von ihr. Ich gehe zu oft gleich in die Luft. Etwas, das ich vielleicht mal ändern sollte 😉

    LG, Marion

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