Kolumne

Das falsche Bild – the wrong image of…

Wir beide stehen in einem Café. Die Sonne scheint, die Cupcakes und selbst gemachten Torten lachen uns beide an. Wir wollen uns etwas gönnen. Wir ordern zwei leckere Zuckerstücke und suchen uns einen netten Platz mit Aussicht im gut gefüllten Café. Ich bekomme einen leichten Hieb in die Seite.

Das falsche Bild - the wrong image of...

Sie beugt sich zu mir rüber und flüstert: „Sieh mal, wie kann sie sich bei der Figur noch ein Stück Torte gönnen?“ Ich schaue unglaubwürdig und verstehe die Aussage nicht, wie sie es will. Wieder flüstert sie, mit mehr Stimme und ein wenig gereizt: „Na die Dicke dort drüben …!“

Stille, mein Blick wandert sehr vorsichtig zum Nachbartisch, ich will bei dieser Aktion nicht erwischt werden. Ich starre… ohne es zu wissen, doch sie bemerkt es sofort und erwidert meinen Blick. Erwischt und wie! Ich wende mich sofort ab. Da sitze ich mit meiner Freundin, die sich regelmäßig über dünne Laufstegdamen aufregt, andere als figurlose Kleiderständer betitelt und dann wiederum einer fremden Frau ein Stück Kuchen nicht gönnen will. Genau da liegt wohl das Problem, wir wissen nicht mehr was normal ist, wir kennen nur vorgezeichnete Extreme und leben danach. Je nach Fasson beleidigen wir dünne, dicke, schmale, gutgebaute, kurvige, große oder kleine Frauen. Wir finden überall den Fehler, beginnen nur nie bei uns und versuchen nie die wirkliche Ursache zu beheben. Das Verständnis des eigenen Körpers. Die Liebe zu sich selbst. Das sind die Baustellen die wir alle- mal mehr oder weniger- angehen müssten. Anstatt hier die Initiative zu ergreifen und vor allem den Kopf einzuschalten, beurteilen wir stattdessen lieber andere Frauen nach vorgefertigten Bildern. Wir scannen sie wie technische Geräte und finden jede kleinste Unebenheit. Dabei wissen wir, wer sich mit Plakaten und Werbebildern vergleicht, der hat schon verloren. Nichts ist mehr real, nicht einmal die Frau die vor uns steht. Wir wollen alles optimieren und beginnen mit unserer Umwelt, anstatt endlich einmal wieder an unseren Gedanken und Vorstellungen zu schrauben, haben wir beschlossen dass das Bild der Frau perfekt sein muss. Wir haben den natürlichen Körper wegoptimiert. Jetzt müssen wir damit leben, oder endlich wieder anfangen zu denken.

Edit: Wir trafen uns auf der Damentoilette. „Ich entschuldige mich für meinen aufdringlichen Blick mit sehr viel Mut und einer zittrigen Stimme. Sie bedankt sich und entgegnete, das habe noch nie jemand zu ihr gesagt.“

Liebe Grüße

Kommentare

Bisher 10 Kommentare zu “Das falsche Bild – the wrong image of…”

  1. Luna-Mae sagt:

    Wie schön du die Situation beschrieben hast, fein!
    Vor allem gefällt es mir, dass du dich entschuldigt hast, auf diese Idee kommen die wenigsten Menschen. Wunderbare Reaktion. Wenn alle so handeln würden, wäre die Welt ein bisschen besser!

  2. Julia sagt:

    Super, dass du dich entschuldigt hast 🙂

    Ich kenne auch beide Seiten der Medaille und immer wenn ich jemand beim Lästern über Dickere erwische, verteidige ich sie. Wir wissen ja gar nicht warum sie diese Figur haben und es kommt doch vor allem darauf an, dass man sich selbst wohl fühlt und mit sich im Reinen ist. Und daran müssen wir wohl alle noch arbeiten…

  3. Ich wäre von meiner Freundin sehr enttäuscht….ist eben sehr schade, dass die Medien uns so beeinflussen. LG Romy

  4. Mal wieder ein sehr schöner Post liebes Zuckermädchen.
    Natürlich geht es um all die Dinge die du beschrieben hast. Es geht aber vor allem darum, das es niemanden anderes etwas angeht. Ob ich dick oder dünn bin, macht keinen besseren oder schlechteren Menschen aus mir oder aus dir. Ich habe das selbe Recht auf Genuss auf Mode, auf mein Leben, wie meine schlanken Freundinnen auch. Bin ich ein Mensch 2. Klasse weil ich einen dicken Hintern habe?! Wer hat das entschieden und warum lassen wir uns dazu verleiten, das zu glauben?

    Liebe Julia, ich weis du hast es anders gemeint aber ich habe noch eine Anmerkung zu deinem Kommentar. Es geht nicht darum warum ich dick bin. Eine Krankheit oä. macht aus mir keine dicke 1. Klasse. Ich bin nicht besser, als die Frau, die sich bewusst dafür entschieden hat, mehr zu essen als ihrer Figur gut tut. Es geht niemanden etwas an warum ich dick bin. Es ist meine Entscheidung! Manchmal wie in meinem Fall verändert eine Krankheit den Körper, das ändert aber nichts am Ergebnis! Ich bin in den Augen der Gesellschaft die dicke, die undisziplinierte die sich für jeden Bissen, jedes Eis, jeden Kuchen in der Öffentlichkeit unwissentlich rechtfertigen soll. Wir müssen weg davon, uns besser zu fühlen, in dem wir andere auf Grund von Äußerlichkeiten be- und verurteilen. Dicken Bashing (und das von dünnen auch) ist erschreckend normal geworden, alle tun es, es ist eine Gesellschaftsfähige Form der Diskriminierung. Wollen wir das wirklich? Ist das eine Gesellschaft in der wir alle dauerhaft zufrieden sein können? Wer weiß, vielleicht trifft es als nächstes die kleinen, die blonden…..Dich! Wir sind nur dann wirklich schön, wenn wir andere so lassen können wie sie sind.

    • Franzi sagt:

      Hallo liebe Christina! Ja du hast vollkommen recht. Ich ärgere mich immer wieder wie ich selbst wieder in diese verurteilende Schiene rutsche, weiß aber auch- das passiert nur weil ich unzufrieden bin. Was interessiert mich sonst das Essen und die Figur anderer?

      Liebe Grüße

    • Julia sagt:

      Liebe Christina,

      ja ich habe es anders gemeint, deswegen ja auch noch mein Zusatz, dass es darauf ankommt sich wohl zu fühlen 🙂
      Du hast natürlich völlig Recht in dem was du schreibst, aber ich wollte eben auch mal darauf aufmerksam machen, dass es nicht immer an fehlender Disziplin liegt, wie eben viele annehmen…

  5. Luisa sagt:

    Oh, toller Beitrag und wirklich sehr schön geschrieben! Regt auf jeden Fall zum Nachdenken an! Liebe Grüße! 🙂

  6. Kali P. sagt:

    Das Denken anfangen… eine gute Idee.
    Diese Idee ist für jede Lebenssituation angebracht.

    Hauptsache, jemand kann urteilen, um sich selbst dadurch besser da stehen zu lassen.
    Anstatt die Dinge einfach sein zu lassen, wie sie sind, zeigt man mit dem Finger.
    Guck mal die! Guck mal der!
    Als seien wir Richter und Henker zugleich.
    Ich hab es so satt…

    Liebste Grüße
    Kali von Miss Bellis Perennis

  7. Sissi sagt:

    Ein toller Beitrag! Egal wie, man kann es anderen Leuten nie recht machen und ich glaube, das wird auch immer so bleiben. Trotzdem muss man nicht seinen Teil dazu beitragen, sondern kann dem ganzen entgegenwirken. Vielleicht ändert sich doch mal was… Toll, dass du dich im Nachhinein auch entschuldigt hast 🙂

    Liebe Grüße,
    Sissi
    http://sissi-chic.blogspot.de

  8. Johanna sagt:

    Ganz große Geste von dir, dich zu entschuldigen. Das war bestimmt nicht leicht. 🙂
    Zum Thema selbst muss ich sagen, das fällt mir immer wieder auch bei meinen bekannten auf.
    Ich finde es so schade dass manche Menschen andere immer kritisieren oder sogar angreifen müssen auch um sich selbst manchmal besser zu fühlen. Für mich gibt es kein Idealbild einer Frau. Natürlich rutsche auch ich immer wieder mal in das Schema herein wo ich Vorurteile habe. Versuche aber allen Menschen Respekt entgegenzubringen und sie zu nehmen wie sie sind.
    Toller Beitrag 🙂

    Johanna
    http://dream-factory-of-my-world.blogspot.de/

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