Kolumne

Hey Greta, bleib ja wie du bist!

16. Dezember 2018 • 2 Kommentare

Wir sitzen am Rand des Spielplatzes. Auf einer dieser Bänke voller Mütter und ich dazwischen. Wie ich hier schon wieder herkomme? Fragt nicht, aber es ist kein Kind unterwegs.

Nur habe ich Freunde die, wenn sie Kinder bekommen, plötzlich auch völlig neue Freunde mit Kindern an ihrer Seite haben. Kurz überlege ich, ob es für so etwas im Netz schon Webseiten gibt: „Suche neue Freunde mit Kind, damit wir uns stundenlang über Stuhlgang und Schlafprobleme unterhalten können“.
Eigentlich eine gute Sache, weil man ja den Austausch braucht und ich da wohl eher die letzte Person wäre, die sinnvolle Tipps geben könnte.

Ich werde in meinem albernen Gedankengang gestört, denn auf einmal gerät die kleine Greta in den Fokus.

Die passt heute so gar nicht ins Bild der anwesenden Frauen. Denn Greta ist keine feine kleine Elfe, sondern eine untersetzte Diva mit einer richtig guten Rechten. Gerade als ich wieder herumsponn und mich gedanklich von den typischen Erziehungstipps- und Ratgeberunterhaltungen verabschiedet hatte, hat Greta dem kleine Phillip gezeigt was sie von ihm hält und ordentlich ausgeteilt. Sie hat erst gebrüllt und dann eine Schelle verteilt.

Wutentbrannt wird nun über die böse kleine Greta debattiert, die alles andere als eine zarte Elfe war. Was Mädchen sein sollten und sein dürften, muss noch einmal verdeutlicht werden. Was Greta getan hat schickt sich einfach nicht. Auch wenn alle wissen, dass der kleine Phillip ne miese kleine Ratte ist dürfen Mädchen nicht so reagieren, vor allem nicht wenn alle zusehen. Bei Jungs wäre das ja nur eine Phase und er würde eh später allen anderen den Kopf verdrehen. Dieses kleine dicke Mädchen hätte auf jeden Fall erst einmal eine richtige Erziehung nötig. Viele der hier anwesenden Mütter würden sich schämen, wenn ihr Kind sich so benehmen würde.

Sie wird es schwer haben und sie wird wohl immer die sein die gehänselt wird und sie kann doch schon jetzt unmöglich zufrieden mit sich sein.

Ich muss kurz die Runde verlassen, denn mir ist schlecht. Stell dir vor du kommst nicht so auf die Welt, wie sie dich gern hätten. Stell dir vor dir wird von Beginn an das Gefühl gegeben, dass du nicht hier her passt. Was machst du daraus?


Liebe Greta, mach bitte viel mehr aus dir, als diese Damen und andere es sich wünschen oder überhaupt nur vorstellen können.

Stelle dich den Philips dieser Welt entgegen. Sei wütend, sei laut, gehe einen Schritt zu weit und lerne dich zu entschuldigen, aber nie dafür das du ein Mädchen bist und keine Elfe, die der kleine Rabaukenphilip den Kopf verdrehen kann.

Sei du selbst- auch wenn du es wirklich nicht leicht haben wirst, bei dem Gedankenmüll den selbst Erwachsene heute noch mit sich herumtragen.

Ich vermute mal stark, solange wir unseren Mädchen, Frauen, Jungs und Männern noch immer erzählen wie sie zu sein haben, wird sich nicht allzu viel ändern. Ich bin für mehr Greta’s als einen Philip’s.

Wenn ich mich umsehe sehe ich oft ganz viele Elfen und Philips, die eine Greta ärgern. Sie ausschließen und sie für unpassend empfinden, weil sie es bereits in ihren jungen Jahren so gelernt haben. Weil es ok ist, sie nicht zu akzeptieren und zu respektieren. Wieso auch? Wenn Erwachsene so viele Vorurteile mit sich herumtragen, wie sollen ihre Kinder es besser machen?Manchmal wünsche ich mir mehr Offenheit und mehr Verständnis für andere. Und mehr Gretas, die ihren Weg gehen und den gemeinen Philips zeigen, was ein rechter Haken ist.

Kommentare

2 Kommentare zu “Hey Greta, bleib ja wie du bist!”
  1. Katja sagt:

    Amen. Ich dachte den ganzen Text an meine Nichte und musste schmunzeln, sie ist eine Greta, eine sehr teuflische Greta und während gefühlt die halbe Familie sie immer wieder zurechtruckt amüsiere ich mich köstlich mit ihr zusammen über ihre Wildheit. 😀

  2. Hannah sagt:

    Ganz toller Beitrag! Ich finde es toll, dass du immer wieder Themen aus dem Alltag aufnimmst und sie zu deinen eigenen machst. 🙂

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