Kolumne

Bodenständiger Luxus

26. März 2015 von

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Da regt sich so einiges in der Modeszene. Da werden schöne Taschen preislich um 30% angepasst und wir werden aber auch aufgefordert, Luxus so zu behandeln wie all die anderen alltäglichen Dinge in unserem Umfeld. Aber vielleicht ist eine ständige Demokratisierung der Mode, ein ständiges „oh noch ein Lippenstift von Dior“ ein wenig zu viel?

Bodenstaendiger Luxus

Gehen wir gerade den falschen Weg? Indem wir uns einreden, wir dürfen Luxus nicht mehr genießen, zelebrieren, denn an einem Lippenstift von Chanel ist doch nichts besonders mehr? Die Loui Bag hängt in jedem dritten Teeniezimmer und nach der Marke H&M hängt gleich noch ein Teil von Lala Berlin. Nein, ich bin keine von den Damen, die euch verbieten will, schöne Dinge zu kaufen. Ihr dürft von mir aus gern auf den Preis achten und Highend Brands auch für unnötig halten, ich gönne aber auch jeder Dame die Chanel Bag von Herzen. Doch, was ist, wenn aus einem kleinen Luxus auf lange Sicht eine Ansammlung von Markensachen wird? Wenn jegliche Form der Liebe zum Produkt, zum Kleidungsstück oder zum Endergebnis verloren geht? Was trägst du heute? „Keine Ahnung … könnte von einer großen spanischen Kette sein oder von einem bekannten Designer … such es dir aus.“ Ich muss immer an eine schöne Geschichte denken:

Bodenstaendiger Luxus

Damals legte meine Mutter sich immer ein wenig Geld zur Seite. Denn sie hatte eine Leidenschaft. Diese Liebe galt einem Lippenstift von Chanel in einer bestimmten Farbe. Sie trug ihn nur zu gewissen Anlässen und benutzte nur diesen einen Farbton. Dieser Lippenstift wurde bis zum Ende aufgebraucht und dann erst wurde wieder nachgekauft.“ Wenn wir diese Frau heute fragen würden, wieso sie sich nicht einfach mehrere Farben in unterschiedlichen Rottönen leisten wollte, würde sie sich sicher sagen: Es geht um eine Leidenschaft zu einem besonderen Produkt, dass dein Herz erwärmt. Es wäre doch zu schade, wenn wir unsere Zeit und unser hart erarbeitetes Geld für Dinge verschwenden, die wir am Ende gar nicht so schätzen können, wie wir es doch eigentlich sollten?

Vielleicht müssen wir unsere Einstellung zur Mode wieder ein wenig korrigieren. Wenn ich in meinen Kleiderschrank schaue, dann möchte ich auf eine tolle, besondere Auswahl schauen, bei der ich immer sagen kann, ja da hat sich das Warten, die Investition gelohnt.

 Was meint ihr?

Liebe Grüße

Edit: Chanel passt in den nächsten Wochen die europäischen Preise dem asiatischen Markt an. Das wird vom Konzern damit begründet, dass eine wirkliche Identifizierung mit dem Brand höchste Priorität hätte.

Kommentare

Bisher 20 Kommentare zu “Bodenständiger Luxus”

  1. Barbara sagt:

    Das mit der Preisanpassung muss ich mir gleich einmal anschauen…

  2. Vanessa sagt:

    Liebe Franzi,

    seit du damals den Beitrag über deine CC-Brosche online gestellt hast, wollte ich unbedingt auch eine. Da ich für solche Anschaffungen aber nicht schnell mal ein paar hundert Euro zur Verfügung habe, spare ich seither darauf. Immer wieder muss ich aber von neu beginnen, weil ich das Geld dann z.B für Lippenstifte von Dior oder Chanel ausgebe – weil das kann ich mir dann ja doch schneller mal leisten. Und eigentlich ärgert mich das immer so sehr, weil die Brosche möchte ich so gerne haben, aber es fällt einfach so schwer einen so hohen Betrag über längere Zeit zu sparen. Und so langsam merke ich, wie ich auf Grund der hohen Anzahl an HighEnd Lippenstifte, die ich mittlerweile habe, ein bisschen die Wertschätzung dafür verliere. Und eigentlich ist das schade. Darum starte ich nun nochmals den Versuch auf meine CC Brosche hinzusparen, denn die ist es mir wirklich wert!

    Danke für den schönen Artikel!

    Liebe Grüße aus Wien,
    Vanessa

  3. Ani sagt:

    Das ist wirklich mal richtig gut formuliert.
    Insbesondere der Satz „Die Loui Bag hängt in jedem dritten Teeniezimmer“ ist bei mir richtig eingeschlagen. Wie viele kleine Mädels diese Taschen durch die Gegend tragen als hätten sie sie mal eben auf dem Flohmarkt preiswert erworben und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.
    Ist unser Konsumverhalten wirklich so eskaliert?

    ani von ani-hearts

  4. Ronja sagt:

    Ich würde nicht unbedingt sagen, dass ich gut im Sparen bin, dennoch geht für mich von so einer Frau wie du sie beschreibst eine unfassbare Magie aus. Ich träume von einer LV Neverfull, und habe gleichzeitig Angst davor sie irgendwann vielleicht nicht mehr wertzuschätzen, weil es ein nächstes Produkt xy gibt, von dem ich anfange zu träumen. Hmm…schwierig. Nichts desto trotz wird ersteinmal weiter von der Neverfull geträumt :)#
    Liebe Grüße. Ronja

  5. Ich glaube das Wertschätzen etwas ist, das man nie verlernen sollte. Allerdings ist das in einer übersättigten Gesellschaft wie der unseren sehr schwer geworden. Die Sachen werden uns ja überall unter die Nase gehalten. Luxus Brands sind dank den neuen Medien omnipräsent und es wirkt so, als könne und wolle sie sich jeder Leisten. Ich glaube da liegt die Crux. Gefühlt hängt so eine Tasche in jedem dritten Teenie Zimmer. Ich glaube aber das die Realität eine andere ist. Da wird sich das Teil für den Instagram Account geliehen oder man trägt eben ne gut gemachte „Voui Littong“. Wie auch immer, die Selbstverständlichkeit mit der wir konsumieren ist auf die Dauer nicht gesund. Dieser Konsum verzerrt und verschiebt den Blick auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Können wir auf der Jagd nach dem nächsten it piece noch richtig genießen was wir bereits haben?

    • Lynda sagt:

      Designersachen werden im Jahr 1-2 mal teurer! Das ist echt doof, aber leider so. Liegt aber auch daran, dass nicht jeder Designer möchte, dass alle mit der gleichen Tasche herumlaufen. Chanel ist sehr teuer, aber gerade deswegen wollen auch viele Frauen eine Chanel. Ich habe mir erst vor kurzen eine gegönnt und muss sagen, ich liebe sie und bereue keinen Cent. Bei der LV Speedy ist es leider so, dass sie jede hat, selbst Teenies, weil sie noch lange nicht so teuer ist wie eine Chanel Boy oder Flap. Für mich sind meine Speedys daher nichts besonderes mehr, weil sie jeder hat. Ich hoffe, dass es bei der Chanel nicht auch zum Massenkonsum wird.
      LG Lynda
      http://fashion-petite.blogspot.com/

  6. Lilly sagt:

    Ich sehe das ähnlich wie du.. In den jüngeren Generationen ist es irgendwie zum Standard geworden die teuren Markentaschen am Arm zu haben und immer das allerneuste teure iPhone zu haben.
    Leider hatte ich die besten Beispiele dafür immer direkt vor Augen, weil ich auf eine Privatschule gegangen bin. Wenn die teuren Nike-Treter schmutzig waren, mussten neue her, wenn das iPhone verloren wurde, gab’s direkt ein neues und zum 18. einen dicken Dodge Ram.
    Ich bin froh, dass meine Mutter mich so erzogen hat auch die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen und für große Wünsche zu sparen und sich dann richtig zu freuen. Jedes Mal, wenn man dieses Teil dann sieht 🙂
    Liebst,
    Lilly

  7. Finja sagt:

    Tut mir leid, dass ich so wenig Ahnung habe, aber werden die Chanel Produkte in Europa jetzt billiger oder teurer? Liebe Grüße!

  8. Anonymous sagt:

    „Es wäre doch zu schade, wenn wir unsere Zeit und unser hart erarbeitetes Geld für Dinge verschwenden, die wir am Ende gar nicht so schätzen können, wie wir es doch eigentlich sollten?“
    Ich finde diese Aussage im Zusammenhang mit der Luxusgüterindustrie eher grenzwertig, denn es zeigt mal wieder dass die Brandingstrategie der Marketingprofis fruchtet und wir automatisch annehmen nur weil was teuer ist, muss es besonders sein und wertgeschätzt werden. Leider weiß ich aus erster Hand dass die Romantikvorstellung von kleinen Ateliers in Italien, in denen Handtaschen hergestellt werden, so nicht stimmt. „Made in Italy“ heißt auch, dass alles in Asien billig vorproduziert wurde und einfach nur in Italien zusammengesetzt wurde. Keine schöne Vorstellung bei Preisen im 1000er Bereich. Ich denke wichtig ist sich bewusst für Marken zu entscheiden, die fair produzieren anstatt Luxusmarken auf ein Podest zu stellen. Nicht alles was glänzt ist Gold.

    • Franzi sagt:

      Aber nicht alles was ein Label trägt ist gleich schlecht. Wenn ich in Italien in einem traditionellen Familienunternehmen stehe, muss ich nicht an Asien denken. Wobei es auch in Asien Firmen gibt die fair produzieren. Man könnte auch meinen Luxus gleich schlecht. Man sollte da schon etwas differenzierter hinter die Kulissen schauen. Made Italy bedeutet auch nicht nur billig produziert. Und weißt du was? Wenn wir alle bewusster kaufen würden, mit mehr Verständnis würde es vielleicht diese Situationen nicht mehr geben? Es geht vor allem um das wertschätzen von Dingen. Was und wie viel du dafür zahlen willst, ist deine persönliche je Entscheidung. Verzeih, aber nicht alles was teuer ist, ist schlecht. Nicht überall wird getrickst. Es gibt mehr als schwarz und weiß.

      • Kristin sagt:

        Das Labels schlecht sind, habe ich auch so nicht gesagt. Denn da könnte ich meinen Kleiderschrank wahrscheinlich auch vergessen. Ich wollte lediglich darauf aufmerksam machen, dass manche Preise mancher Marken mit Vorsicht zu genießen sind, da nun einmal der „Ottonormalverbraucher“ teuer mit Qualität gleichsetzt. Dass das in der heutigen Zeit nicht mehr so ist, sollte einfach jedem bewusst sein. Da bilden auch Chanel, Dior und Prada keine Ausnahme. Natürlich ist nicht alles schwarz und weiß, aber ich wollte lediglich einen anderen Standpunkt vertreten und darstellen. Über bewusster shoppen sollte man wahrscheinlich keine Diskussion lostreten, denn dann würde es um Löhne, Globalisierung und Wirtschaft gehen und das ist mir dann doch zu viel. 🙂 Aber ich befinde mich gerade im Aufbau einer capsule wardrobe und finde, dass dies ein interessanter Ansatz ist. Ich wollte deinen Beitrag keinesfalls angreifen, lediglich eine andere Perspektive offenlegen.

        • Franzi sagt:

          Hey ja stimmt. Aber es klang kurz danach. Verzeih und dein Standpunkt ist richtig, aber wie gesagt – das war keine Hymne auf Luxus, sondern nur ein Gedanke was gerade in unserer Gesellschaft passiert. Wenn man es vielleicht auch mehr auf die Blogger und Leserszene bezieht. Liebe Grüße und danke für deine Sichtweise

  9. Borislava sagt:

    Die Preiserhöhung bei Chanel ist leider seit Jahrzehnten eine Tradition. Sie nennen das eine Prestigesache. Wenn man in einer Boutique nach der 2.55 Bag fragt, ist sie immmer ausverkauft und es gibt Wartelisten. Ich glaube das Ziel ist es, sich von Loui und den Rest zu unterscheiden. Denn in der Innenstadt sind mehr Loui’s als Billa-Tüten zu sehen!
    Toller Post!
    Liebe Grüße
    Borislava von ColurClub

  10. Steffi sagt:

    Ich stimme deinem Artikel voll und ganz zu. Die Wertschätzung geht definitiv verloren.

    Ich habe aber generell eine andere Vorstellung von Luxus, damit meine ICH: etwas, was nicht „jeder“ hat. Wenn die braune Ledertasche mit dem berühmten Logo von so vielen Mädels getragen wird – und ich sehe das! – dann ist es kein Luxus – sondern in Masse produziert. Massenware ist für mich kein Luxus, da kann sie noch so teuer sein und aus einer exklusiven Markenkollektion stammen. Ich gönne sie aber jedem der sie möchte und sich leisten kann, keine Frage.

    LG Steffi

    http://www.redseconals.com

  11. Lena Sophie sagt:

    Ich habe meine Lou-Bag von meiner Schwester bekommen, die sie wiederrum von der Mutter ihres damaligen Freundes geschenkt bekommen hat. Ich bin im Kreis gehüpft und habe gedanklich einen Salto geschlagen. Während ich mich über eine gebrauchte Luxustasche gefreut habe gingen Mädchen aus meiner Stufe in der Türkei zum Fake-Kauf. Vor allem auf Chanel hatten sie es abgesehen.
    Das ist dann die nächste Stufe. Jeder braucht Luxus, jeder muss diese eine Tasche haben, sofort und nicht später. So schade! Luxus sollte etwas besonderes sein. Der Burberry Trenchcoat auf den man gespart hat oder das Chanelparfüm zu Weihnachten. Ich brauche keine drei, vier fünf davon. Ein Luxusteil reicht aus um mir so ein besonderes Gefühl zu geben. Etwas das man wirklich wertschätzt.

  12. Julia sagt:

    Hallo!

    Den Artikel hast du sehr schön geschrieben. Ja, nachdem die Loui Bag wirklich schon in jedem Dritten Teeniezimmer hängt, finde ich den Hype um solche Luxusgüter wirklich schon übertrieben. Ich selbst habe eine Michael Kors, musste eine Zeit lang drauf sparen, aber jetzt freue ich mich jeden Tag, wenn ich sie ansehe. Vielleicht werde ich mir in zwei Jahren wieder eine zulegen, aber warum sollte ich mich jetzt in diese Konsumgeilheit stürzen und die Taschen dann vielleicht gar nicht mehr wertschätzen?

    Liebe Grüße
    Julia
    http://followjuliatulpe.blogspot.co.at

  13. Sina sagt:

    woher weiss man auf der Straße eigentlich heutzutage noch, dass die Chaneltasche oder die Loui echt sind?
    Im Sommer auf den Kanaren, wurde an jeder Ecke eine Michael Kors Faketasche angeboten und das Schlimme war, das man sie von Original kaum auseinander halten konnte. Quasi gar nicht! erst bei der Verarbeitung ist es ins Auge gefallen….. ….

  14. Katharina sagt:

    Liebe Franzi,
    Ich bin gerade über die twitter“diskussion“ hier gelandet und wollte meine Meinung dazu auch mal äußern ( evtl auch mit mehr als 140 Zeichen 😉 ).
    Zum Thema mit den Parfumdupes ich finde es auch schöner auf das originale Produkt , sei es ein Parfum oder eine Tasche , zu sparen als mir ein dupe zu holen aus dem einfachen Grund , weil die Sachen dann einen Bedeutung bekommen und nicht die 10000. Tasche oder das 5000. Parfum im Schrank sind. Heute wieder lauter günstige Taschen gesehen die denen von Prada etc total ähnlich sehen , wo ich mir so dachte muss auch nicht sein.
    Wenn man das Geld für designertaschen etc nicht hat , wie ich es mit 15 auch nicht habe , gibt es genügend günstigere teile , die hübsch sind und individuell sind und nicht aussehen wie ne Louis Tasche oder nicht wie das chanel Parfum riechen.
    Mir gefällt deine Einstellung, auch wenn sie bei einigen anecken mag
    Liebe grüße
    Katha

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