Kolumne

3 Frauen 3 Meinungen: Was wir im Jahr 2019 nicht mehr gefragt werden wollen.

23. Dezember 2018 • 6 Kommentare

Es gibt die immer gleichen Fragen in den immer gleichen Situationen. Manchmal kann sich einfach so nichts ändern, oder wir wollen es nicht ändern und möchten gern viel lieber selbst entscheiden, wann und wie wir darüber reden.

3 Frauen 3 Meinungen: Was wir im Jahr 2019 nicht mehr gefragt werden wollen.

Oft wird am Kaffeetisch, auf der Arbeit, in der Mittagspause oder bei einem Dinner ganz frech nachgehakt, kurz angesprochen oder gar richtig fies nachgebohrt. Immer mit einer guten Absicht, immer nicht so gemeint, aber am Ende doch immer mit einem Ton, der manchmal einfach zu viel des Guten ist. Als ob wir nicht selbst wüssten was Sache ist. Als ob wir uns nicht heimlich manchmal wünschen würden, dass es passiert, oder als ob es uns einfach nicht interessiert, was alle anderen jetzt machen.

Hier sind drei Fragen, die wir anderen Frauen im Jahr 2019 nicht mehr unaufgefordert stellen sollten. Drei Fragen, auf deren Antwort niemand warten sollte. Es sei denn wir entscheiden uns, selbst darüber zu sprechen.

Frau Nummer eins. Single, 35, möchte an Feier- oder Geburtstagen nicht mehr daran erinnert werden.

Also wenn es nach meiner Familie ginge, wäre ich ein hoffnungsloser Fall. Viel zu anspruchsvoll, viel zu wählerisch, und eigentlich schon über meiner Zeit. Den Zenit hätte ich wohl überschritten. Ja ich bin Single und bei meinen Freunden der ewige „Kuppelkumpel“. Ist irgendwer Single wird er gleich an mich verwiesen. Irgendwer wird schon irgendwann zu mir passen. An meinen Geburtstagen werden fremde Männer eingeladen, Dates abgesprochen oder ich mit einem Zwinkern mit ihm allein in der Küche gelassen. An Feiertagen wird mir irgendein Nachbar schmackhaft geredet, der seine Frau erst drei Mal betrogen hat und nun gern mal eine hebt.

Herzlichen Glückwunsch! Ich lebe an zwei Monaten im Jahr in meinem persönlichen Vorhof zur Hölle.

Gern auch in den Monaten in denen es kalt ist, wenn der Sommer aufhört oder anfängt, oder wenn es um Pärchenabende geht. Denn dann bin ich auch raus. Da nun alle auch noch Kinder haben, bekomme ich einen doppelt mitleidigen Blick von beiden Seiten. Freunde und Familie können es nicht fassen, wie ich noch Single sein kann. Um ehrlich zu sein, so richtig weiß ich es auch nicht. Diese Frage stelle ich mir heimlich auch des öfteren:

Wieso bist du eigentlich noch Single?

Es gibt weitaus seltsamere und unattraktivere Menschen als mich, die schneller ihr Glück finden. Aber ich will eben auch mit dem passenden Menschen alt werden und nicht mit irgendeinem, nur weil alle das jetzt erwarten. Also habe ich mich damit abgefunden, zu mir gefunden und finde es so ok. Vielleicht werde ich die einzige Frau sein die immer allein sein wird?
Aber vielleicht raste ich bei der nächsten Fragerunde auch einfach einmal aus: Am Geburtstagstisch kippe ich meinen Freunden den Sekt ins Gesicht, zersäge aus Wut die Gans auf dem Weihnachtstisch und schmolle einfach alle Tage weg, an denen Menschen aus meinem Singledasein ein Problem machen wollen.

Es ist doch gar nicht so schlimm allein zu sein. Natürlich wünsche ich mir auch jemanden, aber sicher nicht auf Biegen und Brechen. Und Hand aufs Herz: Wie oft sehe ich in unglückliche Gesichter mit dem zweiten Kind an der Hand oder in traurige Augen zum 50. Hochzeitstag?! Nur weil jemand mit jemandem zusammen ist muss er nicht glücklich damit sein.

Aber was weiß ich ewiger Single schon….


Frau Nummer zwei. 28 Jahre alt und seit sieben Jahren mit ihrem Freund zusammen.

Warum seid ihr noch nicht verheiratet?

Wir teilen ein Auto, die Wohnung, das Essen, die Rechnungen. Nur einen Ring tragen wir beide nicht, denn wir haben bis jetzt nicht geheiratet und planen es auch nicht. Nicht vor dem Zusammenziehen, nicht vor dem Plan eine Firma zu eröffnen. Uns beiden kommt es nicht in den Sinn. Wir halten beide nicht viel von der Ehe. Vielleicht weil seine Mutter früh ging und mein Vater mehr Affären hatte als Hugh Hefner Bunnies. Vielleicht aber auch, weil wir wissen was wir an uns haben und weil uns beide auch das Argument „Steuern sparen“ nicht dazu bringt, endlich Ja zu sagen.

Wir glauben vielmehr daran, dass wir zusammenbleiben wenn wir uns lieben. Wenn nicht, dann geht eben jeder seinen eigenen Weg, Ob das nun vom Staat abgenickt wurde oder nicht oder ob eine andere Instanz die Liebe abgesegnet hat, kann doch im Jahr 2018 nicht mehr der springende Punkt für ein Happy End sein.

Wie viele Ehen sind nur auf dem Steuern sparen, Kinder haben, Haus bauen und einer scheinbaren Sicherheit aufgebaut? Aber was kommt dann? Die richtig große Liebe? Mag sein, dass es viel mit dem endgültigen Entschluss und dem romantischen Glauben an immer und ewig zu tun hat, aber den haben wir doch auch so. Ganz ohne staatlich anerkanntes Bündnis. Was wir aber einsehen mussten ist, dass wir das selten antworten dürfen auf die Frage danach, wann wir endlich heiraten.

Vielen Menschen treten wir damit wohl auf den Schlips, weil viele gar nicht so froh über ihre Ehen sind. Eigentlich wollten sich einige doch Zeit lassen, oder weil jedes Leben und jede Beziehung nun einmal anders abläuft. Ich finde es eher belastend, dass mir 2018 noch immer ein Staat vorschreiben kann, dass ich mehr Teilhabe am Leben eines Menschen habe, wenn ich eine Urkunde unterschreibe.

Das sollte nicht mehr so sein, aber viele sehen das trotzdem anders.

Daher haben wir uns drei Floskeln auf die immer wiederkehrende Frage ausgedacht. Falls es jemand nett meint und er harmlos fragt, sagen wir: „Wir gehen es langsam an.“ Ist jemand zu neugierig: „Wir sind uns offiziell noch nicht einig ob große oder kleine Hochzeit.“ Und wenn es mal wieder der übliche Trick ist, um dann von der eigenen Hochzeit zu schwärmen: „Wir leben polygam und warten auf die offizielle Gestattung der Mehrehe. Seid ihr eigentlich noch monogam?“


Frau Nummer drei. Gerade 30 geworden, schon seit zwei Jahren verheiratet, kein Kind in Aussicht.

Wieso bist du eigentlich noch nicht schwanger? Du hast doch alles.

Ja ich habe einen Mann. Ja wir haben uns eine Wohnung gekauft und ja, wir arbeiten beide Vollzeit und das gern. Ja, wir haben nicht vor in den kommenden drei Jahren ein Kind zu bekommen. Eines vorweg: Wir sind kein Paar, dass überhaupt nicht darüber nachdenkt, Kinder zu bekommen. Das muss ich ganz oft erst einmal klarstellen. Nicht klarstellen muss ich dagegen, ob ich im besten Alter bin oder ob meine Situation gerade perfekt ist, oder dass es bald nicht mehr gehen würde und die Zeit der Risikoschwangerschaften anbricht. Nichts davon können meinen Mann und mich davon überzeugen, sofort und auf der Stelle ein Kind in die Welt zu setzen.

Ich lebe jetzt mein Leben mit meinem Mann. Wir beide mussten viel Zeit für unsere Karriere opfern. Die Zeit zu zweit war knapp bemessen und das Budget oft zu klein, um einfach einmal einen Urlaub zu buchen, zu entspannen oder um uns überhaupt zu treffen.

Im Gegenteil. Unsere Berufe und vor allem der Weg dorthin haben uns viel abverlangt, und jetzt nach drei Jahren ist es das erste Mal, dass wir die eigenen vier Wände schön einrichten, gut Essen gehen können und ich nicht immer auf Schnäppchen setzen muss. Wenn es sich für andere scheinbar egoistisch anhört wenn ich das auf die Frage „Warum habt ihr noch keine Kinder?“ antworte, dann wisst ihr einfach nicht das Leben und andere Lebensweisen zu schätzen.

Es ist doch viel egoistischer von Frauen immer noch zu verlangen Mutter zu werden und das als ihren grössten Wunsch auszulegen.

Sorry meine Damen und Herren, im Jahr 2018 ist es mir auch erlaubt zu sagen jetzt kein Kind zu wollen, weil ich einfach einmal leben möchte. Ich habe mich solange zurückhalten müssen, dass ich jetzt keine gute Mutter wäre, denn ich wäre nie wirklich da- Emotional wie auch körperlich. Also was ist wohl besser? Was wäre wohl fairer gegenüber einem Kind? Richtig, etwas erst aufzugeben wenn ich dazu bereit bin. Und das wird kommen, das weiß ich. Aber nicht jetzt. Nicht nachdem ich meinen Mann so gut wie nur an einem Wochenende im Monat sehen durfte. Nicht, nachdem ich vier Jahre lang eine WG mit einem Dauerkiffer und einem Dauerdiskoproll teilen musste. Nicht nachdem ich jeden Cent umdrehen musste.

Jetzt muss ich mich erst einmal finden, denn es wäre dem Kind gegenüber nicht fair, wenn ich dann eine egoistische Mutter wäre, oder?

Was möchtet ihr 2019 nicht mehr gefragt werden?

Kommentare

6 Kommentare zu “3 Frauen 3 Meinungen: Was wir im Jahr 2019 nicht mehr gefragt werden wollen.”
  1. Finjay sagt:

    Ach, ich liebe Deine Posts einfach und deine Küche (bis auf die Kaffeemaschine) und Wohnung und Lenny!
    Danke für Deinen tollen Blog, die schönen Bilder bei Insta und Deine Gelassenheit. So kommt es mir zumindest vor.
    Ich will nicht mehr gefragt werden, wann ich denn nun mit dem Studium fertig bin. Vielleicht ja einfach gar nie! 🙂
    Ich wünsche Euch ganz tolle Weihnachten und einen guten Rutsch!

  2. M. sagt:

    DANKE für diesen Blogpost! So wichtig und richtig! Ich bin Mitte 30 und gerade schwanger und nun auch noch kurzfristig frisch geehelicht. Nach neun Jahren Beziehung. Wie oft ich davor derlei Fragen gestellt bekommen habe – ich weiß es nicht. Dass es die ein oder andere Krise bei mir ausgelöst hat schon. Es ist ja nunmal so dass Beide sich bereit fühlen müssen. Und dass das Vorhaben Kind auch erstmal klappen muss. Ich fasse es nicht, dass diese Aspekte bei all der Fragerei immer ignoriert werden. Nicht jeden geht alles was an. Schon gar nicht die private Lebensplanung. Es ist frech wie wenig Menschen – vor allem Frauen – sich das bewusst machen. Auch was sie mit ihrer Fragerei für Wunden aufreißen können. Noch dazu gibt es 1000000 verschiedene Lebensmodelle. Es muss ja nicht immer Haus, Hund, Hochzeit, Kinder sein (nach dem ersten werden sicher viele fragen, wann Nummer zwei kommt – entsprechende Andeutungen gibt es jetzt schon. Wahnsinn!)
    Also: DANKE für diese offenen und wichtigen Worte!

  3. Jana sagt:

    Ich möchte nicht mehr gefragt werden, wann endlich ein Geschwisterchen für unsere Kleine kommt. Wir möchten nur ein Kind, Punkt aus.

    Danke für deinen tollen Blog.

  4. Franzi sagt:

    Vielen Dank für diesen Post. Ich bin 32, seit 2 Jahren verheiratet, gerade ist die Eigentumswohnung fertig und wie oft ich nach Kindern gefragt werde, kann ich kaum noch zählen. Und die Frager wissen gar nicht, was ihre neugierige Frage bei mir auslöst, denn wir hätten gern ein Kind, und das nicht erst seit gestern. Aber nicht immer klappt das wie es soll und wir müssen im kommenden Jahr medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. So schwanger zu werden, wünscht sich keiner und auch ich versuche da nicht so oft dran zu denken, wenn nicht diese Fragerei wäre. Daher Liebe Frager: einfach mal eure Neugier in Ja im halten und vielleicht mal vorher überlegen, was ihr mit so einer Frage auslöst.

  5. Karina B. sagt:

    Ich bin auch Single und kinderlos und kann diese Fragen einfach nicht mehr hören. Ja, ich bin anspruchsvoll, aber warum nicht? Schließlich komme ich als Single sehr gut alleine zurecht und mache alles was ich will auch alleine und warum sollte ich mir dann den nächstbesten nehmen, bei dem ich weiß das es auf Dauer einfach nicht passt. Mittlerweile antworte ich dann nur noch: Ich bin nicht auf der Suche!

  6. Selbst mir, mit 64 Jahren, nach 3 Ehen, geht es noch so. Ich bin jetzt seit 3 1/2 Jahren Witwe und lebe allein und das sehr gerne. Trotzdem möchten einige Verwandte und Freunde mich unbedingt an den Mann bringen. „Du mußt doch nicht alleine bleiben“, „Du bist doch für eine Partnerschaft geschaffen“, Willst Du den im Alter alleine sein?“, sind nur einige der Sprüche, die ich mir anhören muß. Du hast vollkommen recht: Liebe Leute, laßt das in Zukunft, denn ich finde es toll, wie es ist.

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