Kolumne

Can I say hello again? Wie man wieder zusammenfindet nach einer Pause

11. März 2018 • 5 Kommentare

Kann ich mich melden? Sollte ich es als Erste wagen? Den Hörer in die Hand nehmen, „Hallo“ sagen? Am Tisch in aller Öffentlichkeit stehen bleiben und ein Gespräch suchen?

Wie es ist sich nicht mehr zu kennen, ist uns allen bekannt. Mal gab es den einen Knall, mal war es die andere Stadt, mal das Erwachsenwerden, mal die erste große Liebe, das Pech der Zeit oder die eigene Dummheit. Menschen kommen und gehen und wir müssen irgendwie damit klarkommen.

Am einfachsten ist es ja immer wenn wir selbst entscheiden zu gehen. Ich korrigiere mich, es ist einfacher. Loszulassen heißt auch, Dinge über einen gewissen Zeitraum nicht mehr so anzunehmen und zu akzeptieren, und dann den Schritt zu wagen zu gehen. Ob das immer einfacher ist, will ich nicht beschwören. Es macht es nur leichter für einen selbst, denn man hatte ja schon die Bedenken und somit mehr Zeit, einen Abschied zu planen. Ist das Ganze erst einmal gegessen, stellt sich Erleichterung ein. Ruhe. Es fühlt sich gut an, das eine Problem oder dieses eine Gespräch nicht mehr mit sich herumzuschleppen, irgendwie doch keine Lösung zu finden und immer wieder alles mit in den nächsten Tag hineinzutragen und zu verdrängen. Distanz kann dem Herzen und dem Kopf erst einmal eine gute Auszeit versprechen. Funkstille lässt einen wieder eher darüber nachdenken was war und wie es abgelaufen ist.

Und manchmal, ja manchmal erkennt man dann auch seine eigenen Fehler.

Manchmal wird einem nach und nach bewusst, dass es immer zwei gibt die sich streiten und die sich nicht mehr verstehen, und dass beide nur wegen Missverständnissen den richtigen Weg suchen. Jeder tut das auf seine Art und jeder will das Beste daraus machen. Ich glaube, in den seltensten Fällen will der eine dem anderen etwas böses mit seinem Verhalten antun. Wir sind eben doch alle gefangen in unseren emotionalen Mustern und können uns schwer von ihnen trennen. Wenn dann auch noch immer wieder das Gleiche passiert, ist es fast unmöglich die Reaktion zu kontrollieren.

Wir sagen uns Worte, die wir mit klarem Verstand nie aussprechen oder gar denken würden. Unterstellungen, explosives Wortgeschwall, Missgunst, Wut, Enttäuschung und das Gefühl einfach nicht verstanden zu werden lässt uns innerlich explodieren. Ich kann euch sagen, das passiert in jedem Alter. Sie hat kein Erfahrungslimit, diese Explosion der Gefühle. Es gibt immer den einen Schalter, den mein Gegenüber nur finden muss und schon ist all das Erlernte und all die große emotionale Weisheit in einen Bus gestiegen und einfach abgefahren ins Nirgendwo, um vielleicht Stunden später an einer heruntergekommen Tankstelle wieder aufzutauchen, mit der Gewissheit „Das war einmal wieder ein Schritt zu viel“. Zu viel Gas, zu viel „Ich will“, zu viel „Ich muss“. Das Leben eben.
Emotionalität kann man in den Griff bekommen, aber am Ende sind wir alle nur Menschen und bestehen gerade deswegen auf dieser Welt, weil wir Fehler machen. Im Großen und im Kleinen. Muss man vor allem die eigenen Fehler akzeptieren und wissen, dass nicht jeder mit der Art umgehen kann, wie man selbst gestrickt ist. Wir müssen lernen das zu akzeptieren, bei uns selbst und bei unserem Gegenüber. Sonst packen wir im Jahr sieben mal mehr die Koffer und gehen weil wir es angeblich nicht aushalten, das zwischen uns und der ganzen Welt.

Alles wird durch unsere Gedanken geleitet. Und wenn wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir das Lachen, die blöden Sprüche, die langen Nächte und die ehrlichen Telefonate vermissen, dürfen wir auch dann ehrlich sein. Wer gehen will der geht, wer wiederkommen möchte, der muss sich genau so anstrengen. Denn dann heißt es wieder zu reden, das Problem neu zu besprechen und zu schauen, ob es am Ende gut war zu gehen und jetzt den Neustart zu wagen.

 

 

Ich gehe auf den Tisch zu und sage „Hallo“. Wir beide fühlen uns unwohl. Klar, es gab schon lange kein Treffen mehr und in der Öffentlichkeit haben wir beide ganz ohne persönliche Absprache immer einen anderen Weg eingeschlagen, sodass wir bei der kleinsten Begegnung schon ein Alibi hatten um die Straße zu wechseln, schnell weiterzugehen und das Treffen abzusagen. Da ich aber weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann und ich dich mochte, noch immer mag und weiß was ich an dir habe, stehe ich jetzt an diesem Tisch und ignoriere mein Kopfkino und meinen Stolz. Denn der ist jetzt völlig fehl am Platz. Denn der hat mich seit ein paar Wochen daran gehindert, dir zu schreiben. Jetzt gibt es kein Zurück mehr.

To be continued. Hoffentlich.

Kommentare

5 Kommentare zu “Can I say hello again? Wie man wieder zusammenfindet nach einer Pause”
  1. Maren sagt:

    Hallo liebe Franzi
    Und vielen Dank für diesen Blogpost!

    Ich mache grade ziemlich genau das durch, was du dort beschreibst.
    Mein Exfreund und ich sind fürchterlich auseinander gegangen, weil ich zu viel wollte, zu anhänglich war, mich nicht gut genug gefühlt habe, Bestätigung gesucht habe, die ich nie bekam. Das ist jetzt ein halbes Jahr her. Seit Anfang des neuen Jahres nähern wir uns wieder an, sind befreundet. Ob Gefühle je wieder eine Rolle spielen, wissen wir beide nicht. Aber es tut gut, sich ausgesprochen zu haben &‘ mit sich selbst &‘ allem im Reinen zu sein. Dass er auf mich zukam. Mit mir reden wollte. Ein gutes Gefühl!

    Einen schönen Abend noch,
    Maren

  2. J. sagt:

    Danke für diesen tollen Text!
    Du sprichst mir gerade aus der Seele.
    Liebe Grüße

  3. Oh ja, das Gefühl und die Gedanken kenne ich nur zu gut!
    Aber Freundschaft ist irgendwie auch keine Alternative für mich. Dann doch lieber ein Ende.

    Liebe Grüße und noch eine schöne Woche.
    Celine

  4. Jana sagt:

    Hallo Franzi,
    du kannst dir gar nicht vorstellen, wie unglaublich gut dein Post gerade in mein Leben passt. Ich stehe an genau so einem Punkt, wie du ihn beschreibst, bin gegangen, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie es mir mit geht… und ich weiß ganz sicher, wie es ihm geht und das verletzt mich.
    Ich bin mir auch absolut sicher, dass nur ein gewisser Abstand und ein Neunfang uns jetzt noch helfen kann, aber ich spreche von mehreren Monaten und kann nur hoffen, dass wir dann noch eine Chance haben, wieder zusammen zu finden….
    Ich danke dir sehr für deinen Gedankenanstoß, genau danach habe ich gesucht!
    LG

  5. Anna sagt:

    Liebe Franzi, ein ganz toll geschriebener Post! Ich hoffe „it will be continued…“

    Liebe Grüße und gedrückte Daumen aus Sevilla,
    Anna

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