Kolumne

Ist das „vielleicht“ die beste Möglichkeit sich im Leben zu entscheiden?

7. Januar 2018 • 9 Kommentare

„Vielleicht komme ich morgen? Vielleicht strenge ich mich an, vielleicht melde ich mich?“ Schon einmal wirklich festgelegt? Schon einmal für etwas entschieden und damit gelebt? Schon einmal etwas umgesetzt wie angekündigt, mit all den guten wie auch schlechten Konsequenzen?

Oder kennen wir nur noch das „Vielleicht“? Ein Wort das unverbindlich ist, so wie wir es lieben, so wie wir unser Leben gern beschreiben. Frei von Druck, frei von Entscheidungen, frei von Verbindlichkeiten, frei von dem was uns im Leben eigentlich weiterbringen soll: Eine Richtung die wir wählen, einen Weg den wir gehen, ein Wort zu dem wir stehen.

Ein Vielleicht ist am Ende nur eine Option die wir uns freihalten. Vielleicht treffen wir uns einmal, vielleicht melde ich mich nach dieser einen Nacht bei dir, vielleicht sehen wir uns, wenn ich in der Stadt bin.

Doch was sollten wir davon haben jemanden auf die Warteliste zu setzen, den wir eigentlich gut finden und den wir gern treffen wollen. Welche Party ist wohl besser, wer meldet sich zuerst. Glauben wir wirklich daran, dass jeder gern abwartet und sein Leben nach einer Möglichkeit plant? Dass das Date trotzdem zustande kommt, weil der andere sich eh nichts vornimmt. Weil er nicht so wichtig ist, weil ich so interessant bin, weil der andere vielleicht ein Notnagel ist, wenn niemand anders sich meldet. Weil vielleicht alles sein kann: Von Fremde bleiben, sich kennen lernen bis hin zu sich verlieben. Weil „vielleicht“ besser klingt als „Ich habe kein Interesse an dir“. Triff doch die Entscheidung. Geh doch mit ihr aus. Bleib über Nacht, sag einmal „Ja ich habe Bock auf dich, nein ich muss nicht alles abchecken um zu schauen, wo ich dann womöglich den meisten Spaß haben werde“. Wie willst du sonst jemandem näher kommen, dich fallen lassen oder dich verlieben können, wenn das Vielleicht immer wieder wichtiger ist als eine Entscheidung zu treffen.

 

Texten, schreiben, anrufen und verbindlich werden. Ja sagen zu dem Date, zur Verabredung, zur Beziehung,

zur Liebe oder zum Single sein

Ein Vielleicht kann keine Freundschaften halten. Es kann keine Distanz überwinden, es kann nicht helfen, unterstützen oder für jemanden da sein. Das Wort zeigt wie wichtig eine andere Person ist: Nur wenn es passt, wenn es keinen Stress macht und nichts anders zu tun gibt. Freundschaften schließen und neue Menschen kennenlernen, aber ja nicht zu viel investieren. Zeit ist Geld, wir leben nicht lange auf diesem Planeten, denk an dich und das Vielleicht. Du wunderst dich, wieso du selten dabei bist? Du wunderst dich, dass du dich nicht mehr wie damals auf andere verlassen kannst und ein „Wie geht es dir“ zwar höflich, aber nicht ernst gemeint ist? Vielleicht weil du genau so wenig investierst, dich nicht entscheidest, nicht dazu stehst, dich nicht dahinter klemmst und auch einfach einmal da bist, wenn es für alle unangenehm ist. Doch vielleicht verschwendest du deine Zeit, vielleicht bringt es dir hier und jetzt nicht so viel wie der anderen Person. Vielleicht gibt es da noch bessere Freunde? Vielleicht denken das irgendwann alle?

Ein echtes „Wie geht es dir“? Ein spontaner Besuch, Zeit schaffen, es möglich machen. Freundschaften pflegen, investieren

 

Vielleicht warte ich bis morgen. Vielleicht beschwere ich mich über die anderen, damit ich am Ende doch nicht viel ändern muss. Vielleicht frage ich mich was falsch läuft und finde den Grund dann nicht bei mir. Vielleicht wechsle ich lieber den Ort, das Haus, den Beruf, wenn es schwierig wird, wenn von mir eine Antwort erwartet wird, bei der die Konsequenzen nicht absehbar sind. Vielleicht ist auch alles einfach gut so, wie es ist. Morgen ist auch noch ein Tag. Die anderen können auch etwas ändern, vielleicht nehme ich mir etwas vor. Vielleicht bleibe ich dran. Vielleicht weiß ich was ich will, aber der Weg dorthin ist mir zu anstrengend. Vielleicht weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, dass es leicht wirkt und doch am Ende gut werden könnte. Vielleicht weiß ich gar nicht was ich will und wälze so jede Verantwortung auf die anderen ab. Vielleicht entscheide ich mich nie wirklich für den Mann, das Haus, die Kinder, den Job, den Neuanfang, die Weiterbildung, das Singleleben, die Reise, den Herzschmerz oder für das eigene Leben.

„Ja“ sagen und machen. „Nein“ sagen und sich auch daran halten. Das Leben wirklich angehen und nicht nur abwarten. Entscheiden und damit umgehen …

 

 Schon einmal etwas umgesetzt wie angekündigt, mit all den guten wie auch schlechten Konsequenzen?   Schon einmal kein Vielleicht ausgesprochen? 

ich glaube wir sind falsch abgebogen. Aus alle den Möglichkeiten die wir haben, ist ein wir müssen uns ewig nicht entscheiden geworden. So wird jedes Date, jedes Treffen, jede Freundschaft, jeder neue Schritt gar nicht wirklich angegangen, Nur halb, 3 Schritte zurück oder nie mit einer wirklichen Entscheidung.  

Kommentare

9 Kommentare zu “Ist das „vielleicht“ die beste Möglichkeit sich im Leben zu entscheiden?”
  1. Conny sagt:

    So so toll geschrieben…und spiegelt leider den Puls der Zeit wieder. Im Lande der sozialen Medien und von Facebook, Insta, und CO sorgt auch die Reizüberflutung für dieses „sich nicht entscheiden können „. Ganz toller Post 💜

  2. Jennifer sagt:

    Wie immer ein toller Beitrag liebe Franzi <3 Du bringst die Dinge immer so wahnsinnig schön auf den Punkt! Würde mich freuen, wenn du vielleicht auch mal bei meinem Blog vorbei siehst, du bist so eine wahnsinnige Inspiration für mich <3. Liebe Grüße

  3. MIRJAM sagt:

    Liebe Franzi
    Ein weiterer ganz ganz toller Text von dir, der (leider) den Zeitgeist sehr gut trifft! Ich glaube jeder hat damit zu kämpfen und muss sich von Zeit zu Zeit hintersinnen!
    Hab ne tolle Woche, x Mirjam | http://www.miiju.ch

  4. Iris sagt:

    Diesen Beitrag hast du wirklich ganz wunderbar geschrieben! Ich war eigentlich auch immer diese „Vielleicht“-Person, nie Entscheidungen getroffen, eher immer viele Optionen gehabt und nie gewusst, wofür ich mich entscheiden möchte. Vor kurzem habe ich dann diese „Vielleicht“-Sphäre verlassen und wurde mit ganz wunderbaren Konsequenzen überrascht. Das hat mir gezeigt, dass viele „Vielleicht“-Angelegenheiten doch entschieden werden sollten.

  5. Namo sagt:

    Selbe Kategorie: „Eigentlich“.

    Toller Text und soviel Wahres. „Vielleicht“ lässt auch Raum zum scheitern, bereits vor dem Versuch. Schreckliches Wort, so ohne Sicherheit. Am Ende ist Sicherheit (egal ob ja oder nein) etwas, womit man planen kann. Eindeutig für mich immer vorzuziehen. 😘

  6. Marion sagt:

    Ich muss sagen, dass ich auch bisher oft mehr zu einem „Vielleicht“ neigte, und dann gemerkt habe, dass es mich nicht voranbringt. Ich stand mir damit so oft selbst im Weg, und habe dadurch auch so manche gute Chance verpasst. Das hat mich gelehrt, mehr und öfter zu sagen „Klar, dass mache ich!“ ohne noch groß nachzudenken. Heute werden wir alleine schon durch das Internet oft auch negativ beeinflusst. Entscheidungen zu treffen, fällt mir nie leicht. Leider. Schöner Artikel, der es auf den Punkt bringt 🙂

    LG, Marion <3

    https://barbarellaxo.tumblr.com

  7. Mela sagt:

    Toller Text , der bei mir gerade ziemlich passt zum Thema vielleicht Liebe, Date… . Ich weiß noch nicht wohin es geht.
    LG

  8. Ella sagt:

    Hey Franzi,
    Ein sehr dir gelungener Text wie ich finde 🙂
    Momentan beschäftigt mich dieses Thema leider auch. Da ich selbst eher ein sehr zuverlässiger Mensch bin und das meine Freunde auch sehr an mir schätzen, muss ich selbst gerade lernen, dass andere Menschen/Freunde meiner Meinung nach eher egoistisch denken und die „Verabredungen,Parties, unternehmungen“ zu ihren Gunsten zum Schluss absagen oder Zusagen. Vermutlich wird dies nun ein Prozess sein, in dem ich herausfinde, ob ich noch bereit bin meine Energie und Zeit in eine Freundschaft zustecken, in der der andere Part nur abwägt und wohl nicht bereit ist seine Prioritäten für diese Freundschaft richtig zu setzen.
    Grüße Ella

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