Kolumne

9 Tipps wie du mit Bad News im eigenen Business umgehst

11. Januar 2018 • 6 Kommentare

Hallo Selbstständigkeit. Alles ist schön, alles ist frei- ich bin meine eigene Chefin. Jackpot! Wenn ich einmal keinen Bock auf Arbeit habe, die Stimmung sich eh gegen Minus entwickelt oder ich keine Lust auf mich habe- Laptop zu und das Leben angehen. Keine Kollegin, die mich durch den Tag jagen kann, kein Mitarbeiter der nicht zu mir passt oder ich nicht zu ihm. Nur ich und meine Mails. Nur ich und mein Austausch mit anderen.

Das klingt gut, aber als Selbstständige hat man neben all den anderen kleinen alltäglichen Hürden, wie der Bürokratie und Co. auch noch ein Problem, das ich erst nach einem Jahr und mehreren Gesprächen, Diskussionen und Missverständnissen erkennen durfte: Die Emotionalität.

Die enge Beziehung zwischen Herz und Job.

Wer sich für die Selbstständigkeit entscheidet macht oft aus dem persönlichen Hobby seinen Beruf. Er geht seinen eigenen Weg und baut sich etwas auf. Aus dem Nichts erschafft er ganz viel für sich selbst und es wird eine Herzensangelegenheit. Was du erschaffen hast ist dann auch ein Teil deiner Persönlichkeit. Und genau da kommt sie auch her, die Emotionalität und die gefühlte Verletzlichkeit, wenn auf einmal jemand an dem Selbsterarbeiteten rüttelt, wenn jemand ohne Herz auf das reagiert was du schaffst, wenn es manchmal unfair wird. Wo Gefühle, Leidenschaft und viel Liebe hineingesteckt werden, kann es genauso schnell knallen und in einem tiefen Sumpf von Missverständnissen enden. „Been there, done that“ und am Ende wird es nie zu einem Happy End kommen. Sind die Fronten zwischen zwei Parteien erst einmal verhärtet, bleibt nicht mehr viel zu sagen und wenn, dann nie Gutes.

Aber es gibt Möglichkeiten diese Situationen anders anzugehen, gut zu reagieren um das Schlimmste zu verhindern. Ich musste das auch lernen. Genau wie ihr bin ich schon kräftig auf die eigene Nase gefallen. Mal zu Recht, mal zu Unrecht. Daher gebe ich euch meine Tipps weiter, die ich immer wieder beherzige, wenn es um Kommunikation in meinem Job geht. 

 

Denk darüber nach

Jede Nachricht, jedes Gespräch und jede Mail verlangt irgendwann eine Reaktion. Doch bevor du reagierst, reagiere dich ab. Oft genug sind es liebe Worte, aber es gibt auch die, bei denen man weiß: Es soll gestichelt werden. In diesen Fällen nicht überreagieren und lieber nicht sofort antworten, nicht die kleine Glut an Missverständnissen befeuern. Geh raus, treibe Sport, schreie die Zimmerpflanze an. Nimm dir den negativen Gedanken, pack die schlechten Gefühle am Kragen und versuche runterzukommen, um am Ende viel klarer eine Entscheidung treffen zu können.

Mein Tipp: Immer eine Nacht über die eigene Antwort schlafen. Es hilft dir deine Gedanken zu sortieren, Pro und Kontra abzuwägen und lässt dich klarer und rationaler denken.

Immer freundlich bleiben

Oberstes Gebot: Höflichkeit. Es ist dein Job und so wie du behandelt werden möchtest, solltest du dich auch benehmen. Selbst wenn die andere Partei Grenzen überschreitet musst du die Ruhe bewahren. Es ist einfach besser für dich und den ewigen Gedanken „Hätte ich nur nicht…“. Höflichkeit zeigt vor allem Professionalität. Da du deinen Job liebst und ihn gut machen willst, halte dich dran, immer höflich zu bleiben.

Mein Tipp: Üben. Übe einfach im Alltag höflich zu sein. Reagiere in den unterschiedlichsten Situationen ruhig und besonnen. Auch das regelmäßige Grüßen und Bedanken sind Schritte, die Türen öffnen und Wunder bewirken können. Es sind wie immer die kleinen Dinge. 

Richtig zuhören und fragen

Was läuft da gerade schief? Wo liegt unser Problem? Nur wer zuhört kann richtig reagieren, nur wer nachfragt kann Missverständnisse schneller klären. Wenn etwas unklar ist, dann frage bitte. Kein „Ich dachte“ oder „Ich vermute“, sondern: „Kannst du mir das noch einmal erklären. Habe ich das richtig verstanden, bist du damit einverstanden, wenn…“.

Mein Tipp: Werde mutig, stelle Fragen sofort, schäme dich nicht, dass du etwas nicht gleich verstehst oder nachvollziehen kannst. Das geht jedem so, egal wie lange man schon im Job ist. Es können immer Fehler passieren, aber vor allem wenn man nicht richtig zuhört oder nicht nachfragt. 

Greif zum Telefon

Das geschriebene Wort ist die beste und einfachste Möglichkeit sich falsch zu verstehen. Doch am Telefon hören wir Stimme, Tonlage und zum Teil auch Gefühl. Wir können erkennen, wie der andere spricht und wie er Worte meint. Ein direkter Kontakt ist das Beste. Wer nah beieinander wohnt sollte sich sogar treffen. Mit dem geschriebenen Wort wurde schon so mancher sinnloser Krieg vom Zaun gebrochen.

Mein Tipp: Immer wieder das Telefongespräch anbieten. Das ist auch viel effektiver wenn wir vom Zeitfaktor und einer genauen Absprache reden.

Es ist nur dein Job

Trenne deine Arbeit von dir als Privatperson. Das heißt nicht, dass du keine Emotionen oder Verständnis zeigen sollst. Nein du musst lernen, dass dein Job viel von dir ausmacht, aber rein gar nichts mit deiner Persönlichkeit zu tun hat. Wer deine Arbeit kritisiert, hat ein Recht dazu wenn er dich bezahlen soll und du nicht alles gegeben hast. Du darfst die Kritik aber nicht eins zu eins auf dich als Person münzen. Ein schiefer Strich oder ein zu schlechter Text ist nun einmal keine gute Abgabe. Das musst du einsehen, akzeptieren und besser machen. So solltest du auch fair mit Kritik umgehen und immer für dich schauen, was wie gemeint ist.

Mein Tipp: Lerne deinen Job als das was er ist wahrzunehmen. Eine Dienstleistung? Dann biete so an, dass du es auch kaufen würdest. Ein Service? Dann setze es so um, dass du es auch nutzen würdest. Und nimm die Kritik so an, dass du deinen Job verbessern kannst.

Grenzen setzen

Jede Meinung hat ihre Berechtigung, doch es gibt auch Grenzen. Wenn kein Wort mehr zählt und kein Gespräch mehr ohne verbale Stichelein zustande kommt, dann solltest du offiziell eine Grenze ziehen und ganz neutral und wertungsfrei ein Gespräch oder Thema erst einmal beenden. Wenn sich die Argumente hochschaukeln und Schuldzuweisungen ausgeteilt werden, braucht es oft einen Break. Formuliere es bitte so, dass die Erleichterung deutlich wird und höre auf das Thema durchzukauen.

Mein Tipp: Sei ehrlich, zeige die verletzte Seite auf und bitte nett um eine Pause. Manchmal hilft es auch nur noch den Ansprechpartner zu wechseln, aber immer fair formuliert. In einem Streit ist nie einer allein Schuld am Endergebnis. 

Finger weg von Twitter und Co.

Ja, du fühlst dich ungerecht behandelt und ja, alle sollen das lesen und dir zustimmen. Aber nein, du solltest weder Kollegen noch deinen Arbeitgeber einfach so an den Pranger stellen. Es gibt immer zwei Seiten und es ist unfair, nur für die eigenen Argumente zu kommunizieren. Niemand kann die Situation wirklich nachvollziehen. Du kannst dir gern Luft machen und du kannst dich gern erklären, aber sinnlose Wuttiraden gegen andere bringen am Ende nicht viel außer Gedanken der Reue. Löschen kann man alles immer, aber es bleibt für immer in den Köpfen. Auch im eigenen.

Mein Tipp: Hände weg von Twitter. Lieber die Freundin oder den Freund anrufen und Wut rauslassen, meckern, schreien und die Welt verteufeln. Aber dann auch einsehen, dass ein böses Wort im Netz auch keine Besserung der Situation bringt. 

Schwamm drüber

Irgendwann muss man abschließen. Irgendwann gibt es kein vor und zurück mehr. Versuche damit zu leben. Manchmal läuft es fair ab, manchmal nicht, aber so ist das Leben. Daraus lernt man und jede neue Prüfung gehst du mit einem bisschen mehr Sicherheit und dem guten Gewissen an, dass du das auch noch überstehst- Vielleicht sogar noch besser als beim letzten Mal. Nicht alles läuft immer so wie gewünscht, aber es ist wichtig, dass du lernst genau diese Situationen zu akzeptieren.

Mein Tipp: Das Gesprächsthema auf Eis legen und Freunde bitten, es jetzt nicht mehr anzusprechen. Vermeide alle möglichen Aufreger und konzentriere dich auf andere positive Dinge. Das dauert, aber es klappt irgendwann auch von ganz allein. Das verspreche ich euch. 

Verzeihen

Ziemlich böse Trennung? Viel Tränen geflossen und Nerven gekostet? „Zeit heilt alle Wunden“ sagt man. Das stimmt in vielen Fällen und gerade im Job sollte es auch so sein. Manchmal kommt es zum Bruch und oft genug werden dann Dinge gesagt, die keiner von beiden wirklich so meint. Schau darüber hinweg. Wir alle wachsen mit unseren Aufgaben und hätten uns rückblickend anders verhalten sollen. Nachtragend sein bringt niemandem etwas. Schau in die Zukunft, verzeih und geh deinen Weg. Wer verzeiht kann sich auch auf Neues einlassen.

Mein Tipp: Zwing dich deinen Fokus nach vorn zu richten, auf das was kommt und nicht auf das was war. Such dir etwas aus, das dich glücklich macht, sprich über deine Gefühle und blicke nach vorn. Das muss man lernen. Das ist ein Prozess, der sich aber lohnt und das nicht nur im Arbeitsleben. 

 

Selbstständigkeit ist eine Entscheidung fürs Leben. Ich würde sagen: Ganz oder gar nicht. Jeden Tag lernt man etwas dazu und jeden Tag wächst man an seinen Aufgaben. Das hier ist mein Job, den ich mit vollem Einsatz angehe. Fehler passieren immer wieder, man sollte nur für sich daraus lernen. Viel Glück euch!

Kommentare

6 Kommentare zu “9 Tipps wie du mit Bad News im eigenen Business umgehst”
  1. Stacia sagt:

    Vielen Dank für diese Zusamenstellung. Ich denke, diese Tipps helfen einem in jedem Job.
    Aber besonders in der Selbstständigkeit ist die von dir angesprochene Emotionalität. Das habe ich so noch nie betrachtet.
    Liebe Grüße
    Stacia

  2. Das sind sehr gute Tipps! Ich weiß noch wie oft ich Streit in der Uni oder Schule hatte, nur weil meine Wörter in eine E-Mail anders angekommen sind als ich es wollte. Überhaupt, darüber nachzudenken und eine Nacht drüber zu schlafen kann immer helfen. Und Höflichkeit ist für mich das A und O!

    LG, Rosie //Curvy Life stories

  3. Ein toller Beitrag. Deine Tipps sind klasse und helfen auch in einem festen Anstellungsverhältnis. Oder eigentlich in jeder zwischenmenschlichen Beziehung.

    Viele Grüße und eine fantastische Woche.
    Celine von http://mrsunicorn.de

  4. Caro sagt:

    Liebe Franzi,
    du bringst einen immer so schön auf neue Gedanken! Das mit der Emotionalität liegt eigentlich auf der Hand, aber bewusst war es mir nie! Ich bin zwar nicht selbstständig, aber deine Tipps helfen mir auch als Studentin. Gruppenarbeiten z.B. – von mir verhasst, gerade wenn ich total für etwas brenne und die anderen nicht so richtig mitziehen oder gar Kritik an meiner Arbeit äußern. Da gilt es auch einen kühlen Kopf zu bewahren 😀
    LG Caro

  5. Marion sagt:

    Toller Beitrag mit wertvollen Tipps. Ich bin zwar auch nicht selbstständig, aber ich hatte es irgendwann mal vor. Vielleicht bekomme ich ja doch mal die Chance dazu. Aber auch im Alltag sind die Tipps richtig brauchbar. Lieben Dank dafür 🙂

    Viele Grüße und ein schönes Wochenende, Marion <3

    https://barbarellaxo.tumblr.com

  6. Ein paar sehr schöne Tipps und ich kann vieles (als Selbstständige) nur bestätigen. Vor allem mal darüber schlafen, reflektieren – das hilft und schwächt die ersten großen Hürden meist nochmals ab. Lediglich die Trennung zwischen Privat und Beruf fällt mir persönlich immer noch sehr schwer, obwohl ich nur die Tür zum Büro schließen und ins Wohnzimmer schlurfen müsste :/

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