Kolumne

We said goodbye – Aus Freundinnen werden Fremde

1. Oktober 2017 • 17 Kommentare

Aus Freundinnen werden Fremde.

Manchmal möchte man unbedingt aneinander festhalten. Um der alten Zeiten willen oder um dem Damals im Heute die gleichen Chancen einzuräumen. Freundschaften sollten doch immer für die Ewigkeit sein.

Aus Freundinnen werden Fremde Freunde verlieren im Leben

 

Das zwischen dir und mir muss die ruhigen wie auch die stürmischen Zeiten aushalten. Ob nachts Sturm klingeln und vorbeikommen, oder 2000 km die uns trennen, diese Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich blind verstehen, kann nichts auseinander bringen. Und vielleicht sollten wir daran auch immer glauben und festhalten?

Außer es kommt das ganz normale Leben dazwischen

Was ist, wenn der Alltag vorbeikommt und sich breitmacht, neue Freundschaften geknüpft werden oder sich der Wohnort und die Lebenssituation verändern? Was ist, wenn dein Leben anders verläuft als meins? Ich stehe hier, habe noch keine Familie gegründet, ohne Haus, ohne festen Job in meiner Stadt, ohne Ring am Finger. Das ist nie ein Grund um etwas Gutes zu beenden. Kein Anlass für Vergleiche oder Vorwürfe. Nein, das wissen wir beide. Ich kenne dich noch von früher, als wir viel gemeinsam hatten und zusammen die Universität durchliefen, die Bachelorarbeit gerade so noch abgeben konnten, das WG- Zimmer endlich verlassen wollten und uns neu verliebten.

Immer mit dir an meiner Seite, immer auf dem selben Weg. Immer mit dem Wissen, wir beide können uns aufeinander verlassen.

Ich bin dann abgebogen von unserem gemeinsamen Weg. Weiter weg von dir, als zu Beginn geplant. Das Telefon immer am Ohr für dich und du für mich. Wir schworen es uns, wir glaubten an uns und an das, was uns zusammen ausmachte. Doch die Anrufe und die Gespräche wurden weniger. Einladungen flatterten zu mir: Verlobungsfeier, Hochzeitsfeier, Geburt des ersten Kindes, Taufe. Ich war zu oft unterwegs, im Ausland, bei meiner Familie oder einfach nicht da. Wir nahmen es uns nie krumm, wir waren uns nie böse. Unsere Kalender waren gefüllt mit dem Leben, für das wir uns entschieden hatten. Da war irgendwann kein Platz mehr für ein Wir. Wir hatten zu viele Chancen verpasst uns wiederzusehen und neu kennenzulernen.

Manchmal schlüpfen wir in neue Lebensmodelle

Unser Leben entwickelt sich ganz unbeabsichtigt in eine ganz andere Richtung. Das kann gut gehen und wir können uns wunderbar ergänzen, oder den roten Faden verlieren, der unser Wir ausmachte. Wir beide hatten nie mehr die Möglichkeit uns zu erzählen wer wir jetzt sind. Früher waren wir uns gleich. Gleicher Zeitplan, gleiche Wünsche, gleiche Vorstellungen von der Zukunft. Jetzt sind wir uns fremd. Nicht mit Absicht, nicht mit Tränen, nicht im Streit- einfach so, weil es das Leben für uns so vorgesehen hat. Wir sind zwei Fremde, die sich einmal gut kannten. So gut, dass wir heute beide wissen, dass uns nur die Erinnerung von damals verbindet. Wir kennen uns nur noch von früher. Heute sehen wir uns zum ersten Mal wieder, tauschen uns aus, reden und doch wissen wir beide, wir sind heute kein Wir mehr. Wir kennen uns nicht mehr und können keinen Zugang zum Leben des anderen finden.

Kurz fragen wir uns, ob wir zu zeitig aufgegeben haben.

Aber wir wissen, wir hatten unsere Chancen. Wir haben sie genutzt. Wir haben beide unser Bestes gegeben, aber es hat nicht ausgereicht. Wir beide konnten die Verbindung zwischen uns nicht mehr finden, an die Gedanken von damals anknüpfen und neu anfangen. Manchmal werden ohne einen wirklichen Grund aus Freundinnen Fremde. Wir sind uns beide nicht böse, nachtragend oder trauern der Zeit hinterher. Denn so wie wir jetzt sind, sind wir wunderbar, nur nicht mehr zusammen. Wir teilen keine Gedanken mehr, wir teilen nur die Gewissheit, dass es dem anderen gut gehen wird. Wir haben uns für ein Leben ohne den anderen entschieden.

 Was macht Freundschaften aus?
Früher war ich der festen Überzeugung eine Freundschaft müsse alles überstehen. Sie muss ewig halten, sie muss jeder Hürde und jedem Sturm standhalten. Heute weiß ich, dass man sich manchmal im passenden Moment trifft. Es läuft alles nach Plan, es funktioniert für genau diesen Lebensabschnitt für beide Seiten. Ein Moment, den diese Verbindung gebraucht hat, eine Begegnung die nur jetzt funktioniert und später keinen Sinn mehr ergeben wird. Wenn wir uns verändern, wenn wir uns verabschieden oder wenn wir einen Neuanfang wagen kann es manchmal sein, dass wir Menschen verlieren. Aber nicht weil wir schuldig sind, nicht weil wir uns falsch verhalten haben, sondern einfach nur weil sich zwei Leben in unterschiedliche Richtungen entwickeln und es einfach nicht mehr passt. Wenn aus Freundinnen Fremde werden, ist das ein ganz normaler Prozess. Nicht jede Freundschaft ist für die Ewigkeit gemacht, wir sollten sie dennoch in guter Erinnerung behalten. Diese Zeit war richtig, genau so wie sie war.

Ich wünsche dir alles Gute, ich weiß du mir auch.

Kommentare

17 Kommentare zu “We said goodbye – Aus Freundinnen werden Fremde”
  1. Sophia sagt:

    Oh mir kommen die Tränen und ich kann behaupten von mir, dass das so gut wie nie passiert bei Texten von Bloggern. Nur bei traurigen Tiervideos!

    Aber du bringst es auf den Punkt. Diese Gewissheit ist traurig und du umreißt es genau, ohne dabei kitschig und sentimental zu werden! Danke dafür!

  2. Nicci sagt:

    Wirklich ein wunderschöner Text! In dem so viel Wahrheit steckt und ich denke jeder kann sich damit gut identifizieren. Manchmal muss es einfach so sein und man muss sich damit abfinden, dass es nun leider so gekommen ist. Wie sagt man so schön : So ist das Leben.

    Du hast eine sehr schöne Art zu schreiben. Ich hab es wirklich genoßen diesen Text zu lesen und nebenbei zu nicken, weil so viel Wahrheit drin steckt.

    Liebe Grüße
    Nicci von http://www.gossip-gaga.blogspot.de

  3. Bozena sagt:

    Sehr schöner Text und sehr schön geschrieben. Das trifft wirklich das Herz ❤️.

  4. Danke für diesen Post. Er kommt gerade zur richtigen Zeit, denn ich bin auch gerade in dieser Situation mit einer sehr guten Freundin. Du hat meine Sichtweise verändert, ich dachte bisher auch immer, gute Freundschaften müssen ewig währen. So kann ich nun für mich selbst einfacher Abschied nehmen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
    Danke!
    Liebste Grüße von Ines

  5. PetissaPan sagt:

    Liebes Zukkermädchen,
    ein schöner Artikel von dir, mit einem Thema, das niemals aus der Mode kommt. Im zweitletzten Satz bringst du dann auch alles auf einen Punkt, der ebenso realistisch wie auch gut ist, – und es ist gut wie es ist: Manche Freundschaften sind eben nicht für die Ewigkeit bestimmt. Dafür werden manche immer intensiver. Und andere bilden sich neu. C’est La vie. La vie est beau. 🙂 Merci!

  6. LIsa sagt:

    Du hast das Ganze wirklich gut beschrieben. Es ist wirklich schade um die Freundschaft, die man mal hatte aber man findet einfach keinen Zugang mehr zum anderen und man hat sich entfremdet. Ein schleichender Prozess ohne großen Knall und deshalb meist um so trauriger.

  7. Luise sagt:

    Großartig Franzi! Toll geschrieben. Danke dafür.

  8. Marie sagt:

    Ein toller Text! Ich hatte das auch, dass ich mich von einer sehr guten Freundin auseinandergelebt habe. Momentan versuchen wir wieder zueinander zu finden und wollen uns wieder öfter treffen. Aber ich kann deine Gedanken im Text sehr gut nachempfinden.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag Abend!
    Liebste Grüße

    Marie
    http://www.whatiwearinlondon.com

  9. Lisa sagt:

    Ohje Ohje…. ich kann mich da rein fühlen. Ich finde es immer total schwer jemanden dann wirklich gehen zu lassen ohne nicht immer einen Kloss im Hals zu haben oder doch noch einen Rückzieher zu machen…

    Grüße
    Lisa

  10. Tatjana sagt:

    Liebe Franzi, ein so tolles Thema und kein oberflächliches Bla Bla<3 ich habe auch die Erfahrung gemacht, es ist in unserem Alter auch "Arbeit" eine Freundschaft zu erhalten und definitiv nicht mehr so easy wie in der Schulzeit. Jeder hat sein Leben ggf. seine Familie, lernt neue Leute kennen, man sieht sie weniger…aber ich habe 4 beste Freundinnen, wo ich weiß es ist hoffentlich für immer und da ist es dann gar keine Arbeit mehr :-). Mit meiner Ex-besten Freudin war es so und wir gingen nach 16/17 Jahren getrennte Wege, man versteht sich noch gut, aber hat eben kein gemeinsame Gegenwart mehr…Kussi Tatjana

  11. Marion sagt:

    Sehr schöner und vor allem sehr berührender Text. Ich kenne dieses Gefühl sehr gut, wenn man sich von einer liebgewonnenen Person trennen muss. Das gehört mit zu den großen Enttäuschungen des Lebens durch die wir hindurch müssen. Vielleicht stimmt es ja, dass sich eine neue Tür öffnet wenn sich die alte geschlossen hat.

    Liebe Grüße, Barbarella ♥

    https://barbarella149.wordpress.com

  12. J. sagt:

    Liebe Franzi,
    das hast du so toll geschrieben. Es kam gerade wahrscheinlich im richtigen Moment.
    Seit fast einem Jahr habe ich keinen Kontakt mehr zu einer damals sehr guten Freundin, die mir „zum Schluss“ noch durch eine wahnsinnig schwere Zeit geholfen hat. Bis dahin kannten wir uns 6 Jahre und waren eigentlich unzertrennlich. Und auf einmal puff – weg.
    Zwischendurch, gerade in letzter Zeit, bin ich immer mal wieder ziemlich traurig darüber. Ich denke dein Text hilft mir dabei, das Ganze mal aus einer anderen Sicht zu sehen.
    Danke!

  13. Iris sagt:

    Ich kenne das nur zu gut, wenn Freundschaften sich im Sand verlaufen, weil sich die Leben eben in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Irgendwie versucht man daran festzuhalten, aber manchmal funktioniert es einfach nicht. Es ist schade, wenn man sich dann doch irgendwann mal wieder über den Weg läuft, und man merkt, dass man sich irgendwie nichts mehr zu sagen hat. Nicht weil böses Blut geflossen ist, sondern weil einfach der Zugang zueinander fehlt.

  14. Svenja sagt:

    Es zerreißt mir das Herz, weil ich andere und mich darin wieder finde. Ich bin nicht gut darin solche Dinge zu akzeptieren und Abschied zu nehmen. Es schmerzt und so wird es auch bleiben.

  15. Katharina sagt:

    Da sprichst du etwas sehr Wahres aus! Ich hatte zu Schulzeiten Freunde und Freundinnen, bei denen habe ich gedacht, wir verlieren uns nie aus den Augen, bleiben immer zusammen, immer in Kontakt, stehen uns immer bei. Und dann kam eben das Leben dazwischen. Studium in einer fremden Stadt und ich blieb hier. Neue Freunde, neues Leben. Da war keine böse Absicht, kein Streit oder Missgunst. Einfach keine gemeinsame Schnittstelle mehr. Das macht mich zwar manchmal wirklich traurig, weil ich diese Menschen in so mancher Situation gern an meiner Seite gewusst hätte und doch ist es auch so gegangen. Uns ist es gut gegangen.
    Wir sollten eben nicht aus allem ein Drama machen und den Dingen öfter mal ihren Lauf lassen.
    Lieben Gruß
    Katharina
    Some Kind of Fashion

  16. Holly_Holster sagt:

    Fast vier Monate ist es her, dass meine längste Freundschaft zerbrach. Eigentlich schon länger angebahnt, hatte ich da endlich den Mut, es anzusprechen und Arbeit an der Freundschaft zu erbitten. Beiderseits.
    Die Antwort war nett, bei längerem Überlegen, eher eine Ausflucht und Faulheit. Ich bin gekränkt, dass so viele Jahre so schnell aufgegeben werden, ohne ein Wort (hätte ich nicht gefragt). Mir fällt es noch sehr schwer, sie schönen Seiten zu sehen. Noch fühle ich eher Frust, aber auch Erleichterung, dass endlich Klarheit herrscht.

    Danke für den tollen Text. Ich arbeite an meiner Sicht der Dinge.

  17. Laura sagt:

    Vielen lieben Dank für deinen Text. Ich habe ihn gern gelesen.. Bevor ich ihn jedoch gelesen habe und nur den Titel kannte, habe ich mir schon gedacht, dass es wahrscheinlich um eine ging, die Mann und Kinder bekam und die andere nicht.. Ich glaube diese Phase ist auch ein Lebensabschnitt, den man versuchen sollte mit guten Freundinnen zu schaffen, weil auch dies eben ein Lebensabschnitt ist, der irgendwann weniger intensiv ist als zu Beginn mit kleinen Kindern. Ich glaube, man nähert sich später wieder an und die Leben fangen an sich wieder mehr zu ähneln… wenn man es denn möchte.

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