Kolumne

Ist es ok jemanden eine Abfuhr zu erteilen, weil er nicht studiert hat?

24. September 2017 • 29 Kommentare

Ich packe das was euch beschäftigt gern in einen Post. Eure Fragen werden oft schon in den Kommentaren von mir beantwortet, manchmal beansprucht eine Frage einen ganzen Blogpost für sich.

„Liebe Frances, Franzi? Blöde Frage, aber vielleicht bekomme ich einen Tipp von dir. Ich mag deine Kolumnen sehr, die Art wie du schreibst gefällt mir. Daher dachte ich mir, ich stelle dir einmal eine persönliche Frage.  Ich bin auf der Suche nach einem Partner, aber ich habe bestimmte Vorstellungen. Ist es ok, wenn ich jemandem eine Abfuhr erteile, weil er nicht in mein Raster passt? Ich habe ein Date verneint, weil er nicht studiert hat. Ich möchte auf Augenhöhe lieben. Ich erwarte, dass er auch an seine Zukunft denkt und wir alle wissen doch: Ohne Studium kommt man heute nicht all zu weit.
Ich wäre dankbar für deine Meinung. Allerliebste Grüße Julia.“

Diese Frage hätte ich ehrlicherweise nicht erwartet. Ich wusste schon bei den ersten Zeilen der Frage, was ich dir sofort bei einem Kaffee und ohne blumige Umschreibungen sagen würde : Du solltest diesem Menschen eine Chance geben. Ich habe versucht mich in dich hineinzudenken und deine Bewegründe zu entdecken, um die Frage zu verstehen. Vielleicht steckt hinter deiner Ablehnung viel mehr als wir beide vermuten.

Es könnte etwas mit dem Status eines Menschen zu tun haben.

Ja, klar heißt es heute nur noch in den seltensten Fällen „mein Haus, mein Auto, meine Frau“. Protzen ist auch eher so 90er! Dennoch gibt es so etwas wie ein heimliches Ideal in unserer Gesellschaft: Die Vorstellung von einem Menschen, der es geschafft hat und der seinen Weg geht. Egal ob Mann oder Frau, der Mensch den wir bewundern bringt Karriere, Bildung, Familie und ein gutes Lebensgefühl unter einen Hut. Vielleicht gibt es Gründe die dich dazu bewegen, jemanden schon bevor er überhaupt etwas von sich erzählen konnte, eine Absage zu erteilen. Möglicherweise weil du selbst nicht so genau weißt, was dein passender Lebenswunsch sein könnte.

Ist es das liebe Geld?

Würdest du vielleicht gern eine Familie gründen und dir mehr Sicherheit für ein kleines unschuldiges Wesen wünschen? Familiengründung ist für viele heute eine Lebensentscheidung, die alles verändern kann. Wer bleibt zu Hause? Haben beide sichere Jobs? Größere Wohnung, Kitaplatz, Großeltern in der Nähe, Haus bauen, vielleicht Hochzeit? Größeres Auto, neue Stadt? Elternzeit oder Teilzeit für beide, oder geht es nur für einen Partner, oder müssen beide wieder so schnell wie möglich arbeiten?

Zu einem gewissen Teil verstehe ich die Sorge, da für viele Berufe heute schon Wissen, Können und Abschlüsse eingefordert werden. Grundvoraussetzung Studium. In vielen Bereichen gibt es mit Universitätsabschluss mehr Gehalt, mehr Sicherheit, mehr Flexibilität und mehr Lebensqualität. Denken wir …

Ist es die gleiche Ebene?

Bist du Studentin, die sich gern über politische Themen austauscht, aktiv lernt, sich weiterbildet und sich immer wieder austauschen möchte? Du willst dich weiterentwickeln und eine Liebe auf Augenhöhe an deiner Seite wissen? Du möchtest nicht den Respekt verlieren, deinen Partner ernst nehmen und ihn für seine beruflichen und privaten Erfolge schätzen?

Die Liebe funktioniert nur, wenn wir uns gegenseitig respektieren. Ein Gefälle und eine grundlegend andere Einstellung zu essentiellen Themen kann einer Beziehung Spannung geben und sie so immer wieder neu erfinden, sie aber auch sprengen. Irgendwann kann dann Liebe auch zur Abneigung umschlagen. Für beide ist das die reinste Qual und der, der nicht mehr geschätzt wird, wird nie fair behandelt.

Ist es der Ruf?

Wer Abitur hat, der kann auch was. Wer studiert hat, ist die perfekte Partie. Vielleicht sehnst du dich nach Anerkennung und willst diese über eine andere Person erhalten? Macht dich sein Werdegang zu einem besseren Menschen und wertet dich gleichzeitig auf? Bist du dann vielleicht besser? Gehörst du dann zu einem bestimmten Kreis von Menschen, wirst du von deinem Umfeld anders wahrgenommen? So kannst du vielleicht zeigen, wer du gern sein willst.

Klingt unlogisch, aber wir alle wollten irgendwann einmal zu irgendetwas dazugehören. Vielleicht ist es das Leben, was von außen betrachtet so perfekt und glücklich erscheint. Wenn der Mann ein Bild erfüllt, das von der Gesellschaft als „Guter Fang“ eingeschätzt wird und andere dich darum beneiden, kannst du dich besser fühlen. Das kann dir ein gutes Gefühl geben. Aber ob das anhält?

Ich konnte keinen wirklichen Grund für mich finden, warum du einem nicht studierten Mann keine Chance geben willst, dich kennenzulernen.

Was sagt ein Abschluss über einen Menschen aus? Was kann dir ein Blatt Papier erzählen? Dass er gut auswendig lernen kann oder dass er vielleicht lieber gleich arbeiten wollte, anstatt die Schulbank gegen den Hörsaal einzutauschen? Dass er nicht die finanziellen Möglichkeiten hatte, um sich ein Vollzeitstudium leisten zu können? Dass er seine Berufung schon längst gefunden hat? Dass er keine Lust auf das Studentenleben hatte oder dass er vielleicht später studieren wird? Mehr Raum für Spekulationen sollte man dem Ganzen eigentlich nicht geben. Für mich hat Liebe nie etwas mit Bildung oder Herkunft zu tun. Du verliebst dich nicht in einen Abschluss oder Titel, sondern in einen Menschen. Er kann dir so viel geben, er kann sich so oft verändern und er wird nie so sein, wie du es dir vorher erträumst.

Was soll denn bitte bei einem ersten Date schon passieren? Ob mit Studium oder ohne: Vollidioten gibt es überall, ob du gerade einen datest kann dir kein Zeugnis verraten. Trau dich und lerne Menschen kennen, nicht Abschlüsse.

Vielleicht verpasst du sonst den besten Menschen deines Lebens.

Ist es ok jemanden eine Abfuhr zu erteilen, weil er nicht studiert hat? – Nein, das finde ich nicht ok.

 

Kommentare

29 Kommentare zu “Ist es ok jemanden eine Abfuhr zu erteilen, weil er nicht studiert hat?”
  1. Sabrina sagt:

    ich möchte mich mit einem menschen unterhalten können. mit meinem partner will ich genauso über gescheites zeugs sprechen können, wie einfach nur rumalbern. wenn diese kommunikation auf augenhöhe stattfinden kann, ist es doch wurst ob er studiert hat oder nicht. mit so einem typen aus den rtl2 hartzIV sendungen käm ich nicht klar, da fehlt aber auch bedeutend mehr als das studium 😉.

  2. Nadja sagt:

    Danke für deine ausführliche Antwort auf diese Frage, die mich doch erstmal kräftig schlucken ließ, weil sie an alten Narben gekratzt hat! Für mich hast du die richtigen Worte gefunden und meine kurzzeitig aufkeimende Wut über eine derartige Oberflächlichkeit gedämmt. Genau deshalb lese ich deinen Blog so gerne… 😘

  3. Jenny sagt:

    Ich finde diesen Kommentar ziemlich unpassend! Die meisten Menschen auf die jeder von uns irgendwann zählt haben nicht studiert! Polizisten, Hebammen, Krankenschwestern, Köche, Maurer… die Liste geht endlos weiter und ich finde es unverschämt all diese Berufsgruppen über einen Kamm zu scheren und als „nicht auf Augenhöhe“ zu bezeichnen. Unfassbar!

    • Julia sagt:

      Da muss ich voll und ganz zustimmen. Was sagt den bitte ein Studium über die Intelligenz oder den Charakter eines Menschen aus? Rein gar nichts!! Und das sage ich hier selbst als Studentin die tagtäglich mit Obernullen konfrontiert ist, die denken sie wären etwas Besseres. Wer so denkt hat im Leben etwas nicht begriffen! (Franzi nichts gegen dich, aber diese Julia gehört mal einen Tag lang auf den Bau oder ins Krankenhaus zum arbeiten geschickt!)

      • Isabell sagt:

        Kann eure beiden Kommentare so voll und ganz unterschreiben.
        Ich kenne sehr viele Leute, die es trotz fehlendem Studium (oder gerade deswegen?) weit gebracht haben und/oder einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren unserer Gesellschaft leisten. Mittlerweile habe ich fast noch mehr Studierte getroffen, die einfach nichts vom wahren Leben begreifen.
        Dieser Akademisierungs-Wahnsinn macht mich stellenweise wirklich wütend.

  4. Alexandra sagt:

    Hi Franzi,

    Ich denke jeder hat ein bestimmtes Raster, wo einige sicherlich auch sehr oberflächliche Must Haves inkludieren, weil sie oft als Synonyme für bestimmte Wünsche an einen Partner genutzt werden (intelligent weil Studium, sportlich weil athletisch etc.)

    Mit den Jahren (ich gehe einfach mal davon aus, dass die Leserin noch sehr jung war) merkt man, dass diese bei der Partnerwahl nicht helfen sondern einem viel mehr die Möglichkeit nehmen, Personen unvoreingenommen kennen zu lernen.

    Am Ende sagt kein Titel, ob man intelligent ist. Man kann sich unabhängig vom Abschluss über vieles unterhalten und vor allem auch über vieles gemeinsam lachen.

    Mit den Jahren haben sich für mich wichtige Punkte bei einer Person (nicht nur beschränkt auf einen Partner, sondern auf jede Person, die ich in mein Leben lasse) viel mehr auf die inneren Werte fokussiert: Humor (vor allem auch Ironie/Sarkasmus), Respekt, Ehrlichkeit, Gutmütigkeit und ein allgemeines Interesse an der Welt.

    LG Alexandra

  5. Charli sagt:

    Ich kann gar nicht glauben, dass sich jemand so eine Frage wirklich selbst stellt und bin ehrlich überrascht, dass man diese dann auch noch an einen Dritten richtet. Aber Fragen sagen ja sehr viel über den Fragesteller bzw. in diesem Fall über die Fragestellerin aus.
    Da bin ich aber dankbar, dass meine Eltern mich dazu erzogen haben, jedem Menschen erst einmal mit Respekt zu begegnen und nicht mit der Frage nach dem Bildungsstand. Ich finde das wirklich unglaublich und das auch schon als Teenager. Hoffentlich gehören diese Art Fragen nicht zum Erwachsenwerden dazu.

    LG Charli von https://frischgelesen.de

  6. Lea sagt:

    Also den Satz „Ich erwarte, dass er auch an seine Zukunft denkt und wir alle wissen doch: Ohne Studium kommt man heute nicht all zu weit.“ finde ich unmöglich. Es ist auch schon in Kommentaren vor mir angesprochen worden: Es gibt wahrscheinlich mehr „wichtige“ (im Sinne für nützlich für die gesamte Gesellschaft) Berufe, die durch eine Ausbildung ermöglicht werden, als durch ein Studium. Ich finde es total schrecklich, dass Ausbildungen so abgewertet werden. Mit einer Ausbildung ist man meines Erachtens tausendmal besser dran, als mit einem mittelmäßigen Studium. Und das sag ich mit einem abgeschlossenen Studium. Alles hat seine Berechtigung, aber die Schreiberin dieses Kommentars sollte sich mal fragen, wer ihr in Zukunft ihr Haus bauen wird, wer ihre Kinder betreut und wer ihr Essen anbaut, besorgt, verkauft etc.
    Und dass all dies NICHTS mit der Partnerwahl zu tun hat, ist ja wohl mal superlogisch?!

  7. Catharina sagt:

    Waaas deswegen ne Abfuhr? Das wäre hart. 🙁 Weil der Mensch ja trotzdem „etwas reißen“ kann im Leben. Man bezieht ja vieles auch auf sich: ich zB habe viele Lizenzen und ein Fernstudium, mein Psycho Studium abgebrochen – also eigtl nichts richtiges in der Tasche und bin trotzdem erfolgreich (würde ich jetzt mal so sagen 😜 Personal Coach und nun Blogger). Ich habe immer gute Positionen und Jobs bekommen, weil ich mich gut verkaufen kann und das zählt doch. Mein Freund hat glaube ich alles an Bildung inklusive Elite Uni, was geht – er ist natürlich erfolgreich, aber auch extrem fleißig. Ich finde es wichtig, das man vom Mensch her zusammen passt. Beide der Unternehmer-Typ, beide ruhig, lieber angestellt etc. 💕 Bzw. dass man ein Team ergibt. Dich unterstützt. Es kann auch einer das Geld heimbringen, wenn der andere ihm/ihr den Rücken freihält. Das sind Werte, die für mich zählen. Der Kommentar zeigt mir eher, dass sie Angst um ihre Zukunft hat und sich auf den Mann verlassen und ihre Angst evtl abwälzen möchte oder Angst hat, sich um ihn kümmern zu müssen. Am Ende muss man sich selbst glücklich machen. Der Partner ist dann die Kirsche auf der Torte und damit Bonus ! Liebe Grüße, Catharina

  8. Alice sagt:

    Liebe Franziska, ich mag deine Blogposts sehr gerne. Mich haben deine Worte aufgemuntert, da ich oft an mir zweifle, da ich kein Studium hab und nur eine Berufsausbildung. Mir kam da meine Gesundheit leider dazwischen. Aber wer sich den Tag ruinieren möchte, fängt an sich zu vergleichen 😉
    Ich weis wer ich bin und ich lerne gerne. Wer weis was ich noch alles mache? Aber ohne meinen Partner, wäre ich heute nicht da wo ich trotz allem bin.

    Alles liebe

  9. Alina sagt:

    Es ist schon ziemlich erschreckend,dass Frauen,die Ansprüche stellen,Arroganz vorgeworfen wird. Jeder Mensch hat das Recht darauf,sich seinen Partner und sogar sein 2-Stunden-Date nach seinem Geschmack auszusuchen. Ich würde niemals einen Fleischesser daten. So what? Mädels,unterstützt euch endlich anstatt ständig die größten Kritikerinnen zu sein!

    • Melina sagt:

      Liebe Alina,
      hier geht es nicht um Freude an Zickereien oder Lästereien. Und auch nicht um Ansprüche, wie du es formulierst. Ansprüche sind wichtig, daran rüttelt keiner.

      Aber hier geht es um Grundwerte. Niemand hat je angezweifelt, dass die Fragestellerin nicht selbst entscheiden dürfe, wen sie datet. Es wurden lediglich ihre Motive infrage gestellt und ja, es ist voreingenommen und oberflächlich, jemandem, der nicht studiert hat, Desinteresse an seiner eigenen Zukunft zu attestieren. Ich führe das auf mangelnde Lebenserfahrung zurück und bin froh, dass sie wenigstens nachfragt. Zeigt zumindest die Bereitschaft, sich etwas sagen zu lassen. 😉

      Liebe Grüße,
      Melina

    • Lea sagt:

      Ansprüche stellen ist doch hier gar kein Problem. Jeder sollte Ansprüche stellen (dürfen): an sich und an den Partner.
      Die Frage ist doch, warum hier Studium gleichgesetzt wird mit Erfolg und eine Ausbildung abgewertet wird: „… weil er nicht studiert hat. Ich möchte auf Augenhöhe lieben. Ich erwarte, dass er auch an seine Zukunft denkt. …“ Das sagt doch aus, dass eine Ausbildung weniger wert erscheint, als ein Studium, was so pauschalisiert Quatsch ist.

  10. Carola sagt:

    Ein Thema, dass die Gemüter erregt! Im Grunde ist das natürlich wahnsinnig oberflächlich. Andererseits ist es halt auch oft so, dass man sich nur für die „eigenen“ Themen interessiert.
    Natürlich sind Berufe wie Koch, Krankenschwester, etc. Absolut wichtig und ehrenwerte Berufe.
    Wenn man jetzt vl ein studierter Physiker ist, sind vermutlich der Alltag und die Interessensfelder total unterschiedlich.
    Das ist absolut nicht wertend aber ich selbst könnte mir auch keine Beziehung mit jemanden vorstellen, der so gar nicht nachvollziehen kann was ich in der Arbeit mache. Aber das ist auch eine persönliche Einstellung. Viele wollen ja nicht über ihren Job zu hause Plaudern 🙂

  11. Jana sagt:

    Guten Morgen,
    Ich finde deine Antwort gut und sehe das auch so.
    Mein Mann und ich haben beide Abitur er hat studiert, macht jetzt aber eine Ausbildung weil er nichts gefunden hat. Ich habe eine Ausbildung.
    Diese ganze Akademisierung ist echt wahnsinn und meiner Meinung nach nicht richtig.
    Einen schönen Montag.

  12. Marion sagt:

    Liebe Franzi, du hast die perfekten Worte gefunden. Ich denke da genauso. Allerdings würde ich es auch vorziehen, dass mein Partner einen ähnlichen Intellekt hat wie ich. Ich habe auch Freundinnen mit denen ich mich z. B. bei einem Gespräch etwas schwertue, weil sie in ihrem Denken einfacher gestrickt sind. Daraus ergeben sich zu viele unterschiedliche Denkweisen, die dann oft zu Meinungsverschiedenheiten und auch Missverständnissen führen. Das möchte ich bei meinem Partner doch eher weniger erleben. Ein Studium alleine sagt aber nichts darüber aus, was für ein Mensch jemand ist. Von daher, man sollte man auch einem Menschen ohne Studium eine Chance geben und ihn nicht von vornherein verurteilen und ablehnen.

    Lieben Gruß, Barbarella ♥

    https://barbarella149.wordpress.com

  13. Federica sagt:

    Dieser Blogpost ist an Überheblichkeit echt nicht zu überbieten 😂 Es überhaupt zum Thema zu machen, dass Leute ohne Studienabschluss nicht auf der selben Augenhöhe sein könnten, ist schon unverschämt genug. „Trau dich und lerne Menschen kennen“ – Ja, da muss man schon wirklich sehr über seinen Schatten springen, sowas macht man als Studierter ja eigentlich nicht.

    • Franzi sagt:

      Meinst du jetzt mich, oder die Fragestellerin? Ich finde schon, man sollte Themen besprechen- gerade weil es so viele unterschiedliche Sichtweisen gibt. Ich verstehe nicht ganz was du sagen möchtest. Bitte mehr Infos!

      Alles Liebe

  14. Michelle sagt:

    Hey 😊
    Als ich die Frage gelesen habe, musste ich doch erstmal ziemlich schlucken. Wie kann man so oberflächlich sein?! Meine Eltern haben beide nicht studiert und trotzdem fehlte es mir an nichts in meiner Kindheit und jetzt auch nicht. Meine Eltern unterstützen mich sowohl finanziell als auch seelisch bei meinem Studium. Wir haben ein großes Grundstück, ein Haus und fahren jedes Jahr in den Urlaub. Ich verstehe es nicht wie man so oberflächlich sein kann und behaupten kann, dass man ohne Studium nichts erreicht…. Ohne Ausbildungen könnten wir unsere Kinder, nicht in den Kindergarten bringen oder im Supermarkt unsere Lebensmittel einkaufen oder oder. Da gibt es noch so viele Beispiele, wo man ohne eine Ausbildung nicht weit kommt. Es gibt halt auch Berufe, die man nur mit einer Ausbildung ausüben kann. Und dann auch noch jemanden nicht kennen lernen wollen, weil er eben „nur“ eine Ausbildung hat, finde ich mehr als oberflächlich. Eher schon unreif von der Person, die die Frage gestellt hat.

  15. Annett sagt:

    Zu diesem Beitrag fällt mir spontan eine bestimmte Partnervermittlung ein. Die haben Akademiker, aber auch Singles mit Niveau im Portfolio. 😀

  16. Alisa sagt:

    Ich kann mich nur vielen meiner Vorrednerinnen anschließen: ich bin fassungslos darüber, dass man sich so eine Frage überhaupt stellt. Wie kann man nur davon ausgehen, dass Studierende automatisch intelligenter sind als Nichtstudierende?! Und was bitte hat es mit „Ansprüchen“ zutun, wenn man nur einen Student daten möchte? Es ist natürlich vollkommen ok, wenn man jemanden treffen möchte, der mit einem selbst auf Augenhöhe ist, aber sowas davon abhängig zu machen, ob derjenige studiert hat oder nicht, Oh Jesus, da bin ich echt sprachlos.
    Und auch den zukünftigen beruflichen Erfolg davon abhängig zu machen, ist auch totaler Schwachsinn, es gibt eine Menge Studiengänge, mit denen man nach Abschluss kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat. Da sind viele die „nur“ eine Ausbildung gemacht haben besser gestellt 😉

  17. Maura sagt:

    Zunächst mal lautet die Antwort ganz klar: Nein, es ist nicht okay!

    Das, was sich eigentlich hinter dieser Frage verbrigt, lässt sich meiner Meinung nach trotzdem nicht so leicht vom Tisch wischen.
    Ich kenne diese Diskussion auch aus meinem Umfeld: Selbst wenn man sagen will, dass ein Studium einen Menschen eben nicht per se zu einem „besseren“ Partner macht, wirkt das Gesagte über jemanden, der nicht studiert hat, vielfach trotzdem von oben herab (oft sicherlich ohne das überhaupt so zu meinen – das ändert nichts am Ergebnis). Aber für mich liest sich vieles schon fast als Rechtfertigungen, wenn über jemanden gesprochen wird, der „nur“ eine Ausbildung gemacht hat und was er dann „trotzdem“ erreicht hat. Diese Argumentation schon geht in eine Richtung, als müssten „Nicht-Studierte“ tatsächlich erstmal beweisen, dass sie nicht unterlegen sind.

    Und diejendigen, die der Fragestellerin direkt Oberflächlichkeit oder dergleichen vorwerfen: Ja, kann man natürlich an der Fragestellerin auslassen. Aber es zeigt vielmehr, was hier in der Gesellschaft für Denkmuster existieren. Nun, wer kann sich wirklich davon freisprechen, für das, was man tut, nicht auch Anerkennung von anderen bekommen zu wollen (ich würde mal vermuten: Die wenigsten, wenn sie ehrlich sind)?
    Das Schlimme an der Sache ist, dass es sich gesellschaftlich durchgesetzt hat, mit Abschlüssen oder Titeln vermeintlich (!) einen Maßstab gefunden zu haben, an dem man sich und andere einordnen und vergleichen kann. Und niemand steht da gerne „unten“ und das gilt dann auch für einen potentiellen Partner. Dass ein Abschluss trotzdem keine Garantie für irgendwas ist, weder für tolle Zukunftsaussichten, Geld, Sicherheit, wird gerne ignoriert.

    Was die Sache noch schwieriger macht, dass gerne die „Augenhöhe“ bemüht wird („möchte mich über das gleiche mit dem Partner unterhalten können usw“) und damit dann vermischt wird, dass es natürlich an einer Universität unbestritten jede Menge intelligente Menschen gibt, mit denen man das kann. Als Gegenpol der bildungsresistente RTL2 Proll erwähnt, der den ganzen Tag nur vorm TV sitzt und nicht mal seinen Namen fehlerfrei schreiben kann.
    Dass die Wahrheit aber nicht nur aus dieser Konstruktion besteht „Studium = schlau, erfolgreich, toll“ und der „Rest = naja, aus dem kann ja trotzdem was werden“, könnte vielleicht bei der Partnerwahl ganz neue Perspektiven eröffnen. Zumal man sich ja gerne (so wie die Fragestellerin offenkundig) selbst als was ganz besonderes sieht und sich bei der Gelegenheit selbst mal fragen könnte, ob man sich diese Anspruchshaltung überhaupt erlauben kann.

  18. Lolli sagt:

    Ich finde deine Antwort toll aber die Frage finde ich doch eher unangebracht. In einer Zeit in der jeder nur noch studieren will, werden Leute mit einer Ausbildung zu Partnern die einem nicht auf Augenhöhe begegnen können? Mein Partner hat nicht studiert und ich würde ihn niemals dafür verurteilen. Vielmehr liebe ich es, dass er handwerklich begabt ist. Was kann ich denn besser mit meinem Studium? Nicht jeder hat die gleichen Hintergründe und die selbe Unterstützung eines Elternhauses. Meinem Freund war es nicht möglich und liebe Julia, er verdient mehr als ich 😉 Wir sind ein perfektes Paar! Er baut Möbel im Handundrehen auf und wenn er mich fragt, ob da nun ein Komma hin kommt oder nicht, dann bin ich gefragt. Übrigens kennt er sich auch in er Politik aus und diskutieren kann ich mit ihm wunderbar. Tauschen? Niemals! Für mich lieber Blauman als Anzug!

  19. Janine sagt:

    Meine Frage richtet sich an deine Fragestellerin – was bietest du denn Julia? Wer solche hoch gesteckten Ansprüche hat, muss diese erst mal selbst einem gegenüber darlegen!

  20. *Sarah* sagt:

    Liebe Franzi,
    toll, dass du ein solches Thema aufgreifst und thematisierst.

    Ich habe jedoch dem ganzen noch eine andere „Nuance“ hinzuzufügen. Neben den bereits aufgeführten Argumenten, Meinungen und Sichtweisen finde ich sollte man mal durchdenken was passiert, wenn jeder diesen Anspruch hätte.
    Dann würde es Unmengen Architekten geben, aber keine Maurer die das Haus bauen. Es würde viele Ärzte geben, aber niemand der sich um die Patienten kümmert.
    Und überhaupt – was ist mit den Menschen die ihren Job ergreifen weil sie ihn lieben und dafür aber nicht studieren müssen? Ein Schreiner, der deine Möbel designt. Oder der Florist, der das Grün und die Blumen in deine Wohnung bringt?
    Wer säubert die Straßen oder baut dein Auto?

    Ich glaube jedoch auch, dass ein solch verqueres Weltbild und der Anspruch an ein Studium aus dem Elternhaus stammt. Und anerzogen wurde / wird. Und das schlimmste an diesem Anspruchsdenken vom Elternhaus ist doch die Tatsache, dass man in seinem studierten Beruf auch unglücklich sein kann. Und möchte ich einen unglücklich studierten Partner oder einen glücklichen, ausgeglichenen Partner, der das aber vielleicht „nur“ mit Ausbildung ist? (Ich habe bewusst jetzt nur die beiden Extreme genannt, man kann selbstverständlich auch Studiert und glücklich oder mit Ausbildung unglücklich sein!)

    Das Problem der „heutigen Jugend“ ist, dass kein Grau mehr gibt. Kein „Du bist ok wie du bist“. Entweder werden die Loser zu Königen erklärt (man schaue sich die Möchtegern-Teilnehmer zb beim Supertalent an!) oder die, die was leisten, werden dafür noch runtergemacht / bestraft aber seltenst gewürdigt. In Zeiten in denen man aus keinem Talent Millionen rausholen kann (Kim K. ) muss der Standard-Mensch eigentlich wieder viel mehr geerdet werden. Denn die Kluft zwischen „Ich kann nichts, feier mich dafür und gib mir Geld“ und „Ich habe studiert, bete mich an, ich stehe über den Dingen“ gibt kaum noch Raum für normale Menschen. Und sind wir das nicht alle? Ganz normale Menschen mit dem einfachen Anspruch an das eigene Glück?

    Sarah

  21. Leni sagt:

    Liebe Franzi,
    an sich kann ich dir nur zustimmen, ob jemand studiert oder nicht, das macht den Menschen weder besser noch schlechter. Vor allem nach dem Studium ist das oft vollkommen egal, auf der menschlichen Ebene. Während des Studiums entwickelt man sich zwar eventuell anders weiter, als während einer Ausbildung, aber man entwickelt sich so oder so weiter. Ich glaube, dass da menschlich das „Arbeitsumfeld“ nicht so eine große Rolle spielt.
    Allerdings finde ich, dass es in einer Beziehung schon zu einem Problem werden kann, wenn der eine Partner studiert, der andere jedoch mit einer Ausbildung startet. Oft fehlt da für den Studierenden das Verständnis. Ich habe es bei mir und auch bei einigen Bekannten mitbekommen, dass das Studium eher belächelt wurde, vor allem wenn es etwas Geisteswissenschaftliches war. Wenn nur einer in der Beziehung studiert ist man zumindest während des Studiums auf anderen Ebenen, der Student muss sich seine Lernzeit selbst einteilen, hat jedoch mehr Freiheiten, vielleicht einen Tag in der Woche frei. Der „Arbeitende“ hat seinen Tagesablauf und geht acht Stunden arbeiten, Zuhause ist er damit jedoch fertig. Das kann zu Spannungen führen.
    Ist derjenige jedoch der Richtige spricht meiner Meinung nach nichts dafür, dass die Beziehung deswegen scheitern muss. Ich meine mit dem Richtigen kann man doch irgendwie alles schaffen und alle Hindernisse überwinden.
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

  22. Jasmin sagt:

    Hallo Franzi,

    ich kommentiere ganz ganz selten mit eigenen Blogpost, vor allem da ich eigentlich gar nicht mehr schreibe grade aber da ich selbst eine Betroffene bin und „nur“ eine Ausbildung habe, hatte ich mir damals mal den Frust von der Seele geschrieben:

    https://mienzeable.wordpress.com/2016/02/23/die-sache-mit-der-ausbildung/

    Ich bin sehr froh, dass der Großteil der Mädels hier genauso denken wie ich ❤

  23. Basti sagt:

    Halli Hallo

    Ich muss sagen die Frage an sich ist schon sehr harter Tobak!
    Aber das ist leider das klassische Bild von heute!
    Ich hab einen sehr guten Job, verdiene gut kann für meine zwei Kinder sorgen. Möchte demnächst ein Haus kaufen, hab ein Diensthandy und ein Firmenwagen! Klingt nach einem der studiert hat und es im Leben mit Niveau schaffte…..

    Tja Tatsache ist ich hab das Firmenauto und verdiene gut, aber ich bin „nur“ ein dummer Hauptschüler und ich bin kackfrech und sarkastisch ohne ende, genauso hab ich ironien besucht und spreche fließend schwarzhumorig. Nichts desto trotz behauptet meine Frau ( ich glaube sie sagt das auch nur so, um mich zu beruhigen) einen liebevolleren und verständnisvolleren Menschen wie mich hat sie nie getroffen. Und sie ist froh mich zu haben! Und ja ich bin Fleischfresser um für eine meiner Vorrednern noch das Klischee zu erfüllen! Kurzum langes Märchen, kurzer Sinn. Man braucht kein Studium um auf Augenhöhe zu sein

    Sondern einfach nur gegenseiten Respekt vor dem was der andere erreichen kann. Und dann klappt das auch mit der Augenhöhe und auch mit den Interessen!
    Um ein weiteres Klischee zu erfüllen ja ich möchte beachtet werden und gelobt für das was ich schreibe ;D

  24. Morgaine sagt:

    Liebe Kommentarschreibende,

    ich denke, wir sollten generell jedem Menschen, den wir treffen, möglichst vorurteilsfrei und mit dem gleichen Respekt und Anstand begegnen. Oft können wir uns die Menschen, die uns umgeben nicht frei aussuchen, z.B. unsere Nachbarn oder unsere Arbeitskollegen, wem wir in der U-Bahn begegnet. In manchen Berufen ist es sogar besonders wichtig, alle gleich zu behandeln, z.B. als PolizistIn, ErzieherIn, in der Pflege, als Arzt/Ärztin, RichterIn, LehrerIn und bestimmt noch viele mehr, an die ich jetzt gerade nicht denke.
    Und dann gibt es Menschen in unserem Leben, bei denen wir uns aussuchen, dass wir mehr Zeit mit ihnen verbringen möchten. Zum Beispiel Freunde/innen und PartnerInnen. Gerade bei der Partnerwahl diskriminieren viele schon sehr früh nach Geschlecht. Oder auch nach Alter. Damit hat doch auch niemand ein Problem.
    Ich denke in der von Julia gestellten Frage und auch in der nachfolgenden Diskussion vermischen sich zwei oder vielleicht sogar 3 Fragen:
    1. Kann ich mir meine/n Partner/In nach eigenem Belieben aussuchen und eigene Kriterien darüber aufstellen?
    2. Was sind die richtigen Kriterien dazu?
    3. Lässt der Bildungsabschluss und die Berufsausbildung auf die Intelligenz rückschließen? (Oder so ähnlich)

    zu 1: Definitiv ja. Denn ich verbringe ja dann sehr viel Zeit mit diesem Menschen. Und egal wie kindisch, unreif oder von gesellschaftlichen Normen und Einstellungen geprägt meine Kriterien sind, wenn ich halt nicht glücklich damit sein kann, dass mein Freund kleiner ist als ich oder meine Freundin kein Abitur hat oder mein Freund bei der FDP ist (etc.), dann ist das halt so.
    zu 2: Schwierige Frage. Das muss wohl jeder für sich herausfinden bzw. reflektieren. Julia scheint das ja zu tun, sonst würde sie nicht fragen. Eine ähnlicher sozialer Hintergrund kann ein Aspekt sein.
    zu 3. Diese Frage wurde von Euch ja schon ausreichend diskutiert und beantwortet und ich schließe mich den sachlichen Aspekten der Diskussion an.

    Ich kann verstehen, dass man sich über Julias Aussage „und wir alle wissen doch: Ohne Studium kommt man oft nicht so weit.“ sehr ärgern kann, ich halte die Aussage selbst auch für nicht fundiert bzw. sachlich falsch, aber das ist doch kein Grund sich angegriffen zu fühlen oder wiederum auf die Gänze von Julias Persönlichkeit zu schließen. Weil dann tut man genau das, was man Julia gleichzeitig vorwirft: Über eine Eigenschaft bzw. in diesem Fall Aussage auf den ganzen Menschen schließen.

    Liebe Grüße,

    Morgaine

Schreibe einen Kommentar