Kolumne

Beziehungsaus und was ist dann mit uns?

10. September 2017 • 10 Kommentare

Langzeitbeziehung. Lange Zeit mit jemandem etwas teilen. Für immer und ewig? Wir kennen uns in- und auswendig. Wenn ich eine Beziehung eingehe, dann richtig. Ich war nie jemand der nur halbe Sachen macht. Zweifeln ist ok und zögern macht Sinn, aber nicht abzuwarten bis etwas passiert. Wenn ich etwas fühle muss ich es genießen, wer weiß wie lange ich noch die Chance habe. Ich sage es gerade heraus, ich spreche es an.

liebes aus Freundeskreis er hat schluss gemacht Beziehungsaus im Freundeskreis

Jetzt nicht nach dem Motto „Mit der Tür ins Haus“. Eher durch die Blume und auf den Punkt. Seltsamerweise schon immer langfristig gedacht, immer mit einem guten Fundament. Ich würde sagen: Team „Safety First“. Oder ich habe Glück und durfte einen Menschen treffen, der mich nicht mehr so schnell aus seinem Leben haben wollen. Ich vermute meine Zeit als Single würde ich genau so angehen. Denke ich. Ich wage die se These ohne feste Beweise in der Hand: Wer mehr als fünf Jahre in einer Beziehung ist, der kann sich wohl nicht mehr ganz genau vorstellen wie es ist, allein zu Bett zu gehen, sich nicht abends gegenseitig in den Schlaf zu reden, oder nicht die Gewissheit im Hinterkopf zu haben, dass da jemand auf dich wartet.

Komisch fühlt es sich an, überhaupt darüber nachzudenken wie es wäre wieder Single zu sein…

…und was ich denken, fühlen oder machen würde. Nicht weil ich es gerade fühle, nicht weil ich gerade an mir, an ihm oder dem großen Wir zweifele. Nein, eher weil im Freundeskreis Umbrüche anstehen. Alles wird anders. Alles geht einen neuen Weg und ich gebe zu, es fällt mir schwer. Das Fundament meiner Vorstellung von Liebe bröckelt. Dabei weiß ich ganz genau warum Menschen andere Menschen verlassen, sich nicht mehr lieben oder einfach verschwinden. Es fällt mir dennoch schwer das hinzunehmen, und noch schwerer einen Schlussstrich zu ziehen. Obwohl es nicht meine Beziehung ist, obwohl ich weiß, beiden geht es jetzt besser. Irgendwie sitzt man als ihre oder seine Freundin immer mit im Boot.

Irgendwie ist Schluss machen in einer Beziehung auch oft genug ein Ende von Freundschaften.

Freunde sind auch immer ein Teil der Liebe. Wenn es anfängt, wenn man sich kennenlernt, wenn man sich verliebt, wenn man sich streitet, wenn man zusammenzieht, wenn es kriselt, wenn man sich zusammenreißt, wenn man sich trennt. Auf einmal ist ein Freund oder eine Freundin einfach nicht mehr da. Verpufft, ausradiert, aus dem Bild, aus dem Leben gebeten. So schnell wie er da war, so toll wie wir uns verstanden haben, so hastig ging er und so sehr werden wir uns nie wieder sehen. Freundschaften können bestehen und Kontakt kann gehalten werden. Es kommt aber doch immer darauf an, wie man „Goodbye“ sagen musste. Manchmal möchte man als Freundin egoistisch sein und beide wieder zusammenbringen. Man wünscht sich die Abende zusammen zurück, die Gespräche und die schönen Zeiten, die heile Welt. Irgendwie geht mit dem Beziehungsaus auch immer ein Teil im Umfeld verloren. Ich würde gern die Zeit stoppen, die Liebe schnell kitten, nur damit ich wieder das Glück erfahren kann, das wir alle hatten. Natürlich ist das Unsinn. Ich habe kein Recht auf einen fairen Schlussstrich und einen ordentlichen Abschied auf Zeit zweier Menschen, mit dem ich auch leben kann.

Irgendwie ist das Schluss machen in einer Beziehung auch oft genug ein Beenden von Freundschaften.

Wir räumen seine letzten Kleinigkeiten in eine Kiste, stellen sie vor die Tür, schließen sie und trennen so die Verbindung zu ihm. Ich war lange Zeit bevor er kam mit ihr befreundet und ich werde lange Zeit nach ihm mit ihr befreundet sein. Ohne sie würden wir uns nicht kennen, ohne ihn wüsste ich nicht, wie großartig sie mit einem anderen Menschen an ihrer Seite sein kann. Ohne ihn ist es etwas ruhiger und weniger spannend. Aber irgendwann gibt es wieder einen neuen an ihrer Seite. Wieso sollte jemand eine Beziehung aufrechterhalten, nur weil sich die Freunde so gut mit ihm verstanden haben. Ja ich weiß das, aber gerade als ich die Tür schloss und den letzten Blick auf seine Sachen warf wusste ich, dass das drei ziemliche gute Jahre waren. Schade.

Hat man als Freundin Mitspracherecht bei dem Beziehungsaus der Freundin? Sollten wir heimlich oder ganz öffentlich weiter Freundschaften pflegen, die jemanden verletzen könnten?

Beziehungsaus und was ist dann mit uns?

Kommentare

10 Kommentare zu “Beziehungsaus und was ist dann mit uns?”
  1. Finja sagt:

    Ganz toller Beitrag, dein Schreibstil mal wieder große Klasse meine Liebe!💗
    Seit 5 Jahren jeden Abend mit einer Person einschlafen, wow, davon bin ich meilenweit entfernt. Frage mich wie sich sowas anfühlen muss….
    Einen schönen Sonntag!:)
    X finja – http://www.effcaa.com

  2. Kristina sagt:

    Der Inhalt deines Beitrages passt auch sehr gut zu meinem Freundeskreis. Ein „Langzeit“-Paar, mit dem wir sogar mehrere Male schon im Urlaub waren, hat sich getrennt und ich habe miterlebt, wie schwierig es ist, nicht nur einen Partner, sondern besonders die damit verbundene Freundschaft nach und nach zu verlieren. Ganz zu schweigen, dass auch ich eine gute Freundin verloren habe und viele schöne Momente, die sich nicht wiederholen lassen werden.
    Liebe Grüße ♡Kristina
    TheKontemporary

  3. sonntagsmuffel sagt:

    Schon anmaßend überhaupt auf die Idee zu kommen ,sich in die Beziehung der Freundin einmischen zu wollen, nur um seine eigenen Vorzüge daraus zu ziehen. Für mich geht immer die langjährige Freundschaft vor. Das alles wegen ein bisschen „Spannung“ aufs Spiel zu setzen, widerstrebt mir. Ich glaube wenn man schon den Gedanken hat, die eigene freundin sei partnerlos nicht mehr so aufregend, sollte man in sich gehen und sich fragen, wie viel einem die Freundschaft überhaupt noch wert ist…

    • Franzi sagt:

      Bestimmt auch, aber immer wenn jemand geht oder gehen muss- sind eben auch andere Gefühle da. Wie im Text auch deutlich wird, sie wird immer wichtiger sein, es geht nur um das Gefühl wenn etwas zu Ende ist. Ist das anmaßend? Ist das endgültig? Nein, nur für seine Gefühle kann niemand etwas und man sollte sie lieber ansprechen, als dafür verurteilt werden. Ich würde erst an einer Freundschaft zweifeln, wenn es mir nicht gestattet wäre, jemanden kurz zu vermissen. Weil er ein toller Mensch war und ist. Aber ich weigere mich zu glauben, dass man nie zweifelt und nie jemanden vermissen wird, auch wenn man die Freundschaft nicht mehr aufrecht erhalten kann. Vielleicht ist es anmaßend zu glauben, wenn Schluss ist, wird die Person von niemanden mehr vermisst? Für mich sind die Gefühle nachvollziehbar und natürlich würde sich niemand einmischen wollen, nur manchmal wünscht man sich eben, dass alles wieder gut ist … einfach auf Grund der tollen Zeit. Macht das Sinn?

      Alles Liebe

      Alles Liebe

  4. Conny sagt:

    Nach 21 Jahren trennten sich Freunde von mir. Wir dachten, sie würden für ewig zusammen bleiben. Das war ein Schock. Für alle. Es war eine erste schwere Zeit. Ich bleibe mit beiden befreundet. Da gibt es kein Wenn und Aber. Da gibt es auch keine Diskussion. Da ist es mir persönlich wumpe, ob sich einer der beiden dran stören würde. Wir sind erwachsen. Ich mag beide. Ende Aus.

    Als ich 16 war, lernte ich das Paar kennen. Es waren die engsten Freunde meines damaligen Partners. Nachdem sich dieser von mir trennte, blieben sie mit mir befreundet. Warum auch nicht? Wenn man jemanden mag, ist das unabhängig seines Beziehungsstatus zu jemand anderem.

    Natürlich kann das gemeinsam zusammen sitzen dann fehlen. Es wird anders. Aber so ist es doch im Leben stets. Es verändert sich, unaufhaltsam stets alles um einen herum. Reite die Welle, wie sie kommt. Wir sind die Entscheider, wie wir auf dem Surfbrett dastehen. 🙂

  5. LIsa sagt:

    Ich denke das kommt wirklich immer drauf an, wie eine Beziehung auseinander gegangen ist. Wir treffen uns trotzdem noch mit gemeinsamen Freunden von uns (auch zusammen), weil das für uns okay ist und weil wir uns auch nach Ende unserer Beziehung noch ganz gut verstehen.

  6. Perpetua sagt:

    Das schöne am Leben ist doch, dass es immer auch mit Veränderungen verbunden ist. Und gerade die Tatsache, dass wir nicht wissen wie lange unser Glück anhält, macht es doch so schön und spannend. Nach dem Motto: Gäbe es den Tod nicht, wäre das Leben nicht so lebenswert. Ich empfinde das Leben als eine Aneinanderreihung von Momenten. Die schönen Momente und damit verbundenen Erinnerungen kann man mir nicht mehr nehmen. Die weniger schönen Erinnerungen, machen die Schönen nur noch ein Stück schöner. Klar sind Trennungen traurig und oft schwer. Aber man weiß nie, ob nicht etwas besseres nachkommt 🙂

  7. Vera sagt:

    „Ich bin nicht jemand anders.“ Nur weil ich diesen Menschen nicht mehr sehen kann, enttäuscht bin, traurig, wütend, warum diese Beziehung auch immer auseinander ging, wieso solltest Du nicht weiter mit ihm befreundet sein? Wenn das für ihn auch ok ist… ICH habe doch jetzt ein Problem mit ihm, nicht Du. Ja, vielleicht gibt es nicht mehr diese gemeinsamen Abende, aber warum sollte ich was dagegen haben, wenn ihr Euch ohne mich weiter trefft?
    Ich hatte einen Freund, es hat nicht geklappt, er kannte meine Eltern, aber als wir uns alle zufällig wieder sahen, da kannte er nicht mal mehr sie! Sie sind nicht ich! Was auch immer er für ein Problem mit MIR hatte, was haben meine Eltern damit zu tun? Oder meine Freunde? Oder seine Freunde? Das sind doch eigenständige Menschen, mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Erlebnissen. Ich kann solche „Sippenhaft“ nicht ganz nachvollziehen. Vermutlich wird man die Freundin zuerst noch höflich fragen, ob sie was dagegen hätte, wenn ich ihn weiterhin sehen will, weil ich ihn mochte, weil ich mich mit ihm gut verstanden habe, und weil es nicht meine „zerbrochene“ Beziehung war… Aber es wäre doch auch egoistisch von ihr, Dich ganz für sich alleine haben zu wollen, und Dir nicht mehr die Freundschaft zu gönnen, die ihr hattet… Immerhin hat sie doch irgendwie dazu beigetragen, dass ihr Euch überhaupt kennt. Und nur weil es ihr zu weh tut, dann triff Dich halt mit ihm wenn sie nicht dabei ist, aber erzähle ihr nicht haarklein alle Details, aber verheimliche es auch nicht, um es nicht wie einen „Verrat“ dastehen zu lassen. Würde sie sich denn „verraten“ fühlen? Und wenn ja, warum? Sind wir nicht alles erwachsene Menschen und können zwischen den Gefühlen, die ich habe unterscheiden zu den Gefühlen, die jemand anderer hat? Nur weil sie mit ihm auseinander geht, warum soll das für mich gelten? Ich habe auch bei meinen gescheiterten Beziehungen sogar immer versucht, weiterhin Kontakt zu behalten, immerhin haben wir uns mal geliebt, standen uns nahe. Und wieso soll ich anderen ihre Gefühle verbieten? Wieso sollte ich anderen ihre Freundschaften verbieten?

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