Kolumne

FOMO- fear of missing out. Die Angst etwas zu verpassen im Leben

18. Juni 2017 • 12 Kommentare

Ich sitze mit gepackten Koffern in meiner Wohnung. Ich bin ready to go. Ich will endlich einmal länger etwas genießen und das auch noch mit dem Menschen in meinem Leben teilen, der mir am wichtigsten ist.

FOMO- fear of missing out. Die Angst etwas zu verpassen im Leben

Alles ist gut geplant. Ich habe alles nach To Do Liste gepackt. Ich habe mir diese kleine Auszeit, bei der die Arbeit endlich einmal an zweiter Stelle steht, verdient und brauche das auch, um neue Energie zu tanken. Ich merke meine Akkus sind leer, nicht ausgepowert, aber an der Grenze. Es wird Zeit etwas für sich zu tun, um wieder eine neue Richtung zu finden.

Seit vier Jahren ist es das erste Mal, dass wir ganz frei und ohne Druck eine Reise für uns geplant, gebucht und mit Vorfreude erwartet haben. Seit vier Jahren arbeite ich darauf hin nicht mehr überall und immer anwesend zu sein, um ja nichts zu verpassen. Ihr wisst schon, diese gewisse Base um loslassen zu können, dieses Vertrauen in meine Arbeitspartner, dass ich immer wieder kurzfristig angefragt gute Arbeit leiste, zuverlässig bin und weiß was ich zu tun habe. Ich habe Routine, einen „so gut es in der Selbstständigkeit geht“ festen Job, eine krisenfeste Beziehung und die Möglichkeit, Dinge zu genießen.

Vor vier Jahren wäre das noch nicht möglich gewesen.

Ich stand am Anfang meiner Selbständigkeit, wollte mir ewas aufbauen und hatte noch keinen Plan. Ich hatte eine grobe Vorstellung, einfach nur eine Idee von mir und meiner Arbeit. Immerhin hatte sich das mit meiner Seite und dem Bloggen richtig angefühlt. Ich bekam viel gutes Feedback, eine Menge Unterstützung von euch und Vertrauen von Kooperationspartnern. So habe ich mich auch entschieden mein Hobby zum Beruf zu machen. Dass dieser Wunsch vor vier  Jahren bei meinem Gegenüber immer nur ein müdes Lächeln auslöste, war ok. Denn selbst ich war nicht zu 100% sicher, was ich da eigentlich vorhatte. Es fühlte sich aber richtig an. Ich nahm mein Bauchgefühl ernst und setzte mich ran, nahm allen Mut zusammen und verließ meine Teilzeitstelle, um mich ganz meiner Seite zu widmen.

Rückblickend wird mir klar wie schwer mir diese Entscheidung fiel. Ich kenne nur den Wunsch nach Sicherheit, in meiner Familie war Bodenständigkeit und auf dem Teppich bleiben immer oberstes Gebot.

So war es auch wichtig sich selbst abzusichern und nicht darauf zu hoffen immer wieder unterstützt zu werden. Der erste Ferienjob war fest eingeplant. Jeder Sonntagmorgen war belegt vom Zeitungaustragen und die Sommerferien waren selten mit viel Freizeit oder Reisen verplant. Nein, ich war jobben. Ich war zuständig für mein Einkommen. Das Studium musste selbst finanziert werden und auch die Jobwahl sollte sich schon im letzten Semester meines Studiums ergeben. Das Wort Studienkredit verfolgte mich in den letzten Monaten meiner Studienzeit. Doch ich habe mich durchgeboxt.

Irgendwie habe ich es immer wieder geschafft, jede für mich wichtige Lebenserfahrung mitzunehmen, nicht jede Party zu verpassen und auch den Semsterflirt ein wenig zu genießen.

Das Bloggen war ein nettes Hobby neben dem Studium und den drei Jobs. Ich hatte trotz all den Aufgaben immer Zeit für das echte Leben. Mir fiel nicht auf, wie stressig das war und wie sehr ich darum kämpfte, alles unter einen Hut zu bekommen. Es gab keine andere Wahl. Ich hatte nie die Möglichleit etwas zu vermissen, dafür war keine Zeit.

FOMO die Angst etwas zu verpassen als Bloggerin

Vielleicht war ich deshalb mutig genug in die Selbstständigkeit zu gehen und es war nur die logische Schlussfolgerung auf all das, was ich schon erlebt und geschafft habe. Ich arbeitete in den letzten vier Jahren jeden Tag und jede Stunde an meinem Job. An dieser Seite. Ich wollte und will mich immer wieder verbessern, kämpfe mit kleinen und großen Hürden im Leben, habe es aber immer wieder auf die Beine geschafft. Jetzt sitze ich auf meinen gepackten Koffern, kann ich mir endlich einmal eine kleine Auszeit gönnen und bemerke ein mir bis dato unbekanntes Gefühl. Die Art Gefühl, für die mir bis jetzt nie Zeit blieb: Die Angst etwas zu verpassen. Sechzehn Tage lang werde ich mit einem Cabrio von L.A. über Las Vegas bis nach San Francisco touren. Zwischenstopps, neue Routen und neue Wege sind eingeplant. Alles soll entspannt und ohne Druck passieren. Einfach nur reisen und erleben, wir zwei.

Was mich aber auf einmal beschäftigt: Was werde ich verpassen? Was wird mir entgehen und werdet ihr mich einfach vergessen? Werde ich nach diesen Tagen noch da sein? Wird man mich noch kennen?

Ich weiß, es muss sich albern bis lächerlich anhören, doch es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich Zeit habe mir darüber Gedanken zu machen. Es ist das erste Mal der Zeitpunkt gekommen an dem ich das Gefühl habe, etwas zu verpassen, nicht Teil des Ganzen zu sein und in Vergessenheit zu geraten. Ausradiert. Über den großen Teich geflogen und aus den Köpfen verschwunden. Dieses Gefühl ist nicht langsam gewachsen, dieses Gefühl kam einfach über Nacht und lässt mich nicht mehr los.

Ich habe zum ersten Mal das Gefühl in meinem Leben etwas zu verpassen.

Was genau ich verpassen könnte, kann ich euch nicht einmal sagen. Ich weiß nur, dass ich genau das fühle. Noch nie habe ich so viel Freizeit für mich gehabt, noch nie habe ich dabei dieses Gefühl bemerkt. Dabei ist es einfach nur unsinnig, dabei weiß ich, was mich erwarten wird: Eine Reise, die mir und vor allem uns als Paar so gut tun wird. Kein Event, kein Job und keine Fashion Week der Welt können mir einen Strich durch meine Reise machen. Kein Like, kein Bild und keine Inspiration können mir das geben, was ich erleben werde. Trotzdem bleibt dieser kleine Fleck, an dem ich seit Tagen rubble, für den ich seit Tagen eine Lösung finden möchte.

Vielleicht kann ich es niederschreiben um euch zu zeigen, dass auch ich oft genug am Rad drehe und letztendlich durch meine aufgeschriebenen Worte erkenne, wie albern dieser Gedanke und dieses Gefühl doch sind. Sie sind aber eben auch menschlich.

Ich kann ja gar nichts verpassen, denn ich selbst schreibe die Geschichten für mein Leben.

 

Kommentare

12 Kommentare zu “FOMO- fear of missing out. Die Angst etwas zu verpassen im Leben”
  1. Kostantina sagt:

    Hi, Liebes!
    Ich kann sehr gut nachvollziehen was du da schreibst! Du hast dich aber inzwischen so gut etabliert und hast treue Lesern die dich unterstützen, da wirst du glaube ich auch ohne zwei Wochen Instagram ect. überleben 😉 Eigentlich wirst du genau die selben Bilder/ Posts wieder vorfinden wenn du zurück kommst!
    Ich hatte durch meinen Job auch immer das Gefühl etwas zu verpassen, vor allem in der Blogger Welt und leider auch privat! Durch die Jahren haben alle irgendwie es geschafft den Durchbruch zu meistern und ich bin wortwörtlich zurückgeblieben, versuche jetzt einen neuen Blog Start zu wagen, es ist aber sehr schwierig!
    Genieße die Zeit mit deinem Mann und versuche abzuschalten! Dann kommst du mit neuer Energie vollgetankt zurück und kannst wieder loslegen;)
    LG
    Kostantina
    evasgirlblog.blogspot.de

  2. Leni sagt:

    Das Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen, zwar nicht in bezug auf meinen Blog, aber auf meine „Freizeit“. Man fühlt sich irgendwie immer ganz kurz komisch, fragt sich ob alles noch so ist wie vorher, ob sich etwas verändert hat. Meistens haben sich dann tatsächlich kleine Dinge verändert, aber im Großen und Ganzen wird man doch wieder herzlich aufgenommen 🙂
    Ich wünsche euch beiden einen schönen Urlaub, sammelt tolle Erlebnisse!
    Liebe Grüße,
    Leni 🙂
    http://www.sinnessuche.de

  3. Jennifer sagt:

    Hallo Franzi,

    wie immer finde ich diesen Blogpost toll. Er regt total zum Nachdenken an und ich verstehe dich zu gut, ich denke mir auch immer ich verpasse irgendetwas, was meistens gar nicht der Fall ist! Ich wünsche dir einen tollen Urlaub und keine Angst, ich vergesse dich bestimmt nicht 😉

    Liebe Grüße aus Wien!

  4. Aletheia sagt:

    Genieße die Zeit für dich, für euch beide und nutze sie wirklich auch nur als solche, ohne alles festhalten zu wollen, zu fotografieren oder in Gedanken den nächsten Blogpost zu planen.
    Lebe einfach den Moment, denn die Erinnerungen daran sind es, die bleiben werden und Zeit in eine Beziehung zu investieren und in sich selbst ist es allemal wert.
    Liebe Grüße, Aletheia

  5. Janina sagt:

    Mal wieder sehr schön geschrieben!
    Ich habe tatsächlich das Gefühl, schon recht viel erlebt zu haben.
    Die Blumen sehen super aus. Und ich will deine Tasche! 😀 woher ist die?

    http://www.janinaloves.com/

  6. Hallo Franzi,

    Ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und habe nun diesen Beitrag gelesen. Ich bin kein besonders emotionaler Mensch, vor allem zeig ich meine tiefen Gefühle nie. Doch dein Beitrag hat in mir so ein richtig komisches Gefühl ausgelöst. Ich habe mich selbst darin wiedererkannt und verstehe dich vollkommen. Diese Angst, dass das Leben und alle guten Dinge an mir vorbeiziehen begleitet mich ständig. Nonstop stelle ich mich selbst unter Druck, ich müsse gewisse Dinge nun sofort erleben und alles so schnell wie möglich erreichen, bei allem dabei sein und und und! Dein Beitrag war sehr inspirierend, ich werde definitiv auch über diese Angst schreiben- vielen Dank für die Motivation. Besonders dein letzter Satz war sehr sehr bewegend. Ich wünsche dir eine wundervolle Reise, genieße die Zeit und erhol dich gut.

    XX valentina

  7. Barbarella sagt:

    Liebe Franzi,

    mir geht es sehr oft so, dass ich das Gefühl habe, Dinge zu verpassen von denen ich glaube, dass ich sie unbedingt erleben muss. Das erzeugt dann immer eine merkwürdige Nervosität in mir. Ich kämpfe regelrecht darum, immer dabei zu sein und nur bloß nichts zu verpassen. Manchmal dreht es sich dabei nur um eigentlich belanglose Dinge, die mir nur so vorkommen als seien sie unglaublich wichtig. Ein bisschen mehr innerer Friede wäre mir dienlicher 😉

    Liebe Grüße, Barbarella <3

    https://barbarella149.wordpress.com

  8. Charli sagt:

    Hallo Franzi,
    ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, dies ist vielleicht ein Blogger-Problem. Also, für die Berufsblogger sozusagen, denn ich lese ähnliche Themen zur Zeit auch bei anderen. Ein reines Erwachsending kann es nicht sein, oder ich habe es bei den Erwachsenen, die mich umgeben, noch nicht bemerkt. Und ich kenne dieses Gefühl auch nicht. Wenn ich etwas tue, dann denke ich gar nicht daran, was ich noch anderes tun könnte, oder ob andere gerade Cooleres erleben. Das ist mir egal. Ich denke auch, das ist der Fluch von Instagram&Co., es klaut uns das wirkliche Leben, wenn wir nicht aufpassen.
    Ich stelle es mir furchtbar anstrengend vor und wünsche dir gerade deshalb, dass du Kalifornien und Las Vegas so richtig geniesst. Reisen ohne Verpflichtungen ist doch das Tollste überhaupt. Wir lassen uns im Urlaub auch immer so richtig treiben und dann ist es total egal, ob wir alles „geschafft“ haben anzusehen, oder eben nicht. Kommen wir halt wieder. 😉
    Wenn San Francisco nicht so weit weg wäre, würde ich dort gern öfter hinfliegen. Wir haben dort auch einige Cabrio Ausflüge gemacht, aber Papa war es einfach zu heiß, er hat immer das Verdeck wieder zugemacht. Ich muss da also auch nochmal hin, wenn ich selbst fahren kann hi, hi…
    So, ich wünsche Euch einen tollen Urlaub und bin ein bisschen neidisch. Aber bald sind Sommerferien, dann gehts bei uns auch in den Urlaub. 🙂
    LG Charli von https://frischgelesen.de

  9. Izabela sagt:

    I love this outfit. Your blazer is amazing.

    Her Hive

  10. Franzi sagt:

    Ich kann nur sagen:einen ganz schönen Urlaub,entspanne,genieße und erhole Dich. Und wenn Du wieder da bist wirst du merken,alles beim alten,alle noch da und nix passiert. Kannste glauben 😉

  11. Hazel sagt:

    Oh Franzi,

    Ich weiß nicht wieso, aber beim Lesen sind mir tatsächlich Tränen in die Augen geschossen… Ich kenne dieses Gefühl und es ist schon irgendwie traurig. Wir sind so darauf konzentriert alles unter einen Hut zu bekommen, all unsere Freunde regelmäßig zu sehen, uns hier und dort zu engagieren, einfach immer zu funktionieren… Und trotz dieser Anstrengungen und Mühen, fällt es einem dann doch schwer einfach mal loszulassen und sich eine Auszeit zu nehmen. Man könnte die beste Party überhaupt verpassen, das Umfeld könnte einen ja vergessen in der Zeit/ ohne mich etwas Großartiges erleben. Und dabei sollte man sie doch einfach genießen, diese verdiente Auszeit… Bitte tue das auch, genieße sie!!! Du hast sie dir verdient 😉

    Ganz liebe Grüße aus Leipzig <3
    Hazel

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