Kolumne

Netz Moralapostel

14. Juni 2015 • 9 Kommentare

„Ich rette die Welt durch meine Worte, ich verändere dich und zeige dir, was du nicht weißt.“ Anstatt die Welt offen zu betrachten und auch anderen die Möglichkeit zu geben sich zu entfalten, haben wir es uns wohl mit der eigenen perfekten Weltansicht bequem gemacht.

Netz Moralapostel

Vor unseren Hightechgeräten, mit unserer Massenware am Körper und unseren alljährlichen Low Budget Pauschalurlauben in warme Länder fletzen wir uns in unseren schwedischen Sessel und essen das Schnäppchen aus dem Supermakt. Wir wollen eigentlich nichts verändern- wir wollen nur, dass andere es tun. Wir wollen sehen, dass sie alles richtig machen, jede Lücke im System aufdecken und ja nicht einfach nur leben und genießen. Denn wir wissen doch was schlecht ist, nur wir persönlich wollen nicht darauf verzichten. Bei sich selbst anzufangen und sein Wissen zu teilen wäre vielleicht aufwendiger, daher nutzen wir das Netz, unsere Freizeit und das gute Geld für wichtigere Dinge. Wir lesen haarsträubende Artikel, sind fassungslos über unglaublich korrupte Machenschaften und bedauern die armen Länder um ihre große Armut und dann teilen wir es mit allen und weisen andere auf ihr Nichtwissen hin und was sie zu tun haben. Aber was kommt denn danach? Was ist denn nun mit den ersten Schritten? Was ist denn mit der Hilfe für andere? Ja, das muss jemand anderes erledigen, denn wir müssen doch den anderen erzählen was sie alles falsch machen und noch nicht wissen. Stimmt.

 Versteht mich nicht falsch, ich bin genauso ein Teil dieser Gesellschaft und schaffe immer nur kleine Schritte. Ich versuche all das was schief läuft auch zu verstehen, zu verarbeiten und irgendwie meinen Part dazu beizutragen. Doch nichts ist so frustrierend wie der angeblichen Keule der Wahrheit immer wieder ausweichen zu müssen, die eigentlich nur genutzt wird, um anderen zu zeigen: Ich weiß es besser und muss es dir immer und überall sagen. Diese Art des Auftretens denkt nicht an andere, nur daran sich selbst darzustellen. Denn anstatt einfach Hilfe anbieten, das Wissen mit anderen zu teilen und andere auch bei kleinen Schritten zu unterstützen, suchen wir den Fehler. Irgendwo machen doch andere irgendwann immer etwas falsch. Dann sind sie zur Stelle, die Netz Moralapostel. Daher sage ich euch, ihr kleinen Netzgrimmlinge- Ich gehe das jetzt einmal anders an und werde in meiner näheren Umgebung helfen- denn da können wir anfangen. Wir können uns immer über die Armut in fernen Ländern aufregen, über die Umwelt- und Tierprobleme, aber das tun wir auch nur aus einem Grund: Was weit weg ist, können wir selten beeinflussen, wir können es aber für uns selbst nutzen um uns im Netz besser dastehen zu lassen! Aber hier, gleich in der Nachbarschaft, können wir starten. Das mache ich diese Woche, ich will nicht nur labern, ich möchte etwas tun! Ich erzähle euch dann davon!

Liebe Grüße

Kommentare

9 Kommentare zu “Netz Moralapostel”
  1. Sabrina sagt:

    Hey Franzi,
    ein sehr guter Text, de

  2. Sabrina sagt:

    Hey Franzi,
    bei einem vorherigen Versuch habe ich versehentlich eine falsche Taste erwischt und damit einen Rumpftext abgeschickt. Deshalb hier noch einmal, jetzt hoffentlich vollständig:

    Ein sehr guter Text von dir, der hoffentlich viele zum Nachdenken anregt. Ich bin gespannt auf Deine Berichte vom Tun. Will auch überlegen, was ich tun kann.

    Das Bild von dir ist wunderschön. Sag ich’s doch: Du gehörst eindeutig zu den Frauen, die eine schicke Brille noch hübscher macht als sie ohnehin sind.

    Ganz liebe Grüße
    Sabrina

  3. Schöner Post 🙂 Und auch das Bild mag ich sehr gern, denn die Brille steht dir echt richtig gut !

  4. Kali P. sagt:

    Ich tue was für mich. Für mein gutes Gewissen. Kleinigkeiten, weil ich die Welt nicht retten kann und das für mich auch etwas viel Verantwortung wäre. Fleisch Bio und nicht so oft. Eier Bio oder frisch von meinen Großeltern. Tomaten, Erdbeeren, Möhren und anderes Obst/Gemüse aus dem Garten. Da weiß ich, wo´s her kommt und was drin ist. Lieber frisch als fertig und lieber gute Qualität als billig.
    Ich komme nicht an jedem Schnäppchen vorbei und kaufe auch bei H&M, ich bin keine Heilige und kein Besser-Mensch – will ich auch gar nicht sein.
    Aber ich stehe zu meiner eigenen Wahrheit.

    http://nofashionandlifestyle.blogspot.de/

  5. Melina sagt:

    Gute Text! Stimme dir da auch voll zu. Nur das bloße Wissen über bestimmte Missstände macht keinen zum besseren Menschen. Mich hat die letzte Diskussion zum Thema Abu Dhabi auch ziemlich aufgeregt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
    Ich glaube nur, dass diese sogenannten Netz-Moralapostel sich natürlich nicht angesprochen fühlen werden. 😉

  6. Schöner Post, du hast total Recht! Es gibt genug Wege etwas zu tun und wenn jeder seinen kleinen Teil beitragen würde, wäre die Welt schon lange ein besserer Ort.:)

  7. Mary sagt:

    Sehr schön geschrieben und da hast du recht! Ich habe gestern die ganze Zeit darüber nachgedacht, nachdem ich in dem Film „A world beyond“ war und ich rate dir, schau Ihn dir an, es lohnt sich. Man konnte 1 zu 1 alles auf Heute auf Jetzt und die Gesellschaft übertragen und es hat echt zum Nachdenken angeregt.

    Zum Thema was tun, ich habe erstmal für Nepal gespendet. Besser etwas als nichts tun.

    Liebst,
    Mary von http://www.mintmary.com

  8. Yvonne sagt:

    Super Einstellung liebe Franzi!
    Umso schöner, wenn andere darauf aufmerksam werden und dann vielleicht auch so denken. Kennst du den film „Das Glücksprinzip“? Ein sehr berührender Film über einen Jungen, der der Meinung ist, dass die ganze Welt Gutes tun kann – must see!
    Alles Liebe und eine tolle Woche,
    Yvonne

    http://lovelyforliving-mag.com

  9. Leni sagt:

    Ich lese sehr gerne deine Texte, finde es aber manchmal recht schwer, ihnen zu folgen, weil recht viele Kommata fehlen… Das stört den Lesefluss bei mir leider ziemlich, weil die Sätze dadurch ihre Struktur verlieren. Ist nur als netter Tipp gemeint, darauf vielleicht in Zukunft mehr zu achten.

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